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Jüdische Zeitung · 1917-03-09 · 10 (9.3.1917) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
10 (9.3.1917)
Date
1917-03-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nh 10 käme, in weiterem Umfange als bis jetzt Unterstützungen zu gewähren, sondern um eine Dekkung für bereits seit längerer Zeit gegenüber allen Flüditlingskomitees und den notleidenden Gemeinden in Galizien und Russisch-Polen übernommene Verpflichtungen. Während des ganzen verflossenen Winters haben die Subventionen der Israelitischen Allianz an zirka 200 Flüchtlingskomitees in Böhmen, Mähren, Schlesien, Ofcerösterreich, Steiermark, Salzburg, und in Wien insgesamt monatlich nahezu Kronen 300.000, die Subventionen in Galizien monatlich K 150.000 und in Russisch-Polen m onatlich K 127.000 ausgemacht, wobei außerordentliche einmalige Beiträge nicht mitgerechnet sind, ln einem detaillierten Berichte, welchen die Israelitische Allianz über die Aktion bis zum 31. Dezember 1916 an das Hilfskomitee in Newyork erstattete und in welchem alle unterstützten Orte nebst den verwendeten Summen angegeben waren, waren für die Zeit vom1 1. .Juni 1916 bis Ende des Jahres allein Tür Flüchtlinge K 1,968.542, für Galizien K 910.870, für Russisch-Polen JC 915.300, außerdem' für die Hilfsaktion in Ungarn (durch das auf Veranlassung der Israelitischen Allianz von Vertretern aller Parteien gebildete, von Hofrat Franz Szekely gelötete Hilfskomitee) K 430.429 ausgewiesen. Diese, ■ dank der Hochherzigkeit der amerikani- .sehen Glaubensgenossen in so großem Umfange geleitete Aktion hätte bald eingestellt werden müssen, wenn das Komitee in Newyork nicht durch Vermittlung des Staatssekretärs Lansing in Washington der ATIianz’durch einen neuen Beitrag zu Hilfe gekommen wäre. Dadurch ist der Verein imstande, im Rahmen der bis jetzt übernommenen Verpflichtungen die Aktion durch einen gewissen Zeitraum fortzusetzen. Es wird uns gleichzeitig mitgeteilt, daß Unterstützungsgesuche einzerner Personen oder Familien von der Zentrale in Wien aus nicht in Behandlung gezogen werden können. Die Hilfsaktion ist so organisiert, daß jeder Ort einem' Fürsorgekomitee untersteht, an welches sich die einzelnen Petenten zu wenden haben. - Aus der zionistischen Partei Die Tätigkeit der zionistischen Parteileitung erstreckte sitb in den abgelaufenen Monaten auf ein. weites- Arbeitsgebiet. Neben der großen Zahl von laufenden Angelegenheiten, die es zu regeln galt, neben der Fürsorgetätigkeit für die Flüchtlinge, die alle verfügbaren Kräfte absorbierte, hat das Exekutivkomitee in wöchentlichn Sitzungen, die unter dem Vorsitz des Präsidenten Adolf Stand und des Vizepräsidenten k. k. Reidhsratsrevisor Rudolf T a u s s i g abgehalten wurden, eine Reihe von Gegenständen in den Kreis seiner Erörterungen gezogen und zum Teil der Erledigung zugeführt, die die jüdische Oeffentlichkeit stark berühren. So wurde zu der Frage der Gemeindeorganisation Stellung genommen und dieser Frage die größte Aufmerksamkeit zugewendet. Auch die Angelegenheit der Waisenkinderfürsorge, eine der brennendsten Fragen, welche das jüdische Volk in nächster Zukunft zu lösen haben wird, wurde in mehrmaligen Beratungen einer gründlichen Besprechung unterzogen. In ener eigenen Sitzung wurden die Sn Lemberg inaugurierte Aktion Izur Linderung der Notlage der dortigen Juden, sowie die in der Waisenangelegenheit getroffenen Maßnahmen in eingehender Weise besprochen. Es wurden nach eingehenden Debatten wichtige Beschlüsse gefaßt, Pläne für den Wiederaufbau der durch den Krieg zerstörten jüdischen Existenzen aufzustellen und nach Mitteln und Wegen gesucht, um die. insbesonders Für das jüdische Volk katastrophalen Folgen des Krieges zu mildem. Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit des Exekutivkomitees bildete das behördliche Verbot der Benützung der Prager Straßenbahn und der Fisenbahn in Umkreisen von 20 Ki'ometem von Prag seitens der in Prag untergebrachten „israelitischen“ Flüchtlinge aus Ga'izien undder Bukowina. sowie deren Beschränkung beim Lebensmitteleinkauf auf bestimmte Einkaufsstellen und bestimmte Stunden. Die Schritte, welche wegen gänzlicher Auflassung des Flücht’ingsha'-acken’agers in Deutsch- Brod seitens des Exekutivkomitees unternommen wurden, wraren schon Gegenstand einer Meldung in diesem1 Blatte. Die Ergebnisse des deutschen Delegiertentages und die von .ihm eingesetzte Kulturkom1misSion, in welche auch zwei österreichische Mitglieder gewählt wurden, gaben die Veran'assung zu eingehenden Erörterungen. Es wurde, der Wunsch geäußert, die Tätigkeit der Deutschen Kulturkommission nicht auf österreichische Verhältnisse erstreckt zu sehen. Die trüben Nachrichten, die aus Palästina einliefen, fanden ihr Echo in Sammlungen des Fxekutiv-Komitees für das Palästinahilfswerk. Fbenso lagen ihm am Herzen die Sammlungen für den Schekel und den Mischmar. Den breitesten Rahmen in den Beratungen des Exekutivkomitees nahmen begreiflicherweise die Frage der Sonderstellung Galiziens und der Wiedererrichtung des selbständigen Königreiches Polen ein. In vieltägigen Besprechungen wrurde der Beschluß gefaßt, kompetenten Ortes ein Memorandum zu überreichen, in welchem'im Namen der nationalbewußten Juden, im Interesse einer gedeihlichen Entwicklung des Landes, eines friedlichen Nebeneinanderlebens der Völker, die es beuuhnen, und kraft der unveräußerlichen Rechte, die jedes Volk auf Existenz und Entwicklung hat, die Forderung gestellt wird, daß die Juden Galiziens als Nation öffentlich-rechtlich anerkannt werden und demgemäß als solche alle Rechte erhalten. Als wichtigstes dieser Rechte wird die Schaffung einer nationalen Wahlkurie für die Juden in allen Vertretungskörpern Galiziens gefordert. Wie man sieht, eine Summe von Tätigkeit, die, so geräuschlos sie auch vor sich geht, und .so' w'enig in die Augen springend die Erfolge für die Außenstehenden sind, doch an die Tatkraft und Opferw'illigkeit jedes einzelnen Mitgliedes des 'Exekutivkomitees Anforderungen stellt, denen es nur mit Anspannung aller Kräfte gerecht zu werden vermag. Zionistische Studentenorganisationen in der Schweiz. Neben dem „H e c h a w e r“ arbeitet in der Schweiz die jüdisch-akademische Verbindung „1 vriah“, die in der Vorbereitung der zionistischen akademischen Jugend für die' Arbeit in Palästina ihre vornehmste Aufgabe erblickt. Zur systematischen Durchführung ihrer Arbeit hat sie ein Orientalisches Seminar eingerichtet, dessen Leitung in den Händen von-Dr. A. Braunstein liegt i— Am 28. Jänner fand in Züricheine' vom Kartell Jüdischer Korporationen der Schweiz aut Anregung der „Ivriah“ einherufene Versammlung an'äßüch des 20jährigen Bestehens des politischen Zionismus statt. Herr Dr. RA. Friedemann aus Berlin, Mitglied des Großen Aktions-Komitees, sprach über die Entwicklung des Zionismus im Laufe dieser zwei Jahrzehnte und .über Theodor Herzl. Als zweiter Referent sprach Herr Dr. OI (s c h w a n g e r iaus Bern1, über die „Zionistische Dienstpflicht“, worüber Robert Weits ch. kürz’ich geschrieben hat. Nach eingehender.^ Diskussion wurde beschlossen, das Engere Aktions-Komitee aufzufordem, diesem .Vorschlag seine ernste Aufmerksamkeit zuzmvenden. Alle Mitglieder der Verbindung „Ivriah“ verpflichteten sich, dem entsprechenden Rufe seitens des EAC unbedingte Folge zu leisten. Die Propagierung dieser Idee in wuiten Studentenkreisen wurde den Mitgliedern der Ivriah zur Pflicht gemacht Der Tod von Gregori Aronnwifz Lurie, wird aus Petrograd gemeldet. Sein Hinscheiden be-. deutet einen schwuren Verlust Für die zionistische Organisation. Der Verstorbene, der einer angesehenen jüdischen Familie in Pinsk entstammt, hat zuerst den Cheder, dann das Gymnasium in Frankfurt a. M. besucht und danach das Polytechnikum in Karlsruhe absolviert. Er gehörte zum engeren Freundeskreise von Herzl und hat an den meisten, zionistischen Kongressen‘teilgenommen. Mit Wolffsöhn und Kann zusammen leistete er die Vorarbeiten Tür die Gründung der Jüdischen Kolonialbanft, deren erstem Direktorium er angehörte. Der Verkauf 'von TOO.OOO Aktien der Kofonialbänk in Rußland war in erSfer Linie seiner .Tätigkeit zu danken. Der Verstorbene hat auch an der Arbeit der „Jüdischen Bildungsgesellschaft“ und der „Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Handwerker und Ackerbauer“ aktiven Anteil genommen. Lange Jahre hindurch war er Ver- . trauensmann der I. C. A. in Rußland. Die 20. Jahreskonferenz der „Knights of Zion“ wurde am 29. Dezember in Minneapolis-St. Paul eröffnet. Der Präsident des Ordens, Max Shulman, führte den Vorsitz. Herr Leo Zolotkoft, der Vorsitzende des Exekutivkomitees' der „Knights of Zion“, erstattete den Tätigkeitsbericht, den er dahin zusammenfaßte: „Während des Berichtsjahres brachte der Orden „Knights or Zion“ 40.000 Dollars F'ir zionistische Zwecke aut, 28 neue Organisationen haben sich angeschloSsen und die Mitgliederzahf ist um wenigstens 1200 gewachsen. Es wurde beschlossen, den Namen „Kiiights of. Zion“ zu ändern. Der Beschluß wurde angenommen und die Organisation führt jetzt den Namen „Federated Zionist Societies of the Middle-West“. Die Wahlen ergaben folgendes Resultat: Ehrenpräsident Judge Julian W. Mack, Präsident Max Shulman, Vizepräsidenten Sam G i n s b u rg, Vorsitzender des Exekutivkomitees Leon Zolotkoff, Sekretär Prof. S. A. Hoffmann. Aus Palästina Eine neue jüdische Siedlung. Bis auf die letzten .Jahre gab es in Beer Seba, einer der ältesten Städte Palästinas von zirka 1000 Einwohnern, keine jüdische Bevölkerung. Die Versuche der Juden, sich in dieser bedeutenden Stadt niederzulassen, blieben vereinzelt. Dank der neuen Hedschasbahn begann sich die Stadt zu entwickeln und zog auch eine größere Zalli jüdischer Arbeiter und Händler an, denen es jetzt gelungen ist, in der Stadt festen Fuß zu fassen. Die Zahl der eingewanderten Juden, die dort bei der Anlage der Eisenbahn tätig sind, erreicht die Höhe von 130, abgesehen von den vielen Juden, die Geschäfte halber ab und zu in der Stadt weilen. Mit dem Wachstum der jüdischen Bevölkerung entstand auch das Bedürfnis nach Organisation. Vor kurzem verschrieb sich die neugebildete jüdische Gemeinde in dieser südlichsten Stadt Palästinas einen Schochet aus Hebron. Jetzt ist auch eine Synagoge eröffnet und eine freiwillige Selbstbesteuerung zur Deckung der. Gemeindeunkosten eingeführt wurden, die monatlich 250 Mark aufbringt. Prof. Boris Schatz, der Gründer und Leiter des „Bezalel“ in Jerusalem, feierte seinen 50. Geburtstag. Im engen Kreise seiner Freunde, Schüler und der Vertreter der gesamten jüdischen Intelligenz Jerusalems wurde dieser Festtag feierlich lind freudig begangen. Vom heb-äischen Gymnasium in Jaffa berichtet J. Feldmann: Vor Kriegsausbruch zählte das Gymnasium' 780 Schüler und Externe, von denen ' mehr als die Hälfte aus Rußland waren. In den Sommerferien 1914 reisten über 100 Schüler nach Rußland, um ihre Eltern , zu besuchen. Diese Schüler sind selbstverständlich nicht mehr nach Palästina zurückgekehrt. Aber auch von den in Palästina zurückgebliebenen. ausländischen Schü'ern konnten etwa 150 den Weg zu ihren Angehörigen finden. Immerhin verblieben in jaffa mehr als 150 Schüler, deren Eltern in der Kriegszone iwohnen. Für diese Kinder mußte nun das Gymnasium' sorgen, was in finanzieller Hinsicht sehr schwierig war, da mit den lEltern zumeist keine Verbindung unterhalten werden konnte u"d von ihnen recht spärliche Beträge für den Unterhalt ihrer Kinder kamen. Noch jetzt. bildet diese Frage für die Direktion des Gymnasiums die schwierigste Aufgabe und sie rechnet dabei auf tätige Hilfe aller Freunde dieser Anstalt. Gegenwärtig zählt das Gymnasium Zirka 500 Schüler; von 'diesen besuchen augenblicklich 60 die türkischen Offiziersschulen. In diesem Schuljahr ist eine Anzahl Jerusalemer Schüler aufgenpm« men worden,, da das dortige, allgemein so außerordentlich geschätzte Gymnasium, zurzeit geschlossen ist. Das Jaffaer Gymnasium gibt 76 Schülern vollen Unterhalt und 63 Schülern eine monatliche Subvention von durchschnittlich je 2 türkischen Pfunden. Der Ma-ineminister und Oberkommandierende der IV. Armee, Se. Ex. Ahmed Djemai Pascha, hat wiederholt dein Gymnasium Besuche abgestattet. Das letzte Mal erschien er zusammen mit einer Deputation aus Konstantinopel, bestehend aus Kammermitgliedern und anderen Persön’ichkeiten. Die Gesellschaff verbrachte über eine Stunde in der Aula des Gymnasiums. :Ein Mitglied der Deputation dankte in einer warmen Rede für' die Kulturarbeit, die das Gymnasium hier leistet. Diese stille, ernstfl Zeit würd von den Lehrern dazu benützt, hebräische Lehrbücher zu verfassen. Einige sind bereits erschienenen, einige andere befinden sich noch im Druck. Im dritten Kriegsjahr hat sich die finanzielle Lage des Gymnasiums sehr verschlimmert. Bei aller nur erdenklichen Einschränkung wird die Anstalt in diesem Fahre zur Erhaltung der 139 ausländischen Schüler sowie . für das eigentliche Budget zirka 290.000 Francs brauchen. Vorläufig kann man mit Sicherheit ■nur auf rund 110.000 Francs an Bewilligungen und voraussichtlichen' Einnahmen rechnen. Hoffentlich wurden die treuen Freunde dieser Anstalt es an schleuniger Hilfe nicht fehlen lassen. Zionisten im Felde Fr. Stephan Ausländer, A. H. des „Jung-Juda“, wurde neuerlich für hervorragende Tapferkeit vor dem1 Feinde mit der großen silb, ■ Tapferk'eitsmedaille dekoriert. — Fhr. Leizor Hirsch und Fhr. Lois Kü n s 11 e r (beide „Zirei Zion“ Kolomea), wurden mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille II. KI. ausgezeichnet. Fhr. Hirsch wurde gleichzeitig zum Leutnant i. R. befördert. — Fhr. Naftali Nus'senblatt und Fhr. Hermann Schnurmacher (beide „Zirei Zion“ Stryj), wurden mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille I. bezwr. II. Klasse ausgezeichnet und beide gleichzeitig zu Leutnants i. R. befördert. Folgende A. H. A. H. der Z. G. V. „Jordania“ Wien, im K. Z. T. V. wurden zu Leutnants befördert: Eduard Stricker, Paul Steiner, Viktor Seidl, Emil Pallatschenko und Jakob Wandstein. — Fhr. Ernst Grunberge r bei F. H. R. 12, jetzt Verwundeter in Spi- . talsbehandlung, wurde für tapferes Verhalten vor dem1 Feinde mit der kl. silb. Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. — Fhr. Isaak Gans aus Przemysl beim k. u. k. 15 cm-Halbbataillon, erhielt für tapferes Verhalten vor dem Feinde die bronz. Tapterkeitsmedaille. — Fhr. R. W. Lobert, Mitglied der Jüd.-akad. Verbindung „Emunah“-Bielitz, bereits im Besitze der kl. silb. und der forönz., erhielt die große silb. Tapferkeitsmedaille. Personalnachrichten Unser Gg. Herr Prof. Alfred Engel erlitt einen schweren Verlust durch den Tod seiner Mutter, .Frau Johanna Engel, geb. Fischer. Die Beisetzung fand am 4. März auf der israelitischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofes statt. Wir sprechen unserem verehrten Gesinnungsgenossen unser wärmstes Beileid aus. Ankündigungen Die israelitische KuTtusgemeinde Wien lädt zu einer öffentlichen Plen arsi tzu ng, die ■■ ■ . fs Gesinnungsgenossen, abonniert die „Jüdische Zeitung!“

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