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Jüdische Zeitung · 1917-03-02 · 9 (2.3.1917) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
9 (2.3.1917)
Date
1917-03-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG \ Nr. 9 werden zu dicken Bänden. Fürs nächste Jahr and 5000 Chelazim bereit. <; Was in Wien geschah, ereignete sich in mehreren anderen Orten, so daß in Palästina in kurzer Zeit mehrere Kolonien eingerichtet, mit Häusern, Straßen, Wasserleitung und Kanalisation versehen werden. Einheimische Arbeiter, bedeutend vermehrt durch gebliebene Chelazim haben ausreichende Beschäftigung, um .zu vollenden^ Die Tätigkeit der freiwilligen Aerzte und Pfleger hat sich auf sanitärem und hygienischem Gebiete bemerkbar gemacht. Wanderlehrer und Wanderbünde haben dem nationalen Leben Palästinas neuen Schwung verliehen. Die aufgelaufenen Kosten wurden durch die nutznießenden Gesellschaften und Privaten be-, schafft und beliefen sich aut ein Minimum, d& ja nur für Verpflegung und für provisorische Unterkunft in Zelten und dergl., sowie für wenige Kranke zu sorgen war. Ueberdies brachten begüterte Teilnehmer Geld ins Land. \ Auf Grund neuer Erfahrungen wurde die Institution verbessert, wobei insbesondere auf den Zuzug von wirtschaftlich und moralisch Begabteren hinzuweisen möglich war. Die nunmehr nur hebräisch erscheinende Zeitung „Hacheiazim“ ist ein die ganze jüdische Welt verbindendes Band geworden. Die Reise» nach Palästina gehören zJum guten Ton, größere Kapitalien wagen sich heran. Das Arbeitsfeld wird ertragreicher und vielfach bebaut. Das hebräische Schulwesen nimmt einen bedeutenden Aufschwung, der Zuspruch aus der. ganzen Welt wächst. Hebräische Kunst lebt in den Künstlern und Genießern. ■Ewige Sehnsucht wird zur Wirklichkeit: Der neue Tempel in Jerusalem! Ganz Juda rafft seine geistigen und materiellen Werte zusammen und es entsteht das helle, strahlende Friedenswerk, der Mittelpunkt- Judas und der ganzen Welt! 12.5 Millionen Juden sind 12.5 Millionen Geldstücke; alle Künstler helfen beim Bau, alle Geister helfen beim Dienste Gottes. Ein gewaltiges Haus faßt die Abertausenden und ein Chor, der erzittern macht und weinen vor Freude, erhebt das Herz. Die Harfe, Geige, Zimbel und Flöte, das Horn und das Schofar geben ihm das Rückgrat. Uralte Lieder ertönen in der lebendigsten Sprache zum Lob und Preis der Allmacht, in Liebe und Demut. Das Herzblut des jüdischen Volkes _pulsiert wieder lebendig aus seinem Herzen Palästina nach allen, weiten feinen Gliedmaßen. Im Felde. Ing. Jacques Ornstein. Die zweite Sitzung des amerikanisch-jüdischen Kongreßkomitees. Am 14. Januar 1917 hielt das Administrations-Komitee des Exekutiv-Komitees für einen Amerikanisch-Jüdischen Kongreß seine zweite Sitzung ab. Auf der Tagesordnung stand der Bericht des „Komitees für Wahlmethoden“. Der Vorsitzende dieses Komitees, Prof. Isaac Hourwich, gab einen Bericht, der auf einem genauen Studium der statistischen Angaben über die jüdische Bevölkerung Amerikas gemäß der letzten Volkszählung und des letzten American Jewish Year-Book beruhte. Er beantragte die Wahl von 295 Delegierten aus den verschiedenen HlllSllllHllillimiilillilillll8niHtlHlMI!illll!llllllll!lllilllillHllllliillliBlinilillBilll8llBllllllBlllllHll!lllinilllllill!illllillimillllllinillilB118BBIli An unsere Gesinnungsgenossen im Felde. Ein im Felde stehender Offizier schreibt uns: „20. Februar 1917. Löbliche Redaktion! Ich habe erfahren, daß die „Jüdische Zeitung“ an Offiziere und Soldaten im-Felde unentgeltlich gesandt wird. Für Mannschaftspersonen finde ich diesen Vorgang ’ gerechtfertigt. Offiziere aber sind in der Lage, das Abonnement zu bezahlen und sollen dies umso eher tun, als es; heute eine unabweisbare Pflicht ist, die „Jüdische Zeitung“ in ihren Bestrebungen zu unterstützen. Mit Zionsgruß! N. H—m, Ltn.“ Wir sind überzeugt, daß unsere Gg. im Hinterland, Etappe und Feld, die eine höhere Charge bekleiden, ihre Zustimmung zu dem Appell ihres Kameraden durch die Tat beweisen. Die Geschäftsstelle. iiillllillliilillUlliH Kongreß-Distrikten, in welche die Vereinigten Staaten zu diesem Zwecke eingeteilt werden müßten .Außerdem sollten noch 100 Delegierte (25 Prozent der Gesamtzahl nach dein Uebereinkominen) von den verschiedenen aineriKanisch-jüdischen Organisationen ge wärt 1t werden, gemäß den Größe und Bedeutung der Organisationen. Allen Juden und Jüdinnen im zur Wahl berechtigten Alter steht die Wahl frei. Diejenigen jedoch, -die keiner Organisation angehören, können sich zum Zwecke der Kongreß - wählen in 'besondere Kongreß-Organisationen Zusammenschlüßen. Diesem bericht folgte eine lebhafte Debatte. Louis Marshall trat für die oemokratische Durchführung der Wahlen ein. Er schlug tür die jüdischen Kongreß wählen das System der städtischen, staatlicnen und nationalen Wahlen vor, nämlich nach Wahldistrikten. Wegen der andersgearteten Konstitution des jüdischen Gemeinlebens in Amerika wurde dieser Vorschlag abgelehnt. Die Hauptdiskussion rief jedoch die Frage der Vertretung der „nationalen (d. h. amerikanisch-jüdischen) Organisationen“ hervor. Einander widersprechende Definitionen des Begriffes „nationale Organisationen“ wurden gegeben und der bericht wurde schließlich einem Komitee zur nochmaligen Beratung und späteren Vorlegung zurückgegeben. Der nächste Bericht wird in zwei Wochen erstattet werden. Man glaubt jedoch schon heute, daß folgender Modus' angenommen werden wird: Alle diese Organisationen werden eine gleichmäßige Repräsentanz, jede zwei Delegierte entsenden dürfen, in gleicher Weise wie' die Repräsentanz in" dem Senat der Vereinigten Staaten geordnet ist. Dadurch wird die Total-Mitgliederzahl des Kongresses ein wenig reduziert werden, da nur 45 derartige Organisationen bestehen. In diesem Falle werden also diese Organisationen 9Ö Delegierte entsenden dürfen, und alle Stimmberechtigten zusammen 270. Es wird also insgesamt 36 0 Delegierte geben. Die Nachmittagssitzung war dem Bericht gewidmet, den die „Kommission zur Wahl von "Mitgliedern in die verschiedenen Kommissionen“ ausgearbeitet hatte. Es sollten nach dem Vorschlag des Berichtes Kommissionen für die Lage der Juden in Rußland, Rumänien, Galizien, Polen, Litauen, Palästina, Balkan - Staaten und Saloniki ernannt werden. Außerdem wurde die Bildung folgender Kommissionen empfohlen: für Hilfe zum Wiederaufbau, für internationalen Verkehr (Korrespondenz) und eine besondere Kommission, um gegebenen Falles Lücken im' Administrations-Komitee auszufüllen oder dies zu er- ’ weitern. Die Debatte war wieder sehr lebhaft, als die Diskussion über die für die' Lage der Juden in Rußland und Palästina einzusetzenden Kommissionen begann. Die einen, Schlüget! vor, daß die Kommission für die Judenfrage in Rußland nicht ihre eigenen Vorschläge dem Kongreß vorzulegen. hätte, sondern sich darauf beschränken solle, die Wünsche der verschiedenen. Parteien innerhalb der rassischen Judenheit •vorzutragen. Die anderen behaupteten, daß der amerikanisch-jüdische Kongreß als Sprachrohr der Judenheit der ganzen Welt zu betfacHtefl sei und deshalb berechtigt sei, seine eigenen Vorschläge zu machen. Es wurde endlich beschlossen, daß die Kommission die Wünsche der verschiedenen Parteien berichten und zu gleicher Zeit auch ihre eigenen Vorschläge vörlegen soll. Die verschiedenen Kommissionen’ werden f ü n f bis sieben Mitglieder haben und vo;m Präsidenten ernannt werden. Die östliche Judenfrage. Von Davis T riet sch. (Sühluß.) Auf;äile fälle sind (die Juden der osteuroäischen Länder in irtdustrieller Hinsicht hoch efähigt, wie beispielsweise aus ihren Leistungen in-so stark entwickelten Industrieländern wie den Vereinigten Staaten und Großbritannien hervorgeht. In der Türkei aber ist auch die agrarische Seite der Volkswirtschaft noch so Wenig auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit angelangt, daß dort für eine einigermaßen rasche industrielle Entwicklung ein einheimisches Volkselement schlechterdings nicht zur .Verfügung steht. Man wird also schon aut Grund der einfachsten Ueberlegung eine jüdische Einwanderung nur begrüßen können, Von der eine solche Verselbstänjdigunjg der türkischen Wirtschaft zu erwarten ist. Dabei ist natürlich die Industrie nur das vernünftigerweise nächstliegende — keinesfalls aber das einzige •—■ mögliche Betätigungsfeld einer großen jüdischen Einwanderung. Auch die Landwirtschaft, .unter deren Zeichen /bisher m'erkfwürdigerweise fast, alle jüdische Örientpropaganda vor sich ging, ist imstande, sehr große Massen von Einwanderern in ganz kurzer Zeit zu ernähren. Die Vorbereitungsarbeiten für eine rasch anwachsende .Einwanderung bieten sogar Vom ersten Tage an nicht nur dem Kapital, sondern auch den Arbeitskräften Johnen.de und sichere Betätigung., - In der Landwirtschaft selbst werden die Juden allerdings neue Wege beschreiten müssen, die ihnen andererseits wieder viel besser entsprechen werden, als die Landwirtschaft des russischen Bauern oder syrischen Fellachen, die sie in der alten und in der neuen Heimat vor sich sehen.; ‘ Der an die Weltwirtschaft anges'chlossene Orient (dieser Zustand ist noch von sehr geringer Dauer . und wird erst eigentlich in dem Maße, erstarken; - in dem die ■ Produktion 'des Orients sich ihren neuen Absatzmöglichkeiten anpaßt), gehört in seinen wuchtigsten Teilen zu einem ausgesprochenen landwirtschaftlichen Vorzugsgebiet für subtropische Kulturen. Während nun die Landwirtschaft der gemäßigten Breiten bereits einen gewissen Hochstand aufweist (der allerdings meiner Ansicht nach von einem1 auch nur annähernden Höchststand noch außerordentlich weit entfernt ist) und während die tropische Landwirtschaft, so weit sie „kolonial“ — also ebenfalls von der landwirtschaftlichen Technik der zur gemäßigten Zone gehörigen Kolonialstaaten beeinflußt ist — ebenfalls bereits ihre Systematik besitzt, ist auf dem Gebiete der subtropischen Landwirtschaft, noch außerordentlich viel zu leisten. . Auf diesem „Neuland.“ haben die der Landwirtschaft ungewohnten aber auch inkeiner rückständigen Landwirtschaft befangenen Juden eine sehr große Möglichkeit, bahnbrechend zu wirken. Die Entwicklung der subtropischen Landwirtschaft kennzeichnet sich als eine.solche von besonderer Technik. Beispielsweise handelt es sich dabei vorwiegend um Trockengebiete (oder 3. Zum strengen, moralischen Lebenswandel gehört einer — werdet ihr midi wohl unterbrechen wollen .—, zum unmoralischen hingegen zwei... Jawohl, dazu gehören'zwei und oft auch — mehr als zwei -.. Esther hatte Glück bei den Christen. Offiziere, Studenten, Beamte, alles was eine größere Provinzstadt an „goldener Jugend“ aufzuweisen hat, bewarb sich um Esthers Gunst, und zwar in vielen Fällen — leider — nicht ohne Erfolg. Sie liefen ihr wie Spürhunde nach, sie promenierten stundenlang, in der" Breiten-GaSse, um ihr ein Zeichen zu geben, sie ruinierten sich, für Blumen und Schokolade . Die jungen feinen Herren ... Je grimmiger sie uns 'hassen und verachten, desto glühen- « der rasen sie um unsere Töchter. Je mehr wir ihnen mißfallen, desto mehr gefallen ihnen unsere Schwestern. Sie bringen nur einer Ghettoblüle Verständnis entgegen, dafür aber dieser ein volles und ungeheucheltes Verständnis, eine uneingeschränkte, eroberungssüchtige Bewunderung... Und Esther gehörte zu den Töchtern Israel — zu unserem Glück und Stolz; zu den wenigen Töchtern Israels —, die wie junge Prinzessinnen daherschreiten, Prinzessinnen aus dem fernen heißen Morgenland, nicht aber stolz und verschlossen sind wie junge, duftende Prinzessinnen.. 4. Nicht wenig war man in der Breiten - Gasse erstaunt, als man eines Tages von der Verlobung Esther Krambaums erfuhr. Denn eigentlich hat man .sie bereits aufgegeben und ihr kein gutes Ende prophezeit. Man hätte sich daher gar nicht gewundert, wenn Esther mit < irgendeinem Strolch durchgegangen wäre oder sich in einem Kloster getauft hätte. Das wäre so ein rechter und passender Abschluß all ihrer Ju-. gendsünden gewesen. Man mutete ihr etwas anderes einfach nicht zu. Die Leute hatten nun jetzt worüber die Mäuler . aufzureissen. Es .gab auch welche Klatschweiber (beiderlei Geschlechtes), die sich um eine Sensation betrogen fühlten... „Schaut’s her — redeten sie herum .— die Krumbaums ... Glück mub man haben... So eine Tochter — und bringen sie richtig an den Mann!.. . Wahrlich, ein Wunder...“ . . Ein Wunder war es jedoch trotz-alledem nicht .Vorerst Stießen die Krumbaums auf keinen ernstlichen . Widerstand bei ihrer Tochter. All . die Jahre schäumte sie brausend empor, tollte und raste, .es fiel ihr aber nicht im Traume ein, ihre Verehrer ernst zu nehmen. Zu animalisch lebte feie (dahin, (voll jUebermiit und Leichtsinn, als daß sie sich über die Zukunft überhaupt welche Gedanken machte oder sich darüber graue Haare wachsen ließ. Sie. zählte bereits vierundzwanzig Jahre —.redete ihr Chane streng und ernst zu — es gehe weiter nicht So, sie müsse endlich einmal mit dem Schändlichen Treiben; das Sie, die Mutter, ins Grab bringe, aufhören, und wenn -sie keinen "besonders feinen jungen Mann bekommen könne, so habe sie das. nur sich selber zu verdanken... Aber ja — dachte Esther — warum denn nicht? Sie werde erne nehmen, wen die Mutter wählen wird;.. ie sei mit allem' einverstanden, wolle heiraten, natürlich, warum nicht?... ■ Und es .ging sogar nicht besonders Schwer 'zu. Tobias Krumbaum1 gab. zweitausend Gulden Milgift und Salinen Potascher, ein ziemlich herabgekommener Getreidehändler aus einem1 Städtchen im. Gebirge, Hatte gerade (der Schadchen sagte: gerade) einen Sohn im heiratsfähigen Alter — was war leichter, als aus beiden ein Paar zu machen? Freilich war der junge Mann keine Leuchte in Israel", weder an Verstand und Gelehrsamkeit, "noch an Ges'chäftstuchtigkeit, aber wenn er. dies gewesen Wäre, hätte er. ja Esther nicht genommen 5. Ein ganzes Jahr aß das junge Ehepaar Kost bei den Schwiegereltern, %vie es von vornherein verabredet war. Wjährend dieser Zeit saß Schlojme, der junge Mann, beim Talmud, wiewohl er kein großer „Lerner“ war, , oder studierte die Zeitung, und schaute rieh im übrigen nach einem Geschäft um, das er mit einem’ Anlage- und Betriebskapital von zweitausend Gulden in Angriff

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