Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 7 (16.2.1917)
- Date
- 1917-02-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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JÜDISCHE 2E1TUNO UrTT Seite 3 Seilschaft zum Schutze jüdischer Einwanderer an die amerikanische Regierung mit der Bitte, den jüdischen, durch die Härte der venizelistischen Nebenregierung zur Flucht nach den U. S. A. getriebenen Einwanderern aus Saloniki gegenüber von jeder Deportation abzusehen. Die Regierurig hat, dies Ansuchen bewilligt. Die Amerikanisch-Jüdische Hilfsaaktion. Die Gesamtsumme der beim Joint Distribution Committee eingegaugenen Gelder für die notleidende jüdische Bevölkerung betrug am 8. Dezember 1916 Dollars 6.389,422.40. Eiie amerikanische Union rumänischer Juden bildete sich in Philadelphia. Am 31. Dez. 1916 trat eine Konferenz von 230 Delegierten zusammen, die die rumänischen Juden von 19 verschiedenen Staaten der U. S. A., sowie von Kuba und Canada vertraten. Nach eingehenden Beratungen wurde ein aus den Herren JDr. P. A. Diegelstein, Solomon Sufrin, Leo Wo 1!'- %on und Dr. Y. Al. Be Iber bestehendes Exekutiv-Komitee gewählt, dessen Aufgabe die Mitarbeit zur Herbeiführung der Judenemanzipation in Rumänien ist. Zur Hilfe für die in Not geratenen Juden in Rumänien wurde beschlossen, mit der größten Energie die Sammlungen des Joint Distribution Committee zu fördern, das seinerseits die Sorge für Rumänien übernommen hat. Ferner wird das neue Exekutiv-Komitee in den Vereinigten Staaten und Kanada die Interessen der rumänischen Juden vertreten. Die Londoner „National Un'on for Jewish Rights“ hat in ihrer Generalversammlung Anfang Januar Herrn Oberrabbiner Dr. finster zu ihrem Präsidenten gewählt. Hilfsaktion der au-:tral's:hen Juden. Bis zum 27. Oktober 1916 hat die „Australisch-jüdische Hilfsaktion für die vom Kriege betrogenen Juden in ''der russischen Kriegszone“ dem Londoner Komitee die Summe von 4000 L übermittelt. Aus der jüdischen Presse Lewicky über die Ostiudenfrage. Im 8. Heft der „Neuen Jüdischen Monatshefte“ äußert sich der rutheoische Abgeordnete Dr. Lewicky über die Palästinafrage. Die polnischen Politiker verlangen die unbedingte Po- Ionisierung der jüdischen Volksmasscn im künftigen Königreich Polen; nur als polnischer Patriot könne, ihrer Ueberzeugung nach, der Jude künftighin im polnischen Staate geduldet werden. Lewicky hält die Assimilation der Ostjuden an die Polen für uurealisierbar. Die Jude'n seien eine eigene ethnische Gruppe mit nationaler Individualität, der im polnischen Staate politische Vertretungsrechte und kulturell-nationale Autonomie gewährt werden müßten. Besonderes Interesse verdient, was Lewickv über die galizischen Verhältnisse sagt: „‘Galizien ist kein polnisches, sondern im Westen ein polnisches und im Osten ein ukrainisches (ruthemsches) Land, welches jedoch infolge eigenartiger politischer Verhältnisse in Oesterreich einer starken Po'onisierungstendenz ausgesetzt ist. Diese Polonisierirgsgefahr würde sich aber in der Zukunft noch steigern, Werrn die angekündigte Sonderstellung Galiziens zur Tat werden sollte. Die polnische Gefahr für alle nichtpolnischen Nationalitäten des Landes liegt nicht etwa in der von polnischen Chauvinisten behaupteten kulturellen Ueberiegenheit der Polen — weder die Ukrainer noch die Deutschen Bitte nicht zu vergessen, daß die Abonnements unbedingt bis Ende Februar bei uns eingelangt sein müssen, sonst sind wir leider gezwungen, die Zustellung unseres Blattes so lange zu unterbrechen, bis sich die Säumigen zur Absendung des fälligen Bezugspreises entschlossen haben. drückenden polnischen Herrschaft entrückt würde. An der vernünftigen Lösung der galizischen Frage ist das Judentum in ganz Galizien stark interessiert. Das vom Gesamtstaate sondergesteilte und den Polen ganz ausgelieferte Galizien müßte die Lösung aller Bande des galizischen Judentums mit ihren Konnationalen im übrigen Oesterreich zur Folge haben und es genügt nur. auf die zahlreichen wirtschaftlichen, finanziellen und handelspolitischen Interessen der österreichischen Juden im Lande im allgemeinen hinzuweisen, um die ganze Tragweite der galizischen Frage und deren Lösung allen Einsichtigen und Weitblickenden vor Augen zu führen “ Aus der zionistischen Partei! stehen in dieser Beziehung den galizischen Polen nach —, sondern einzig und allein in der staatlich-administrativen Bevorzugung des Polentums, die nach dem sogenannten Ausgleiche mit der polnischen Adelspartei im Jahre 1866 ihren Anfang nahm und in der Erweiterung der Landesautonomie, welche der polnischen Majorität die Alleinherrschaft im Lande sicherte, ihre Stütze fand. Wie es allgemein bekannt ist, wurde die polnische Majorität im Lande bloß künstlich geschaffen, und zwar dadurch, daß iin Jahre 1861 endgültig durch das Feb.uarpatent aus den historisch und nationalheterogenen Ländern der ukrainischen Halitseh (Galizien und Lodomerien (Wladimir) und der ethnographisch beinahe rein polnischen Herzogtümer Krakau, Anschütz und Zator ein „einheitliches“ österreichisches Kronland geschaffen wurde. Allein auch durch diese Vereinigung avancierte das polnische Element zu einer nur ganz unbedeutenden Majorität im- Lande, so daß die politische Bevorzugung der Polen :in Galizien sich .um;so ,mehr als eine schreiende Ungerechtigkeit den anderen Volksstämmen Galiziens gegenüber därstellt. Außer den autochthonen Ukrainern (Ruthenen), die im ganzen Lande durchschnittlich ungefähr 44o/o der Gesaintbevölkermig und in Ostgalizien allein eine Majorität von ungefähr 65 .. ausmachen, leben noch über 800.000 Juden und zirka 100.000 Deutsche, die insbesondere in Ostgalizien stark augesiedelt sind, so daß sowohl für die Juden (in Ostgalizien 14°/o, in ganz Galizien etwas über ll°o), wie auch für die Deutschen (in Ostgalizien zirka 4«u, in ganz Galizien hloß etwas über l o-c) der ukrainische Teil des Landes — Ostgalizien — in erster Linie in Betracht kommt. So ist es aus allem Vorangeführten ersichtlich, daß in bezug aut die Lösung der galizischen Frage die Interessen der bedrohten Ukrainer, und luden ganz zusammenfallen, indem durch die Siche Stellung der ukrainischen Landesverwaltung im östlichen Teile Galiziens und durch die n ationale Autonomieider Deutschen und Juden auf der Grundlage des nationalen Katasters der unbegründeten und ungerechten Bevorzugung des Polentums ein Riegel vorgeschoben und zugleich ein Schutzwall für die Bedrohten aufgerichtet werden könnte. Sogar die von den Ukrainern seit Dezennien verlangte Teilung des jetzigen Kronlandes in zwei besondere Kronländer im Einklänge mit den historischen und nationalen Rechten der bodenständigen Bevölkerung deckt sich mit den Interessen der galizischen Deutschen und Juden, nachdem Ostgalizien zwei Drittel des Landes ausmacht und durch die Absonderung Ostgaliziens die Hauptmasse der galizischen Deutschen und Juden ein für allemal der sie national be¬ Krakau. Samstag, den 22. Jänner, fand eine Versammlung der hiesigen Zionisten statt. Der Vorsitzende des Lokalkomitees. Dr. Feldblum, stellte einleitend fest, daß das zionistische Leben in Krakau auch während des Krieges nicht eingeschlafen sei, daß die meisten Vereine ihre normale Tätigkeit tortsetzten und "die materiellen Leistungen den Umständen entsprechend seien. Dr. Z i m m ermann erstattete den Bericht der Nationalfondskommission. Tn der manchmal sehr erregten Diskussion wurde seitens vieler Gesinnungsgenossen scharfe Kritik an der Krakauer zionistischen Leitung geübt, so seitens der Gg. Ing. Gold w a s s e r, M >- feie w, Dr. H i 1 f s t e i n, Leser, Feldblum, Dr. Spiegel und W a s c h i t z. Die beiden letzteren stellten konkrete Anträge, die in der Forderung der Einsetzung eines energischen Arbeitskomitees, eines Sekretärs, eines ständigen Lokals, sowie Reorganisierung der Nationalfondskommission gipfelten. Es wurde ein engeres Komitee eingesetzt, das in kürzester Frist über die Anträge beraten und die nötigen Schritte einleiten solle, die zur Hebung des zionistischen Lebens beitragen könnten. An der Diskussion beteiligten sich auch die Gesinnungsgenossen Dr. Thon, Dr. S c h w a r z b a r t, M ir o w s k i u. a. Lemberg. Am 14. Januar fand die Sitzung des weiteren Lokalkomitees der zionistischen Organisation in Lemberg statt, auf welcher mehrere aktuelle Fragen berührt wurden. Bevor man zur Behandlung in der Tagesordnung vorgesehenen Punkte überging, ehrte man das Andenken des gottseligen unvergeßlichen Leiters des „Jüdischen Tagblattes“ Dr. Zwi Bickels, wobei die Versammelten stehend, die der Person und der Tätigkeit des Verstorbenen gewidmeten Worte von Dr. M. Ringel anhörten. Um dem Andenken des Verstorbenen gebührende Ehre zu erweisen, beschloß man, ihn in das goldene Buch des JNF. eintragen zu lassen, einen Oelbauinwald auf seinen Namen anzulegen und die Beiträge im Tagblatt auszuweisen. Es folgte die Berichterstattung des Herrn Dr. Ringel über seine Konferenz mit den Leitern der Krakauer Organisatio i, Dr. Jakob Tho n. Dr. F e 1 d b I u m u. a.. auf welcher man die Richtungslinien der poetischen und organisatorischen .Arbeit in Galizien festgesetzt hatte. Daran anknüpfend, zeigte sich das Lokalkomitee dem Gedanken der Zusammenherufung eines Parteitages nach Krakau und auch der eines Judentages, um über die Stellungnahme zur Absonderung Galiziens zu beraten, geneigt. Herr Dr. Ringel teilte der Versammlung mit, daß er die Redaktionsleitung des „Jüdischen Tagblattes" übernehme und entwickelte sein Redaktionsprogramm nur das Jahr 1917. Der Sekretär, Herr Arjeti W e i n s t o c k, berichtete über den Stand vier langen und einem kleineren Streifen von einer Stelle des Himmels aus über das halbe Gewölbe reckte, ähnlich einer blutigen greifenden Hand, und erstaunten. Die Luft lastete heiß, die Nacht brachte keine Kühlung, und obgleich die Wolke sich über den Himmelia usdehnte, behaupteten die Amalekiter, es werde nicht regnen. Sie saßen einige Zeit nach Sonnenuntergang mit den Griechen im Zelt, die Nachtwache zu verkürzen, ganz in weißes Leinen gekleidet, braun und schwarzbärtig, die Fingernägel mit Henna gelbrot gefärbt und die Brust mit knöchernen Amuletten behängt, und tranken Wein aus ledernen Bechern, während die Griechen ihn gewässert aus hölzernen Schalen schlürften. Sie streckten sich nackt und weiß aut . der Erde lind stöhnten vor Hitze. Neben Protokies, einem jungen Inselgriechen, lag Agasilaof, reich an Narben;, ein Hundertführer;.er liebte den Jüngling; die Amalekiter wußten es. und entsetzten sich heimlich über den Greuel.. Der Wcmschhuch Teerte sich, und endlich hörte alles stumm auf den syrischen Dolmetsch, der von -Jahwe sprach. Der Gott katn den Griechen nicht meiir verächtlich vor. Sie glaubten in der immer drückenderen Luft etwas von seiner Gewalt zu spüren, und ihrer leicht bis in die Tiefe bewegbaren Einbildung erschien seine Unsichtbarkeit furchtbar und seine allgegenwärtige Herrschaft über dies Volk, und Land die Seele angstvo! pressend. Eine Stunde vor Mitternacht nahm Agasilaos Helm, Panzer und Schwert und ging, die Posten nachzusehen. Vor dem Eingang ' kniete an einer. Zeltpfahl gebunden, das Kamel der Amalekiter, auf dem sie, alle beide auf einem Tiere reiteid, von ihren Zelten hart am Griedunl iger licrgekommeii waren, und schlief. Das Heer war ganz stumm geworden, auch die Stadt, schwieg, und ,s nur die ölgferfirlirtf,. Tarrrpevüfcfer 4 den:. Trmk’Qiyten streute ein wenig Licht auch in die Schwärze der Neumondnacht. Plötzlich vernahmen die Zecher ein gedehntes Schreien irgendwo nahe in der Finsternis. Sie sprangen jäh auf die Füße und lauschten ernüchtert. Es ließ sich gleich noch einmal hören, näher; die Amalekiter griffen nach ihren Amuletten, und der Dolmetsch übersetzte zitternd den Griechen: Jahwe, Judas Gott, ist unsichtbar, heilig, überall und der stärkste! - sogleich erscholl der Ruf zum dritten Male, und das Zelt stürzte lautlos ein. Das Gebrüll, in die dumpfen Träume des Reitkamels gedrungen, hatte ihm einen Löwen vorgespielt, und beim dritten. Rufe war es zitternd aufgesprungen, den Zeltpfahl mit sich reißend. Die von der Schweren Leinwand Begrabenen glaubten, die Hand des Gottes schließe sich über ihnen, und schrieen vor Schreck. Es gelang Einigen, sich zu befreien; sie stürzten in das Lager mit dem Rufe „der Gott, der Gott!“ und wurden sogleich nieder- •gehauen; ' denn die ferneren Schreie Simeons hätten viele Schläfer geweckt, die halbtrunken noch vom Schlafe, nackt mit Waffen hinauseilten, um den Ausfall der Belagerten abzuwehren. Mit zornigen Ausrufen und in vollkommener Finsternis hieben sie aufeinander ein. Agasilaos führte im Laufe sämtliche Wachen herbei. die er ganz gerüstet im Stehen schlafend gefunden hatten; sie wollten ihre Schmach wettmachen und stießen alles nieder. Agasilaos selbst bohrte, zwischen Anderen die er tötete, dem Protokies das Schwert in den Rücken, als er sich gerade aus dem Zelte befreit hatte, und entfernte sich, nach Protokies rufend. An vielen Stellen des Gemebzels, das immer breiter wurde, merkten sie au den Rufen der Kämpfenden und Wunden-, dab Grieche gegen Grieche stritt; das erhöhte dje Verwirrung und Raserei, der Feind . Stftten (imti nicht /u greifen. Ein alpgemeines Wogen und Weichen begann, und die hintersten Massen wurden in die Zelte der Amalekiter getrieben. Diese, die die Sprache der Griechen nicht kannten und über einem erbitterten Kamptlä-m nichts verstanden, wehrten sich hach ihrer Art. Den beiden nächsten Hundertschaften fehlten jetzt die beim Wachzelt gefallenen Führer; so kämpften sie ohne Befehl und schleuderten ihre Speere im" Bogen in die hinteren Reihen der Angreifer oder töteten sie im Nahkampf, indem sie sie Brust an Brust umarmten und die Dolche an ihren Handgelenken ihnen in den Rücken stießen, denn man merkte den Gegner erst in Atemnähe. Die Hopliten verständigten sich im Dunkeln durch Rufe, ordneten sich und versuchten, die Kämpfe untereinander zu verhindern. Offenbar waren die Barbaren der Wüste Aufrührer und den Ebräecn verbündet; man versuchte Fackeln anzu.’ündcn, aber alles Feuer war zertreten oder von Leichen erstickt. Die Amalekiter warfen ihre Speere und wichen langsam zurück; die meisten verbargen sich hinter den Kamelen und schleuderten von dort ihre Köcher leer, einige stiegen auf ihre Tiere, aber sie fielen plötzlich tot herab. Demi während vorn die Phalanx der Hopliten drängte und tödlich vorrückte, hatte Rabsake, gewiß, daß ein verzweifelter Ausfall gemacht wurde, seine Leibwache um sich geschart und den Persern Befehl gegeben, den Amnlekitern zu Hilfe zu kommen; die persischen Pfeile suchten sich Ziele unter den Kamelreitern. Diese merkten es und wandten sich, toll vor Wut und Verzweiflung, gegen den neuen Feind, die giftigen Wurfspeere antworteten lautlos dem Schwirren der Sehnen auf den Ho-nbögen. Als die Perser zu Pferde angriffen. ließ Rabsake alle Sicheiwagen anschirren und rückwärts führen, uni ihnen Platz zu machen: aber seine hölzernen Fackeln gcttijgten njtftt. und die stählernen Swt’sen - .in den