Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 7 (16.2.1917)
- Date
- 1917-02-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2438141-2438623-2438630--5160-2445108- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNQ m 7 der Schekelaktion und Herr Jakob Freund über den Stand der Jugendorganisationen. Das Lokal-Komitee faßte den Beschluß, den Jugendorganisationen Hilfe zu leisten, besonders in der Vervollständigung der Vereins - Bibliotheken. Lieber die Frauen-Organisation berichtete Frau Rosa Pomeranz-Melzer. Um eine Verbindung mit den Genossen im Felde herzustellen, beschloß man eine spezielle Informations- Zeitschrift herauszugeben. Die Wahlen zur Vervollständigung des Ausschusses des Lokal-Komitees ergaben folgendes Resultat:’ Zu Stellvertretern des Vorsitzenden wurden die Herren Dr.' L. - Rosenkranz, Dr. S. Bro mb erg und Direktor S. Orange gewählt. Prag. Am 2S. Jänner fand ein außerordentlicher Distriktstag für Böhmen statt, den der Obmann des Distriktskomitees, Herr Ing. Hugo Slonitz, . begrüßte. Aus dem von ihm erstatteten Rechenschaftsbericht sei entnommen: Die Tätigkeit des D. K. in der abgelaufeneu Periode stand im Zeichen des Krieges. Es hat versucht, dem Aufträge des letzten Distriktstages entsprechend, Sekretariate bei den einzelnen Vereinen einzurichten. Es liegen erfreulicherweise Berichte einiger Vereine über deren Einführung und Tätigkeit vor. Man darf erwarten, daß sie den weiteren Ausbau unserer Organisation wesentlich fördern werden. Außerdem sei die Propaganda im böhmischen Sprachgebiet vorbereitet und werde demnächst beginnen. Nach reger Debatte, in der die Presseangelegenheiten einen großen Raum in Anspruch nahmen, wurde der Rechenschaftsbericht mit Dank zur Kenntnis genommen. Hierauf gelangten folgende, von Herrn Dr. O. Epstein aus Arnau eingebrachten Anträge zur Verhandlung: 1. Der D. K. wähle einen Ausschuß, der die Richtlinien einer jüdischen Kreditorganisation ausarbeiten soll. 2. Jeder zionistische Verein suche einen Ausschuß zu schaffen, der -feststellen soll, inwieweit die Betätigung der betreffenden Gemeinde unserer zionistischen AuFassung vom Judentum nicht entspricht und welche Förderungen diesbezüglich aufgestellt werden sollen. 3. In der zionistischen Jugend soll für den Rabbinerstand geworben werden. Die zionistischen Behörden werden aufgefordert, sich mit den Programmen der Rabbinerseminare vertraut zu machen und sie durch die Presse bekannt zu geben, damit die zionistische Oeffentlichkeit zu ihnen Stellung nehmen kann. Es wird folgender Antrag des Herrn med. Freund ange-' nommen: Die Anträge Dr. Epsteins sind einem späteren Distriktstag, dem Dr. Epstein ein ausführliches Referat über seine Vorschläge zur Gegenwartsarbeit zu erstatten hätte, noch einmal zu unterbreiten. Ueber einstimmigen Beschluß der Versammlung wird von der Vornahme von. Ersatzwahlen Abstand genommen und das bestehendie D. K. in seiner Funktion bestätigt. Den Vorsitz der' Tagung," an der neben den Prager Vereinen auch die Provinzvereine durch Delegierte vertreten waren, führte Herr Ernst Bechert aus Teplitz. Aufruf an die Freunde der hebräischen Sprache Das große Gebiet der hebräischen Sprache und Literatur liegt zurzeit in bedauernswerterweise ganz brach. Ep bedart einer besonderen kräftigen und ernsten Aktion, um zu neuem Leben zu gelangen. Neuerscheinungen auf dem erwähnten Gebiete kommen seit Kriegsausbruch überhaupt nicht zutage. Publikationen, die bis dahin erschienen, sind überdies noch eingegangen. „H a m i z.p e“, das einzige hebräische Wochenblatt in Oesterreich, mußte infolge Militärpflichten seines Herausgebers Laser die Tätigkeit einstellen. Dasselbe Los ereilte jüngstbin die Warschauer „Hazefirah“, das einzige hebräische Tagblatt auf dem Kontinent, aut das das Judentum mit rechtem Stolz blicken durfte. Die in Palästina und in Amerika erscheinenden literarischen Arbeiten gelangen nur sehr spärlicn nach Europa, während die in Wien in der Zwischenzeit erschienenen liturgischen Behelfe von so mannigfachen Druckfehlern wimmeln, daß deren Ausbleiben erwünschter wäre. — Auf dem hebräischen Erziehungsgebiete ragt blos die neubearbeitete Ausgabe der hebräischen Grammatik des Moses Rath, Sfath einunah, hervor. Zudem besteht in Wien derzeit nur mehr ein hebräischer Mädchenkurs unter Leitung des Hebraisten S i egelbaum, während eine hebräische Schule, verbunden mit Kindergarten, über.. Bemühung eines rührigen Komitees unter der Führung des Förderers Adolf Stand im Werden begriffen ist und im nächsten Monate (im II. Bez., Mohrengasse) der Eröffnung harrt. Außerdem1 befaßt sich die „Hatechija“ mit hebräischen Vor-, trägen und Referaten, die seitens der Jugend leider wenig beachtet werden. Und gerade an Zirkeln, wo die ostjüdische Jugend, die ja meistens das Hebräische beherrscht, Gelegenheit fände, in Uebung zu bleiben, fehlt cs. Während also beispielsweise in Berlin derzeit die hebräische Sprache große Anziehung übt, (vvird dieselbe in der österreichischen Residenzstadt, wo so viele Kenner derselben leben, arg vernachlässigt. Es wäre von großer Bedeutung, wenn sich ein ener-, gisches, zielbewußtes Komitee in Wien behufs Wiederauflebung der durch die Kriegsereignisse in Stillstand versunkenen Bewegung der hebräischen Sprache u~d Literatur zusammentun würde. An Autoren und Gönnern würde es bei einem ,gesunden Eingreifen sicherlich nicht fehlen. Wir fordern somit alle Freunde und Gönner der hebräischen Sprache und Literatur auf, sich für das Wiederaufleben unserer nationalen Schätze mit aller Kraft zu interessieren. Es bedarf nur des guten Anfanges, eines Lebenszeichens, eines Impulses, und das Erstrebte muß dann von selbst kommen. Joset Perlberger. Zionistische Bewegung Der „Verband Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina“ erläßt, durch die kritische Lage seiner Mädchenfarm in Kinereth bewogen, einen Aufruf mit der dringenden Bitte um Unterstützung. Es heißt darin: „Was Frauenarbeit in der Landwirtschaaft bedeutet, hat uns der Krieg am deutlichsten gezeigt, und auch in Palästina waren es die Schülerinnen der Farm1, die in dieser schweren Zeit viel beim Gemüsebau und der Gartenversorgung in den Kolonienl geholfen haben. Schon vor dem Kriege ersah man, wie erzieherisch die bloße Existenz der Farm auf die umliegenden Kolonien wirkt, wie in ihrer Nähe größere Sauberkeit, größere Abwechslung in der Ernährung, rationelleres Wirtschaften bemerkbar wird. Und gerade jetzt,1 wo die Institution besondere Bedeutung gewinnt, wo ihre Schülerinnen von den Kolonien für Hilfsarbeit gesucht werden, stehen wir vor der Gefahr ihrer gänzlichen Auflösung. ... Und all Mühe, die sie bis jetzt gekostet hat, die hingebungsvolle Arbeit der Leiterin, Frau Maisiel- Scho chat, die viele kostbare Frauenkraft, die sie geweckt und gebildet'hat, das Alles geht mit ihr zu Grunde und ist umsonst gewesen.“ Spenden nimmt das Zionistische Zentralbureau, Wien, II., Zirkusgasse 33, zur Weiterleitung gerne entgegen. Warschau. In den letzten Tagen des Dezembers trat das Mitglied des E. A. C. Dr. Arthur Hantke in Warschau ein, empfangen von dem gesamten Zionistischen Komitee, mit Herrn H. Farbstein an der Spitze und den Vertretern der jüdischen Presse. Sämtliche jüdische Zeitungen, ohne Unterschied der Richtungen, begrüßten ihn aufs wärmste." Am 6. Januar wurde Dr. Hantke zu Ehren ein Bankett gegeben, an dem 200 führende ■ Persönlichkeiten der nationalen und zionistischen Parteien teilnahmen. Eine hebräische Begrüßungsrede Herrn Farbsteins eröffnete das Bankett. Dr. Hantke erstattete einen eingehenden Bericht über die Verhältnisse der Juden in Palästina im Zusammenhang mit der allgemeinen Lage, während des Krieges. Eine große Anzahl von Vertretern von Vereinen sprach, ferner die Herren Ben-Awigdor, der Bildhauer Glitzenstein, Dr. K1 u m e 1, Ratsmann Seidemann u. a. Zum Schlüsse entwarf Dr. Hantke die Richtlinien künftiger zionisti^ scher Arbeit und charakterisierte den Zionismus' oft Volksbewegung. 4 Dr. J. L. Katzeneisohn In Petrograd starb der bekannte hebräische Schriftsteller und Arzt Dr. J. L. Katzenelsohn (Buki ben Jogli) im Alter von 70 Jahren. Der Verstorbene gehörte zu den hervorragendsten Schöpfern der hebräischen Literatur der achtziger Jahre. Seine Werke publizistisch-belletristischen Inhaltes waren außerordentlich populär und zählen bis auf den heutigen. Tag zu den besten Erzeugnissen der klassischen hebräischen Literatur. Seine erste Erzählung war ,,S c h i r a f H.asamir“ („Das Lied der Nachtigall“). Berühmt sind seine Erzähzählungen über die Erlebnisse jüdischer So'daten im russisch-türkischen Kriege (187S), den.er als Militärarzt mitgemacht hatte. Später erregten seine „Gesammelten Werke und Erzählungen“ großes Aufsehen. In den, letzten Jahren widmete der Verstorbene sich fast ausschließlich der hebräisch-wissenschaftlichen Literatur, trat aber doch’ auch öfters mit Werken literarisch-poetischen Inhaltes hervor, die slets vom hebräisch lesenden Publikum freudig aufgenommen -wurden. Kürzlich konnte er sein 'Lebenswerk vollenden, „Die M e d iz i fl im Ta!- mud“. Hervorragenden Anteil hatte er an der Herausgabe des jüdisch-russischen Lexikons gehabt. Seine Memoiren, deren bevorstehendes Erscheinen er . vor wenigen Wochen anläßlich seines mit großer Feierlichkeit begangenen 70. Geburtstages ankündigte, dürften demnächst das Licht der Welt erblicken. Dr. Katzenelsolin nahm aktiven Anteil an allen bedeutenden jüdischen Gesellschaften, widmete aber doch sein größtes Interesse dem Hebräischen Sprachverband, dessen Vorsitzender er war. Auch als Leiter des städtischen Alexander-Hospitales war er angesehen. Er erfreute sich in weiten jüdischen und . nicht-iüdis'chen Kreisen größter persönlicher Popularität. Mit ihm ist der letzte Repräsentant der klassischen hebräischen Haska’ah-Literatur hmweggegangen. Zionisten im Felde » Gg. Michael Wolf Patron, Kdtt.-Asp. des k. k. Lir. 36, wurde für tapferes Verhalten vor dem Feinde mit der silbernen Tapferkeitsmedaille II. Klasse dekoriert. — Lt. Siegfried Stecklmacher (Lesehal'e-Brünn) wurde neuerlich ausgezeichnet und zwar mit dem silbernen Radnaben zerschnitten die Sehnen persischer Pferde. Die Amalekiter hatten gar kein Licht, und da die Perser keine Sprache verstanden außer der eigenen, konnten sie nicht hören, ob die Schlachtrufe ebräisch waren; sie nahmen, was vor ihnen drängte, für Feinde, und jene, obgleich sie hin und wieder die persischen Rundhelme erkannten, konnten dennoch nichts tun als sich wehren. Dieser Kampf Mann gegen Mann währte drei Stunden. Das Lager schäumte über von ,dem schauerlichen Getöse, in das aller Lärm zusammenfloß : das Klirren von Waffe an Waffe und der dumpfe Schlag von Waffen in Fleisch, das erbitterte Keuchen und Rufen der Kämpfer, die sich in der unerträglichen Finsternis wenigstens hören wollten, und das gellende Jammern der Verwundeten, auf die man trat. Aber alle Schrecken des gewohnten Kampfes wurden überwuchert von der Unbestimmtheit des Gegners und einer tiefen Angst vor seiner ungreifbaren Nähe. Schauder und Ungewißheit lähmten die Arme und stachelten zugleich einen tobenden Haß. Es gab Männer, die plötzlich gellend lachten und tanzten, andere fielen uni, sobald eine kalte Waffe ihren nackten Bauch spitz berührte, viele hieben blind um sich und stießen von Zeit Zu Zeit Schreie aus, bis sie ermüdeten und gleich erschlagen wurden; allen aber drang Todesschrecken ins erkältete Herz, lange ehe die unsichtbare Waffe des unsichtbaren Gegners jäh traf — kämpfte man gegen Nachtgeister oder böse Götter? und vergebens suchten die entsetzten Augen, an das Dunkel langsam gewöhnt, unter den zahllosen Armen und Köpfen, die sich schwärzer in der schwarzen Luft bewegten, nach gewissen Massen von Feinden. Befehlsworte in allen Sprachen des Lagers wurden laut gerufen und befolgt und nährten das Gemetzel; es wurde beendet durch die Syrer, die in fester Ordnung auftauchten und den Griechen stürmend in 'den Rücken fielen: denn da Rabsake glaubte, der rechte Flügel sei an-, gegriffen und weiche, ließ er schließlich das syrische Fußvolk Vorgehen, um die Angreifer von der Mauer abzudrängen und sie von hinten aufzureiben, was im Eilschritt ausgeführt wurde. Kurze Zeit wehrten sich die Griechen nach beiden Seiten — dann entschärfen sie sich zur Flucht, und das ganze Heer ward von den Syrern ins Land hineingejagt, denn die Kamele und Pferde brachen aus, sobald sie Raum hatten, und rissen die Leibwache mit sich fort. Die Syrer drängten in geschlossenen Reihen nach; als es dämmerte, erkannten sie die Trümmer der Sichelwagen, entdeckten, daß ihnen der Feldherr fehlte und wohl den Fliehenden gefolgt war, und machten sich eilig daran, ihn wieder einzuholen. Als die Sonne aufging, glänzte das Feld rot von Blut und ganz bedeckt mit Leibern. Die Juden hatten ein dumpfes Rauschen vor der Stadt gehört und voller Angst den Morgen erwartet; er zeigte ihnen das Lager zerstampft und den Feind vernichtet. Ein ungeheurer Jubel brach aus. Die Männer eilten aus der Stadt, um für einige Stunden die Schakale zu verjagen, die ihre spitzen Schnauzen in die Eingeweide der Toten gebohrt hatten, rot bis zu den Ohren, die Schwerverwundeten zu töten und die Waffen zu sammeln, für den nächsten Angriff des Großkönigs; alles Gold brachten sie dem Tempel dar, denn Jahwes Engel allein hatte die. Assyrer geschlagen, ohne Menschenhand. Bei der Kunde schrie der König in lautem Jauchzen auf, lachte geschüttelt und unaufhörlich und klatschte in die Hände. Aber Jesaja, als er das Ungeheure vernahm, ward steinbleich, sank langsam in die Kniee, zitternd, und weinte, die Arme auf dem steinernen Boden seines Hauses und darauf die Stirn1, nahe der Erde. Unter der Beute, die überreich schimmerte von Gold, Geschmeiden und Waffen aller Art, fand man staunend ein Opfermesser des Tempels, von dem niem'and begriff, wie es zu. den Heidenschwertern kam: und die es wußten, schwiegen; denn viele Leichen waren zu gestaltlosen Klumpen zertreten. Nur als sie es, Sebna der Königsschreiber und drei alte Priester, feierlich zu dem Propheten brachten, dab er es besebaue, hielt er das blutigschwarze Werkzeug auf beiden offenen Händen wie man ein Kindlein hält, besah es mit einem langsam selig Werdenden Lächeln, und drückte es, sich neigend, an seine Stirn. Dann wand er dem nächsten Priester die weiße Binde vom Haupte, wickelte es ganz darein, und machte sich selber auf, den Zeugen des Herrn niederlegen: bei den kostbaren Weihegaben des Tempels. 11