Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 4 (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-26
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 11 Feldwebel Schwarz wurde auch für eine höhere Auszeichnung vorgeschlagen. 2. Leuchter H., Husarenwachtmeister, tapferes Verhalten vor dem Feinde „silbernes Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille*. 3. Mitglied Schönberger Michael, bei einem Infanterie-Regiment, nahm mit einem zweiten Infanteristen 120 Mann Russen gefangen, und holte im feindlichen Kugelregen allein das Maschinengewehr, brachte es, trotz sehr schwerer Verwundung am linken Fuße, allein in die Stellung zurück. Große Goldene und Avancement vom Infanteristen zum Feldwebel. Fußballer: Adolf Beck, Feldwebel bei einem Infanterie-Regiment, wegen Unerschrockenheit vor dem Feinde und Anfeuerung der dezimierten Mannschaft, trotz schwerer Verwundung an beiden Füßen; große und kleine Silberne. Geheilt, doch für Fußballspiel untauglich. 5. Fußballer Becher Sändor, Vormeister, als Aufklärer-Telefonist bis zum allerletzten Moment beim Telefon ausgehalten, dann im stärksten feindlichen Feuer Telefon abmontiert, bis ihn ein Hauptmann eines Honved-Regiments gewaltsam entfernen lassen mußte. -Bronzene Tapferkeitsmedaille. Gefallen: 1. Tormann Albin Kandl, Wachtmeister. 2. Fußballer Gabor Reichsfeld, zum zweitenmale ins Feld, am Doberdo gefallen. 3. Fußballer Kohn Oskar, Gefreiter, in Wolhynien gefallen. 4. Fußballer Leuchter, Jäger, in Albanien an Malaria gestorben. 5. Mitglied Lichtenstein Oskar in Rußland den Heldentod gestorben. 6. Mitglied Josef Mayer am Doberdo gefallen. 7. Fußballer J. Porgesz, zum zweitenmale ins Feld, am Isonzo gefallen. Vermißt: 1. Fußballer Bruck Anton. 2. Fußballer Magel Alfred. 3. Fußballer Löwbeer Sig. 4. Fußballer Krammer Josef. 5. Fußballer Neumann Lajös. 5 Mitglieder gerieten in Gefangenschaft. Triest. Da sämtliche Mitglieder teils zu den Waffen einbenifen wurden, teils Triest verließen, (der junge Verein besaß noch keine Damenabteilung), mußte der Turnbetrieb eingestellt werden. Von den 6 Vorstandsmitgliedern stehen 3 im Felde, 3 sind gefallen. Wien. I. Wiener Jüd. T.-V.: Die Tätigkeit im abgelaufenen Jahre sei durch den folgenden, auszugsweise wiedergegebenen Bericht über die am 14. Oktober 1916 stattgefundene Hauptversammlung dargestellt: Vereinsobmann Herr Dr. Ludwig Werner eröffnet die Hauptversammlung und begrüßt die Erschienenen. Er führt in kurzer Ansprache aus, wie unter den Begleiterscheinungen des Krieges zwei Momente hervorstechen: die lebhafte Steigerung der patriotischen Gefühle und die Kräftigung der nationalen Idee. Ist die Vaterlandsliebe Gemeingut aller Nationen, die zum gleichen Ziele streben, ein verjüngtes, lebenskräftiges Oesterreich zu schaffen, so wird die nationale Idee, von jedem der vielen Völker Oesterreichs besonders gepflegt, um sie den vom Felde heimkehrenden Brüdern, der Zukunft aller Nationen, unversehrt und ■ rein zu übergeben, auf daß die Nationen im friedlichen Wettkampfe zum Wohle des Ganzen auf gesicherter Grundlage weiterbauen können. Darum müssen auch die Anstalten, welche der Pflege der nationalen Idee dienen, den Krieg überdauern, darum muß auch unser Verein, der im Rahmen der jüdischen Turnerschaft der nationalen Idee dient, durchhalten, damit unsere Turnbrüder ihn wiederfinden nach ihrer hoffentlich baldigen Heimkehr, um ihn mit jugendlicher Tatkraft und jüdischer Begeisterung wieder aufzufüllen und so der jüdisch-nationalen Idee eine kräftige Stütze zu bilden. Daß uns dies trotz Abwesenheit der meisten männlichen Mitglieder und trotz aller Schwierigkeiten bisher gelungen ist, läßt uns hoffen, daß es uns auch weiter möglich sein wird, diese unsere Pflicht zu erfüllen. Dr. Werner dankt allen Anwesenden für die Mithilfe, speziell aber den Damen, die er ersucht, dem Vereine auch weiter treu zu bleiben und zu unterstützen. Sodann begrüßt Dr. Werner den Obmann des Kreises Westösterreich und erstattet hierauf den Tätigkeitsbericht: Der Ausschuß hat die laufenden Angelegenheiten des Vereines in acht Sitzungen erledigt. Von größeren Veranstaltungen wurde Umgang genommen. Nichtsdestoweniger wurde ein Zöglingswetturnen abgehalten, das sowohl einen schönen materiellen, als auch, vollen moralischen Erfolg hatte. Es beteiligte sich auch mit großem Erfolge eine Damenriege an den Vorführungen. Sechs Preise des Vereines gelangten an Zöglinge zur Verteilung und der Vereinskassa wurde das Erträgnis von über K 200.— zugeführt. Dr. Werner gibt noch der Hoffnung Ausdruck, daß bis zur nächsten Hauptversammlung die jungen, im Felde weilenden Turner schon zurückgekehrt sein mögen, damit sie die große Arbeit, die nach dem Kriege zu bewältigen sein wird, gedeihlich und zum Nutzen der Turnsache durchführen mögen. - Es folgt der vom Kassier Herrn Marschik vorgetragene Kassabericht: Einnahmen. Vermögensstand 1. Oktober 1915. K 508.27 Herren-Abteilung.„ 1616.— Damen-Abteilung.K 2852.50 Zöglings-Abteilung.„ 613.70 Kinder-Abteilung.„ 1756.— Eingehobene Miete Lyzeum.„ 970.— Subvention Kultusgemeinde .„ 300.— Förderer-Beiträge.. 729.— Sparbuch-Zinsen.„ 46.06 Zöglingswetturnen.'••••„ 266.21 Saalmiete. „ 20.— Darlehen Keßler.„ 160.— Durchgangsposten.. „ 80 90 Summa' ■ K 9918.64 Ausgaben. Gehalte .K 3195.- Miete.„ 3500.— Beleuchtung .„ 649.64 Beheizung.„ 470.32 Turngeräte.„ 90.— Hausverwaltung.„ 299.65 Drucksorten und Porti.. 42.56 Portier.„ 100.— Neujahrsverteilung.„ 31.— Klavier.„ 288.— Unfallversicherung.„ 116.79 Feuerversicherung.„ 7.79 Haftpflichtversicherung.„ 20.10 Postsparkassen-Gebühren.. „ 6.54 Verbandsbeitrag.„ 100.— Plakate.„ 45.— Durchgangsposten.. - „ 101.26 Vermögensstand 30. September 1916 - , 854.99 Summa - K 9918.64 In Vertretung des eingerückten Herrn Popper hatte Herr Robert Kellner die Leitung des Platzes übernommen; derselbe erstattet folgenden Bericht des Turnwartes: Der Turnbesuch des verflossenen Vereinsjahres weist im Durchschnitt folgende Zahlen auf: Herren 14, Zöglinge 30, Damen 63. Im allgemeinen ist der Besuch des Herrenturnens stark zurückgegangen, während das Damenturnen ehenso wie das Zöglingsturnen gegenüber dem Vorjahre eine Steigerung aufweist. Das Kinderturnen war im Durchschnitte von 70 Kindern besucht, welche in drei Abteilungen turnten. Auch das Kinderturnen weist eine starke Steigerung gegenüber dem Vorjahre auf. Beim Kinderturnen haben unsere Damen: Grete Scheu, Grete Waldmann, Martha Werner, Ida Forschner, Lia Golliath, Olga Lazar, Lotte Goldner, Grete Glaser den Platzleiter in wirksamster Weise unterstützt, wofür ihnen der besondere Dank des Vereines ausgesprochen wird. So selbstverständlich das Zurückgehen der Turnerzahl im Herrenturnen mit Rücksicht auf das Einrücken aller Jahrgänge ist, so erfreuiieh ist die Steigerung des Besuches seitens der Damen, Zöglinge und Kinder, welche den Fortbestand des Vereines über die Kriegsdauer hinaus verbürgen. Von turnerischen Veranstaltungen haben wir nur über das Zöglingswetturnen unter Teilnahme einer Damenriege zu berichten, welche sowohl in turnerischer als auch materieller Hinsicht vollen Erfolg hatte. Es erübrigt uns also nur den Turnbetrieb wenigstens in dem bisherigen Umfange aufrechtzuerhalten und berechtigen uns die bisherigen Erfolge zur vollen Zuversicht, daß uns dies auch bis zu dem hoffentlich bald nahenden Ende des Krieges gelingen werde. Voranschlag für das Vereinsjahr 1916/17: Einnahmen. Herren-Abteilung Damen-Abteilung Zöglings-Abteilung Kinder-Abteilung Förderer * Lvceum. .K 500.— .„ 2500.— •••••••„ 500.— .„ 1500.— .„ 1100.— - ■ „ 900.— Summa - - K 7000.— Ausgaben. Gehalte .K 3200.— Miete. , 4000.— Beleuchtung .„ 700.— Beheizung.„ 500.— Turngeräte.„ 300.— Drucksorten und Porti.„ 400.— Hausverwaltung.„ 400.— Portier Neujahr.„ 150.— Assecuranzen.„ 150.— Verbandsbeitrag. „ 200.— Summa K 10.000.— Um eine teilweise Erhöhung der Einnahmen zu erzielen, beantragt der 1. Kassier die Erhöhung des Zöglings-Monatsbeitrages von K 1.60 auf K 2.—. Bezüglich des voraussichtlichen Abganges hoffe er, daß er nach dem Kriege durch erhöhte Einnahmen gedeckt werden könne. Hierauf erfolgte die Wahl des Turnrates. Gewählt wurden: Dr. Ludwig Werner. Obmann Dr. Emil Krasny, Obmann-Stellvertreter Irma Wellwarth, 1. Schriftführer Frau Nelly Rosenfeld, 2. Schriftführer Heinrich Marschik, 1. Kassier Fritz Läufer, 2. Kassier Professor Max Guttmann, 1. Turnwart Robert Kellner, 2. Turnwart Dr. Heinrich Schiffmann, Zeugwart Erich Friedmann, 1. Beisitzer Olga Groß, 2. Beisitzer Rosa Ornstein, 3. Beisitzer Wien. Makkabi Wien II berichtet: Die Tätigkeit des letztverflossenen Jahres war trotz der verminderten Mitgliederzahl sehr rege und von den besten Erfolgen begleitet. Der Turnbetrieb konnte ohne Unterbrechung fortgeführt werden, was das große Verdienst des Turnwartes und Obmannstellvertreters Opoczynski ist. Der Turnrat hielt allmonatlich eine Sitzung ab. Die nicht unbeträchtlichen Ausgaben des Vereines konnten dank der Opfenvilligkelt aller Mitglieder gedeckt werden, ja es konnten sogar kleine Rücklagen gemacht werden. Zu diesem erfreulichen Ergebnis hat besonders das im Februar 1916 stattgefundene Schauturnen beigetragen. Der derzeitige Mitgliederstand beläuft sich auf 50 Damen, 25 Zöglingen, 45 Kinder Von den 25 eingerückten Turnern ist einer gefallen, 5 in Gefangenschaft oder vermißt. Wien. Makkabi Wien X berichtet: Dank der aufopfernden Tätigkeit unserer jugendlichen Vorturner konnte der Turnbetrieb in der Zöglings- und Mädchenabteilung nicht nur aufrechterhalten werden, sondern es war uns sogar möglich, mit einer großen und mehreren kleineren turnerischen Veranstaltungen vor die Oeffentlichkeit zu treten. Einer Anregung der Kreisleitung gerne folgend, veranstalteten wir am 6. Februar 1916 im Olympiasaale gemeinsam mit dem Makkabi Wien XVI ein Schauturnen. Nach einer begeisternden Ansprache des Kreis- Obmannes vor den aufmarschierten jungen Turnern und Turnerinnen folgten Freiübungen der Zöglinge, Keulenschwingen der Turnerinnen und Reifenübungen der Kinder, die jubelnden Beifall auslösten. Auch die Geräteübungen aller Abteilungen, sowie die Musterriege am Reck zeugten von guter und ernster Arbeit in den beiden Vereinen. Der durch die Vorübungen für dieses Schauturnen notwendige rege Verkehr zwischen den beiden Vereinen hat in der Folge in jeder Beziehung die von der Kreisleitung und uns erwarteten Früchte gezeitigt. Auch bei unseren beiden Kriegsabenden, die wir zur Hebung des geselligen jüdischen Lebens in unserem Bezirke veranstalteten, trugen turnerische Vorführungen unserer Kinder viel zu dem guten Erfolge bei. Die finanzielle Lage des Vereines hat sich etwas gebessert, obwohl alle erwachsenen Turner — 50 Mann — eingerückt sind. — Leider ist der Tod auch in diesem Jahre nicht an uns vorübergegangen. Unser -lieber Turnbruder Leutnant Richard Gutmann ist den Folgen seiner im Kampfe erlittenen Verletzung erlegen. Wien. Makkabi Wien XV berichtet: Das Turnen wird in allen Abteilungen aufrechterhalten. Wien. Makkabi Wien XVI berichtet: Der Turnbetrieb war in allen Abteilungen ein sehr schwacher, jedoch sehr regelmässiger, so daß es uns möglich war, im Frühjahr ein gemeinsames Schauturnen mit dem Bruderverein Makkabi Wien X zu veranstalten, welches jedem der beiden Vereine ein Reinerträgnis von K 360.— brachte. Während der Sommermonate (Juli bis Mitte September) mußte der Turnbetrieb in der Zöglings- und Damenabteilung eingestellt werden, doch wurden regelmäßig kleine Spaziergänge unternommen. Die Damenabteilung hatte bis Mitte November großen Mangel an Vorturnern, doch wurde dank dem Eingreifen des Kreises, an dem wir uns um Abhilfe wandten, diesem Uebelstande abgeholfen, sodaß wir hoffen, daß diese Abteilung nun einen großen Aufschwung nehmen wird. Derzeit turnen am Platz: 28 Kinder, 16 Zöglinge, 10 Damen. Unsere letzte Veranstaltung war eine Kino-Vorstellung, welche ein Reinerträgnis von K 240.— ergab. Die Agenden des Vereines besorgen in aufopfernder Weise die T. Schw. Fräulein Thurin und Ehrenzweig. Der Verkehr mit den Turnern im Felde wird aufrechterhalten. Im letzten Jahre fanden den Heldentod: Adolf Sass und Leopold Steiner. Wien. Jüdischer Sportklub Hakoah berichtet: Gleich nach Ausbruch des Krieges eilten die Hakoahner, unter denen sich eine große Anzahl Freiwilliger befanden, zu den Fahnen. Der Verein, der fast 400 Mitglieder zählte, verlor in kürzester Zeit drei Viertel seines Bestandes. Alle Sektionen wurden gleich schwer betroffen, so daß der gesamte Verein seine Tätigkeit einstellen mußte. In edlem Wettbewerb trachteten sämtliche Hakoahner dem Judentum Ehre zu bringen und dem Märchen der jüdischen Minderwertigkeit entgegenzutreten. Mit Stolz erfüllen uns ihre Heldentaten, mit Genugtuung vernehmen wir von ihrer Auszeichnung und mit tiefster Rührung gedenken wir unserer Gefallenen. Der jüdische Sportklub Hakoah hat von sämtlichen Wiener Sportvereinen die meisten Mitglieder im Felde und auch absolut wie prozentuell die meisten Auszeichnungen. - l- *■}, [ ■■.p v T.; I