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Jüdische Zeitung · 1917-01-26 · 4 (26.1.1917) · p. Seite 10

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
4 (26.1.1917)
Date
1917-01-26
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 4 Ul. Unser Plan für die weitere Tätigkeit ist in die Worte zusammenzufassen: Alle Kraft der Erhaltung des Bestehenden widmen! Denn dieses ist und bleibt das Hauptgebot für die Zeit des Krieges. Wir wollen den Zurückkehrenden ein bestelltes Heim übergeben, daß sie die Arbeit dort fortzusetzen vermögen, wo sie sie verlassen mußten und mit neuer Energie an die Lösung der künftigen Aufgabe herantreten. . Denn diese wird schwierig, gewaltig sein! Die mächtige, reinigende Flut, die alle Gemüter erfaßt hat, wird viele uns bisherFerngestandene zuunsziehen oder uns zudrängen. Was vor dem Kriege bereits so vielfach zur Tatsache geworden war, werden wir in allen unseren Korporationen verwirklichen müssen: unsere Tätigkeit, die wir in den Dienst des Volkes gestellt haben, wird auch in ihrem äußeren Rahmen die nationale Farbe zu tragen haben und sich in der Sprache des Volkes erledigen müssen. Der Aufbau des Vereinslebens wird unbedingt manche Aenderüng erfahren; vor allem aber wird der lose Zusammenhang der Mitgliedschaft außerhalb des Turnbodens einem innigeren, steten Kontakte weichen müssen. Wir werden alles daransetzen müssen, die gesamte jüdische Jugend aller jüdischen Gemeinwesen unter dem Banner der von nationalem Geisie geleiteten körperlichen Renaissanze zu sammeln; unsere ,Beziehungen zur jüdischen Oeffentlichkeit, zur jüdischen Bürgerschaft, zu unsereren Bruderorganisationen, zu den anderen nationalen und zu den Turn- und Sport- Behörden, zu den staatlichen und anderen öffentlichen Aemtern werden besonderer Pflege bedürfen. Diese wenigen Punkte vermögen das Ausmaß des künftigen Arbeitsfeldes nur anzudeuten. Wie nahe aber der Zeitpunkt ist, in dem die volle Arbeit wird einsetzen müssen, können wir nicht ahnen. Drum muß unser ganzes, unser hartes Streben nur dieses sein: Alles bereithalten für die kommenden Tage! Herzlich Hedad! Die Kreisleitung. Flüchtlings-Fürsorge der Kreisleitung. Das furchtbare Elend unserer unglücklichen Brüder, die ihrer Vaterlandsliebe Hab und Gut ge- •opfert hatten, veranlaßte uns, sofort Maßnahmen zur Hilfeleistung zu treffen. Durch die entlegene Lage des Wiener Ostbahnhofes waren die auf diesem ankommenden Flüchtlinge gegenüber den auf dem Nordbahnhofe eintreffenden im Nachteile. Deshalb wandten wir jenen unser Hauptaugenmerk zu. Unter Heranziehung der Mitglieder des Makkabi X, in dessen Bereich der Ostbahnhof liegt, wurde ein Bahnhofsdienst eingerichtet, um den Ankommenden Wohnungsauskünfte zu erteilen. Die Flüchtlinge wurden von Turnern in ihren Wohnungen aufgesucht und mit allem Nötigen versehen. Mit Hand- und Streitwagen zogen unsere Zöglinge im Bezirke herum, um Bettzeug, Strohsack- und andere Spenden abzuholen und sie den Bedürftigen zuzuführen. Große Sorgen bereiteten uns die Kranken, welche soweit als möglich bis zur Zeit ihrer Spitalsaufnahme ärztlich versorgt und mit den notwendigen Medikamenten versehen wurden. Auf unsere Anregung und mit unserer Unterstützung wurde eine Ausspeiseaktion im X. Bezirke ins Leben gerufen, durch welche über 200 der dortigen Flüchtlinge wenigstens der drückendsten Nahrungssorgen enthoben wurden. Der Anregung des Kreisturnwartes ist ferner die Gründung eines Mädchenheimes zu danken, Bei all diesen und weiteren hier nicht angeführten Aktionen fanden wir erfreulicher Weise auch materielle und moralische Förderung seitens uns sonst fernstehender Kreise. Wir danken bei dieser Gelegenheit innigst den Damen Frau Szerena Lederer, Frau Leopoldine Wittgenstein, Frau Hofrat Berta Zuckerkandl, den Herren Theodor Auspitz von Artenegg, August Lederer, Ingenieur Wimmer, die, wann immer wir uns an sie wandten, uns stets hilfsbereit mit Rat und Tat beisprangen. Bericht Uber die Tätigkeit der Vereine im abgelaufenen 2. Kriegsjahre. Die Tätigkeitsberichte der Kreisvereine liefen im 2. Kriegsjahre spärlicher ein als im ersten. Dies ist in den meisten Fällen darauf zurückzuführen, daß nunmehr sämtliche Mitglieder, die die Geschäfte der Vereine leiteten, zu den Waffen einberufen wurden. Immerhin muß aber betont werden, daß manche Vereine, in Verkennung der Wichtigkeit dieser Tätigkeitsberichte, doch bei einigem guten Willen ihren Pflichten hätten besser nachkommen können. Nachstehend die Berichte: Bielitz-Biala. Der Turnsaal dient als Reservespital. Doch wurde während der Sommermonate ein Sportplatz gemietet, auf welchem mit durchschnittlich 40 Zöglingen und 15 Turnerinnen geturnt und Leichtathletik betrieben wurde. Während des Jahres fanden allmonatlich regelmäßige Zusammenkünfte statt, um den jüdisch-nationalen Geist zu pflegen und die Mitglieder durch freundschaftlichen Verkehr einander näher zu bringen. Den Abschluß des Sommerturnens bildete eine gemeinsame Wanderung. Wir sprechen die sichere Erwartung aus, daß es der tatkräftigen Leitung des Vereines gelingen wird, in Kürze die Saalschwierigkeiten zu überwinden. Boskowitz. Der Turnbetrieb, welcher im ersten Kriegsjahre eingestellt werden mußte, wurde dank der Bemühungen unserer Mitarbeiterin T. Schw. Gyulay vom Brünner Makkabi, wieder aufgenommen. Derzeit ist — hoffentlich nur für kurze Zeit — infolge größerer Inanspruchnahme des Vereines für die Flüchtlingsfürsorge eine Unterbrechung des Turnens efngetrefen. Der Verkehr mit den Türnern im Feld wird aufrechterhalten. Brünn. Das Vereinsleben ist sehr rege, das Damenturnen, desgleichen das Zöglingsturnen für Knaben und Mädchen ist gut besucht und wird von den Platzleitern, Vorturnern und Vorturnerinnen mit ersichtlich gutem Erfolg geleitet. Die Verbindung mit den Turnern im, Felde wird durch rege und ständige Korrespondenz sowie durch Entsendung von Liebesgaben aufrechterhalten. Im 2. Kriegsjahre sind 4 Mitglieder gefallen: O.-Lt. Schönhof, Lt. Schulllioff, Fhr. Woliner, Zgf. Läwitz. 8 Mitglieder wurden verwundet und 8 Mitglieder wegen tapferen Verhaltens ausgezeichnet. Im Berichtsjahre sind neuerdings 28 Mitglieder eingerückt, unter ihnen Obmann Dr. Sonnenfeld. Aus der Vereinstätigkeit ist die Schaffung eines Zöglingsorchesters hervorzuheben, welches mit gutem künstlerischem und materiellem Erfolge ein größeres Konzert veranstaltete. Wenn der Brünner Verein auch unter den derzeitigen schwierigen Verhältnissen schwer um seinen gedeihlichen Fortbestand zu kämpfen hat, so wird es der zielbewußten Tatkraft seiner treuen Mitarbeiter sicher gelingen, in Ehren durchzuhalten. DobriS. Das reiche, bewußt jüdische Leben in Prag hat auch auf die Provinz ihren Einfluß ausgeübt. Unter der Aegide des Prager Makkabi ist — mitten im Kriege — der' Dobfßer Turnverein wieder zu neuem Leben erwacht, dessen Leitung, da alle Turnbrüder eingerückt sind, der Turnschwester Martha Windt anvertraut ist. Ständige Kinderabteilung, Mädchen- und Studentenriege während der Ferien, Abhaltung von Veranstaltungen (Makkabäer-Feier) bildet die Tätigkeit des aufstrebenden Vereines. Die Kommandosprache ist hebräisch. Hoffentlich wird der Verein in Kürze durch Bildung einer ständigen Damenriege einen weiteren Ausbau erfahren. Graz. In der Damen- und Kinderabteilung wird regelmäßig geturnt. Die Sonn- und Feiertage werden zu gemeinsamen Ausflügen in der Umgebung verwendet. Behufs Fortbiltdung der Mitglieder im jüdischnationalen Geiste wurde eine Reihe von Vorträgen sowie Kursen abgehalten. Lundenburg. Infolge Einrückens fast sämtlicher männlicher Mitglieder mußte das Herrenturnen aufgelassen werden. Das Damenturnen wird von durchschniitlich 16 Damen besucht, das Mädchenturnen zählt durchschnittlich 20, ‘das Knabenturnen 8 Teilnehmer. Die Turnschwestern, von denen Frl. Paula Grünwald und Frl. Irene Vielgut in den Turnrat gewählt wurden, beteiligen sich an der Fürsorge für die in Lundenburg untergebrachten Flüchtlingskinder. Prag. Makkabi berichtet: Die nicht geringe Vereinsarbeit, die das Jahr 1916 mit sich brachte, wurde von den wenigen Turnbrüdem, die noch nicht zu Militärdiensten herangezogen wurden und den Turnschwestern redlich geteilt. Alle vereinten ihre Kräfte, um dahin zu wirken, daß der Verein gefestigt bleibe, alle waren bemüht, den Wirkungskreis zu vergrößern. Dieser gefestigte Wille zeitigte auch erfreuliche Resultate. Die Männerriege, die im ersten Kregsjahre den Betrieb einzustellen genötigt war, tritt heute mit ca. 18 Mann an, eine Zöglingsriege wurde' gegründet, die Knaben- und Mädchenriege ist im Wachsen begriffen. Besonders erfreuch ist die stetige Vergrößerung der Damenriege, in .welcher durchschnittlich über 40 Damen antreten. Um auch in der breiteren Oeffentlichkeit'Interesse zu erwecken, veranstaltet der Makkabi Prag, am 20. Jänner 1917 einen Schulwerkabend zu Gunsten der Notschulen für gaüzische Kriegsflüchtlinge in Böhmen; der Abend wird im großen Stil angelegt sein. Der literarische Teil des Abends wird durch den Wiener Schriftsteller Stefan Zweig und die Prager Vortrags-Künstlerin Marie Nechleba bestritten, worauf Vorführungen unserer Damenriege folgen. Im engeren Rahmen des Vereines wird manche für die Zukunft nutzbringende Arbeit geleistet. Der Verein hat auch in diesem Jahre den Verlust einiger seiner treuesten Turnbrüder zu beklagen. Ihnen zu Ehren wird ein Makkabiturnfond gegründet, der es ermöglichen soll, dem jüdischen Kinde ein Heim im Makkabi zu schaffen, ihm jene geistige und körperliche Erziehung angedeihen zu lassen, durch welche es zum tüchtigen, jungen Juden herangebildet wird. Unsere Turnbrüder, die im Felde stehen, unsere Makkabäer, die so viele Auszeichnungen erworben haben, sollen bei ihrer Rückkehr die Frucht emsiger Arbeit begrüssen. * Mit besonderer Freude bringen wir den vor-, stehenden Bericht, welcher die unermüdliche und erfolgreiche Tätigkeit des strammen Brudervereines unter der Leitung der Turnschwester Else Singer nur unvollständig wiedergibt. Aus der Tätigkeit des Vereines wäre noch hervorzuheben: Regelmäßiges Turnen mit den Flüchtlingskindern, Abhaltung einer Vorturnerinnenstunde, welche Turnschwester Klara Mauthner in vorbildlicher Weise führte und in der 10 Vorturnerinnen ausgebildet wurden, ausschließlicher Gebrauch der hebräischen Kommandosprache, Mitwirken am Ausbau des jüdischen Turnvereines Dobris, eifrige Teilnahme an den von den jüdischen Vereinen Prags veranstalteten Vorträgen und hebräischen Sprachkursen u. s. w. Wie man aus Vorstehendem ersehen kann, ist es mit aufopferndem Fleiß und gutem Willen auch unter den schwierigsten äußeren Verhältnissen möglich, Vorbildliches zu leisten. Diesen Beweis, der uns für die Zukunft unserer Bestrebungen mitbesonderer Zuversicht erfüllt, erbracht zu haben, bleibt das unvergängliche Verdienst unseres lieben Prager Makkabi. Prag. Jüdischer Sportklub Hagibor: In den ersten Stürmen des Weltkrieges (Dezember 1914) erstanden, gibt die erstaunlich rasche Entwicklung unseres Biudervereines Zeugnis ab von der Sieghaftigkeit unserer Bestrebungen, die jüdische Jugend im nationalen Sinne ■ und auf der Grundlage der körperlichen Erziehung zu organisieren. Der Verein hatte anfangs einen eigenen Sportplatz, mietete jedoch im Frühjahr 1915 einen erstklassigen, allen Anforderungen entsprechenden Sportplatz eines Prager Klubs. Der Verein, welcher sofort dem böhmischen Fußballverband (£. S. F.) als Mitglied beitrat, konnte in kurzer Zeit eine ansehnliche Mitgiiederzahl erwerben. Durch das sportlich gute Benehmen und das faire Spiel seiner Mannschaft, die in Prag und auch in der Provinz ein gern gesehener Gegner war, und von der bis nun noch kein einziger Spieler voni Verbände disqualifiziert wurde, gewann der Verein an Ansehen. Durch die Begründung einer Jungmannschaft, welche im ersten ' Jahre ihres Bestandes bei den Meisterschaftswettspielen in die Schlußrunde kam, wurde für Nachwuchs gesorgt. Von den Mitgliedern stehen 68 unter den Fahnen; den Heldentod erlitten 3 Mitglieder. Viele wurden ausgezeichnet. Derzeit gehören dem Vereine 17 ausübende, 23 beitragende Mitglieder und 50 Zöglinge an. Geplant und in die Wege geleitet ist die Gründung einer Ruder-, Radfahr- und Wintersport-Sektion. Viele Mitglieder gehören gleichzeitig dem Turnverein Makkabi an. Zum Zwecke der nationalen Erziehung, besonders der Zöglinge, wurden im Winter regelmäßig Vorträge abgehalten. Auch besuchte eine Anzahl der Mitglieder den von der Bar-Kochba veranstalteten hebräischen Sprachkurs. Im August 1915 wurde zu Gunsten des „Palästina Hilfswerkes“ ein Festabend veranstaltet, welcher einen namhaften Reingewinn ergab. Die Agenden des Vereines besorgt derzeit der Schriftführer Otto Brückner, Prag, VIII, Koschinka. Preßburg. Sportklub Makkabäa berichtet: Der Verein „Sportklub Makkabäa“ hatte bis zu Beginn des Krieges 152 Mitglieder, von denen bis auf 14 Mitglieder alle eingerückt sind und nahezu alle an der Front stellen. Der Verein hat im abgelaufenen Kriegsjahr allsonntäglich Wettspiele, zum Teil auch internationale, ausgefochten und auch einigemale zu wohltätigen Zwecken solche veranstaltet. Der Verein hat während der Kriegszeit gar keine Einnahmen gehabt; die bedeutenden Spesen wurden vom Präses Szamek Sigmund und vom Vizepräses Kalmar Eduard gemeinsam getragen. - Ueber die Geschicke unserer Mitglieder berichten wir folgendes: Auszeichnungen: Schwärz Anton, Feldwebel bei einem Honvcd-Regiment im Alter von 51 Jahren freiwillig eingerückt, kleine silberne Medaille, außerdem nachfolgende schriftliche Belobung, ausgestellt vom 12. Oktober 1916: ‘ Zahl 9518 ex 1916. Feldwebel Anton Schwarz hat sich bei Ausbruch des Krieges, im Alter von 51 Jahren, freiwillig zum Schutze des Königs und Vaterlandes gemeldet; mit jugendlichem Elan durch die Karpathenschlacht gekämpft, mit beispielloser Tapferkeit vorgegangen und mehrere Schlachten und Gefechte mitgemacht .... Aus diesem Anlaß und trotz seiner 53 Jahre hat sich Feldwebel Schwarz zum zw.eitenmale ins Feld gemeldet und spreche ihm für diese beispiellosen Taten (er durchschwamm u. a. den San und rekognoszierte mit Erfolg ein 31/* km dahinter liegendes, vom Feinde besetztes Dorf) meinen Dank und meine Anerkennung aus. Dieser Befehl "ist bei der ganzen Armee zu verlautbaren.

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