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Jüdische Zeitung · 1917-01-12 · 2 (12.1.1917) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
2 (12.1.1917)
Date
1917-01-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 laas^^ Drei Pflichten hat ein jeder unserer Parteigenossen.' Jeder möge bedenken, daß die „Jüdische Zeitung“ nicht aus Parteimittein gespeist wird, sondern sich ausschließlich aus eigenen Kräften erhalten muß. Daher wird ein jeder unserer Leser, der die unersetzliche Bedeutung unseres Parteiorgans, insbesondere in diesen Tagen, da es fast die einzige Vermittlung zwischen unseren Gesinnungsgenossen darstellt, einsehen muß, das Seinige tun, um ihm zu weiterem Bestände und gedeihlicher Entwicklung zu verhelfen. Unsere Gesinnungsgenossen mögen daher 1. im verweilt ihr Alton-jsment erneuern, 2. ihre Bekannten zum Bezug der „Jüd. Ztg.“ veranlassen, 3. ihre geschäftlichen Ankündigungen in der „Jüd. Ztg.“ inserieren. —^«».«TaamjmwaifiHwiwn»tHipifiimMmjrofl)iianil^JIHiftllII?SlBillBtfBijffljBBJlHin31flBlffilltl51MlfllByiiDlilllillliillllllB Schülervereinen, die sich der hebräischen Sprache, der jüdischen Geschichte, Literatur, Kunst und aucti der Politik widmen wollen. Aber man müßte sich völlig freihalten von jeder Kleinlichkeit und Uebersorge, soll in diesen Klubs wirkliches Leben gedeihen, -sollen sie für die Konsumtion jüdischer- Kulturwerke fruchtbar werden. Ich meine vor allem, daß den 'Schülern verschiedener Schulen gemeinschaftliche Tätigkeit gestattet werde, und daß man im Prinzip auf die Anwesenheit eines Lehrers verzichte. Der Schülerausschuß mag hier die Aufsicht führen, wenn es nötig erscheint, er mag regelmäßig berichten; auch Studenten könnten zugezogen werden; aber selbst der bloße Schein einer Bevormundung müßte vermieden werden und in erster Linie jeglicher Zwang. Vermag man überdies diesen freien Vereinen behagliche Heime zu bieten, mit Lesezimmern und Bibliotheken, so darf man ruhig ihrer Entwicklung entgegensehen. Wenn überhaupt antiassimilatorisdie Tendenzen in der heutigen Jugend noch wirksam sind, -so werden sie so an Verbreitung, Vertiefung und Dauer gewinnen. Aber die Lehrer, sind sie nicht der Anfang einer jeden Reform, müssen nicht sie erst reformiert werden, ehe man an die Veränderung der - Einrichtungen geht? Ist diese nicht überflüssig, ehe jene vollendet ist? So wird man geneigt sein zu fragen. Es ist hier nicht der Ort, das1 schwierige Problem der vermeintlichen und der wirklichen Funktion des Lehrers anzuschneiden, es genüge, wenn zugegeben wird: gewiß, für unsere neuen Institutionen sind neue Lehrer unerläßlich und zwar dürften es zwei Forderungen sein, die vor allem zu stellen wären, il. Die bisherige Vorbildung des Religionslehrers müßte ergänzt werden durch eine genügende Masse von psychologischen und pädagogischen Kenntnissen und durch Praxis im Unterricht. Das Schwergewicht der fachlichen Ausbildung aber müßte ein wenig verschoben werden. Der künftige Religionslehrer muß sich in erster Linie zum Historiker, Soziologen und Kulturhistoriker ausbilden. 2. Für die Auslese unter den Kandidaten hätten zwar nicht ausschließlich, aber doch ganz überwiegend der Gesichtspunkt zu entscheiden, ob sie mit ihrer fachlichen Tüchtigkeit, mit eindringendem selbständigen Verständnis ihrer Materie, die Fähigkeiten besitzen, durch ihre Person bei der Jugend Achtung und Liebe zu erregen; ob - sie es vermögen, in jugendliches Wollen und Wünschen sich einzufühlen; ob ihnen Achtung und Vertrauen zur geistigen Selbständigkeit der Jugend immanent sind. Das sind nicht übertriebene Forderungen und zweifellos werden sie heute schon von Manchen erfüllt, von Einigen übertroffen. Woraut es jedoch ankommt, ist, daß dieses Niveau das allgemeine, vielleicht sogar das niedrigste wird. Die Horfnung besteht, dab aus der zionistischen Jugend, solche jüdische Lehrer erwachsen werden. Bis dahin warten dürfen wir aber nicht. Darum wurde in diesen Bemerkungen der Hauptakzent au: die Reform der Institutionen gelenkt. Sie müssen ersetzen oder ergänzen, was manche heutige Lehrer nicht leisten und was in aller Zukunft niemals alle werden leisten können. Umso weniger dürfen wir die Reform des Religionsunterrichtes auf jene Zeit verschieben, in dem dieser Unterricht seine Lehrer haben wird, als geradezu behauptet werden kann, daß die ganz überragenden Persönlichkeiten, die auf die Jugend im weitesten Kreis nachhaltig und tiefbestimmend wirken, fast immer außerhalb der Schule standen und auch heute stehen. Welcher Lehrer dart hoffen, eine Wirt ung zu erlangen, die sich mit der Martin^ ,Bubers oder Ach ad Haams, um Lebende zu nennen, vergleichen könnte? Ihm ist das weniger glänzende, aber darum -nicht weniger entscheidende Los zugefallen, die Jugend den Werken der Großen in der Vergangenheit und in der Gegenwart zuzuführen. Eingangs -wurde hervorgehoben, wie gerade die isolierte Stellung des Religionsunterrichtes im Bau der Schule für ihn fruchtbar -werden kann. Durch sie allein ist die Möglichkeit gegeben, daß im engen Rahmen dieses Unterrichtes JÜDISCHE ZEITUNG Ni. 2 die angedeuteten Reformen durchgeführt werden, die zwar für die ganze deutsche Schule wünschenswert wären, durch mächtige Kräfte aber gehemmt, noch sehr lange auf sich werden warten lassen. Curch diese Möglichkeit kann die Reform des jüdischen Unterrichtes ein Objekt zionistischer Gegenwartsarbeit werden, denn so schwierig das Werk auch sein mag, es besteht begründete Hoffnung, daß ein Stück von ihm in absehbarer Zeit erfüllt werden könnte: Bericht über den deutschen Delegiertentag II. Teil Der^zweite Verhandlu:igstag beginnt mit einer Rede von Herrn Schachtel über diejßtzt in Deutschland neu in Angriff genommene Landspende. Nachdem dieses Sammelmittel in den Jahren von 1910 bis zum Kriegsausbruch sich nur wenig eingebürgert hatte, ist es in Oesterreich als Kriegsiandspende mit großem Erfolg wieder aufgenommen worden. Die Sammlung muh jetzt auch in Deutschland mit aller Energie durchgeführt werden. Wir sollten uns dabei nicht scheuen, die Notwendigkeit dieser Sammlung mit jüdischer Not zu begründen. Mit einem Betrage von zwei Millionen Francs sind 100 Familien anzusiedeln. Jakob Reich spricht gegen die Kriegslandspende, da es nicht möglich sei, eine nennenswerte Anzahl von Ostjuden in Palästina anzusiedeln. Das zu behaupten, sei unaufrichtig. Der Redner beantragt, die Kriegslandspende zu unterlassen. Dr. N a w r a t z k i ist ebenfalls gegen 'die Landspende als neues Sainmelmittel. Man solle lieber einen Kolonisationsfonds begründen, um den NF. zu seiner eigentlichen Aufgabe, dem reinen Bodenkaut zurückzuführen. Oder aber man sage, daß der Zw-eck des NF. von jetzt an sein solle, Kolonien zu je 100 Familien anzulegen. Dadurch, daß der NF. seine eigenen Arbeiten nicht ausführen konnte, hat er sich seit Jahren, um nur überhaupt arbeiten zu können, anderen Aufgaben zugewandt. Es fehlt ihm ein Fonds, der die Kosten zii tragen hat, die erforderlich sind, um aus; dem gekauften Land eine Kolonie zu machen. Herr T riet sch tritt für die Landspende ein, da wir durch sie Mittel erhalten 'können', die wir Sonst nicht erlangen würden. Wir haben keine Möglichkeit, dem jüdischen Elend abhelfcn zu können: Es •wäre ein Unsinn, eine Summe von 2000 Francs dazu zu verwenden, eine'Familie anzusiedeln, während man mit derselben Summe im Stande wäre, hunderten von Familien zu helfen, wenn man es richtig anfängt und endlich 'Kolonisationsmethoden einfuhrt, wie sie Ballod vorgeschlagen hat. Herr F e u e r r i n g "vermißt die Möglichkeit, das System unserer Palästi-iaarbeit darzustellen, da das darüber vorhandene Material überall zerstreut ist. Herr Wolf- Günzenhausen verlangt zum Erfolge .unsrer NF.-Arheit ein festes System, wie es Feuerring wünscht. Außerdem soll man versuchen, bei diesen praktischen Arbeiten auch andere jüdische Organisationen heranzuziehen: Herr Justizrat Dr. Bodenheimer führt aus, dah man nach Oettingers Darlegungen die Propaganda für die Landspende nicht mehr mit der Ansiedlung von Ostjuden verquicken dürfe. Deshalb müsse die Begründung für die Land: spende geändert werden. Die Landsp.ende als solche sei aber eine Notwendigkeit, da ja eigentlich der ganze NF. nur eine große Landspende sei. Zum Schluß der Palästinadebatte hält Herr Dr. H a n t k e schon aus Gründen der Parteidisziplin es nicht für angängig,' daß der Delegiertentag eines Landesverbandes sich in Fragen der NF.-Arbeit den Anordnungen der NF.-Verwaltung entzieht. Nachdem der Antrag Reich vom Antragsteller zurückgezogen wurde, wird ein Antrag der die Förderung des Bodenkaufs in Palästina durch den NF. ziur Pflicht aller, deutschen Zionisten macht, angenommen. Nunmehr ergreift Herr Prof. Warburg das Wort. Er führt aus, .daß alle Völker, die , sich mit Kolonisationen beschäftigen, Lehrgeld zahlen müssen. Auch unsere NF.-Arbeit ist noch nichts Definitives. Ebenso muß - das Verhältnis der Leitung zur NF. Verwaltung definitiv geregelt werden. Es liegt uns ein reichhaltiges Material über unsere Kolonisationsfrage vor, das genau bearbeitet - werden muß. Nun-wird die am vorigen Tag abgebrochene Debatte wieder aufgenommei. Herr Estermann betont die Wichtigkeit national-kultureller Arbeit trotz allen Judenefends. Er weist auf den Bericht des ■ Herrn Rosenbaum-Wilna hin, der uns von den dortigen Juden erzählte, wie sie trotz Hungers mit Leidenschaft die Fragen '„Hebräisch oder Jidisch“ diskutierten. Grundlage aller Kulturarbeit ist nicht der Jargon, sondern das Hebräische, die Bibel mit ihrer Ethik, die gerade heute wieder betont werden sollte. Und zwar'ist nicht das moderne, sondern das alte klassische Heträisch des Jesajah zur Grundlage des Lernens zu machen. Herr R.-A; Max Strauß- Berlin wendet sich ebenfalls gegen die Ausführungen der Herren Margulies und Reich. * Es ist sehr"verständlich, wenn man* heute von der zionistischen Organir sation die Linderung der' entsetzlichen Judennot verlangt. Aber wir können das nicht, tßn. Wir vwollen hier über das reden, Was wir können, nicht über, das, was wir wünschen. Wir .sind nur eia verschwindender Teil im Judentum und können uns deshalb nicht mit Fragen beschäftigen, die unsere^ Kräfte übersteigen. Wir sind nicht die Vertretung des jüdischen ■ Volkes,, aber wir müssen es werden. Wie können wir das? Nur indem wir das jüdische Volk mit jüdischnationalem Geist erfüllen. Und auf diesem Wege erscheint mir dieser Delegiertentag einen gewaltigen Fortschritt zu bedeuten. Bisher waren wir nach Ansicht des deutschen Judentums die Schreier, jetzt beginnen wir zu arbeiten. Der . Kampf mit unsern Gegnern wird nicht aufhören, aber er wird andere Formen annehmen. Herr T riet sch erklärt, daß er depi Sinne nach mit Reich und Margulies übereirfstimme. Die Notwendigkeiten unserer Bewegung dürfen nicht von einem literarischen Zionismus überwuchert werden. ' Er weist auf die Wichtigkeit der deutschen Kriegsinva 1 iden-Ansiedhfngüiin,jaus der wir Wertvolles lernen können: Er fordert die1 Anbahnung von ArbeitsmöglichkCiteff mit anderen Organisationen. . Hieraut nimmt Herr Dr. H an t k e das Wort. Er spricht von dem Vorwurf, die Leitung vertrete einen . Zionismus ohne nationalpolitisches' Programm. Noch niemals hat es ein E. A. C. gegeben, das soviel politische Arbeit getan hat, wie das jetzige. Herr Strauß, hat übertrieben, als er die Schwäche unserer Organisation kennzeichnete. Wir -sind nicht so klein, wie er es darstellte. Daß wir nicht die quantite negligeable sind, aTs die man: iun's darstellt, beweist die Tatsache, daß man selbst mit unserer Organisation rechnen muß, wo man doch mit ganz anderen Größen zu rechnen hat. Und wir haben bei unseren politischen Versuchen stets den politischen Charakter, stets den national-jüdischen unserer Idee betont. Natürlich istin diesen Zeiten Zurückhaltung für den Schwachen eine Notwendigkeit, [die nicht überäll jn idfer Bewegung beachtet wurde. In diesen. Fällen hielten wir es für unsere Pflicht zu warnen, um es zu vermeiden, daß unsere Ideen mit solchen Gedanken verquickt werden, die, nichts damit zu tun haben. Ich halte jede Arbeit politischer Art für unbedingt notwendig, aber es gibt einen 'noch wichtigeren Faktor,. das. jüdische Volk, Es zu nationalisieren ist eine jüdisch-politische Förderung'-''ersten' Ranges, nichtdas Spielt-müs1siger Intellektueller. Ich. fürchte keine Uebertreibungen der Kulturpolitik, stehen wir doch in deren ersten Anfängen. Wir haben unsere - Jugendarbeit'nicht nach parteitaktischen Grundsätzen gemacht, kümmern wir unS ja um die Organisationen, die überhaupt nicht zionistisch sind .wie der Blau-Weiß. Das aber hat zur Voraussetzung eine radikal erzogene zionistische Ortsgruppe. Erst mußten die Zionisten zionistisch erzogen werden. Unsere Arbeitsmöglichkeiten sind sehr große, ihre Ausführung aber abhängig von den Zionisten, , die .andere Interessen vor zionistischer Mitarbeit zurück stellen. Nur die dürfen kritisieren, die vorher auch mitgearbeitet hätten. Auch 'ich kann nur sagen, daß auch uns die Zustände des jüdischen Ostens aufs tiefstebewegen, von denen ich einen Teil kennen gelernt habe und einen weiteren kennen lernen werde. Aber denken Sie an Kischenew und , an unsere -Zukunftshoffnungen. Damals wollte man, dab wir für das Geld des NFi Gewehre. zur Bewaffnung kaufen sollten. Unsere Arbeit richtet sich nach Palästina. Man darf auch Rettungsaktionen nicht mit politischer Arbeit im Osten durcheinanderwerfen. Bleiben wirbei der Anschauung, daß das Ostjudentum nicht ängstlich aut uns harrt, man ist dort nicht so gebrochen. Ich bin überzeugt, daß sich eine gemeinsame jüdisch-nationale Aktion zu Gunsten des Ostjudentums ermöglichen lassen wird. Wir haben trotz der vielen im Felde stehenden Gg. Gg. diesen Delegiertentag einberufen, da das jüdische Leben nicht still steht und wir Richtlinien -für unsere Arbeit brauchen. Damit sind auch unsere Freunde im Felde einverstanden. Zusammenarbeit mit anderen;Organisa'tionen ist von uns in der Frage des. Hilfswerkes für- Palästina vergeblich versucht worden. Wir haben geschwiegen, selbst als man vor einigen Wochen versuchte, die Schulbehörden gegen die Zionisten mobil zu machen. . Nach dieser mit großem Beifall aufger.ommenen 'Rede spricht Herr Bl.umenfeld.' Es war ‘nötig, unsere Golusarßeit einzufugen in das System unseres palästinensisch - orientierten Zionismus. Golusarbeit und Palästinaziel sind nicht notwendige Gegensätze.' Dr. Adolf Friedemann hat vom Entgegenkommen bei den anderen jüdischen Parteien nichts bemerkt. Das kann auchnicht anders sein. Wir sind aus einer politischen Partei eine Sekte 'geworden. Eine politische Partei kann nur ein Minimalprogramm aufstellen. Sie darf ihre Mitglieder jnicht nach. Motiven fragen,, sonst wird sie eine religiöse Sekte. Ueber dem' Zionismus’ muß das Judentum, d. h. das jüdische >Volk stehen. Wenn das Ostjudentum an seiner Not

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