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Jüdische Zeitung · 1916-12-29 · 51 (29.12.1916) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
10 (1916)
Issue
51 (29.12.1916)
Date
1916-12-29
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 51 JÜDISCHE ZEITUNG Seit e 3 Vom Hilfswerk im österreichischen Okkupationsgebiet. Ende November fand in Lublin eine Beratung der jüdischen Kriegsiiiifskominuees im österreichischen Okkupationsgebiet statt. Die Beratung hatte die Reorganisation der Verteilung der aus Amerika geschickten Gelder zum Zweck. Es waren ungefähr 70 Delegierte anwesend. Als Vertreter der Wiener Allianz wohnte der Beratung Herr Dr, Kaminka bei. Trotz der großen Anzahl der Delegierten, die die polnische Sprache nichi frei beherrschen, wurden die Reden und Debatten ausschließlich in polnischer Sprache geführt. Nach Anhörung aller Berichte wurde auf Verlangen des Herrn Dr. Kaminka den Delegierten, die sich über die bisherige Tätigkeit der Komitees äußern wollten, der Vorschlag gemacht, sich 'der jidischen Sprache zu bedienen. Der Delegierte aus Petrikau, Herr Rappaport hielt dann eine eingehende Ansprache, in der er die tendenziöse Tätigkeit der Assimilanten, die in den Verteilungskomitees^ tonangebend sind, einer scharfen Kritik unter-' zog. Er beschuldigte die Leiter der Geldverteilung, dab sie die amerikan Lehen Gelder für assimilatorische Zwecke fcerützten, und die .Unterstützung denjenigen Wohltätigkeitsgesellsehaften verweigerten, die von Öen nationalen Kreisen geleitet werden. Diese Beschuldigung, die mit Tatsachen belegt wurde, hinterließ bei vielen Versammelten einen tiefen Eindruck. Es wur'de öestnlossen. in Lublin ein zentrales Hilfskomitee nach dem Muster des österreichischen Jüdischen Reitungskomitces zu bilden. Eine Kommission von 12 Personen mit je drei. Personen aus jedem Gouvernement wurde gewählt, die die Verteilung der aus Amerika einlaufenden Hilfs- -gelder zur Aufgabe har. Unter anderem wurde auch beschlossen, die unter der Redaktion des Herrn Rechtschaft erscheinende jüdische Wochenschrift in polnischer Sprache „M y s I Zydowska“ vom 1. Januar in eine Tageszeitung zu verwandeln, die die Interessen der Juden zu schützen berufen sein wird. Neu? Schulen der Orthodoxen. Leitende Personen der jüdischen Orthodoxie in Rußland, die Rabbiner Grodzenski aus Wilna, Schap i r o aus Kowno, R ab i n o w i t s ch aus Minsk, Ahronsohn aus Kiew und andere wandten sich an das Zentralkomitee der jüdischen Kriegslulfsorganisatioi mit dem Ersuchten, 'die von ihnen neugegründelen 70 Flüchtlings-Chedarim in 46 Städten der neuen jüdischen Sied'ung zu unterstützen. Sie wiesen darauf hin, daß die von ihnen eröffneten Chedarim den modernen Ansprüchen der Hygiene und Pädagogik völlig entsprechen. Das Zentralkomitee beschloß, diese Chedarim gleich al'en anderen Flüchtiingsschulen aus den Geldern der Selbsthilfe zu unterstützen. Das monatliche Budget dieser 70 orthodoxen Chedarim beläuft sich auf 10.000 Rubel. Ein allgemeines Verbot für die jüdische Presse Nordwestrußlands erging von der obersten Militärbehörde im Juli 1915. durch das die. wichtigsten Zeitungen des russischen Judentums betroffen wurden. Den Bemühungen der Petersburger jüdischen Gemeinde ist ein gewisser Erfolg beschieden gewesen: cs wurde das Erscheinen einer Tageszeitung „Unser Leben“ und einer hebräischen Wochenschrift „Haam“ gestattet. Im allgemeinen aber ist das Verbot autrechterhalten geblieben; die Verordnung wurde auch auf Bücher in jidiseber Sprache ausgedehnt. Ja, es wurde in Petersburg sogar untersagt, Gebetbücher, Machsorim und dgl. drucken zu lassen, ln der Duma beabsichtigt man eine Interpellation, die aber wohl aussichtslos ist. Udbir den Heeresdienst der russischen Juden in Frankreich wurde in der Kammer beraten. Dpr Nationalist G a 11 i beantragte, daß (die größtenteils jüdischen) Flüchtlinge aus Rußland ent-' weder „freiwillig“ in die Fremdenlegion ein¬ Zionistische Bewegung Delegiertentag der Poale Zion In Amerika. Der 10. Delegiertentag der amerikanischen Abteilung des zionistischen Sonderverbandes Poale Zion fand vom 14. bis 19. Oktober in Boston statt. 109 Delegierte aus den Vereinigten Staaten und Kanada nahmen an ihm teil. Im Tätigkeitsbericht wurde festgestellt, daß im Laufe des letzten Jahres mehr als 2000 neue Mitglieder der amerikanischen Abteilung der Poale Zion beigetreten sind. Die erste wichtige Resolution, die dem Delegiertentage vorgelegt wurde, behandelte die' Frage des amerikanisch-jüdischen Kongresses und verlangte die Zustimmung zu dem neuen Abkommen zwischen dem Kongreßkomitee und der „Konferenz der amerikanisch-jüdischen Organisationen“. Die Resolution wurde angenommen; gleichzeitig beschloß der Delegiertentag jedoch, seine Arbeit für die Schaffung eines allgemeinen jüdischefi Kongresses als .einer ständigen Institution fortzusetzen. Der zweite Tag war in der Hauptsache der Beratung der Jugendarbeit gewidmet. Die Kommission für die Jugendarbeit berichtete, daß während des letzten" Jahres 18 Jugendvereine mit einer Mitgliederzahl von mehr als tausend gegründet wurden. Für das nächste Jahr ist die Einrichtung von Jugentlvereinen in allen Städten, wo es Poale-Zionistische Vereine gibt, geplant, und man erwartet, daß wenigstens 10.000 junge Leute den Jugendabteilungen beitreten werden. Der Verband plant die Herausgabe einer Kinderzeitung und wind eine Anzahl hebräischer Schulen: einrichten. Darnach erstatteten das Propaganda- Komitee und die Palästina-Kommission ihre Berichte. Für den Palästina-Arbeiterfonds wurden im vergangenen Jahre 20.000 Dollar vereinnahmt; im kommenden Jahre sollen 30.000 Dollar erzielt werden. Am dritten Beratungstag wurde der Bericht der Zentralleitung der Poale Zion im Haag verlesen, der in erster Linie das von den Poale Zion geleistete Hilfswerk für die von? Kriege betroffenen Juden behandelt. Die Organisation hat eine ganze Anzahl von Arbeiterheimen und Suppenküchen in London, Warschau, Lodz und in fast allen wichtigeren Orten Palästinas geschaffen. Die Zenträlleitung hat ferner eine Schrift über die Leiden der jüdischen Bevölkerung im Laufe des Weltkrieges in mehreren Sprachen herausgegeben und verbreitet. Am vierten Tage erstatteten die einzelnen Vereine ihre Berichte und nachmittags gelangten die Resolutionen zur Beratung. Es wurde beschlossen, für Propagandaarbeit Während des kommenden Jahres 10.000 Dollar bereitzustellen. Anläßlich des U .’.egiertentages fanjf eine Reihe von Massenmeetings statt, bei denen die Herren B. Zuckermann, L. Cliasanowicz, Mr. Brown, M. K a t z, A. Serubabel, B. Boro c h o w, Dr. N. S y r k i n und andere Ansprachen hielten; besonders eindrucksvoll war die Rede von Dr. Benzion Mossinsohn; der an den Verhandlungen des Delegiertentages als Gast teil'nahm. Neue amerikanisch - jüdische Hilfsaktionen. Dr. Magnes, der von seiner Europareise kürzlich nach Amerika zurück gekehrt ist, unterbreitete dem American Jewish Relief Comitee folgenden Plan: es sollen von den amerikanischen Juden 30 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt werden, die nach dem Kriege in Form kleinerer Anleihen denjenigen Juden zu gewähren sind, die sieh von neuem eine Existenz aufbauen müssen. Der Plan hat die Aufmerksamkeit aller jüdischen Kreise des amerikanischen Judentums erregt und wird zur Zeit eifrig diskutiert. Die Frage, wie der gegenwärtigen Notlage zu steuern ist, in der sich die jüdische Bevölkerung Polens befindet, bleibt trotzdem noch offen. Und es ist deswegen mit besonderer Freude zu begrüßen, dab. das Conjoint Distribution Committee sich an die amerikanische Judenheit mit der dringenden Aufforderung wendet, aufs neue 10 Millionen treten oder nach Rußland verwiesen werden . Dollar für.den amerikanisch-jüdischen Hilfsfonds f \ II. A r-1 I IA» A K /»Mrl M ill A M X .. « r— . aL 11. _ . _ . . . ..... . sollten. Der Abgeordnete M o n t a i s wünschte die Frage der Krie^skommission der Kammer zu überweisen. Ein" solch „freiwilliger“ Dienst in der Fremdenlegion wäre erzwungen; nach Rußland zurückschicken könne man nur diejenigen, die sicher seien, in .ihrer Heimat Freiheit und Recht zu finden. Das große Prinzip der Republik, das Asylrecht, müsse hoch und heilig gehalten werden. Die Kammer ging einstimmig über den Antrag des Nationalisten zur ■ Tagesordnung über. Die russischen Juden, die mehr als fünf Jahre in England wo nen, sollen ins Heer eintreten. Drei Monate nach ihrem Eintritt werden sie naturalisiert. Sie werden an ein einziges Tribunal ohne Instanzen appellieren können. Damit sind die russisch-jüdischen Kreise unzufrieden, da man ihnen versprochen hatte, daß sie in derselben Weise wie die Engländer auch an ein zweites höheres Tribunal appel'ieren würden können. Das Komi ee der Delegierten der aufzubringen und es ihm zu ermöglichen, in noch größerem Maße als bisher den an ihn herangetretenen Forderungen zu genügen. ln einer großen jüdischen Volksversammlung in Kopenhagen wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: Die am Mittwoch, den 29. November 1916, von der Agudath' ha’Zionim b’ Danmark in Kopenhagen im großen Saal des Handwerkeryereins unter Beteiligung von Juden aller Bevölkerungsklassen einberufene Volksversammlung spricht nach Anhörung der Referate über die jüdische Kongreßbewegung in Amerika ihre tiefste Genugtuung datüber aus, daß es der amerikanischen Judenheit gelungen ist, in der Kongreßfrage zu einer Verständigung zu gelangen, so daß d:r Kongreß tatsächlich eine Vertretung der gesamten amerikanischen Judenheit darstellen wird. Die Versammlung erblickt in dem Kongreß einen bedeutungsvollen weiteren Schritt aut dem Wege zur Organisierung des gesamten jüdischen Volkes und gibt der Hoffnung Befreiung in hohem Maße ihrer Verwirklichung näher bringen wird. Italien und die Jüdische Frage. Das italienisch jüdische O gai ,,V e s s i 11 o 1 s r a e f i t i c o“ richtete vor kurzem eine Rundfrage an ungefähr 200 Senatoren und Deputierte, ob sie es für wünschenswert hielten, daß Italien bei der Friedenskonferenz die Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern, wo sie ihnen heute vorenthalten wird, verlange. Fast alle der Angefragten sprachen sich dafür aus und begrüßten lebhaft den Gedanken, daß Italien die Initiative in dieser Sache ergreifen solle. Nur wenige drückten ihre Zweifel aus, ob die Zeit für einen solchen Schritt günstig gewählt sei. In der italienischen Tageszeitung „Resto de! Car- I i n o“ veröffentlichte der bekannte Politiker Giovanni P a p i n i einen interessanten Artikel über „Zionismus und die jüdische Kolonisation Palästinas“. Er sehiklert ausführlich, unter Fleranztehung statistischen Materials, die gegenwärtige Lage der Juden in den' verschiedenen Ländern, widerlegt eine Reihe von Einwänden gegen den Zionismus und kommt zu dem Schlüsse, dab die zionistische Bewegung Sympathie und Förderung seitens der ganzen Kiilturwelt verdiene. Eine Professur für Jiddish in Amerika. Die Universität von Wisconsin hat als erste Universität in den Vereinigten Staaten eine besondere Professur für das Studium des Jiddischen eingerichtet und Herrn Professor L. B. Wolfsonfür dieses Lehramt berufen. Zionistische Arbeit in Frankreich. Im Verein der zionistischen Studenten an der Sorbonne hielt am 21. Oktober Herr E. W. L e v i n - E p s t e i n, Mitglied des Provisional Executive Committee in Newyork, einen Vortrag über die gegenwärtige Lage des jüdischen Volkes, in dem er besonders eingehend die Lage des jüdischen Kolonisationswerkes in Palästina, die zionistische Arbeit in Amerika, die Frage des amerikanischjüdischen Kongresses und die Lage der Juden in Polen besprach. Die Ausführungen des Herrn Levin-Epstein begegneten dem größten Interesse und wurden sehr beifällig aulgenommen. Die Versammlung wurde von dem Präsidenten der französischen Zionistenföderation Herrn Dr. A. Klein geleitet. Herr Levin-Epstein sprach außerdem auf einer vom Verein Atereth Sion am 28. Oktober veranstalteten Conference. Nach seinem Vorträge wurde für das Palästina-Hilfswerk gespendet. Vor kurzem hat sich1 in Paris ein jüdischer Jugendverein unter der Leitung des Fferrn Judeovici mit dem Namen „Union amicale“ gebildet, der am 4. November seine erste Versammlung veranstaltete. Die Herren Herrmann, Judeovici und Berfeld hielten dort Ansprachen. Der „Zionistische Verein des 18. Bezirks“ hat ein großes Meeting einberufen, bei dem außer zionistischen Rednern auch eine Reihe französischer Politiker das Wort ergreifen werden. Aus der Zionistischen Bewegung in Galizien Das Bedürfnis einer Vereinigung und Konsoli- Iidierung der in Lemberg zurückgebliebenen Parteigenossen veraniaßte Gg. H. Dr. Ring e 1 eine Konferenz de.- Vertrauensmänner, die sich als Lokal-Komitee konstituierten, einzuberufen, die auch am 6. d. M. stattfand. Nach der Eröffnung der Konferenz erstattete Dr. Ringei den Rechenschaftsbericht über die Arbeit des Zentral- Komitees. Besonders wurde die Notwendigkeit einer Organisation der jüdischen Bevölkerung beim Wiederaufbau des Landes und einer aiisgebreiteten Propaganda hervorgehoben. Dieser Bericht wurde genehmigt. Es erfolgte hierauf der Bericht der Vertreter der Jugendo-ganisationen Gg. Arjeh W e i n s t o c k und Jakob Freund, wie auch der J. N. F. Kommission Gg. Sigm. S c h m i 1 o w i c z. Nach einer regen Diskussion ging man zur Besprechung der wichtigsten aktuellen Fragen über, die in das Arbeitsprogramm eingeschlossen wurden. Demgemäß wurden Beschlüsse gefaßt in Bezug: 1. auf die Reorganisierung der J. N. F.-Kommission, 2. intensive Einleitung der Schekel-Sammlung, 3. Selbstbesteuerung für die Zwecke der Lembergcr Organisation, 4. eine Abonnements-Acquisifion für das jüd. „Tagblatt“, 5. Reorganisierung des jiid. Kriegsarchivs in Lemberg, 6. die Gründung eines Lokalkomiteebureaus. Die nachher erfolgten Wahlen gaben das folgende Ergebnis: Zum engeren Komitee wurden gewählt: Dr. M. Ringel, Red. Dr. Bickel, Dr. Brqmb e r g, Jakob Freund, Oswald Schargel, D. M alz; zum weiteren Komitee: Dr. M. Bickel es, Sami Arnold, Dr. Buch stab, Salomon D u k o r, Dir. Eisler, Dr. F r :• u n d, S. Gla n z, Dr. H. Halpern, Keßler, M. Lamm, Dir. Landau, Dir. Dr. Löwenherz, H. Melze r, Rosa Pomeraiu - M e lz e r, Zwi N a g e 1 b e r g, Dir. S. O r a n g e, Frl. GesinnungsgenossenMDenket an Eure Presse!

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