Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 46 (24.11.1916)
- Date
- 1916-11-24
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÖftlSCHE ZEITUNG die numerische Stärke «der organisierten Zionisten in England gewachsen' ist, merkt inan inden verschiedenen Ortsgruppen ein regeres Leben, das für die kommende Winterarbeit versprechend ist. — Auf einer Sitzung der „English ZiTonist Federation“, die Anfang Oktober stattfand, wurde der Beschluß gefaßt, Agitaions.eisea nacäi kier Provinz z|u Arrangieren, Unjd überhaupt, durch. eine Propaganda für den Organisations-Fond, der Förderatjon die Möglichkeit für eine intensivere Bearbeitung der jüdischen Kreise zu geben, die für den Zionismus zu gewännen sein können. — Der „Order of Ancient Maccafceans“ hat seine Winterarbeit mit einem1 Appell zu Gunsten ,der Palästina-Hilfsaktion eingeleitet. Der Aufruf ist von Herrn Herbert Bentwidh, Grand Commander of the Order, gezeichnet; bisher sind zirka’ 150 L gesammelt Worden, wovon 140 L durch'’die Vermittlung’ des Köpenhagiener Büros der Zionistischen. Organisation nach Palästina übermittelt worden sind. — Unter dem Vorsitz' des Herrn Herbert Bejitwich1 fand am 21. Oktober in der ToynbeerHalle in London die 9. Sitzung der „London University’ Zionist Society“ statt, die außerordentlich gut besucht war. Herr Nah'nni* Sokolow sprach.über ,,Die hebräischen Schulen in Palästina“. Er führte aus, daß er unter Erziehung in Palästina nicht Erziehung auf der Grundlage der Wohltätigkeit verstehe, sondern Erziehung, auf nationaler Basis, Erziehungsarbeit' mit dem1 Zjele nationaler Regeneration. Irrig sei die Meinung, nicht alle modernen Unterrichtsfächer könnten. in der hebräischen Sprache gelehrt werden. Vor 20 JahV ren habe er selbst an die Möglichkeit nicht geglaubt, daß Hebräisch' eine Sprache sei, in. der man alle modernen Bedürfnisse ausdrücken könne. Doch heute-ist dies eine lebendige Tatsache geworden. An der wahrhaft schöpferischen Arbeit, die hier von Pionieren, jungen’ Juden, Intellektuellen, Studenten, Träumern und Poeten geleistet worden ist, werden, so’ hoffe' er, die jungen Juden Englands sich” auch’ beteiligen. — Auch' in den anderen zionistischen. Vereinen der Metropole zeigt sich' neues Leben. — Dasselbe wird aus den Städten Liverpool, Glasgow, Manchester, Beifort, Cardiff. und Newcastleo n - T y n e gemeldet, j wo vielfach’ Redner und Agitatoren der Federation auftreten. — Auch1 in den nicht-zionistischen jüdischen Kreisen .und in der nicht-jüdischen Oeffentlichkeit Englands schenkt mian : in letzter Zeit der Zionistischen Bewegung größere Aufmerksamkeit. Hiezu haben ’ jn hervorragendem1 Maße die beiden zionistischen Sammelbücher „Der Zionismus und die Jüdische Zukunft“ (herausgegeben von H. Sacher) und „Der Zionismus, seine Ziele und Aussichten“ (h'e- .rausgegeben von Paul~~G o 1 d man und D. L ewis), ferner die von den Herren Simbn und Sadter 'publizierten Broschüren über die Zionistische Bewegung und die Jüdische Kolonisations-Arbeit in Palästina beigetragen. Die bedeutende englische Zeitschrift. „Fort night ly Review“ veröffentlichte aus der Feder „ines englischen Juden“ einen Aufsatz über den Zionismus, der freilich vom1 „Jewisdt’ Chronicle“ und Ijden übrigen zionistischen Zejaingen Englands in schärfster Form angegriffen wird, weil Cr alte und längst widerlegte Beschuldigungen gegen den jüdischen Nationalismus enthärt/ Das Sammelbuch von H. Sacher’ wurde kürzlich; von Lord Croiner einer eingehenden und wohlwollenden Kritik unterzogen, der bei dieser Gelegenheit aut die Bedeutung der zionistischen Bestrebungen hinwies. , " / Aus Palästina. Der OberbefeWshäber Djemfel Pascha läßt zur Zeit durch' den deutschen Ingenieur von .Vaid ,die Bodenverhältnisse in Palästina eingehend untersuchen. Diejenigen Teiie des Landes, die sich für landwirtschaftliche Zwecke nicht eignen, . sollen irgendwie anders nutzbringend verwendet werden. — Selu: viel ist während des Krieges in Palästina zum Ausbau und in der Pflasterung der Straßen und der Erweiterung aller Verkehrswege geschehen. — Nach den .Nachrichten, die . von drüben einlaufen, scheint man sich in -den Jetzten Monaten mit besonderem; Eifer, der Gemüsezucht zu widmen. . Lambros als Kenner und Förderer jüdischer Geschichtsforschung Anläßlich eines Athener Aufenthaltes .hatte ich Gelegenheit, mit dem . jetzigen griechischen Ministerpräsidenten Lambros und. seiner Familie bekannt .zu werden. Dieser, nun, zu weltgeschichtlicher Bedeutung gelangte Mann, ist einer der ersten Historiker seines Volkes und einer der besten- Kenner, der byzantinischen ündgriechi- . sehen Geschichte. Daß er auch’ der jü disch en Geschichtsforschung Interesse entgegenbringt, erfuhr ich, als Professor Lambros. mit seiner Familie im' Jahre 1911 in Wien weilte. Ich schrieb damals gerade an einer kleinen historischen Skizze über "die Wappen von Corfioter Juden im 17- Jahrhundert. Da es sich immerhin um einen Gegenstand handelte, der mit der griechischen Geschichte in gewissem Zusammenhänge steht, so sprach ich Herrn Professor Lambros davon; er brachte meiner kleinen Arbeit nicht nur unverdientes Interesse entgegen, sondern erwähnte auch, daß er selbst Material zur Geschichte der byzantinischen und griechischen Juden gesammelt und am Kopenhagener Orientalistenkongreß darüber Mitteilung gemacht habe. Wenige Wochen nachher erhielt ich von Professor Lambros einen Brief mit weiteren einschlägigen Mitteilungen, aus dem folgende Stellen wiedergegebenseien: Athen, 12. Oktober 1911. ... Ich wollte zu gleicher. Zeit mit meinem Briefe Ihnen den Nachweis über die bisherigen mir bekannten Arbeiten über die Juden Griechenlands einseniden, .wie ich’ Ihnen versprochen und das Pergamentheft: zurückschicken, welches Sie die. Güte hatten, mir zur Abschrift hieher mitzugeben. Nachdem ich nun diese Arbeit habe erledigen können, bekommen Sie heute dieses Heft zurück. Zusammen mit ihm erhalten Sie meine „Logoi kai anamneseis ek tu borra“, worin Sie S. 147ff.. meine im Jahre 1908'am internationalen Orientalistenkongreß zu Kopenhagen gemachte Mitteilung über die Juden Griechenlands finden werden. Ich bin sonst zu jeder weiteren Mitteilung bereit. , Außerdem befindet sich" in .meinem .Besitz aus der Bibliothek meines seligen -Vaters ein Pergamentband voll Dokumenten üb„er den kretischen Juden M.aurogonatos und seine Rolle während eines der Aufstände '.der Kretenser gegen die Venezianer ... Paul D iaffl a n t- Aus der jüdischen Welt Der Gesariit-AussJhüß des Verbandes der deutschen Juden tritt in der nächsten Woche zu (einer Sitzung in Berlin zusammen; um zu den schwebenden großen Fragen des Judentums Stellung zu nehmen. Zentralvereün deutscher Staatsbürger jüdx. sehen Glaubens. , Am 12. d. M. fanid in Berlin eine, erweiterte V.orstandssitzung statt, zu der auch die. auswärtigen Mitglieder des Hauptvorstandes geladenwaren. Die Versammlung tagte im1 Brüdervereinssaale und nahm1 zu den aktuellen jüdisch-politischen Fragen Steilung. Adolf Oppenheim» ein bekannter Schriftsteller, Preßburger von-Geburt, ist in der vorigen Woche ini1 Alter von 71 Jahren in München gestorben.- Als einer der wenigen Männer aus der Aera des Liberalismus, die, wo sie nur konnten, aufrecht, ihr Judentum betonten und 'dem Zionismus Gerechtigkeit widerfahren ließen, verdient er ein paar Worte ehrenden Nachrufs. Unvergessen soll es sein, daß er bei der Generalversammlung des „Zentralveeins deutscher Staatsbürger ■ jüdischen Glaubens, von dessen tätigsten Mitglieder er eines war, gegen die berüchtigte antizionistische Erklärung von der Tribüne aus unbedingten Protest erhob. Er stand auch' in starker Opposition zu dän herrschenden Gemein der egime. Daß er sich nicht auf. unsere Seite ’ schlug, daran mag sein Alter mitgewirkt haben. An seinem 70. Geburtstag im'vorigen Jahre, zu dem1 er aus allen Kreisen aufrichtige .Glückwünsche, empfieng, sagte er zu einem Gratulanten:;jdr halte' die Zionisten für die Zukunft des Judentums.1 Wenn, ich selbst nicht ganz auf ihre' Seite trete, so geschieht es, weil esfür mich,, das habe ich immer betont, doch noch1 Gründe religiöser Natur gibt, die blich davon ahhältea. Aber, vielleicht bin ich über diese. Punkte;’ nicht, genügend aufgeklärt.“ Die DeutäChHsraelitisdh Osmiznische Unon läßt wieder von sich' hören. Seit Herbst 1916 machte, der Ausbau der Organisation bemerkenswerte Fortschritte. In Breslau sei sogar die Bildung eines «schlesischen Landesko'mitees beschlossen worden, in Stuttgart eines für Württemberg. DieLeitung meldet Versammlungen und Ortsgruppengiündungen in Herbronn, Essen, Düsseldorf, Aachen, Köln a. .Rh., Duisburg. Als Referenten seien Kommerzienrat Dr. Gerson Simon und Dr. Alfrcjd N ossig, ferner Baumeister Martin Fl’ät o w aufgetreten. Bezeichnend in vieler Hinsicht' ist die Bemerkung, daß mancherorts die früheren Ortsgruppen. der Alliance Israelite Universelle’ der „Union“' beigetreten seien. Graft .Tisza über die polnische Judenfrage. Auf Anfrage der Wochenschrift „Egyen- ■ loes’eg“ über die Frage der Gleichberechtigung der polnish'cen Juden antwortete Ministerpräsident Graf Tisza: „Ich kann mich' nicht berufen fühlen, über die Angelegenheit der Gleichberechtigung der Juden in dem zu neuem' Leben erwachten Polen irgendwelche Erklärung abzugeberi. Denn die .Entscheidung dieser Frage gehört in den Wirkungskreis des polnischen Staates. Ich’ bezweifle jedoch nicht, daß die. polnische Nation, die ihr Selbstverfügungsrecht zurückgewonnen hat, auf 'der ganzen Linie, daher auch': in dieser Frage, sich auf den Standpunkt der Freiheit und Rechtsgleichheit stellen wird.“ Die jüdisdhte Sprache in Polen. Der Magistrat von Lublin hat am1 15. Oktober eine statistische Liste für die Lubliner Bevölkerung herausgegeben, in der die. Anführung der jüdischen Nt. 46 Sprache als Muttersprache untersagt wurde. Dagegen erhob der Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Lublin beim1 Geheralgöuverneur Einspruch 'mit der Begründung, daß diese Verordnung die meisten nur jiddisch sprechenden Juden zu fälschen Angaben veranlassen würde. Stedtratcwc.'i/Jen in Lublin.. Die Judenschaft Lublins beginnt sich zu den im Dezember 1. J. stattfindenden Stadtauswahlen mit ‘ energischer Umsicht 'vorzubereiten. Am 9.- d. M. fand im Lokal der jüdischen Gemeinde eine zahlreich besuchte Versammlung von : Bürgern aller Parteien statt, die jijesdhloß, bei der . Wähl .geschlossen Vorzugehen, und ein aus 29 Mitgliedern bestehendes Wahlkomitee wählte. Die'russischen Juden, in. Italien. Die italienische Regierung hat alle in Italien (Wohnenden rassischen Juden aufg-efor-derf, -nachRußland, zurückzukehren. Irgend eine Instanz, hei der, die von dieser Zwangsmaßregel betroffenen Juden Einspruch gegen die Zwangsverschickung. erheben , können, besteht , in Italien nicht. . Es, \vird-weder, ein Unterschied zwischen, politischen Flüchtlingen, und -anderen' -Auswanderen, gemacht,: noch , wird den aus Rußlandausgewänderten, Juden' das Recht eingeräumt, im. italienischen.,. Heere zu diesen. ' Eine Albhlandlung. des, ■Rabb',.1JehTeJ ,Niesies von Pisa, über Finanz-, Wechsel-., und Seeverr sicherungswesen, veröffentlicht der. Professor für jüdische ,Geschichte und Literatur an der. Universität New-York, Alexander _M a r x.Jim.Sep-: temberheft der „American Economic . Review“. Die Schrift wurde, im',Jahre 1559, verfaßt;’ das Manuskript, der Arbeit, wirct in der Bibliothek des „Jüdisch theologischen Seminars, für. Amerika“ in New-York aufbewahrt. Venize]os zieht die Jüdin zißnl Heeresdienst heran. Aus Saloniki wird gemeldet, daß die provisorische Regierung die Juden,.der Jahresklassen 1913 bis 1915 unter Androhung ihrer Verhaftung' autgefordert hat,, sich, sofort zu. .stellen.. Freimaurer und Judenfrage.. In Alexandrien fand kürzlich eine Ffeimaurerversämmlung, dje, von Delegierten verschiedener .Nationalitäten besucht war, statt. ' Dabei‘ wurde ein BeT -Schluß gefaßt, . für die Emanzipation der. russischen und der rumänischen Juden einzutreten. ML Elkus’-Besuche in dsn Synagogen, von Konstant'nopeT. .Wie „L’Aurore“ in Konstantipel meldet, hat der neue Botschafter,-sein 'Interesse an der jüdischen Gemeinde, bekundet, indem1, er an den . hohen Feiertagen , die bedeutendsten Bethäuser besuchte. Aiü . Jom-Kippur Vorabend begab üb" sich in der. Gesellschaft des. Großrabbihers Haim Nä hum 'zum Gottesdienst. . ’ . . Die Sabbathruhe bei den jüdjsdien Arbeitern New-Yorks. Der große Streik;. der.’Dämensdhneider, der 14 Wochen dauerte ündv.an 'de'm,zirkä 50.000, jüdische Arbeiter beteiligt waren, fanid am 2. August änit einem teilweisen .Sieg:, der AJrb’eiter sein.Ende.. Die neuen Ärbeitsstatüten, j die die zusammengesetzte Konferenz , der .Arf beiter und der Arbeitgeber verfaßt hat, enthalten unter .anderem!, .einen Punkt, der die Ar- . beiter am’ Sonnabend zu einem, halben Arbeitstag verpflichtet. Eine, vom „Misradhi“ in New7 York eirigeleitete Bevregung.Jerhebt Protest gegen diesen Beschluß jun[d Seilt die Forderung einer fünftägigen Arbeitswoche auf. Eine , zum' Zweck des Protestes einberufene, Arbeiterversamtnlung, auf der die Herren Meier Berlin und Josef Ba:‘ rondes über die nationale und soziale Bedeutung der Sabbatruhe aufklärten, faßte eine Resolution, die ieine fünftägige Arbeitswoche mit Verteilung der Sabbathstunden auf die fünf Werktage fordert.