Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 46 (24.11.1916)
- Date
- 1916-11-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2438141-2438572-2438617--5041-2444978- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG ' Nr,-46 Trauerkundgebung des Exekutivkomitees der Zionisten Österreichs Donnerstag, den 23. November, fand in den Räumen des Zionistischen Zentralbureaus eine feierliche Trauerkundgeb-ung der Zionistischen Partei Oesterreichs statt, zu der außer den Mitgliedern des Exekutivkomitees und des in Wien weilenden Mitgliedes des E. A. C., Dr. Arthur H a n t k e aus Berlin, zahlreiche Gesinnungsgenossen erschienen waren. Herr k. k. Reichsratsrevisor Rudolf T a u s s i g, der zweite Vorsitzende, vertrat den durch das -Jiinscheiden seines Bruders schwer betroffenen Präsidenten, Herrn Adolf Stand, und hielt eine tief empfundene Rede über den herben Verlust, den die Monarchie durch den Heimgang des Kaisers erlitten hat, der allen seinen Völkern,' auch uns Juden, immer ein gütiger, väterlicher Herrscher gewesen war. Nach' der Ansprache, die von den tiet ergriffenen Anwesenden stehend angehört worden war, wurde die Trauersitzung geschlossen. . , .. *• ■ * . ' An demselben •■Abend fand eine Sitzung des erweiterten Exekutivkomitees statt, der audt viele Vertrauensmänner aus Galizien und der Bukowina beiwohnten. Herr Reidhsratsrevisof T'aussig eröffnete die Versammlung mit Wor- . ten des-innigsten Beileids für den um seinen Bruder trauernden Präsidenten, Herrn Adolf Stand. Hierauf berichtete das von seiner Reise nach Galizien zurückgekehrte, zu kurzem Aufenthalt in Wien eingetroffene Mitglied der Leitung, Herr Dr. Arthur Hantke, ausführlich über die Wahrnehmungen, die er dort genfadit hatte.' Seine Mitteilungen wurden von den Versammelten mit viel Interesse und Beifall entgegengenommen. Denn'sie zeigten, daß die zionistischen Elemente Galiziens sich in der durcn die Kriegsnot notder zionistische Geist, wie er für den Bestand .wendig gewordenen Arbeit bewährt haben und und die Entwicklung unserer Organisation wesentlich ist, in nichts gelitten hat. An die nationale Judenschaft! Zum fünffenmale vernehmen . wir den dringenden Ruf des Staates zur Zeichnung der Kriegsanleihe. Juden! Euere Pflicht habt Ihr tieim gleichen Anlass schon viermal getan: tut diesmal mehr! „Gut Österreich“ ist von jeher. jüdische Tradition; ein starkes Österreich ist auch zur Entwicklung des nationalen Judentums .notwendig. Juden! Arbeitet mit aller Energie an dem Erfolge der fünften Kriegsanleihe! Das Exekutivkomitee der Zionistischen Partei Österreichs: Dr. Karl Pollak Adolf Stand * \ Das Schulwesen in Lodz Die Wochenschrift .„Polen“ teiltin ihrer Nummer vom 10. November mit, daß „die städtische Schuldeputation in ihrer Zusammensetzung und ihrem Auftreten nach außenhip nachdrücklich den polnischen Nationalcharakter betone“. Dieser Körperschaft gehören iu .a.-' die Vorsitzenden der drei Kommissionen-des. städtischen Schulwesens, des deutschen, polnischen und jüdischen, an und sedhs Stadtverordnete, je zwei Polen, peutsche' und Juden, die vom; Stadtrat gewählt werden, außerdem drei Repräsentanten der Gesellschaft, wiederum je ein Pole, Deutscher und Jude. Insgesamt gibt es in der Deputation je vier Polen,-Deutsche und Juden. Diese bekennen sich, wie „Polen“ gesperrt hervorhebt, zum polnischen Standpunkt, wodurch eben „der polnische Nationalcharakter betont ist“. Interessant ist die Statistik des städtischen Elementar- Schulwesens im1 März v o r d em' Kriege und i n den beiden Kriegsjahren 1914 1915 . 1916 Sämtliche Schulen . .- 101 31 137 darunter jüdische . T'’ 18 17 32- Abteilungen (Klassen) . 312 265 -506 darunter jüdische . . 53 57 - 144- Zahl aller Kinder * 15.330 14.260 25 850 darunter jüdische . . 2)980 2.920 7.400 1914 war die Vortragssprache in allen Schulen russisch, ebenso 1915 während der Tätigkeit des „Bürgerkomitees“. Amtssprache in den jüdischen Sdtulen ist deutsch. Vom zweiten Unterrichtsjahr wird in diesen, wie in den deutschen Schulen polnisch als obligatorischer Gegenstand eingeführt. Vielfache Bemühungen der jüdjsclien Gemeinde um Einführung des polnischen als; Vortragssprache in den jüdischen Schulen hatten keinen Erfolg. Gegenwärtig wurde die Errichtung dreier jüdischer Schulen mit polnischeryorr tragssprache bewilligt, wobei man gleichzeitig dasselbe Recht dem jüdischen Jargon vorbehielt, der in den höheren Abteilungen der deutschem Sprache Platz machen müßte. Das Budget der Schuldeputation betrug in «den neun Monaten bis 1. .April* 1916 M. l,512.450.r-> wovon für die polnischen Schulen 681.750, für die. deutschen 435.100 und lür jüdische 391.600 M. veraus'- gabt würden. — Die Statistik des deutschen Polizeipräsidiums wies im Juli;1915 aus: Polen , . . 217.000 Deutsche . . . 48.000 Juden,;. .... 152.000. , „Der, Prozentsatz der deutschen Bevölkerung beträgt 12, das Budget des deutschen Schüi- wesens dagegen 29 Prozent“, bemerkt da? Blatt. 'Warum führt es nicht die Verhältniszahl für