Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 45 (17.11.1916)
- Date
- 1916-11-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE ZEITUNG Nh- 45 Seite 4 Diese Resultate rechtfertigen die' Ausgaben, dift ilas?PEC in organisatorischer Hinsicht gemacht hat. Am 31. August 1914 wurde beschlossen, eine Summe von 50.000 Dollars aufzubringen und man beganjii die Arbeit mit einer Garantie für 11.000 Dollar. In diesem Jahre, 1916, hat das PEC allein in den drei Sommermonaten Juni, Juli, August, welche die stillsten Monate des Jahres sind, 47.625 Dollar eingenommen. Die organisatorischen Ausgaben des PEC sind im Zusammenhänge mit den Einnahmen zu beurteilen, die durch diese Ausgaben erzielt werden. Das PEC hat (außer dem Transfer-Departement) eingenommen: 356.940 Dollar, ausgegeben: S5.530 Dollar, so daß also weniger als, 25°,o für Organisationsausgaben in Abzug gebracht werden müssen. Schließt man das Transfer-Departement ein, das für Europa und Palästina' zirka 600.000 Dollar geschaffen hat, so betragen die Ausgaben nicht mehr als 8%, was einen sehr geringen Prozentsatz darstellt. Für die Ueberweisungen der' Gelder an Verwandte nach Eüropa und Palästina hat das PEC keine Spesen berechnet. Diese machen auch eine ansdmliche Summe aus, die Von den -8"o noch zu kürzen wäre. Aus Palästina Die sanitärcfr Verhältnisse in Palästina haben den „Verein der jüdischen Aerzte' und Naturforscher für sanitäre Angelegenheiten in Palästina“ veranlaßt, einige Broshcüren zur Aufklärung über die zurzeit dort herrschenden Krankheiten in den verschiedenen Landessprachen herauszugeben. Von diesen Schriften liegen jetzt zwei vor, (beide.aus der Feder von Dr. Beham: eine allgemeine Schrift über den Krieg als Urheber und Verbreiter der bekanntesten Infektionskrankheiten und eine eingehende Sdirift über die Cholera; Beide in hebräischer Sprache. Das Jüdische Krankenhaus Schaare Z on in Jaffa, das zu Beginn des Krieges infolge materieller "Schwierigkeiten seine Tätigkeit fast hätte einstellea müssen, veröffentlichte vor kurzemeinen Bericht, aus dem“ hervorgellt, daß die Zahl der Kranken, die während der ersten Kriegsmonate Aufnahme fände-1, 315 beträgt. Die Zähl der Tage, an denen die Patienten im Hospital' behandelt und gepflegt wurden, beläuft sich auf 5688. ln der Wöchnerinnenabteilung wurden 31 Frauen entbunden. Die Zahl der Patienten, die außerdem von diesem“ Krankenhaus untersucht ~ und-, behandeltwurden,--ohne dortaufgenomhien '"zu werden, beträgt, mfebr’als 3600. Mehr als 1200 verschiedene Arzneimittel wurden an Arme kostenlos abgegeben. Aus dem aamerikanischen Hilfsfond Wat das Krankenhaus 15.000 Frcs. erhalten, außerdem ein erhebliches Quantum“ von den. Lebensmitteln und Medikamenten des „Vulkan“. Aus anderen Hilfsfonds erhielt die Anstalt 2300 Frcs. Aus der jüdischen Welt Der Zionismus und die Skandinavische Presse. Sei; Abbalang der KonTr.nz der Ska-dinaviscWep Zionisten, Ende Mai 1916 zu Kopenhagen, beschäftigt sich die Skandinavische Presse, die damals ausführliche Berichte über die Verhandlunge.td tes Delegieirtentages brachte, des öfteren ‘mit der Zionistischen Bewegung (und ihren Zielen. Im Januar 1916 erschien im größten dänischen Wochenblatt „Hjemfnet“ eine Artikelserie über die Geschichte des modernen Zionismus und -der jüdischen Kolonisation in Palästina, und die Zeitung brachtegleichzeitig eine Reihe von photographischen Aufnamen aus den jüdischen Kolonien. Das dänische Regierungsblatt „Politiken“ veröffentlichte im August an leitender Stelle einen Artikel über „Die Aufgaben des Zionismus“, in dem betont wurde, daß die sozialökonomischen Aufgaben c'e; Zionismus Sympathie und Unterstützung verdienen.- Einige Wodien darauf veröffentlichte „Berlingske Tidende“ einen Leitartikel „Ueber die Zionistische Bewegung und ihre Organisation“, worin nach eingehender Darlegung der Bewegung und ihrer Ziele ebenfalls hervorgehoben wird, daß die öffentliche Meinung Europas der Zionistischen Bewegung freundlich, gegenüberstehen und sie fördern müsse. Im- Oktober endlich erschien in der Kopenhagener „Nationaltidende“ ein Artikel: „Was der Zionismus will“, der sich besonders eingehend mit dem' Wiedererwachen der hebräischen Sprache und Kultur in Palästina beschäftigte. In der Provinzpresse wurden diese Artikel vielfach' nachgedruckt, sodaß das skandinavische Publikum mit dem Zionismus und seinen, Bestrebungen heute recht vertraut ist. Jüdische Turn- und Sportverene in Russisch-Polen. In Warschau ist ein neuer Tum- und Sportverein „Simson“ gegründet worden, der das Ziel haat, die Kreise der nicht in Parteivereinen organisierten jüdishcen Jugierfd der Turnbewegung zu gewinnen. Der Verein hat bereits seine Statuten zur Legalisierungejngereich'. Auch in. Wilna ist ein Turnverein „Makkabi“ gegründet und legalisiert worden. 1: Wloclawek fand am 15. Oktober ein Fest des Wloclaweker Turnvereines staatt, .zu dem auch viele Delegationen aus den Turnvereinen in Lodz, Sgiercz, Warschau, Plozk, Kutno;' Tomaschew, Czenstochau und anderen Städten der Umgebung eingetroffen waren. Die Beratung, die sich an dieses Fest anschloß, stellte die Notwendigkeit ein^r Konferenz der Vertreter aller jüdischen Tum- und Sportvereine in' Polen fest. Die Konferenz soll in Lodz stattfinden und wiird das Ziel haben, eine. einheitlihce jüdische Turnorganisation ins Leben rufen. Die Beratung wird auch die Aufgabe haben, die Frage der Stellung der Vereine zur nationalen Bewegung zu behandeln. Das njdhtjüd sehe Komitee „Pro Israele“ in Italien, dem hervorragende Persönlichkeiten angehören, versendet einen von der Journalistin Elga Oh Isen verfaßten Aufruf, in dem die italienische Gesellschaft über die Lage der Juden ISn (allen Ländern und (über die (Notwendigkeit, ihnen überall die Gleichberechtigung zu verschaffen, aufgeklärt wird. Das Komitee hat sich' als Ziel gesetzt, die Forderung der Gleichberechtigung auf dien nach dem1 Kriege einsetzenden . politischen . Verhandlungen . geltend zu machen. Die Zionisten Italiens beschlossen, dem1 Komitee ein Memorandum einzureichen, in welchem Sie für die Juden außer den bürgerlichen und politischen Rechten auch kulturelle Freiheit (und nationale Rechte und vor allem eine Behandlung der Palästinafrage verlangen. Ch. N. Bialk und Dr. Joiei Klausner sind, wie russisch-jüdische Blätter melden, zum Heeresdienste eingerückt. Der „Verirnd der rumänischen Juden“ und die „Liga der Juden aus Rumänien“ berieten in New'york über die Lage der Juden Rumäniens. Es wurde beschlossen, ein Emigrationsbureau zu schaffen, um die Auswanderung der rumänischen Juden nach Amerika zu fördern und zu regeln. Die Zahl der russ sehen Jaden, die in d»e englische Armee engetreten sind, beträgt nach einer Mitteilung des Ministers des Innern, 'Herbert Samuel, bis jetzt 400. 2000 sefardische Juden als „Sprnier der Sitte» Sprache und Gesdrcflite nach“ wurden auf Ansuchen des spanischen Botschafters von der französischen Regierung von den strengen Maßnahmen, die man gegen sonstige feindliche Ausländer an wendete, ausgenommen. Spanische Intellektuelle dankten in einer Adresse d:m Minister. „Briahd für diese „entrissenen Gliedern des spanischen Volkes, die in der Fremde leben,“ gewährte Gastfreundschaft. Einen Briöf’des -‘Schriftstellers Gilb rt Kennen Veröffentlicht der East London Observer: „Die Engländer,“ heißt es darin, „leiden jetzt an einem übertriebenen nationalen Bewußtsein, aber sie können doch nicht erwarten, dab die russischen Juden nach der schlechten Behandlung, die sie in Rußland erfahren haben, das gleiche Bewußtsein besitzen, und daß sie die,gleichen Pflichten fühlen wie die Engländer selbst.“ Kennan sagt auch, daß die russischen Juden in Englanjd keine volle Freiheit besessen haben. „Man bat sie bisher vor Verfolgung geschützt. Aber gerade jetzt, wo man sie zu verfolgen beginnt, verlangt man von ihnen, daß sie den gleichen Enthusiasmus bekunden wie die eigenen Bürger des Landes.“ Der Brief schließt mit folgenden Sätzen: „Das Problem ist nicht einfach, ,und man kann es nicht durch scharfe Worte und unüberlegte Handlungen lösen. Ich sage, daß ihr (die „East Londoner Observer“) dem Lande einen großen Schäden bringt und nicht patriotischen Zwecken dient, wenn ihr die Gefühle der East-End-Bewohner aufreizt. Es ist sicher nicht wünschenswert, daß zwischen den verschiedenen Klassen der Bevölkerung Haß gesät wird, denn solche Saat bringt^ unvermeidlich entsprechende Früchte.“ Einen zweiten General jüdischer f betammeng hat seit kurzer' Zeit das englische Heer aufzuweisen. Der Oberstleutnant Seeligmann ist dem1 „Zentralblatt für Israeliten“ zufolgezum Brigadegeneral befördert worden. Die Ernennung ist, wie das Blatt mitteilt, erfolgt, obgleich die englische Heeresverwaltung gegen die Beförderung des dcuischklingenden Namens in eine höhere Komtnändo s el 1 e küizlich heftige Angriffe erfahren hatte. Der vor kurzem verstorbene Sir Jacob Sassoon war allgemein als Führer der Jüdenheit in Indien anerkannt; er hat alle jüdischen'Institutionen in Indien mit größter Freigiebigkeit gefördert. Zur Beköstigung jüdischer - Armer an den Feiertagen errichtete er einen Fonds von Pfund 16.500.—. Er begründete mit einem1 Kapital von 23.000 Pfund in Bombay eine Freischule, in W'elcber 300 jüdische Knaben und Mädchen Elementar- und Mittelschulbildung und ' ärmere Knaben eine gründliche Ausbildung im Tischlerhandw’erk erhalten. Er baute und unterhielt Synagogen in Bombay, Poona, Hong-Kong und Shanghai. Er war Präsident der indischen Abteilung der Anglo' Je wisch Association und Ehrenpräsident der Magen-David Cöngregation in Bombay. Auch jüdischen Institutionen in Palästina hat er durch Vermittlung des Zionistischen Aktions-Komitees des öfteren Zuwendungen gemacht, Antisemitische Reden und Burgfrieden in Knittelfeld (Steiermark) Am 13. Oktober d. J. w-urde in Knittclfeld (Steiermark) eine öffentliche Versammlung, einberufen vom Abgeordneten K. H. W o I f als dem Obmann des deutschnationalen Vereines, abgehalten. Man sollte glauben, dab in einer so unheimlich ernsten Zeit, wo alles normale Leben, folglich auch die Vereins-c und Versammlungsfreiheit, einen beklemmenden Ausnahmszustand erleidet, eine zustande gebrachte öffentliche Versammlung von ihren Wortführern, wenn nicht vor allem wenigstens neben den parteipolitischen Interessen, auch zu dem Zwecke benützt werde, dem versammelten Volke die Kriegsdreiheiligkeit: Burgfrieden, Durch halten, Hilfsbereitschaft mit allem Vermögen des begeisternden Wortes zu predigen una wieder zu predigen. Wer aber in diesem Glauben zu dieser Versammlung, in .-welcher der Einberufer Abgeordneter Wolf auch der einzige Redner war, kam, der mußte eine arge Enttäuschung erleben; denn hier hörte er von glühendem Hasse, roher Verhöhnung, böswilliger Verleumdung, ja Aufpeitsdiung der Leidenschaften gegen andere Parteien und Nationen. Ich will hier übergehen* w-as und wie der Redner von den Cz'echenj, Juden-Deutschen und . Juden-Sozialdemokraten sprach, auch will ich seine, auf hirnverbranntem Antisemitismus gegründeten Behauptungen von Juden überhaupt .. und seine dilettantischen Rassentheorien nicht wiedergeben; sie sind seit Jahren den Lesern dieses Blattes bis zum' Ekel sattsam bekannt. Diese Auslassungen gegen das Judenvolk beschränkten sich aber nicht auf das bloße Wiederkäu.n alter konventioneller Parteilügen und Phrasen, sondern brachten einen neuen Einschlag: Kriegsgewinnsteuer, Ostjudenfrage, Flüchtlinge, Sonderstellung Galiziens. Der Redner brandmarkte mit scheinheiliger Miene den Kriegsgewinn als die niedrigste Schändlichkeit, die nur bei Juden möglich sei Er ließ durchschimmern, daß die Kriegsgewinnsteuer nur für die Juden geschaffen wrurde, daß durch sie nicht so sehr dem Staatssäckel aufgeholfen,- als vielmehr den Juden das eingesogene Blut abgezapft und dem Steuerinspektor, wie der Redner versicherte, Gelegenheit gegeben w'crden sollte, für den Staatsamvalt Material zu sammeln. Als ob die Juden die einzigen Land- . wirte, Viehzüchter, Munitions- und sonstige Fabrikanten,' die einzigen Regierungslieferanten und Bankiers wären! Die Juden Russisch- für' die Polen und Ruthenen, mit den Juden Polens schilderte der Redner als verwahrlostes, schmutziger, gewinnsüchtiges Gesinde', die noch aut einer viel niedri jeren Stufe der Bildung, als die galizischen Juden, stünden. Sie würden bei der Anektierung Russisch-Polens und bei einiger Bewegungsfreiheit sich sprudelartig wie aus einem' plötzlich angezapften Fasse nach1 allen Seiten ergießen. Daher propagierte der Redner Grenzsperre, Eimvanderungsverböte usw., damit man siCh dieser Ostjudengefahr erwehren könne, ln Galizien erwartete der Redner die Autonomie würden schon die Polen fertig werden, meint er. Indem er so die namenlos unglücklichen galizischen Judenflüchtlinge verhöhnte, forderte er ein stärkeres Einsetzen des Antisemitismus, der ihm bis jetzt zu lau war. ' Wir halten einen Kommentar für überflüssig. Leben wir wirklich im Zeichen des Burgfriedens? s S. A. Häusler, Flüchtling aus Kossow, Galizien, zu-zetKri telfeld, SHemrark. Anzeigen und Korrespondenzen Die zionistische Mädche.iveremigung „Mo- . riah“ (IX. Serviteng. 10) veranstaltet ihren nächsten Vereinsabend Donnerstag den 23. d. Mts. Es spricht Herr Adolf Stand über den „Judenstaat“. Der Vortrag ist nur für Mitglieder zugänglich. Der „Zionistische Ve,b:nd ehemalig r Hocüiischüler“ in Wien, lädt zu seiner -nächsten geselligen Zusammenkunft Mittwoch', den 22. Novemb., abend halb 9 Uhr, im Cafe Pu eher; I. Kohlmarkt, falle in Wien weilenden Mitglieder ein. Gäste sind herzlichst willkommen. Der akademische Verein „Jüdische Kult u r“ tagte am’ 1. November zum ersten Male seit Kriegsbegi :n. Vom den 41 Mitg'i de.n (32 aktiven und 9 iahen Herren);stelien 2 als Oberleutnaints, 6 als Leutnants, 5 als Landsturmingenieure, lfc als Fähnriche, 1 als Landstormwerkmeister, 1 als Kadett-Aspirant ,(k riegsgefangen,), 5 als Einjährig- Freiwillige beini Heere. Von den übrigen sind 3 (enthoben, 2 untauglich und 2 Bundesschweste:!n. An militärischen Auszeichnungen besitzet die Vcreinsmitgiieder: 1 silb. Sign, iaudis, 1 gold. Verdienstkreuz mit’Krone, 4 bronz. Sign. Iaudis, 1 türkischer Meschidijeorden, 1 eisernes Kreuz, 1 eisernen Halbmond, 1 gold. Verdienstkreuz, £