Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 45 (17.11.1916)
- Date
- 1916-11-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ir 45 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 sümmung volle bürgerliche Gleithhier chtigung genießen werden, die in den Satzungen der Verfassung eine absolute Ga'antie bietet.“ Die Zeitschrift selbst schließt ihre Ausführungen über das neue polnische Königreich mit folgenden Worten: „Wir hohen und wünschen Im Interesse der gut va e ländischen jüd sehen BeYö k rti g Po'ens, aber auch im Interesse des juigcn Staates selber, daß sich dessen neue Leiter der großen Vergangenheit würdig erweisen und erfüllt von dem> Gedanken wahren Liberalismus und wahrer Achtung vor der Eigenart und der Kultur der Minderheiten an die Lösung des Judenprofc'ems herantreten werden.“ Organisation der jüdischen Religionsgesellschaft in Polen Am' 16. November wurde eine Verordnung verlautbart, durch die eine Organisation der indischen Religio'.s e e'Ischaft im Generalgouvernement Warschau geschaffen wird. Die jüdischen Gemeinden werden zu Kreisgemeinden unter einem Verwallungsrat vereinigt, der auf 'Grund des Proportionalwahlrechtes von den Gemeindevorständen gewählt wird. In den Verwaltungsrat delegiert außerdem die staa'liehe AuYi Irisbehörde drei Mitglieder. An der Spitze de* Religionsgese'Uc'rrit steht der Oberste Rat. Er besteht aus vierzehn weltlichen und sieben rabbinnchen Mitgü d-rn. Vier weltliche und zwei raoninische Mitglied w werden durch die Staatsverwaltung ernannt. Die übrigen werden ati" Grund des Proportio a'wahlrerlries von den Ve-walomgsräten dr Krei«'remeinden gewähr. Gemri'den. Krei-gemri den und der Oberste Rat hah tu Koriiorations-eririe. Die Orgawsntion ist au? ri:i r^li^iosc Oni'd'ane gesteht. Das luden tum ist als Religion s <r;cs ei 1 s ch a f t im öffentlichen Recht anerkannt w'e in allen Kul‘urstaa*en. Die Aussichten der rumänischen Juden Der Redakteur der Pari-er jüdischen Zeitschrift , La Renaissance Jnive“ veröffentlichte in r'er!elzte-’ N'-m'mer dw Peter'b'i’-ger Jewciskaia Shisn“ das Interview, da v er mit dem rumänischen Pofsc'naf*er in Paris. Herrn I. Lnciiowari. übe* d'e Aus^'-irien d°r "umänischea luden "ach dem Kriege “ntt1. Der R-dakteur. Herr N. Hermann. er-aM e dem rumänischen Dip’o- •-v-'o-i von den ve'fi Zuschriften, di" sein" Re- •daktion jetzt von den in Frankreich' und im n.eutra’en ius'a-de sic1’ ''"fud-'—d0-’ rumäaisrh n f"den erhält, die ihr Stief-Vat*r'a”d ietzt zur Fahne ruft. .Ich ve*steh?.“ sae’e der ^otsdiaftc\ „die La^e dieser luden Dieser Weltkrieg wird aber zur Befreiung (fer Volkeführen. Rumänien will befreien und nicht kne~'it"n. Im —manischen Heer befinden sich viele ärUn u-d irh 'glaube daran “aß s:e tanrer Kämpen werden Es ist d:ihe' Grün4 zM- Annahme daß die rumänische Regie-ung ihre Verdi-nsH anackenneu und Idje Nafura'isierun'r .v) t iü Jische ' Krieger wohlwollend erwägen wird.“ „Sje halten also e'nc voFständHe Emanzination der rumänischen Juden für ausgeschlossen?“ " ..Allzueih'g vo-zu ve’’en :st unmö'r'ich,“ antwortete der Botschafter und nrivic1' Te sri-e Meinung, daß die lud“nbn=chränkunvm ’n Rumänien darin ihre1 G'm'd hätte’, daß Rumänen sonst «u schwach wäre, die Konku-enz der luden, dje viel fortgeschrittener u”d entwirk-1ter sind, niederzuhalten. Dah-r b' u he das schwache Rumäci-.n d-'e’"'1 Schuht vor den starken Juden Mit 4e- Zeit w.rd " aber das rumän:sche Volk kränke*. d:e „Agrarbank“ mache den Baue“ stand,’nfte.'. Es sri daher zu ho^Dn, daß allmählich d'e«n Beschränkungen der Juden überflüssig werden. „Beabsichtigen Sie. diese Judenno'i'ik au.h in Transvlvanien und;m Banat, wo d:e Juden bereits emanzipiert sind, einzuführen, falls di.-sc Gebiete unter ihren Schutz kommen sollten?“, fragte der Interviewer. „Nein! Hier ist das rumänische Element mächtiger und gut organisiert.“ „Dann aber würden doch die siegenden rumänischen Juden 'weriger Rechte besitzen als die ungarischen, die besiegt werden?“ T' „Daher glaube ich auch, daß die Juden, die sich am Kriege beteiligen, zur Naturalisation zuge'assen werden. Jedenfalls werden voraussichtlich das Recht der Naturalisation diejenigen jüdischen Krieger erhalten, die sich im Kann e auf irgend e'ne Weise ausgezeichnet haben.“ „Also nicht einmal alle jüdischen Soldaten?“ „Vielleicht.“. „Sie glauben also nicht daran, daß dieser Krieg den Juden Rumäniens die Emanzipation bringen wird?“ „Nein. Aber die jüdischen Soldaten werden doch etwas erhalten.“ „Und das ist alles?“ „Ich schreibe ke'ne Gesetze,“ war die letzte Antwort des Botschafters. Das also sind (eile Hoffnungen, die) der rumänische Botschafter in Frankreich, der sich doch alle Mühe gibt, sein Reich vor Europa in rosigen Farben erscheinen zu lassen, den Juden seines Landes in Aussicht stellt, dazu inmitten! eines Krieges, in dem das Blut de.1 jüdischen Jugend Rumäniens -auf den Schlachtfeldern fließt. Den Juden gegenüber lohnt es sich nicht einmal einem Diplomaten, sich auch nur etwas Mühe zu geben, um die härte Wirklichkeit in der üblichen Weise zu verschleiern. Das Hilfswerk der Russischen Juden für Kriegsnotleidente Vom 11. bis 13 .September d. J. tand-in Petrograd eine Konferenz der jüdischen Hilfskomitees für die Opfer des Krieges statt, die v in Petrograder Zentralkomitee einberufen war. i Das Hilfswerk der russischen Juden ist ein eindrucksvoller Beweis für die organisatorischen Fähigkeiten, Opferwißigkeit und Hingabe besonders der jüdischen Jugend; nachstehende Angaben geben einen Begriff über Aufbau und Umfang des Werkes: Im Mittelpunkte der Hilfsaktion steht die Gesellschaft des Hilfswerkes für die jüdischen Kriegsopfer“. Sie hat Hilfskomitees in allen Städten mit jüdischer Bevölkerung. Jedes Gouvernement besitzt eine Zentrale, mehrere Gouvernements haben ein Ravonkoinitee, das Petrograder Zentralkomitee bildet die oberste Leitung. Die Zahl jüdischer Flüchtlinge wird von den Komitees aut 400.000 geschätzt. Am 1. August 1016 erhielten üeldunterstützüng (für Bekleidung, Lebensmittel oder Wohnung) 211.000 Flüchtlinge. Die ungeheuren Summen, weiche die direkte Hilfeleistung für die Flüchtlinge un|d Kriegsopfer erfordert., fließen aus verschiedenen Quellen: ans regelmäßigen Mitgliedsbeiträgen von 3 Rubel jährlich aufwärts: aus staatlichen Beihilfen von 6 Ruße! nro Kopf monatlich; aus den jüdischen Hilfsfonds des Auslandes, besonders aus Amerika und'. England; schließlich au? der S e 1 b s t b e s t c u er u u g weitester Schichten, der jüdischen Bevölkerung zugunsten der Flüchtlinge, beziehungsweise Evakuierten. Die staatliche Unterstützung bis Ende August 1016 betrug!1 Millionen Rubel. Aus Amerika kamen etwa 5 Millionen Rubel. Die russischen Juden haben bedeutend mehr als die Regierung, fast so viel wie diese und die auswärtigen Hilfsfonds zu? sam.ncn aufgebracht. Die Se'bstbesteuerung spielt dabei die größte Rolle. Sie wird meist als progressiv abgestirite Einkommensteuer durchgeführt. Im Ganzen sind etwa 30 Millionen Rubei bisher für die Flüchtlingsfürsorge von den Hilfskomitees verbraucht worden. Neben dieser Zentralorganisation mit ihren Hilfskomitees arbeiten: „Die Jüdische Bildungsgesellschaft“', insbesondere für die Gründung von Volksschulen, von Abendkursen für Erwachsene, Bibliotheken und Lesehallen; dann die „Gesellschaft für Handwerk und Ackerbau“, die vornehmlich für Arbeiter und Handwerker sorgt. Sie richtet Arbeitskammern ein, die sich mit Arbeitsnachweis, Arbeiterschutz, Gründungvon Volksküchen und Herbergen, Einrichtung von Fachkursen und Lehrwerkstätten beschäftigt. In letzter Zeit beschäftigte sich die Gesellschaft) ru h mit der Frage der „A.-beitskredite“. Schließ-!'ch wi 'met sich die „Gesellschaft zum Schutze!er G-. u idheit der jüdischen Bevölkerung“ medizirisch-sanitärer Hilfeleistung. Sie unterhält ärztliche „fliegend? Kolonnen“. Sanitätsstationen, Ambulatorien, Kliniken, Greisenasyle, Speiselialleti. Ein besonderer Zweig ihrer Tätigkeit ist die Schaffung von „Kinderheimen“, die zugleich Kindergärten, Spielplätze und Speise- »nstalten für Flüchtiingskinder vom 3. bis 8. Lebensjahre sind. Außerdem gehört zu ihrem Arbeitsegbict die Fürsorge für Wöchnerinnen und Säuglinge. Diese drei Gesellschaften ergänzen auts beste die direkte Flü: httingsfürsorge der f~i i 1 f sk'o m itees; sie werden zum Teil von diesen subventioniert, haben aber auch eigene Einnahmen und Fonds zur Deckung ihrer Millionenbudgets. Die Jewish Colo.iisation Association (ICA) muß auch als eine der Organisationen genannt werde.;, die durch ihre Vermittlungstätigkeit (Geldsendungen aus überseeischen Länderin an rusr’sche Verwandte) Fü-so.-gehi!fe leistet. Außerdem gewährt die ICA. Kredithilfe bei der Neueinrichtung von Flüchtlingen. Die Gesellschaft der „Frcii'.dc de* hebräischen Sprache“ beschäftigt sich mit der Gründung hebräischer Schulen und Kindergärten. Die russischen Zionisten — besonders erwähnt seien die Mitglieder des zionistischen Aktionskomitees, die Herren Dr. (E. W. Tschlenow und I. A. Rosoff — haben durch ihre energische und hingebende Mitarbeit in hervorragendem Maße zum Gelingen der Hilfsaktion beigetragen. Von der Kongreßbewegung Das neue Ueoereinkommen. Nachdem das unter den Mitgliedern der Philadelphier Vorkon erenz veranstaltete Referendum das von der Friedenskommission der beiden Organisationen getroffene Abkommen abgelehnt hatte, traten, wie bereits mitgeteilt wurde, die beiden Parteien in neue Verhandlungen ein. Am 2. Oktober gelang es, auf einer Sitzung der dazu bestimmten Kommissionen, eine neue Abmachung zu treffen, die nunmehr alle Aussichten hat, von den Körperschaften der beiden Parteien angenommen zu werden. Seitens des Kongreßorganisationskomitees waren bei dieser Beratung anwesend : Joseph Barondcs, J. Karlinger, Richter Levy, Ab. Goldberg, Louis Lipski, Louis Robinson, A. Schomer und Leo Wolfsohn. Seitens des Komitees der jüdisch-amerikanischen Organisationen: Harry Cu'.ler, Louis Marthai, J. Masal, Dr. Frenk, Rosenblatt und S. Schulmann. Nach genauer Untersuchung des Friedenswrtrages vom 17. Juli und der Einwän.le des Referendum? beschlossen beide Parteien, sich gegenseitig möglichst entgegenzukommen. Cie Vertreter des Komitees der jüdisch-amerikanischen Organisationen erklärten sich bereit, das Wort „Gruppen,- recht“, das den einmütigen Protest der nationalen Kreise hervorgerufen hatte, den Beschlüssen der Philadelphier Vorkonferenz gemäß durch das Wort „Volksrecht“ zu ersetzen. Der zweite Streitpunkt, die Forderung der Vertreter des Komitees der jüdisch-amerikanischen Organisationen, 50 Prozent der Delegierten des Kongresses ohne Wahlen zu bestimmen, ein Verlangen, da? vom Referendum als Gefahr für den demokratischen Charakter des Kongresses bezeichnetwurde, wurde dahin abgeändert, daß nur 25 Prozent der Delegierten nach dem von dern Komitee der jüdisch-amerikanischen Organisationen vorgeschlagenen Modus bestimmt werden, während die übrigen 75 Prozent nach den Beschlüssen der Philadelphier Vorkonferenz durch demokratische Wahlen aufgestellt werden. Dagegen sahen sich die Kongressisten gezwungen, auf die Behandlung der Emigrationjsfrage wie auch der Frage der Permanenz des Kongresses zu Verzichten. Als besonderer Punkt wurde „die Sicherung der jüdischen Rechte in Palästina“ hinzugefügt. Die beiden Parteien wurden beauftragt, ihren Organisationen dieses neue Abkommen vorzulegen. Das Kongreßorganisationskomitee beschloß, durch ein zweites Referendum die Mitglieder der Philadelphier Vorkonferenz um ihre Meinung über die neue Abmachung zu befragen. Die gesamte Presse, auch die misrachistische: und die poale-zionistische, die gegen die erste Abmachung einen heftigen Kampf geführt hatte, begrüßt das neue Uebereinkommen und es ist daher berechtigte Hoffnung vorhanden, daß die auf diese Weise gefundene Verständigung die verschiedenen Kräfte der amerikanischen judenheit zur einheitlichen Tat vereinigen wird. Von der Arbeit des Provisorischen Zionistischen Executiv-Comites in Amerika. Im Juni des Jahres 1914 hat die American Zionist Federation bei der Convention in Rochester ein Budget in der Höhe von 14.000 Dollar für das folgende Jahr festgesetzt. Im Jahre 1914 existierten in den Vereinigten Staaten 105 zionistische Vereine und das Budget wurde im Vergleiche mit früheren Jahren als Fortschritt betrachtet. Denn seit dem Jahre 1905 war die zionistische Organisation in Amerika immer mehr und mehr zurückgegangen. Anstrengungen zur Hebung der zionistischen Bewegung wurden,' wie aus den Jahresberichten ersichtlich ist, immer wieder unternommen, brachten $ber keintln Erfolg. Dieser Rückgang hielt von 1905 bis 1912 an; erst Ende des Jahres 1912 machte sich eine Wendung zum Besseren bemerkbar. Ein wirklicher Aufschwung trat jedoch erst ein,' als am 31. August 1914 die Konferenz im Hotel Marseille in Newyork einberufen wurde. Die Zionisten, die dort versammelt warem, gründetendas „Provisional Executive Committee for General Zionist Affairs“. Dieses Komitee beschloß sofort, freilich ohne damals die Schwere der seiner harrenden Aufgabe zu ahnen, während der Kriegszeit zu einer Stütze für die zionistische Organisation zu werden, ganz besonders in allen finanziellen Fragen. Män stellte fest, daß es außer den großen Verpflichtungen dem palästinensischen Jisrhub gegenüber, der sehr viel Geld benötigte,' auch nötig war, die jetzigen! bekannten Fonds zu schaffen und die amerikanische Organisation selbst auszubauen. Die Entwicklung des organisierten Zionismus in Amerika seit 1914 zeigen am besten folgende Zahlen: Im Jahre 1914 existierten in Amerika 105, 1915 154, 1916 172 zionistische Vereine, außer den (nicht mitinbegriffenen) zionistischen Sonderverbänden und Orden. (Inzwischen sind auch der „Misrachi“ und die „Poale Zion“? Partei zu einer starken Macht innerhalb der Judenheit in den Vereinigten Staaten geworden.)