Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 43 (3.11.1916)
- Date
- 1916-11-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 JÜDISCHE ZEITUNG Spite 3 Der Bekräftigung unserer Ausführungen über den Besuch von Dr. J. L. Magnes in Europa mögen die nachstehenden Stellen aus dem' „L e mherger T a g b 1 a 11“ dienen. Aus dem „Das Stiefkind“ betitelten Leitartikel (Nr. 241 v. 19 Oktober 1916): „....Nur einer von ihnen (von den amerikanischen Delegaten), Dr. Magne s, hat es doch für nötig befunden, die Lage des galizischen Judentums kennen zu lernen. Aber er tat dies nur so, wie wenn er dazu verpflichtet worden wäre. Denn dtirc.t einen kurzsiüudige.i nuienchalt in Lemberg allein ist man keinesfalls imstande, sich aucn nur uie schwächste Vorstellung des schrecklichen i.iides zu verschaffen, das ganz Ostgalizien und jedwedes Flüchtlingslager biete., im polnischen Okkupationsgebiet werden die Gelder nicht bloß für den Moment verwendet, sende. ii aucn für große Volksküchen, für Schulen u:td Kinderheime, für Arbeite.heime, Werkstätten u. dgl., wäiireafd die unbedeutenden Beträge die Galizien Zufällen, meistens ohne jegliches System und ganz ptanios hinausgeworfen worden sind und erst das „Jüdische Rettungskomitee für Galizien in Lemberg“ nach schwerer Mühe eine gewisse kleine Aenderung in dieser Angelegenheit durchsetzen konnten — ...Jetzt hat der - Verband (der galizischen und Bukowinaer Juden in Amerika) endlich reagiert und wir werden in kürzester Frist die Möglichkeit haben, einen Delegierten unserer galizischen Brüder in Amerika zu begrüßen. Er wird sich sicherlich nicht mit einerrr bloßen „Besuch“' in Lemberg begnügen. Wenn;er auch nur kurze Zeit das bikl der jüdischen Städtchen in Ostgalizien mit eigenen Augen sehen, das schreiende, in die Augen springende Eilend, das vielleicht nirgends seinesgleichen hat, gewahren wird, dann wird er es wissen und seinen Verbandsgenossen berichten können, wie sehr Amerika an dem galizischen Judentum gesündigt hat und wie nötig, dringend nötig es ist, diese Sünde gut zu machen.“ Aus dem Artikel „im österr.-poinisciien Okkupationsgebiet“ (Nr. 2-13 v. 30. Oktober 1961): „.Cier besuch des Dr. Magnes in Lublin hatte keine einzige Wirkung. In der Hilfsorganisation iir die jüdische Bevölkerung bleibt alles beim Alten. Die Assimilanten sind gottlob auf Liren S Eilen sitzen geblieben, und die K 93.000.— monatlich, die Dr. Magnes für die hungernde jüdisc.ie Bevölkerung im österreichischen Okkapa ioesgebiete jetzt bestimm: hat, tielen in die hände der Herren Assimilanten. (Nun foigt ein von der Zensur herrülirender weißer F.eck- Dann heißt es weiter:) Wenn auch Dr. Magnes an ändern nicht direkt ciic Schuld trägt, so ist doch die große Eiie, die ihm keine Zeit ließ, die Folgen einer solchen sattsam bekannten Wirtschaft zu überlegen, sicherlich Schuld daran, daß die chasskiisch-assmülatprische Vereinigung auch fürderhin in der Lage sein wird, die arme bürgerliche jüdische hevölkerung sogar bei der Verteilung der Unterstützungsgelder in diesen schweren Zeilen auf Schritt und Tritt ztt übersehen. Wir hoffen, daß er auch bei uns wenigstens dasselbe fordern wird, was;er in Warschau und Lodz forderte, daß nämlich in den Hilfskomitees alle Kreise der jüdischen Bevölkerung vertreten sein sollten. Wir haben uns leider getäuscht. Auch er hat uns, genau wie seine Kollegen, die vor ihm da waren, als Stiefkind behandelt. Die verarmte jüdische Bevölkerung und die demokratisch-jüdischen Kreise im österreichischen Okkupationsgebiete fühlen sieh schrecklich enttäuscht.“ Aus der jüdischen Welt Bewilligung rel g öser Forderungen durch das KriegsnEnisieriuirzi. Wie die „A 1 lg. J ü d. Z t g.“ in Budapest meidet, empfieng der Kriegsminister am 26. Oktober eine Deputation orthodoxer Juden aus Ungarn, die ihmdie Bitte unterbreitete, die rituelle Verpflegung der religiösen jüdischen Soldaten im Hinterlands zu ermöglichen. Der Kriegsminister versprach die Erfüllung der Bitte: in Garnisonsstädten durch die Militärbehörden rituelle Küchen einrichten zu lassen oder wo dies nicht angängig sei, die Kultusgemeinden zu beauftragen, die rituelle Verköstigung der Soldaten in eigene x Regie zu ^nehmen. — Wie wir erfahren hat das k. k. Kriegsministerium auch angeordnet, daß in Würdigung des religiösen Empfindens der Kriegsgefangenen israelitischen Glaubensbekenntnisses für dieselben der Samstag als allgemeiner Ruhetag zu gelten hat. Es ist streng darauf zu achten, daß die Israeliten an Sonntagen zu allen Diensten und an ihren allgemeinen Ruhetagen nur zu dringenden^ Arbeiten herangezogen werden. jüdische Konsumvereine in Wilna. Dem hiesigen Zentralverband jüdischer Konsumveref fe Et es in Verbindung mit den Behörden gelungen, geeignete Maßregeln gegenüber der Salzspckulation zu ergreifen. Es sind gute Resultate erzielt worden, sodaß eine Salzknappheit oder Teuerung nicht mehr besteht. Zurzeit beschäftigt sich der Zentralverband mit der Lichtspekulation, da bekannt ist, daß Lichte in der Stadt viel zu teuer gekauft werden, um 'dadurch die Speku- Zweiter Jahrgang Redaktion: Otto Aiseies und Ludwig Baiö. Verlag „Jüdische Zeitung“, Wien. um Urteil der Presse: „Ein herrliches zionistisches Sammelbuch“ Lemberger Tagblatt. „Durch den ganzen Almanach. weht ein Zug von jugendfrische, - trotz aller Kriegsnöte — ungebrochener Jugendkraft und ernstem Wollen.“ Das Jüdische Echo (München). „Der Jüdische Nationalkalender ist eine wohldurchdachte, nach innen gerichtete Kundgebung national-jüdischen Wollens . . . ein aktuelles und gut orientierendes Jahrbuch. Jüdische Rundschau- Leichtes Feldpos.format. Preis K 2.80 — M 2.—, 20 h Poito. Zu beziehen: Durch den Verlag „jüdiscne Zei.ung', Wien, 1L Zirkusgasse 33, sowie durcli alle Buchuandlungen. lation zu bekämpfen. Auch angesichts der bevorstehenden Kartoffelvertedimg hat der Zentraiverband geeignete Maßrege.n ergäben, um diese rationell zu gestalten und gerecht durchzuführen. Die Zahl der im Zeniraiveriiaude vertretenen Konsumvereine ist auf 27 gestiegen. E'ne neue Beschränkung der Juden i.i Rußland stellt die Verfügung cl.s Ministeriums lür Handel und Industrie vom 24. juli dar, wonacn das Recht der Herstellung u.id ues Verkaufs der Manui'akturwaren nur denjenigen Firmen erlaubt wird, die vor Ausbruch des Krieges in der gleichen Stadt ihren Betrieb führten. Dieser Bestimmung fallen Tausende von jüdischen Fabrikanten, die aus den Gegenden von Lodz, Tomaschow, ßjalystok' usw. flüchten mußten, mitsamt ihren Arbeitern zum Opfer. Vom jüdischen Polytechnikum m Jekatennosiaw. Herr J. G. Gepner aus Kiew spendete für das neugegründete jüdische Politecnmkum, das in Jekaterinoslaw im nächsten Jahre eröf:net werden wirdj 1ÜÜ.0UÜ Rubel mit der Bedingung, daß die Hochschule an Sabbath und Feiertagen geschlossen wird. Mit diesem Betrag hat der Fond des Instituts die Summe von einer halben Million Rubel erreicht. M. Krinski gestorben. Nach einer kurzen Krankheit verschied am Hoschana Raha in Warschau der bekannte jüdische Pädagoge und Schriftsteller M. Krinski, der Herausgeber einer Reine Lehrbücher und Chrestomatiii.il, we.tvoiler bei.e.ristischer und populär-wisscnschattiidier Büciier in hebräischer und jiddischer Sprache, der Gründer und Direktor der jüdische.« F.amieisseuuien riir Knaoen und Mädchen una der Handeiskurse für Erwachsene. Die jüdische Handelsschule, die der Verstorbene im Jahre 1303 in Warschau erötfnete, war die erste jüdische Mittelschule in Rußland. Er gründete auch den hebräischen Verlag „tiaor“ und den jiddischen Verlag „Bücher für Alle“, schuf das seinerzeit sehr beliebte hebräische Jugendjour ial „rmseliachar“ wie auch die Wochenschrift „Roinan-Zcitung“. Er war auch einer der Herausgeber der 1 ageszeitung „Moment“. Der Verstorbene war 57 Jahre alt. — Eine große Menge begleitete die Bahre 6} es Toten. Eine Anzahl jüdischer Schulen, phiiantropiseher Gesellschaften, Turnvereine, zionistischer Verbindungen, literarischer und sonstiger Kuiturvereine sandten ihre Delegationen. infolge des Feiertags wurden am Grabe keine Reden gehalten. Die Trauer imi Frug. Ein eindrucksvolles Bild bot die Beerdigung des dahinges'ciTiecfenen Dichters Frug. ’ Eine Menge von 100.000 Personen begleitete ihn zur .lizten Ruhe, darunter zehntausend jüdische Schüler und Schülerinnen der jüdischen Volks-, Mittelschulen und Chedarim, sämtliche jüdischen Studenten der Odessacr Universität, zahlreiche Deputierte der jüdischen literarischen Gesellschaften und Gemeinden aus vielen Städten. Alle hiesigen jüdischen Schulen und jüdischen öffentlichen Anstalten waren geschlossen. Die Bahre wurde von jüdischen Schriftstellern getragen, ln manchen Straßen mußten die Straßenbahnen ihren Verkehr einstellen. S. Frug wurde neben M. L. L i I i e n b 1 u m und E. Lewinsky begraben. An dem Grabe wurden keine Ansprachen gehalten. Einberufung der russischen Juden in Aegypten. Der Londoner „Jewish Chronicle“ meldet in seiner Nummer vom 13. Oktober 1916 nach einem Central-Ncws-Telegramm aus Kairo, daß der russische Geschäftsträger in diesen Tagen einen Befehl veröffentlicht hat .wonach alle russischen Untertanen im dienstfähigen Alter sich zum Dienst 1111 engiisenen Heere melden müssen. Der riefeln triift in erster Linie die sich gegenwärtig in Aegypten aufnaltenden russischen Juden. Einberufung der jüdischen Lehrer in Rußland. Naen dem jüngsten Zirkular des Unterricntsininisteriums erstreckt sich die Befreiung vom Militärdienst lür Votksschuilehrer nur aui die Lehrer demjenigen Schulen,' die in das „Netz der staatlichen Primarschulen eingeschlossen sind oder eingescnlossen werden können“. Dies trifft aber nient auf die jüdisenen Schulen zu, weil sie Privatsciiulen sind. Wie die russisch-jüdische Presse iniiteiit, drolit daher den jüdischen Schulen die Gefahr eines massenhaften Verlustes des Lehrerpersonals. Die Zahl der Juden im heutigen Griechenland beträgt etwa lüü.000 bei einer Gesamteinwohnerzahl von 4,256.000. S0.UÜU davon entfallen aut Saloniki. Uie Sitze der beiden Oberrabbiner sind Saloniki und Kanea. Die Koperatagener „Tribüne“, herausgegeben von ivt. Uroumann, erscheint jetzt als lagblatt in London unter der Redaktion von Scnabotinski und Großmann. Das amerikanische Hiifswerk. Dem Bericht des Joint Distribution Komitee entnehmen wir tagende Zidern über die .ür die no.Leidenden Juden in uen kriegrünrenden Landern 111 der Zeit vom 20. Januar 1915 bis 15. August 1916 gesammelten und versandten üelder. Insgesamt wurden in Amerika durch alle jüdische Hiliskomitees in dieser Zeit 4,891.613 Uoilar Dollar gesammelt.« Dies Geld wurde den Ländern naen folgendermaßen verteilt: für die Kriegsnotleidenden in Rußland l.SÜÜ,0Ud Dollar, in dem von Deutschland okkupierten Polen 1,454.5UU Uoilar, in Oesterreich-Ungarn 1,0Ö5.ÜU0 Dollar, für die jüdischen Studenten in der Schweiz 50.000 Dollar, für die jüdischen Flüchtlinge in Alexandrien 21.000 Uoilar, iür die palästinensischen Juden (Geld und Nahrungsmittel) 403.788 Dollar, iür die Juden Griechenlands und der Türkei (außer Palästina) 132.325 Dollar, für die Juden von Tunis, .-vlgier und Marokko 5000 Dollar, für jüdische Emigranten in Frankreich 5000 Dollar. Dsz amerikanisch-russische Paßirage. Wenn man den jüdisenen Zeitungen in New-York glauben darf, geilt die Paßfrage, die vorübergehend zu einem Handelskonfiikt zwischen Rußland und Amerika geführt hat, ihrer Lösung entgegen. Einzelheiten sind nicht bekannt. So vie: steht aber fest, daß Rußland gar keine Neigung hat, die amerikanischen Juden in Rußland von den Paß-Schikanen zu befreien, und Amerika den nachgebenden Teil bilden wird. Rußland hat in den letzten vier Jahren alle Hebel in Bewegung gesetzt, Volk und Regierung in Amerika gegen die Juden zu stimmen und mit Hilfe einer bestimmten amerikanischen Sensationspresse der amerikanischen Kaufmannschaft tagein, tagaus vor Augen zu führen, welcher Vorteile sie sieii durch die Auflösung des Handelsvertrages, aus falscher Rücksicht auf die Juden, begebe und wie gerechtfertigt überhaupt die russische Judenpolitik sei. Nachdem so der Boden ordentlich vorbereitet war, streckt man jetzt von Petersburg die Fühler aus, um festzustellen, ob die Zeit für den Abschluß eines neuen Handelsvertrages, natürlich unter vollständiger Umgehung der Judenfrage, gekommen sei. Nach dem jetzigen Stand der Dinge ist in der Tat zu befürchten, daß die russischen Vorschläge geneigte Ohren in Amerika finden. 'Bei der Neuorientierung des Wirtschaftslebens für die kommende Zeit möchte kein Land eine Gelegenheit zur Sicherung seines Welthandels verpassen. Damit rechnet die amerikanische Handelswelt, damit rechnet noch mehr Rußland, und darin liegt die eminente Gefahr für die Juden Amerikas, die heilte doppelt auf der Wacht stehen müssen. D‘e Gründung einer nationalen jüdischen Universität in Amerika. „Jewish Cominent“ meldet, wie die Prager „Seibstwehr“ schreibt: Im Jahre 1776, zur Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges borgte der reiche jüdische Bankier und Patriot Hyam Solomon cTctn amerikanischen Staate, an dessen Spitze damals George Washington stand, durch den Schatzkanzler Robert Morris einen Betrag von 660.000 Dollars ins Kriegsanleihe. Das Geld wurde der Regierung in der Zeit zwischen 1776 und 1780 vorgestreckt. Mit den aufgelaufenen Zinsen beträgt die vom amerikanischen Staate nie beglichene Schuld heute 150 Millionen Dollars. Da Erben des Hyam Solomon heute nicht mehr vorhanden sind .schlug während der Präsidentschaft Tafts ein Mr. Friedmann Taft vor, Tlie Einsen dieser Schuld zur Errichtung einer Jüdischen Ndtionaluniversität in Washington unter dem Namen ,,'Iyam Solomon Universität“ zu verwenden. Trotz Tafts und vieler anderen Abgeordneten und Senatoren Zusage ist bis zur Stunde fast nichts zur Erfüllung dieses Versprechens geschehen. „Jewish Comment“ erinnert nun an fliesen Teil des jüdischen Volksvermögens und fordert die jüdische Oeffentiichkeit auf, ihre Pflicht zu tun, damit dieser Besitz, der rechtmäßiges Eigentum cTes jüdischen vMlkes ist, ihm nicht vorenfhaften werde. (Diese Nachricht hat im ranblick auf die kürz-