Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 43 (3.11.1916)
- Date
- 1916-11-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nh 43 rrcn von "Or. nT. Ringe: m der „Jüdischen Rundschau“ angeregte Gründung eines zentralen Instituts zur Evidenzhaltung des jüdischen Volks- Vermögens (insbesondere Auffindung vergessener Stiftungen etc.) ei 1 besonderes Interesse.) Aus der zionistischen Bewegung Eine Kriegstagung c cs Kartells Jüdischer Verbindungen fand am 1. und 2. Oktober in Berlin statt, an der gegen. 200 Bundesbrüder, darunter viele aus dem Felde erschienen waren. Nach dem Berichte des Präsidenten wurde trotz aller Schwierigkeiten die Arbeit fortgeführt.- Gegen 100 neue Füxe wurden im Kriege aktiv, so dati die Gesamtzahl sich jetzt auf ca. 950 Mitglieder beläuft. Insbesondere bewegte die Tagung das Problem, wie der Nationalismus im Galuth konkreter zu gestalten wäre. Annäherung an Tatsachen des jüdischen Lebens: Palästina, das* Volk, die. Geschichte, die hebräische Sprache wurden als notwendig bezeichnet. Man erörterte auch, angesichts gealanter Zusammenarbeit mit den ostjüdischen Studenten und dem Nachwuchs aus dem „Blau-Weiß“, eine Reform der Korporationsformen. ZurOstjudenfrage wurjd: mit folgender Resolution Stellung genommen: „Wir eihoffen vom Frieden, daß er den Juden des .Ostens «die Bahn zu freier Entwicklung ihres nationalen Lebens eröffnen wird. In dem Bewußtsein der nationalen Einheit des jüdischen Volkes bekämpfen wir jeden Versuch, gesetzliche oder geistige Scheidewände zwischen Ost' und Westjuden zu errichten. Wir erwarten vielmehr von der möglichst innigen Berührung mit dem östlichen, eine Belebung und Befruchtung des westlichen- Judentums.“ Neben den Verhandlungen war Zeit und Gelegenheit zu geselligen Beisammensein in kleinerem und größerem Kreise. Die Veranstaltung von Festlichkeiten verbot der Schmerz um die 44 gefallenen Bundesbrüder und die Rüdesicht auf die im Felde stehenden. Ein neues literarisches Unternehmen des JNF*) Nachdem' der Jüdische Nationalfonds mit der kleinen NF.-Bibliofhek, etlichen monogragraphisdhen Broschüren Und der ebenso unhandlichen wie dünnen Gedenknummer für David Wolfisolin Versuche in genügender Zahl gemacht hat,- scheint er nunmehr für seine Veröffentlichungen die [endgültige Forin und die passendste redaktionelle Disposition gefunden zu haben. Heft 1 der Mitteilungen des Hauptbüros des Jüdischen Nationalfonds, „Erez Israel“, dem* in zwangloser Folge weitere naChfolgen werden, enthält wissenschaftliche Abhandlungen, zur Diskussion gestellte Vorschläge, bibliographische Nachweise, Berichte des Hauptbüros über geleistete Arbeit, Mitteilungen und Ankündigungen von geplanten Unternehmungen usw., nach Stoff und nach der Art der Behandlung so mannigfaltige Gegenstände, daß jeder Freund des JNF., ob er sich für die systematische Tätigkeitdes Insioites oder für die a Lrots zu leis end - Kleinarbeit interessiert, daran Gefallen finden und daraus Anregung schöpfen wird. Die Freude, am Wachstum des Volksschatzes mitzuwiricen, wird durch die intimeren Beziehungen, die durch derlei Publikationen zwischen Vertrauensmännern und Amt hergestellt werden, , sicherlich zunehmen. Wer bisher nur aus einem dunkeln, aber richtigen Instinkte heraus sich1 für den JNF. ins Zeug legte, erhält jetzt -die substanzielle Begründung seiner Sympathien. Je stärker sie werden, umso besser für die palästinensische Bewegung. Wir sagen absichtlich nicht zionistische. Denn unbestritten reichen die Leistungen des- JNF. weit über die von manchen Außenstehenden für eng gehaltenen Grenzen zionistischer Zwecke hinaus. Zudem erweist sich diese von Zionisten ins* Leben gerufene Institution als Segen für das ganze palästinensische Judentum und hat daher auch seine Förderer jenseits der zionistischen Organisation. Was ihm innerhalb und außerhalb der gesinnungsgenössischen Kreise so viel Liebe zuwendet, ist m. E. nicht nur sein Wesen, sondern zum großen Teil auch der Respekt vor der reibungslos laufenden- Verwaltungsmaschine. Man muß anerkennend sagen: der JNF. ist die bestgeleitete, mit peinlichster Ueberlegung ausgebaute Institution unter den zionistischen Schöpfungen. Nicht allein im Vollzug ihrer Pläne, ebenso im1 Organismus, der die Mittel dafür schafft. Gewiß ist in letzter Beziehung nodi vieles nach der Seite der Intensivierung der Arbeitsmethoden zu verbessern und zu vervollständigen im Hinblicke auf das geographische Netz der Sammelplätze, aber die Grundzüge *),Erez Israel, Mitteilungen des Hauptbüros des Jüdischen Nationalfonds. Heft 1, Sent. 1916. Groß-Oktav, 96 Seiten. Preis K 1.50. Zu beziehen. vom' JNF. Wien, II., Zirkusgasse 33 oder durch die Buchhandlung R. Löwit, Wien, I., Rotenturmstraße 22. der Propagandatätigkeir haben sich bewährt und stehen fest. Das Büchlein ist geeignet, Kennern Belehrung, Aufklärungsuchende.i eine Vorsie.iung von der zentralen Bedeutung des JNF. Iür de.i Wiederaufbau eines jüdischen Palästina zu geben. Eine Uebersichtskarte von de i jüdischen Kolonien eröffnet das Heft. NathanGroß leitet es mit einem orientierenden Aulsatz über Gründung, Charakter, Kolonisationsc-bjekt, Methode und Werbearbeit des JNF. ein. Nehemia d e Lieme folgt mit einer fundierten Abhandlung über die palästinensischen Ansiedmngsfragen. Ing.-Agronom J. Oettinger sc.Tdert die praktischen Vorteile der- Erbpadit. Uipl:-lng. Salomon Kaplansky bespricht die Ansiediungskapizität Palästinas unter Verwertung aller darauf bezüglichen bisher vorliegenden Untersuchungen. Fesselnd und ermutigend w'irkt der statische Beitrag über den „JNF. während der Kriegszeit“. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß Oesterreich unter .allen Ländern im ersten Halbjahr 1916 den Rekord mit Mk. 73.477.76 aufstellte lalnd seine Sammlungen trotz der Kriegszeit auch in der Hinsicht Beachtung . finden müssen, weil sie mit j-vblauf dieses Jahres eine größere Höhe erreicht haben werden als in 'den vorangegangenen, se.bst im tiefsten Frieden. Nicnt unerwähnt ‘darf die Darstellung bleiben, die der Vorsitzende der^ NF.-Kommission in Köln von der in dieser Stadt geleisteten Samlnelarbeit gibt. Diesen Abschnitt müßte jeder.NF. - Kommissär gründlich studieren, um zu wissen, wie man die Sache anpackt. Den Schluß des Heftes bildet ein Artikel über die neuen Porträtmarken des JNF., ider, wie bekannt, vor kurzem in der NF.-Beilage der jüdischen Zeitung wiedergegeben w'ar. Befriedigt stellen wir fest, daß mit dieser Serie die JF.-Marken in Qualität und Schönheit frühere . Ausgaben wieder erreicht haben werden. Von den anderen Original-Beiträgen wie von den zahlreichen Illustrationen zj sprechen, erlaubt nicht der Raum. Wir verfolgen ja nicht das Ziel, eine Inhaltsangabe zu machen, sondern* die Interessenten anzuregen, sich die Anschaffung des Heftchens angelegen sein zu lassien. Ein Zionist soll nicht im: Finstern tappen, sondern wissen, warum* er unserem Alliers.e .ungsgedanken anhängt!un;d wie er an seiner Verwirklichung mitarbeiten kann. Norbert Weldle: Die jüdische landwirtschaftliche Schule „Haklai“ in Petacfr Tikwah Dem soeben (von dem Leiter der landwirtschaftlichen Schule „Haklai“ in Petach * Tikw'ali, Herrn Dr. Pickholz, für das- Schuljahr 1915/1916 in hebräischer Sprache erstatteten Rechenschaftsbericht entnehmen wir folgendes*: „In diesem1- Schuljahr wurde eine iV. Klasse neu eröffnet, dagegen waren wir aus Mangel an 'Mitteln gezwungen* die erste Klasse zu Ischließen. Wir unterrichteten also im laufenden Schuljahr in drei Klassen. Die Zahl der Sdrüler hat sich nicht vermindert, und* folgende Lehrer wuiiüen neu in das Lehrerkolle-, gium* aufgenommen: Herr Lifschitz für Bienen-- zucht, Herr Kaspi für-' Viehkrankheiten, Herr B. Rosenstein für Buchhaltung, Herr Agronom Feldmann (während der Sonimernio'.a.e) lür Landwirtschaft und Naturkunde. Der Unterridit konnte trotz' aller äußeren Schwierigkeiten in geordneter Weise Vor sich gehen. Die Lehrgegenstände, die in den Lehrplan unserer Schule neu aufgenommen 'wurden, sind: Die Leitung von Wirtschaften (in Berücksichtigung der türkischen Agrargesetze), Kenntnis der Organisationen und Gesellschaften -des neuen Jischubs, Krankheiten von Pflanzen, Bienenzucht (in Verbindung mit praktischer Betätigung), Tierkrankheiten (mit praktischen Demonstrationen), praktische landwirtschaftliche Buchführung. Fast alle unsere Sdrüler, deren Angehörigen im Auslande wohnen, .und auch einige von den* Palästinensern arbeiten nachmittags als Lohnarbeiter. Dazu waren sie infolge ihrer schlechten ökonomischen Lage gezwungen, denn nach dem Ausbruch des Krieges haben die meisten unserer Schüler aus dem Auslande keine Gelder mehr für ihren Lebensunterhalt bekommen können .... Ein Teil unserer Schüler (hat sich anfangs des'Schuljahres zu einer Gruppe zusammengetan* die sich mit dem’ Anbau (von Gemüse beschäftigte und zwar mit gutem' Erfolge; Allein die Wintergemüse auf einer Parzelle von l5U Dunam brachten brutto 390 Frs. ein, das heißt für jeden Arbeitstag mehr als 3 Frs. Im Sommer konnten die Schüler mit Hilfe des Palästina-Amtes, das ihnen eine Anleihe zur Verfügung stellte, an die Bearbeitung von 26 Dunam Ibewässerbaren Bodens herangehen. Die auf einer Parzelle von 10 Dunam bisher angebauten Gemüse sind sehr, sdiön aufgegangen, und (die Einkünfte hiervon sind gut. Infolge des fieberhaften Klimas an diesem’ Ort aber konnte leider nur ein Teil des gesamten Bodens bestellt werden. In diesem Jahr konti- .ten unsere ersten Absolventen, 4 Schülerinnen und 8 Scilüier, unsere Anstalt verlassen. Wir haben uns .aber entschlossen, erst nach Ablauf eines Jahres praktischer Arbeit unseren Schülern die Abgangszeugnisse zur Verfügung zu stellen, damit lunsere Zöglinge sich noCn weiter in üer praktischen Arbeit ausbilden, bevor sie unsere Anstalt gänzlich verlassen, und damil sie nicht in die Versuchung kommen, rein theoretische Ausbildung an. höheren Lehranstalten zu-suchen. Um den Schülern'eine Erleichterung zu gewähren, damit sie die allgemeinen Lehrgegensiäude nach1 dem praktischen Jahre nicht zu wiederholen brauchen, haben w’ir für afigeme/’ne Fächer eine Prüfung Ende des vier.en ja.iret .estgesetzt. Fachgegensändc bleiben dann allein für das nächste Jahr übrig. Die Prüfungen für die allgemeinen Lehrgegenstände fanden am 20: Juli dieses Jahres in Gegenwartder Herren Dr. J. Thon' und Agronom Wilkansky aus Jaffa statt. Die Lehrgegenstände,- in der.cn geprüft Avup.de, waren : Hebräisch, Französisch, Ges.'.hchte,' Geographie, Mathenia ik, Buchhaltung. Die Ergebnisse der Prüfung waren günstige. Die Absolventen 'haben sich jetzt mit großem Eifer der. praktischen Arbeit gewidmet, unter ihnen auch1 zwei Schülerinnen, die außerhalb ihres väterlichen Hauses zu arbeiten beab-’ sichtigen. .; ’ .; ’; Leider konnten wir auch indiesem Jahr aus Alangei an Mitteln für unsere Zögli>nge keine praktischen Arbeiten organisieren. Die Schüler müssen als Arbeiter Beschäftigung suchen. Im - nächsten Jahre gedenken wir, eine entsprechende Parzelle für praktische ' Arbeiten zu pachten. Mit dem kleinen 'Betrage von etwa 300 Frs. glauben wir, dies einrichten zu können. Die finanzielle Lage unserer Schule ist nicht erfreulich. Das Budget für das abgelaufene Schuljahr beträgt nach den wei mög.iclisten Kürzungen*: [ [ j; Ausgaben: Lehrgehälter, Bedienung u. Sekretär ’ 10.920 Frs. Wohnungsmiete 900 „ Verschiedene Ausgaben 700 „ 12.520 — Einnahmen: Waad-HachinuCh 3.360.—Frs. Scliulgelder 720.— „ t Verschiedene Einnahmen 1.403.— „ 5.480 23, Wir schließen also mit einem Defizit von Francs 7.039 77 ab. * : | J Wir wärden uns so einrichten, daß das Budget im1 kommenden Jahre sich in demselben Rahmen wie das gegenwärtige Budget bewegen wird. Wir würden im nächsten Jahre gern die erste Klasse Wieder eröffnen. Hoffentlich werden wir über die nötigen1 Mittel verfügen können.“ ,!.; " ' U^i Pfersonainachrichten Der Schriftsteller H e rTnan n Blumenthai hat sich mit- Fräulein Fanny Sennenhieb verlobt. Unser Gesinnungsgenosse Herr Robert G.uttmann (Prag, Bez. Kgl. Weinberge, Jungmannstr. 29) beklagt den Verlust sei :cr Mutter. Anzeigen und Korrespondenzen Int' jüdischen Arbeiterbiidungsverem -.„Poaie Zion“ findet Samstag, 4. Nov. I. J. 8 Uhr abends (Cafe Stefanie), ein Vortrag von Dr. Schipper statt. Thema Vorbehalten: Der Zionistische Verband ehemaliger Hochschüler veranstaltet 'Mittwoch den 8. November 1916, 9 Uhr abends, eine freie Zusammenkunft im: Cafe Pucher, I., Kohlhtarkt, Parterre; zu welcher sämtliche Mitglieder und Gäste eingeladen werden. Vorträge über Geflügelhaltung. Der vom „Galizischen* Hilfsvereine“ errichtete Kurs 'für Flüchtlinge, an dem der Konsulent für Geflügelzucht im1 Je. k. Ackerbau-Ministerium' Herr Georg Wieninger sechs Vorträge ‘ „über Geflügelzucht und Geflügelhaltung“ halten* wird, beginnt am- 7. November d. J. um 4 Uhr nachmittags im Josefine MendlsChen Wohlfahrtshause, XX., Denisgasse 33. Anmeldungen im Vortragslokale vor Beginnder Vorträge. Die zionistische. Mjädchenveremigung „Moriah“ veranstaltet ihren nächsten; Vereinsabend Donnerstag den| 9. d; Mts., präzisei/28 Uhr abends (IX. Serviteng. 10). Es spricht Herr Stand über den „Jujdenstaat“. Per Vortrag ist nur für Mitglieder zugänglich; Krakau. Die Damen Oberin Pauline Eisenthai* Hefene Bendel, Sy da AI- I erhan-d-'und Herr Danie/T i lies erhielten für ihre verdienstvolle Betätigung an der jüdischen 'Labestation in Krakau die deutsche Rote Kreuz-Medaille III. Kl.