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Jüdische Zeitung · 1916-10-25 · 42 (25.10.1916) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
10 (1916)
Issue
42 (25.10.1916)
Date
1916-10-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 42 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 2. daß das Exekutiv-Komitee augenblicklich die nötigen Vorbereitungen in Angriff nehmen' soll, um den Kongreß einzuberufen. Die Vorbereitungen sollen am 3. September 1916 fertiggestellt und ausgeiührt sein; 3. daß das Exekutiv-Komi.ee aufgefordert werden soll, den Kongreß an einem Tage einzuberufen, der zwischen dem 3. September und 31. Dezember 1916 liegt; 4. der Kongreß soll in keinem Falle später als am 31. Dezember 1916 abgehalten werden, wenn nicht das Exekutiv-Komitee durch dreiviertel Seiner vollen Mitgliederzahl so entscheidet; 5. im Falle der Dringlichkeit ist das' Exekutiv-Komitee berechtigt, den Kongreß innerhalb 30 Tagen nach der Bekanntgabe einzuberufen. Zusatz des Kompromisses. Der Kongreß soll zu einem solchen Zeitpunkte vor dem Ende des gegenwärtigen europäischen Krieges abgehalten werden, der von dem Exekutiv-Komitee des amerikanisch-jüdischen Kongresses dazu festgesetzt werden wird. Di Örganisierungskoinitee. Vorschlag des Kompromisses. Es wird beschlossen, daß die Mitgliederzahl des Exekutiv-Komitees des Amerikanisch-jüdischen Kongresses, das jeizt aus 6S Mitgliedern besteht, die auf T 20 erhöht werden können, auf 140 erhöht werde durch Hinzufügung zweier Mitglieder, die durch das gegenwärtige Komitee erwählt werden sollen, und durch weitere 70 Mitglieder, die durch die „Konferenz der Amerikanisch-Jüdischen Organisationen“ erwählt werden sollen. Das Ergebnis der Abs'immcng. Punkt A wurde mit 127 geg’g \ 116 St.cnimen abgelehnt, Punkt b wurde mit 12S gegen 113 Stimmen abgelehnt, Punkt C wurde mit 153 gegen 87 Stimmen angenommen, Punkt D wurde mit 126 gegen 114 Stimmen angenommen. Auf der Sitzung, die das Ergebnis der Abstimmung feststellte, wurde berichtet, daß noch viele Delegierte, die Gegner des Friedensabkommens fsind, ihre -S immzet e''. i.ht 'cingesc' ickt haben. Es wurde ein neues Komitee von 7 Mitgliedern gewählt, das dem Siebener-Komitee von der Astor-Konferenz das Resultat des Referendums übermitteln und den Versuch machen soll, auf sie einzuwirken, daß sie es annehmen. Es ist bestimmt worden, daß das Komitee nicht unterhandeln darf, sondern sich nur an den Geist des Referendums zu halten habe. In das Komitee wurden gewählt; Professor Hurwi t's c h,’ Judge Live, Louis Lipsky, Dr. Rubinsohn aus Philadelphia, Herr Koralinger und andere. Das Komitee muß spätestens Tn e'inem Monate Bericht erstatten. Die nächste Sitzung findet spätestens nach 10 Tagen statt. Innerhalb der ha ional-'ü, Debet K. e'-e Amerikas hat in den letzten Wochen das Kongreß- Abkommen allenthalben die Gemüter beschäftigt. Ucberall wurden Versammlungen abgehalten und Resolutionen für oder wider das Uebereinkommen beschlossen. Auch in der amerikanisch-jüdischen Presse wurde die Frage leidenschaftlich erörtert. In New-York hat sich die „Jüdische Kongreß-Liga“ gebildet, die für die Durchführung der Philadelphi er Beschlüsse in allen Punkten eintritt. Zwischen dem Kongreß-Organisierungs-Komitee und dem Exekutiv-Komitee der „Konferenz amerikanisch-jüdischer Orga~iTa‘ionen“ sind i;- zwischen aufs neue Verhandlungen eingeleitet worden, um nach Ablehnung des Uebereinkommens doch zu efner VersLündi"ing zu gefangen. Aus der jüdischen Weit Umgruppierung der Juaenhrit. Während vor Kriegsausbruch 6 Millionen Juden in Rußland lebten, beläuft sich ihre Zahl jetzt nur noch auf 3'!■< Millionen. Neben diesem ve-minderten Zentrum hat pich ein verstärkles gebildet in der Judenschaft Oesterreich-Ungarns (2.260,0C0', des Deutschen Reiches (615.000) und de* von den beiden Staaten besetzten Gebietes, das insgesamt 5y» Millionen beträgt. Das dritte Zentrum ist das amerikanische mit 3 Millionen Jud:n. Von der Beteiligung der deutsch :n Juden am Kriege redet eine statistische Aufnahme der Großlqge das U. O. B. B. eine deutliche Snrache Danach betrug Ende 1915 die Gesamtzahl der Logenmitglieder 8766, von denen 1356 im Felde standen. 47 waren zu O Izieren, 328 zu anderen Chargen befördert wer 1 'o. 174 erhielten das Eiserne Kreuz zweiter Ktajse, 57 andere Auszeichnungen, 3 das Eiser-.e Kreuz erster Klasse. Für das Vaterland gefa"et waren 31 Mitg’ieder. Von Söhnen der Mitglieder standen 1935 im Felde; .davon, waren 53 zu Offizieren und 525 zu anderen Chargen befördert, 249 mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse, 48 mit anderen Orden geschmückt 'worden, während 112 dea Heldentod gefunden hatten. Die ostjüdischeil ■'Organisationen in Zürich, deren Aktionskomitee, dem Grundsatz der Selbsthilfe huldigend, sich zur Aufgabe gemacht hat, zur Unterstützung verarmter Ostjuden die besser gestellten Ostjuden heranzuziehen, trifft Anstalten, um für die kommende Winterzeit mit ihren vermehrten Ansprücl en gerüstet zu sein. Das Aktionskomitee, gebildet aus Vertretern von 12 ostjüdischen Vereinen, 'ist in den Augusttagen von 1914 entstanden und seitdem in permanenter Tätigkeit. Seine Beziehungen zu der eingesessenen jüdischen Bevölkerung erhellt die Tatsache, daß von ihm der Fürsorgekommission der Kultusgememde nicht weniger ais 4500.— Frs. zugeführt wurden. Zensur in Frankreich. Die Redaktion der Pariser Zeitschrift „La Renaissance J u i v e“ teilte in den Zeitungen mit, daß ihre letzte Nummer, die ganz der Frage der Emanzipation der rumänischen Juden gewidmet war, von der französischen Zensur beschlagnahmt wurde. Jüdische Flüchllinge in Scheveningen. Ein großer Teil der. jüdischen Flüchtlinge aus Brüssel und Antwerpen befindet sich jetzt in Scheveningen in Holland, ln einem großen J5cheveninger Qasthause wird die Diamantenbörse, die früher in Antwerpen war. abgehalten. In Scheveningen befinden sich einige tausend jüdische Flüchtlinge, die dem berühmten Kurort an der Nordsee ein eigentümliches Gepräge geben. Zuire Ein'ritt russischer Juden ins englische Heer. Der Aufruf des Vorsitzendender Englisch Zionist Federation Josef Co wen an die russischen Juden, sich freiwillig zum Heeresdienst zu melden, wurde in einer Konferenz der Zionisten durch eine Resolution mißbilligt. Trades Union und die Rechte der Julen. Auf dem Kongreß der Trades Union, der in der zweiten Sentembe-woche in Birmingham stattfand, wurde .einstimmig und ohne Diskussion folgende Resolution angenommen: „Der Kongreß spricht seine nachdrückliche Mißbilligung wegen der fortgesetzten Unterdrückung und der. Ausnahmestellung des jüdischen Volkes aus und bedauert, daß die Juden in einigen Ländern noch immer der elementaren polriscten und bürgerlichen Rechte beraubt sind. Der Kongreß fordert daher, daß die britische Regierung von den Verbündeten und Jen Regierungen neutraler Staaten die Aufhebung al'esolcher Unterschiede, wo immer sie bestehen und jetzt gegen die Juden an- 'gewendet wc-den, entschieden verlange. Des weiteren verlangt -der Kongreß, daß die britischen Vertreter sich bemühen sol’en, daß in den Friedensvertrag, wann auch immer die Friedensbedingungen des gegewärt*gen Krieges diskutiert werden möge i, - iv* Garantie, für die bürgerlichen und politischen Rechte der Juden rn-I anfe-er Nationen, die solchen Lin echtmäßigkeiten ausgesetzt sind, cingeschlossen werde.“ Die Juden an dar Warschauer Universität. Der Universi'ätskalender, den der Bibliothekar der Warschauer Universität Dr. Muschkoski herausgegeben hat, enthält, interessante Daten über die Frequenz der Juden an dar Universität. Die juristische Fakultät wird von 60, die philosophische von 14. die naturwissenschaftliche von 66, die medizinische von 355 und die pharmazeutische von 26 jüdischen Hörern besucht. Im allgemeinen besuchen 521 Juden die Universität. Sie bilden 46 o'o der allgemeinen Zahl der Hörer. Dr. VV. L. ichereschewski. Im Alter von 60 Jahren verstarD in Odessa am 1.T3. August der verdienstvolle hebräische Schriftsteller Dr. W. L, Schcreschewski. In seinem Hauptwerk „§chischa Sidre Malda“, das vor kurzem vom Verlage „Moria“ in der zweiten Auflage herausgegeben wurde, und in dem die Grundlagen der Mechanik, Physik, Chemie, Phy ialogia, Psychologie und Biologie in wissenschaftlicher Form dargelegt sind, hat der Verfasser eine präzise Terminologie für alle Fach-Begriffe geschaffen und sich dadurch große Verdiensteum' die Bildung einer neuhebräischen, wissenschaftlichen Sprache erworben. Schereschewski war auch der ers'j: Uebersetzer des . Graetz’schen Geschichtswerke; in die russitche Sprache. Ein Hebräisches Lehrer-Seminar in Odessa. Das Zentral-Komitce der hebräischen Sprachvereine in Ruuland „Chowewe Sfath Ever“ erhielt die Erlaubnis, in Odessa ein jüdisches Lehrer-Seminar mit hebräischer Unte_richtssprache für die meisten Lehnächer zu eröffnen. Damit den Seminaristen die Möglichkeit gegeben wird, sich dem Studium vollkommen zu widmen, hat die Gesellschaft für jeden Schüler eine jährliche Unterstüztung von 5C0 Rubeln festgesetzt. Zum Direktor des Lehrerseminars ist der frühere Rabbine* von Bialvstok , Dr. Mohilevcr, ernannt worden. Die Eröffnung findet Anfang Dezember statt. Der ruir.-nische An is:n:iti msis. Eine offizielle Statistik der vom Staate unters.fitzten Industrie stellt fest, daß das Märchen der „Akkaparierung“ der Industrie und des Handeis durch Juden — die hauptsächlichste Beschuldigung und Quelle aller ökonomischen Leiden der Juden in Rumänien in den letzten zehn Jahren — einfach erfunden ist. Die amtliche Statistik zählt das in der vom Staate unterstützten Industrie verwendete Personal auf und findet, daß Ende 1915 in allen dieser Industrie angehörendea Unternehmungen 53.470 Arbeiter, 2760 Personen in der Verwaltung unjd 2641 in den technischen Abteilungen beschäftigt waren. Davon waren: 46.049 Arbeiter echte Rumänen (S5'»o), 6319 ausländische Untertanen (11 o/o > und 1102 oder im (ganzen 4o/o Fremde (ohne 'ausländischen Schulz (Juden). Aehnlich ist das Verhältnis auch heim technischen und Admiristra Lnersona', wovon 539/o Rumänen, 41 9t>Ausl.:inder und 6' " Juden bezw. 64"'» Rumänen, 2190 Ausländer und 151» Juden in Betracht kommen. Die Zahlen beweisen, wie grundfalsch die antisemitischen Anschuldigungen sind; sie beweisen aber auch, dab durch die antisemitische Agitation die Niederlassung und Verwendung in Geschäften der wirklich Fremden ungemein gefördert wird. Der rumänische „Nationalismus“ erweist sich somit als der größte Förderer der Ucberfremdung des Landes, während er in Wirklichkeit deren Eekämpfer zu sein vorgibt. Von der Einwanderung in die U.-S.-A. Oskar S. Straus spendete dem Clara-de- Hiisch-Weim für weibliche Einwanderer zur Errichtung eines zweiten Gebäudes 150.000 Dollar. Die Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society of America verschaffte im vergangenen Jahre 2715 Einwanderern einen Erwerb. — Im vorigen Jahre kamen nach Amerika 23.155 Juden, davon 26.407 als Einwanderer. 14.496 stammten aus Rußland, 2024 aus Oesterreich-Ungarn, 3404 aus Karada usw.; 3263 wurden zurückgewiesen. Die geplan e Kolonie der amerikanischen Zionisten. Am 31. Juli sprach vor einer gutbesuchten Versammlung der New-Yorker Zionisten Frau Fels über die Bedeutung des Beschlusses der 19. Konferenz der amerikanischen Zionisten, in Palästina eine neue Kolonie nach dem Henry O e o rg e - System zu gründen. Die Rednerin, die bekanntlich zum Besten dieses Projekts eine Million Dollar gestiftet hat, ist entschlossen, nach Eintritt des Friedens nach Palästina zu reisen, um ihren Plan zu verwirklichen. Auf der gleichen Versammlung wurde beschlossen, die Vereinigung der Kolonisations-Vereine „Achusa“ in New-York, Cleveland, St. Louis, Pittsburg und Chicago zu vereinigen und den Rahmen ihrer Arbeit zu erweitern. Petition der Presbyterianer in Nordamerika für das jüdische Volk. Der amerikanische Geistliche William J. Blackstone üb‘‘rreichtt.e vor kurzem Präsident Wilson ein; Petition, in welcher um dauernde Hilfe für das jüdische Volk gebeten wird und in der auch die Bitte ausgesprochen ist, es möge den Juden die Rückkehr nach Palästina ermöglicht werden. Diese Petition ist auf der Konvention der Presbyterianer in Atlantic City, die im Mai stattfand, ausgearbeitet worden. Ihr zugrunde gelegt sei eine ähnliche Petition, die Blackstone im Jahre 1891 dem damaligen Präsidenten H a r r i s o n überreicht hatte, mit dem Titel „Was wollen wir für die russischen Juden tun?“ und die von zahlreichen führenden amerikanischen, jüdischen und nichtjüdischen Peisönlichkeiten unterschrieben war. Ehrung Scholen Afeichems im Parlament der U. S. A. Jüd. Zeitungen melden, daß in einer der letzten Sitzungen des Kongresse; in Washington •’er christliche Deputierte William S. Benett dem Kongreß vom Tode und der Beerdigung Scholcm Aleichems berichtete. William S. Benett. ein Freunct und gründlicher Kenner der jüdischen Literatur, charakterisierte in kurzen Worten das Werk und die Bedeutung des verstorbenen Dichters und machte die Kongreßmitglieder durch einige Proben mit den hauptsächlichsten Schöpfungen Scholem Aleichems bekannt. Eine neue he brasche Gesellschaft „Ohel Sehern“ wurde untedem Vorsitz des jungen hebräischen Schriftstellers S. B. M a x i m o w s k y in Chicago gegründet, die die Förderung der hebräischen Sprache und Literatur in Amerika zur Aufgabe hat. Die neue Gesellschaft wird sich der kürzlich gebildeten hebräischen Föderation in Amerika anschließen. Die jüdische Presse in Amerika. Einer Statistik der „American Association of Foreign Language Newpapers“ zufolge gibt es in den Vereinigten Staaten 55 Zeitungen in jiddischer Sprache mit einer Auflage von 1,625.748 ^Exemplaren. Hierbei sind offenbar die hebräischen Blätter nicht mitgerechnet. Indien. Kürzlich fand in Bombay ein Meeting der Magen David Congrega'ion statt, das besonders deswegen bemerkenswert war, weil die ganzen Verhandlungen in hebräischer Sprache geführt wurden. Sir Jacob Sassoon wurde zum Präsidenten 'wiedergewählt. Mr. Abraham Jacob Raymond wurde Vizepräsident. Der Vor-

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