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Jüdische Zeitung · 1916-10-25 · 42 (25.10.1916) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
10 (1916)
Issue
42 (25.10.1916)
Date
1916-10-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nh 42 sitzende des Meetings, Mr. E. S. Oar,e'h, rühmte in einer schwungvollen hebräischen Ansprache die großzügige philanthropische Tätigkeit von Sir Jacob Sassoon. Zionistische Bewegung Poale-Zion-Kcaferenz in Rußland. Kürzlich traten Delegierte der russischen Poale-Zionisten zu einer Konferenz zusammen, der ersten seit Ausbruch des Krieges. Folgende Resolutionen wurden angenommen: 1. In den jüdischen Massen die Erkenntnis zu verbreiten, daß die einzige Lösung des Jüdischen Problems die Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina ist. 2. Alles zu tun, um die Einkünfte des Palästina- Fonds zu erhöhen. 3. (Veröffentlichung von der Zensur dicht zugelassen.) 4. Die Idee eines interterritorialen Kongresses zu propagieren. 5. Daß die Repräsentanten der Jüdischen Arbeiterorganisationen an jeder Bewegung teilnehmen sollen, welche die Verbesserung der ökonomischen Bedingungen der Juden in Rußland und ihre Entwicklung in kultureller Hinsicht zum Ziele hat. 6. Daß die Konferenz die Resolutionen der Wiener Konferenz von 1909 genehmigt, wonach die Unfenrichtssnradien in den jüdischnationalen Schulen Hebräisch und Jiddisch1 sein soll. Aus Palästina Von. den hebräischen Schulen in Palästina. Das Budget des hebräischen Schulwerkes in Palästina, den der ,,Waad Hachinuch“ für (las kommende Jahr 5677 (1916/171 jetzt vorg'elegt, beläuft sich auf Frs. 501.610.07. Gesundheitszustand in Palästina. Das jüdische Gesundheitsamt in Jerusalem hat drei besondere Stationen eingerichtet, wo die arme Bevölkerung der Stadt kos'en'os gegen Cholera geimnft “wird. Diese Stationen sind seit dem1 25. Juni eröffnet. Das Pasteur-Institut, dessen Leiter Herr Dr. Beham ist, gibt besondere Broschüren in verschiedenen Sprachen heraus, die über die Cholera und ihre Bekämpfung Aufschluß geben. — Die Impf- und Injektions-Station stellte im Aufträge der Regierung für 30.000 Personen Injektionsstoff her. Diese Sektion richtete eine besondere Abteilung für Injektionen gegen Cholera ein. Medizinische Hilfe für Palästina. Das Provisorische' Zionistische Exekutiv-Kömltee in New- York hat von der französischen Regierung die Erlaubnis zur Einfuhr von Medikamenten nach “Palästina erhalten. Diese Erlaubnis bezieht sich auf idie Einfuhr von Medikamenten, die schon seit längerer Zeit in Aegypten für 'Palästina deponiert waren. Infolgedessen hat das State- Departement in Washington den amlerikanisclien Kreuzer Desmoines, der in Barcelona lag, nach Alexandria beordert, um die Medikamente von dort jiach vjaffa tzu {bringen. ‘— Die .Verhandlungen wegen der von der zionistischen Frauen-Organisation . „Hadassah“ in Amerika geplanten medizinischen Hilfssendungnach’ Palästina, der auch die amerikanische Regierung ihre Unterstützung angedeihen ließ, sind noch nicht abgeschlossen. Palästina-Hilfs-Aktion. Nachrichten aus Palästina zeigen, wie notwendig eine noch wirksamere Durchführung der Palästina-Hilfs- Aktüon in allen Ländern ist. Obgleich die aus Einzelspenden aufgebrachten Summen für die Hilfsgelder relativ bedeutend sind, müssen sie doch bei der Menge der zu unterstützenden Institutionen und Persoren als unzulänglich bezeichnet werden. Das Verteilungs-Komitee in Palästina bestrebt sich, allen denen, die aut Hilfe Anspruch haben, gerecht zu werden. Doch wirkliche Hilfe kann nur gebracht werden, wenn die Mittel ausreichen, eine Weiterarbeit zu sichern, und nicht nur augenblickliche Lücken auszufüllen. Das hebräische Schulwerk sowohl wie die ökonomische Lage der Kolonisten waren, wenigstens für die erste Zeit, durch (die Hi’-fsgelider wirksam gesichert; nun gilt es, die Pflanzer in den Stand zu setzen, ihre Arbeit weiter fortzuführen. Die kommenden Monate sollen die Ernte bringen (November-De- _ zemberl und bis dahin müssen die Kolonisten ihre Pflanzungen weiter pflegen können. Besonders kritisch ist die Lage der Orangerie- Besitzer. Ihnen muß jetzt geholfen werden, dann ist zu erwarten, daß sie soäter durch die Ernte in den Starid gesetzt werden, sich allein weiter zu helfen. Denn obwohl man infolge der Heuschrecken nur mit 30—40 o/0 einer Normalernte rechnen kann und auch der inländische Verkauf sehr eingeschränkt sein wird, werden sich die Orangenpflanzer durch die zu erwartenden Einnahmen aus dem Verkauf der Früchte dodi bedeutend kräftigen können. Auch die Weinbauern können nach der Ernte auf einige Einnahmen rechnen. Bei den Mandelpflanzern sind die Aussichten schlechter. In jedem Fall' ist eine sofortige Unterstützung der Pflanzungskolonien durch Einleitung einer neuen Hilfsaktion dringend geboten und vornehmste Pflicht aller Juden, denen das jüdische Kolonisationswerk am Herzen liegt. „Das Jüdische Archiv“ Die soeben erschienene vierte Publikation des Jüdischen Archivs*) macht in ihrer trockenen, erschütternden Sach’ichkeit tiefen Eindruck. Das Heft beginnt mit der Wiedergabe des denkwürdigen Aufrufes, den die Armeen der Zentralmächte bei ihrem Einrücken in Rußland in jiddischer Sprache an die „Juden in Polen“ richteten. W. Klossowsk i setzt seine überaus fleißige Archivarbeit, betreffend „D i e Ausrottung der Judenschaft Rußland s“, fort, .und: entrollt in dem Abschnitte „Ausweisungen“ ein gewissenhaftes Bild der russischen Judennot. Es folgen authentische Wiedergaben der Judendebatte in der Duma vom’ 16. August 1915, eine sehr wichtige Darstellung der neuen Stadtordnung in Warschau („Die neue Stadtverwaltung in Warschau und (die Juden“) und die Wiedergabe mehrerer gegen die- Juden gerichteter russischer Armeebefelile. Vielfach' wurde die Nachricht, die Russen hätten die jüdischen Bewohner vor die Front getrieben, angezweifelt. Das jüdische Archiv belehrt leider eines Besseren: Der betreffende Armeebefehl Rädko Dimitrieffs, welcher anordnet, die Juden zu versammeln und gegen den Feind zu treiben, ist photographisch wiedergegeben. Anknüpfend an die Nobilitierung des heldenhaften Czernowitzer Bürgermeisters Dr. Weißeiberger, dessen Bildnis das Heft schmückt, wird in einer lebendigen Studie von Dr. Salomon Kassner („Die Juden der Bukowina“), die historische Entwicklung und Struktur der Jeden heit dieser östlichsten Provinz Oesterreichs geschildert. Außerdem enthält die vorliegende Doppellieferung die 3. Liste gefallener jüdischer Offiziere der Monarchie, die 4. Liste der Dekorierten jüdischen Krieger Oesterreich-Ungarns, dejüdischen Trä;er des <i emen K euzes /ers e-Klasre und wieder denkwürdige Tatgeschichten, jüdische Helden betreffend. Das Jüdische Archiv wird ni"mand missen können, der aus d*r. Quelle schöpfen will. *) J ü d i s c h e s A r c h i v, Mitteilungen des Komitees „Jüdisches Kries?sarchiv“, Lieferung 6 und 7, Preis K 1.—, Verlag R. Löwit, Wien. Vom Büchprtisch Dr. Max Simon: Der Weltkrieg un'd die Judenfrage. Verlag; von B. ’G. Teubner, Lei'pzTg. 1916. 8“. 80 S. M. U20. Die genannte Schrift,:>derei ■ Aushängebogen uns vom Verlag zugegangen sind, erscheint in den nächsten Tagen.: Ob sie eine Bereicherung der schon vorhandenen Literatur za dem Thema der Beziehungen unid gegenseitigen Wirkungen zwischen Krieg und Juden darsfe'Ien wird, wagen wir zu bezweifeln. Aber wir tun besser, e'inen anderen als den des wertezeugenden Inhalts an diese wie manche andere Broschüren zu legen. Die Unwissenheit in der Judenfrage ist bei Juden und Christen so gro'll und kraß, daß man mit Genugtuung das Erscheinen von aufklärenden unid belehrenden Arbeiten begrüßen fnuß. Eine Wandlung der (Anschauungsweise \vird insbesondere bei unseren, den nationalen Bedürfnissen entfremdeten Volksgenossen nur dann allgemach eintneten, wenn unter sie geradezu in Massen Abhandlungen, die sie mit der wahren Lage und den eigenen Notwendigkeiten der Gesamtheit bekannt brachen, geworfen werden. In diesem Betracht wollen wir die klar und eindringlich geschriebene Abhandlung Dr. Simons warm empfehlen. In einem Punkte wird sie vielleicht auch Sachkennern etwas bieten. Das ist im dritten Kapitel, in dem das jüdische Interesse an der Erhaltung-! er Türkei Und die Aussichten der palästinensische n Kolonisation im Falle der Annexion Palästinas durch eine der Entente- Mächte sehr überzeugend dargelegt werden. Professor Dr. Ludwig Geiger: Die deutschen Juden unid der Krieg. 8°. 80 S. Kriegspolitische Einzelschriften. Heft 3. M. T.20. Verlag C. A. Schwetschke & Sohn, .Berlin. 1916. Der Verfasser gibt eine Darstellung den Anteils,- den (die deutschen Juden seit Friedrichs des Großen Zeiten: ,tis -in die unmittelbare Gegenwart lan den Kriegen Deutschlands genommen. Er behandelt sowohl die patriotische Gesinnung der jüdischen Gesellschaft, die in guten Werken, Predigten, Rieden, Poesie und an sonstiger Literatüir nach Ausdruck suchte, als die tatsächliche Mitwirkung in den Heeren se'bst. Diese historische Zusammenfassung ist wohl geeignet zu zeigen, wie. deutsch die Juden Deutschlands fühlen. Sowie sich 5der Verfasser aber unseren Tagen nähert, wirkt'seine Anolegelik ürernuicklich. Am Schlüsse teer Broschüre reprodiizie-t er auch Zückerm'anns Reiterlied und Mak- |kabäersang, die ein Beweis dafür sind, wie man in zwei Kulturen wurzeln kann. Davon ist natürlich bei Geiger nicht die Rede. Er will der Welt einreden, daß die Gesinnung der „deutschen Krieger jüdischen Glaubens“ ausschließlich sei, „Deutsche zu sein mit den Deutschen“ und verfälscht somit die Wirklichkeit,die wie Zuckermann, den er in diese Charakterisierung, miteinbegreift, zeigt, daß man gut jüdischnational zu 9ein vermag und 'sich .zugleich dem’ Vaterlande zum Opfer bringen kann. Or. Julius Simon: Die Juden und die Gebildeten unserer Tage. 8°. 31 S. 15 Pf. Verlag Otto Hendel, Halle a. S. Es wäre widernatürlich, wenn von uns der Antisemitismus im Kriege, wo wir gleich den anderen unser Bestes geben und lassen, nicht doppelt (beleidigend und kränkend empfunden würde. Fassen wir ihn auch als unabänderliche Tatsache auf, so stört er uns doch bei plötzlichen Begegnungen in unseren unvoreingenommenen menschlichen Beziehungen, deren jede gesunde Gesellschaft bedarf. Nur daß wir Nationaljuden anjdere Schlüsse ziehen als der Typus der Assimilianen. Die Julius Simons Schrift ist nichts anderes als ein Lamento der gewohnten Art, wie wir es schon vor dem Krieg unzählige Mal in Appellen an die „besseren“ Stände gehört haben. Von der großen Wandlung ,die der Krieg hervorgebracht haben soll, kein Hauch. L. Rosenblatt: Perez Smölcnskin. Verlag C.Boas Nachf., Berlin, C. 2. 1916. Klein S°. 22 S. Die Broschüre bietet einen kurzen, sich1 zumeist auf Rüben B r a i n i n s Biographie stüzzenden Lebensabriß Smolenskis, oder wein man' genauer sein will, nach dem Verfasser „einige Grundzüge seiner Zeit, seines Lebens und seiner Wirksamkeit“. Die Berechtigung, , eine dermaßen kleine Arbeit, statt in einer Zeitschrift, gesondert erscheinen zu lassen, kann man nur darin erblicken, daß auf diese Weise besser die Aufmerksamkeit des Publikums aut sie gelenkt wird. Es wäre sicher nicht undankbar, Wenn sich ein jüdischer .Verleger entschließen würde, eine billige S-.mmlung von Lebensbeschreibungen verdienter tüchtiger Männer z i veranstalten. Israelitische "Predigt-Bibliothek. he ausgegeben von Rabb. Dr. Wilhelm Levy, Berlin. Verlag von C. Nachfolg., Berlin, C. 2. 1916. Klein 8°. 1. JaJirg- Heft 1 und 2. Eine periodisch erscheinende Samm’ung von ausgewählten Predigten aus aller und neuer Zeit nebst foeiglefügten ragadisdhen Miszellen. Es sollen darin nicht mir die hervorragenden deutschen . Kanzelredner wie Z u n z, Mannheimer, Jelfin ek usw. zu Wort konünen, sondern auch Repräsentanten der Gegenwart, insbesondere aus dem Osten. So (enthält Heft- 1 eine aus dem Hebräischen übersetzte Predigt des Rabbiners J. Weinberg ar:s Süwalki. Hieft 2 zwei Predigten von .Rabb. Dr. E f r a i m H a I e v y in Berlin im 1 Zadoc-Cah n, dem-versterbend GroBrabbiner von Paris. B-üchereinlauf. A. F.: Ein Wort an die inten und die oben von eia em deutschen Sozialdemokraten. Fra~k=che Ver’a-sbuchhandlung, Stuttgart. 1916. Groß 8°. 24 S. 30 Pf. ‘ : Anten Fcndrich: Mit dem Auto an die Front. 4L—45. Tausend. Ebda. 1916. Klein S°. 158 S. gell. M .1.—. H. St. Chainberlain: Hammer oder Amboß. 2. Auflage. Dritte Reihe der Kriegsaufsätze. F. Bruckmann, A.-G., München. 1916. Klein 8°. 61 S. 70 Pf. Jüdische Literatur In der nächsten Zeit gibt die Leitung des Bundes für jüdisches Jugendwandern „Blau- Weiß“ eine Sondernummer der Blau-Weiß-Blätter heraus. Die Blau-Weiß-Blätter, Flugschrift des Blau-Weiß, werden' neben aufklärenden Artikeln eine Artzahl der besten Aufsätze, die bisher in den Blau-Weiß-Blättem erschienen sind, enthal-, ten. Der Preis des auch für Sendungen ins Feld geeigneten Heftes’ beträgt im Einzelverkauf Mk. —.35, bei Bestellung größerer Mengen: tritt Ermäßigung des Preises ein. Bestellungen unid Anfragen sind möglichst bald an FHtz;K o r e f, Charlottenburg, Gutenbergstr. 9 zu richten. Von der „Kommission zur Verbreitung jüdischer Volksbildung in der Schweiz“ wurde ein . „J ü d i s c h e s J a ’h r b u c h f iü r (d i e S c h w e i z“ für das Jahr 5677 herausgegeben (Verlag des Jüdischen Jahrbuches, Luzern). Das Jahrbuch enthält außer .einem Kalendarium eine große Zahl belletristischer, belehrender, geschichtlicher und kulturhistorischer Beiträge. Eine Anzahl hebräischer Schriftsteller in Warschau gibt demnächst eine große (hebräische Sammlung unter dem Namen „Hameass e f“ heraus. / Ausgewählte Schriften vonAchad- H a a m sind soeben im Verlage „Wostock“ (Orient) in Petrograd in russischer Uebersetzung von C h. G r ü n b e r g erschienen. Im Verlage „Merchawiah“ in Moskau erschien, eine neue zionistische Sammelschrift unter dem Namen „Im Lichte des Krieges“. Die Schrift enthält eine Reihe von Artikeln und Aufsätzen aus der Feder von Dr. Tschlenow, Herschisohn, Gepstein, Jaffe und H. Grünberg.

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