Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 40 (11.10.1916)
- Date
- 1916-10-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4Ö JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 sdh'es ' und zionistisches Organ erfüllt, so ist rat die Gründung eines jüdischen S c huIdies' den Herren. F a rb st ein, Dr. M i n z, rates, der auf demokratischer Grundlage von Dr. Posnan-ski -und; anderen Gesinnungsgeder ganzen jüdischen Bevölkerung gewählt wernossen in Warschau und Lodz zu danken, die den soll; diesem ist die Verwaltung der jüder Hazefira stets in; der Zeit idjer Bedrängnis dischen Volkpchulen zu übertragen. Der jüdibeistanden und sie nicht von der Bühne des sehen Gemeinde als antidemokratische Ein- Lebens verschwinden ließen, nicht Uiinder den richtung, der die kulturellen Bedürfnisse der Redakteuren, dem Administrätions- und Druckereigroßen Masse fremd sind und die deren Bedürfpersonal, die unter schwierigen Verhältnissen Tag nisse einfach vernachlässigt, kann diese Arbeit und Nacht auf ihren Posten stehen. Alle Annicht anvertraut werden. Dem jüdischen Schulträge zur Sanierung wurden dem Permanenz-. rat sind die entsprechenden Geldmittel zugängig ausschuß übergeben. zu 'madhen, die der Stadtrat für die Volksbildung Nun: kam1 die Frage der zionistiaufgeworfen hat. j;. Von der Rongrtssbeucgmig. Landesinstanz) wird auf einer Konferenz für ein Wie schon (berichtet worden ist, haben die Jahf gewählt.• Es besteht aus 13 Mitgliedern, Verhandlungen zwischen dem „Kongreßorwövon 7 in Warschau wohnen müssen. g a n i sa t i on sk om i t e e“ jiind der „Konfe- Aus den Resolutionen über Palästina- .renz natio naler jüdischer Organisaärbeit heben;wirhervor, Pioniergruppen vorzutionen“ (d. h. jüdischer Organisationen, die bereiten, auszubilden,' zu organisieren und zu sich nicht nur mit lokalen Angelegenheiten be- .unterstützen. Alle änderen bewegen sich in den fassen; zu einem Kompromiß geführt, das eine bekannten Bahnen. Einigung in der Frage der, Abhaltung eines ameri- Was sonst noch, zu Beschlüssen' erhoben kanischen jüdischen Kongresses herbeiführen wurde, bedeutet für Kongreßpolen sicherlich sollte.; etwas Neues und wird den Anstoß zu großen Wie wir den amerikanischen Zeitungen der Erfolgen bieten-. Den Inhalt zu• beschreiben, letzten Zeit entnehmen, hat das Kompromiß die. dürfen wir füglich, unterlassen. Die Materie ist Zustimmung der Organisationen, die die Organiuns aus den diversen Tagen -im Westen gesierung eines jüdischen Kongresses auf Grundnügend bekannt. läge der Beschlüsse der Philadelphiaer Vorkon- ’ Zum Schlüsse wurden AChad Haam und ferenz vertreten, keineswegs leicht finden können, Chi N. Bialik begeisterte Huldigungen darsondern es hat vielmehr eine starke Bewegung gebracht. Herr N i s sen b a u m erzählte in seiner eingesetzt, (welche 'sich gegen das Kompromiß Ansprache: erklärt und an den früher gefaßten Beschlüssen ' „Das Jubiläum Bialiks Veranlaßte uns bereits, festhält. Der Grund für diese das Kompromib zu -einer bedeutungsvollen Tat. Es wurde ein ablehnende Bewegung liegt hauptsächlich darin, Fond' aut1 seinen-Namen zur Herausgabe von dab aut-Grund des Kompromisses die Verhandhebräischer Kinderliterätur gegründet, einle Sache, lungsgegenstände des Kongresses eng begrenzt deren Notwendigkeit auCh wir erkannt 'haben. und damit seine Kompetenzen eingeschränkt wur- Für diesen Fond sind’ bereits mehr als 20.000 den und außerdem' von vornherein erklärt wurde, Rubel-gesamm elt worden, man'hat schon dab sich1 der Kongreß kein bleibendes Organ niit den Veröffentlichungen, begonnen, die der zur Durchführung* seiner Beschlüsse schaffen Dichter selbst leitet. Bei Beendigung des Krieges solle. Die Gegner des Kompromisses weisen werden auch wir von den Früchten dieses Fonds darauf hin, daß das Hauptprinzip des Kongresses genießen.“ seine demokratische Grundlage war, weil die in In der letzten Sitzung, die geschlossen war, direkter Waht für den Kongreß gewählten Delelegten die zionistischen Mitglieder des Wargierten des amerikanischen Judentums in voller schauer Stadtrates über ihre Politik während der Selbständigkeit ihre Beschlüsse hätten fassen und Wahlen zum Warschauer Stadtrat und über ihre die Mittel zu t ihrer Durchführung hätten wählen Tätigkeit im Stadtrat; Rechenschaft ab. Die können. Demgegenüber hat das Kompromiß auf Versammlung billigte, die zionisti* das Prinzip Xfer direkten Wahf der Delegierten sehe Politik und 'spracli' den zioniverzichtet und ihre Nominierung durch' bes t is ch e ri R a ts m ännern ih r v o 1 lesV erstehende Vereine erlaubt, so daß schon dadurch ■tr auen äus/; der demokratische Charakter des Kongresses ver-! r ' Beim Morgengrauen legte der Permanenzletzt wird. Dazu kommt, der Ausschluß wichausschuß‘ die Liste der Kandidaten 'vor, die eintiger Beratungsg'egenstände aus dem Kongreßheilig angenommen wurde. In das Zentralprogramm und die Erklärung, daß der Kongreß kci mit e e der 'Zionistischen’Landesorganisation in den Ländern, wo es nationale Minoritäten; in Polen wurden folgende Mitglieder gewählt: gibt, die ihren nationalen Charakter auf Grandaus Warschau - die Herren Fa r b s t e i n, Olläge eines nationalen Minoritätsrechtes gewahrt schwanger, Dr. KludUel, Seidschik, wissen wollen," und wo die Juden, gleiche Lewin, Dzialoschinsky und Nissen- Wünsche haben, (für die Sicherung von Grupb au m, aus Lodz die Herren Dr. B ra ud e und pen-echten eintreten wird, während die Phila- H ur w itz, ferner die Herfen' Sandstein aus celphiaer Konferenz, die zur Einsetzung, des Kon- Czcnstochau, P erl mu tter aus Mlawa, Hart- . g:e.lorganisationskomitees geführt hafte, die Erglas aus Schedlitz uüd: Silensky aus Tolangüng (nationaler Rechte vorgesehen hatte. mäsChöw. Um (die Wahre Meinung über, die Kompromiß- 'Nach Beendigung der Wahlen begannen die bedingungen festzustellen, hat das Kongreßor- Schlußreden und mit der „Hatikwah“ und einem ganisationskomitee an die Delegierten der Philachassidischeri Tanz schloß die Konferenz in sehr delphiaer Konferenz jetzt ein Referendum vergehobener ' Stimmung. Nach der. siebenten sandt, das ihnen das mit der Konferenz natio- Morgenstunde begannen die Delegierten von einnaier jüdischer Organisationen zustandegekomander Absdhied zu nehmen.- mene Kompromiß nebst ausführlicher Motivierung des Kompromisses zur Abstimmung unterbreitet. Die amerikanischen Zeitungen weisen darauf hin, daß dieses Referendum' seinem Umfangend seiner Form nach die größte und ernsthafteste Diskussion in der Oeffentlichkeit darstellt, die jemals unter den Juden vorgenommen worden' ist. ■ Daß man ein so wichtiges Programm Das jüdische „Warschauer Tageblatt“ vom einem so großen Kreise zur Informierung und 25. September berichtet: In ieiner tfer drei großen zur endgültigen Beschlußfassung unterbreitet, be- Versammfungen, die am Sonnabend veranstaltet weist, mit welchem Interesse man in den brei- :wurden,’-"ist von der national gesinnten Judentesten Schichten des amerikanischen Judentums schaff in der Schulfrage folgende Resolution andie .Organisierung des jüdischen Kongresses vergenommen worden: „Davon ausgehend, daß die folgt,;mit welcher jüdischen Hingabe und polijüdische Volksschule eine Nationafechule sein soll, tischen Reife die endgültigen Formen, des Kond. ,h. daß' die Unterrichtssprache die Muttergresses festgestellt werden. Es handelt sich tatsprache der Schüler sein soll, daß. das Lehrsächlich-nicht um'einen Plan, über dessen Ausprogramm-und die Unterrichtsmethode den Beführung einige Wenige nach Gutdünken be- : dingungen der nationalen Umgebung angepaßt schließen können, sondern das ganze ämerikawerden und daß die Volksschule sich lediglich kanische Judentum’ macht den Anspruch darauf, . im Besitz des Volkes befinden solle, in Anselbst zu entscheiden und zu bestimmen, .betracht;. dessen, daß die jüdische Bevölkerung Das (Referendum ist 376 Delegierten zugevon 300.000 Seelen in Warschau eine besondere gangen, so dab 183 Stimmen die Majorität bilden nationale Gruppe bildet, so erklärt die Ver-> werden. Der Ausfall des Referendums wird darsammlung, daß die kulturellen Interessen der über entscheiden, ob die Organisationen, die auf ' überwegenden Mehrheit dieser Bevölkerung nur der Vorkonferenz in Philadelphia das Kongreßdürch eine Schule befriedigt werden können. Organisationskomitee zur Vorbereitung eines de- Die Unterrichtssprache muß jiddisch sein; die mokratischen jüdischen Kongresses eingesetzt polnische Sprache, die Sprache der/Mehrheit der haben, das Kompromiß mit den Anhängern der" Ortseinwohner, säolF einen . entsprechenden Platz Konferenzidee billigen oder verwerfen. ’ als, Lehrgegenstan'd einneli'fne.T. Die Schule soll Das Subkomitee des Kongreßorganisationsweitlich, obligatorisch und kostenlos sein. komitees, welches sich zu dem Kompromiß ver- ' In Anbetracht , dessen, daß die bestehenden standen hatte, bestand aus dem Herrn Richter Chederschulen nach Inhalt und Geist in Scharfem, Hugo Pam als Vorsitzenden und den (Herren Josef unvermeidlichem Widerspruch zu den Bedürfnissen Barondeß, Jakob G. Großberg, M. Katz; Louis des modernen bürgerlichen Lebens und zu den . Lipsky, Leon Sanders und Abraham S. Scjtomer. Elementarforderungen - vemunftsge.uäßer Pädago- Das ^Referendum wird darüber Klarheit zu gik stehen, fordert die Versammlung vom Stadtbringen haben, ob die Aenderungen, mit denen JüOisdie SdnMerungen in Warsdiau. •schen.O.rganisation .in Polen zur-Verhandlung, deren" Ergebnis die Annahme einer Reihe von Resolutionen war. Der Aufbau sieht in der Skizze so aus: Jede Stadt hat ein Löxalkomitee, das? allein mit dem Zentralkomitee amtlich "verkehrt. Das Zentralkomitee fob erste sich dieses Subkomitee des Kongreßorganisationskomitees einverstanden (erklärt hat, angenommen werden. Aus den Berichten der gesamten jüdischen Presse in Amerika und aus den Berichten über die zahlreichen Versammlungen in den verschiedenen amerikanischen Städten scheint hervor-, zugehen, dab mit der Ablehnung des Kompromisses gerechnet werd,ea muß. Auch in Versammlungen, in denen führende Zionisten, über die Angelegenheit referierten, wurden einmütige Beschlüsse auf Ablehnung des Kompromisses gefaßt, Weil man sich nicht damit einverstanden erklären will, daß die große Idee des jüdischen Kongresses bei der Ausführung nur deshalb verunstaltet werde, weit sich einzelne Organisationen rein philanthropischen Charakters nicht damit abfinden können, daß durch einen demokratischen Kongreß die unverfälschte Stimme des amerikanischen Judentums zur Oefienlfichkcit spricht. Über Oie zwei neuen jüdischen Zeitschritten. Was schon früher notwendig gewesen wäre, utn die zionistische Publizistik über den Journalismus hinauszuführen, ist durch den Krieg Wirklichkeit geworden. Wir haben uns nicht einer, sondern sogar zweier neuer Zeitschriften zu erfreuen, die klärend und verinnerlichend in zionistischen und in sonstigen jüdischen Kreisen deutscher Zunge zu wirken bertifen erscheinen. Dieser Tage kam uns die erste Nummer der „Neuen Jüdischen Monatshefte“ zu,*) die eine Schöpfung des „Komitees für den Osten“ in Berlin sind. Nur nebenbei .sei bemerkt, daß sich ein charakteristischerer Name hätte finden lassen. Welche Beziehung sollte zwischen aiesem Organ und den „Jüdischen Monatsheften“, die von den Rabbinern Breuer und K o h n herausgegeben werden, bestehen? Auch daß eine Halb monatsschrift von vornherein den Namen von Monatsheften führt, ist nicht ganz logisch. Von diesen kleinen Schönheitsfehlern jedoch abgesehen, glauben wir, das neue Blatt nach Programm und Inhalt der Cieburtstagsnummer ohne Einschränkung begrüßen zu müssen. Es stellt sich nicht nur in einem geschmackvollen Gewände dar, was angesichts der herrschenden Nachlässigkeit im jüdischen Zeitungswesen der. Betonung wert ist, sondern verfolgt auch Ziele, die kein weitherzig denkender Jude mißbilligen kann. Geheimrat Eugen Fuchs eröffnet die Reihe der Beiträge ■ mit einem „Zur Aussprache“ überschriebenen Artikel.**) Die „Neuen Jüdischen Monatshefte“ sollen eine Tribüne für alle Richtungen des deutschen Judentums werden und der „Versöhnung der jüdischen Parteien“ dienen, denen „häufig die ruhige Sachlichkeit, die auch den Gegner als gleichwertig anerkenn'-, fehlte“. Und wenn er „der Fehden der -jüngsten Jahre zwischen Zionisten und Zentralverein“, ebenso derer „der Zionisten unter sich“ gedenkt, so wollen wir den kleinen Nadelstich so empfinden, wie es sich gehört: daß wir uns vor allen anderen, um den Nichtzionisten keine oberflächliche,i Argumente zu liefern, vor der Leidenschaftlichkeit im Austragen von Meinungskämpfen zu hüten haben. Ob sich die zweite Hoffnung, die christlichen" Mitbürger in etwas gediegenerer Weise (als bisher auf apologetischem Wege) aufzuklären, erfüllen wird, ist eine Frage, die nur mit Vorbehalten bejahend beantwortet werden kann. Gelingt es mir, in interessierten und maßgebenden Zirkeln, da wir au einen in die Breite gehenden Einfluß nicht glauben, Verständnis für das Ost judenproblem, den dritten Programmpunkt, zu wecken, dann wird die Neugründung von Segen sein. Die „Neuen Jüdischen Monatshefte“ erscheinen unter Mitwirkung . von Hermann Cohen, Alexander E1 i a s b e r g, Adolf Friert e mann, Eugen Fuchs und Franz Oppenheimer, zwar zwei, in den Tendenzen jüdischer Politik diametral orientierten Gruppen von Männern, die jedoch die Gewähr bieten, daß sich die Zeitschrift hüben und drüben Autorität *) Redaktion ünd Verlag: Berlin W 8, Französische Straße 49. Bezugspreis für das Ausland vierteljährlich 3 Mark. **) Des weiteren schreiben Georg G ot h e i n, M. d. R. „Zur Nationalitätenfrage io Polen“, Dozent Dr. Julius Hirsch über „Verwertung der ostjüdisdhen Arbeitskräfte“, Heinrich Löwe fordert für eine „Jüdische Erziehung“ jüdische Schulen, Hermann C o h e n wird regelmäßig „Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft“, Franz Oppenheimer „Soziologische Tagebuchblätter“ veröffentlichen, im „Literaturblatt“, einer ständigen Rubrik, wie die „Umschau“, schreibt Sigbert Feuchtwanger so überzeugende kristallklare Bemerkungen zu Naumanns Buch, daß wir wünschen, er, der sich durch seine jüngst erschienene „Judenfrage als wissenschaftliches und politisches Problem“ Achtung gebietend eingeführt hat, möchte doch zu jüdischen Tagesfragen öfter das Wort ergreifen.