Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 40 (11.10.1916)
- Date
- 1916-10-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 verschaffen wird. In der - Mitarbeiterliste finden sich altbekannte, wohlklingende Namen von ■ Zionisten, Nichtzionisten, Juden und Nichtjuden, darunter allerdings auch manche neue, aus denen wir erkennen wollen, daß das zionistische Problem begönnen hat, etwas ernster aufgefaßt zu werden, als es bisher von Persönlichkeiten, die sonst etwas in Gesellschaft und Welt bedeuten, beliebt wurde. Ein Umstand fällt noch auf: Eine Anzahl der -genannten zukünftigen Mitarbeiter gehört auch dem Stabe' des Bub ersehen „Juden“ an. Zweifellos stellen die „Monatshefte“ eine Opposition gegen die Art, wie Buber die Redaktionsführung sich vorgesetzt hat, dar.' Sollte doch sein Blatt einen nach außen und innen repräsentativen Charakter tragen. Gewiß hat es den. Aber darum ist es, wie das letzte sechste Heft beweist, das mit elf (größtenteils sehr wertvollen) Aufsätzen der wohlverdienten Ehrung -Achad Haams gewidmet ist, von Einseitigkeit nicht freizusprechen. Empfinden wir sie auch als einen Born, der uns im Kriegstrubel erfrischt, erfrischt, so erblicken pianche andere 'Kreise darin ein Manko, ein Außerachtlassen der ebenso wichtigen materiell-praktischen Forschungen und Aufgaben, die unser und zwar-in nächster Näheharren, Nichtsdestoweniger möchten wir' den „J uden“ nicht mehr missen, So wie er ist. Vielmehr ist ihm nunmehr die Möglichkeit gegeben, seine Eigenart gegenüber anderslautenden Wünschen rein zu bewahren und fortzuentwickelri. Die' „Monatshefte“, die sich eine „Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Literatur in Ost und West“* nennen, denken wir - uns .njeht anders als eine gebotene Ergänzung, nicht etwa als Konkurrenz., Eine solche vertragen (wir (nicht. Man bedenkt, wie klein im' Grunde genommen der Stamm von ernsthaften Interessenten ist, die (mehrere jüdische periodische Schriften; halten können. Denn die die jüdische Presse wahrhaft zu fördern .im Stande Wären, stehen ’ ja heute noch dem jüdischen Leben ablehnend gegenüber. Wie man sich deren S3Tmpathien erringen könnte, haben Heiausgeber und Verleger der zwei neuen Zeitschriften verstanden: durch Niveau dös Inhalts und. der Form. Immerhin wird es nicht leicht sein, beide dauernd am Leben zu erhalten, was wir nicht verhehlen wollen. Dies zu ermöglichen, ist nicht nur eine unmittelbare. Werbung von Abnehmern notwendig, — die beträte nur wieder die oben genannte nicht allzu aufnahms- , fähige Schicht, sondern dem kann Weit mehr In Wechselwirkung mit der p u b I i z i s t i s c h e n eine mündliche Propaganda der Gesinnung dienen: die Erweiterung des neujüdisäiert Resonanzbodens. DiferarisAe Wriditui. Das Zionistische Büro in Warschau.hat die Broschüre von "Dr. Osias Thon über „Herzl“ in jüdischer Spradhe herausgegeben. Dieses Büro hat ferner eine Broschüre von Df. Pas m'a n i k m polnischer Spradhe veröffentlicht. Seit 'einer Reihe von Jahren ist das die erste zionistische Brosdiüre, die in polnischer Sprache erschien nen ist. Das Moskauer Komitee der jüdischen Kriegshilfsorganisation begann eine Zwei wochen-’ . Schrift in russischer Sprache .herauszugeben, die den Arbeiten und Aufgaben' des Komitees gewidmet isL — Seit einigen Monaten erscheint in Paris ein ..Wochenblatt in jidiSdier Sprache unter dem ‘ Titel „Pariser Jüdische: Woche“.' ’— Das Hauptbüro des „Jüdischen Natibnalfonds“ veröffentlicht unter' dein' Namen „trez Jisrael“ Mitteilungen, deren 1. Heft in diesen Tagen erschienen ist _ „Mult äs Jövö". Die zwei jüngsten Nummern der vornehmen ungarisch-jüdischen Zeitschrift „Mult es Jövö“ sind mit hervorragend reichem Inhalt und prachtvollen künstlerischen Illustrationen erschienen. Das Augustheft kann fast als Bialik-Sondernummer betrachtet werden. Der Redakteur Dr.Josef Patai, der durch seineUeber-' Setzungen und Studien den Namen Bialik in ganz Ungarn bekannt gemacht hat, widmet einen ausführlichen Artikel der Dichtung Bialiks, von der er in seiner Uebersetzung .Viele Proben veröffentlicht In einem anderen Artikel erzählt Doktor Patai über Bialiks Aufenthalt in Budapestals der Dichter’ zu Anfang des Krieges unter großen. Schwierigkeiten vom Franzensbader Kuraufenthalt nach Odessa heimreiste. Die Illustrationen, wie auch der übrige Inhalt des Heftes behandeln den Stoff aus der Zeit der Zerstörung Jerusalems. . . Im Septemberheft veröffentlicht Rabbiner Dr. Max Grunwald-Wien - eine.*vorzügliche; Studie über Ferdinand Lassalle, (mit besonderer Rücksicht auf seine interessanten Beziehungen zum Judentum. Der Artikel äst mit 12 prächtigen, aktuellen Bildern illustriert Ferner finden wir in-der Nummer Artikel, Gedichte und Novellen von den besten Schriftstellern. Dr. Patai schreibt einen packenden „Brief an eine jüdische Antisemitin“. Ein Artikel berichtet über die ungarische „Pro Causa Judaica“, die JÜDISCHE ZEITUNG unter Leitung des Rabbiners-Dr. Hevesi, des Barons Bela von Dirsztay und des Redakteurs Dr. Josef 'Patai. ihre Tätigkeit entfaltet. Eine Serie von Kriegsbildern des jungen ungarisch-jüdischen Malers Rudolf Baiint (im1 Felde) schmückt das Septembenlieft der Zeitschrift „Mult es Jövö“, die wahrlich alle Aufmerksamkeit in den, weitesten Kreisen des Judentums verdient. Aljonnementspreis: ganzjährig 20 Kronen. Redaktion und Administration: Budapest, VI., Podmaniczkygasse 6. Das UieSermdieinen Der _ „floriah“. Die vereinigten national - jüdischen Jugendorganisationen Galiziens beabsichtigen, die vor dem' Kriege bereits elf Jahre lang (berausgtegebene Monatsschrift „Moriah“ wieder erscheinen zu lassen. Da sie die einzige national-jüdische Zeitschrift in polnischer Sprache . darstellen wird, erwarten die Herausgeber eine intensive mora-i lische und materielle "Unterstützung seitens' aller Freunde unserer Bewegung. Die Redaktion hat Dr. Wilhelm B e r k e 1ha m m e r (Wien, VIII., Laudongasse 8/32) übernommen. Zu den Mitarbeitern gehören unsere namhaftesten Schriftsteller und Gesinnungsgenossen. Die . Herausgeber wenden -sich 'nun an die jüdische‘Oeffentlichkeit mit der Bitte um Beiträge für den Preßfond. Geldsendungen -und Zuschriften sind an den derzeitigen Adcninistrationsleitcr Benzion Umanski, Wien, II., Ennsgasse 5/37, zu richten. . 1 Bus öer allgemeinen Fresse. In einem sehr ansprechenden Aufsatzder Frankfurter Zeitung (MorgCnbl.. 17. und 19. September) verfolgt ‘Margarete Susmann. die „Wege: des Zionismus“. Eine Außenstehende, gleich weit von Haß und Liebe, zeichnet sie an der Hand der letzten Neuerscheinungen die Umrisse Adiad Haams und Martin Bubers mit feiner Einfühlung. Reizvoll ist dem Zionisten, die beiden vertrauten Denker hier plötzlich in kühler1 Ferne,' und weiter, geschichtlicher Bedeutung Vor sich zu sehen. Rus Oer jüOisdien ,Helt. Zurücksetzung eines Nobelpreisträgers. Die Tägespr£sse hat bereits/gemeldet, daß/ die medizinisdie"/Eakultät /der .Universität- .Wien-, es * nbgciehirt hätrtfeh -Privatdozehteh—Röb3 Bärany, Träger des. Nobelpreises für 1915/ zum Ordinarius zu ernennen. ' Die Jucj^n.*'in; Siebenbürgen. Die jüdische Bevölkerung, jenseits des Königsteigs ist verhältnismäßig klein’ an Zahl. Laut der Volkszählung|"vonf Jahre 1910 ■ betrug die Seelenzahl der JucJen in ^Siebenbürgen im1 Ganzen 64.074, was 2,4% der Gesamtbevölkerung in diesem Teile Ungarns entspricht. Am wenigsten), ist das jüdische Element in dem Gebiete zwischen der Theiß und der Maros vertreten. Durch1 den meuchlerischen Ueberfall Rumäniens wurden 13 siebenbürgiSdhe Komitate berührt. Die Bevölkerurgszühl beträgt hier im' Ganzen 2,255.664, davon vnaCh einer ‘ Meldung des „Egyenlöseg“ 35.000. Juden oder 1,48.%, welche jetzt gleichfalls ihre alte Heimat verlassen mußten. In/g>änz’ Ungarn beträgt die Zahl der Juden 5% der Gesamlbevölkej;lmg.,. .. Rabbmerkonferenzen im, besetzten Gebiet. In - L u b 1 i n „fandvom 13.’ bis 15.~ September auf die Anregung des Generalgouvernements hin eine 'Konferenz der Rabbiner des durch ' Oesterreich-Ungarn besetzten Gebietes statt. Den Beratungen stand als Präsident der Oberrabbiner -. Temkip von Piotrkow vor. Die Besserung der hygienischen Verhältnisse unter der jüdischen Bevölkerung und Fragen ethischkultureller Artistanden auf der Tagesordnung.' Ebenso fand eine Rabbinerversammlung in Lodz statt, in,welcher die Rabbiner sich' bereit erklärten, den Kampf gegen die ungesunden Verhältnisse der /jjtjdisdhen Bevölkerung aufzunehmen. Der Vertreter der Behörde versprach, daß-allen hygienischen Bedürfnissen und Wün-’ sehen derselben von nun an genau Rechnung getiagen würde. - Am 7. September fand in WloCilaWek auf VeranlassungJder. deutschen Zivilverwalfung eine Versämmlung 'der Rabbiner der Kreise WloClawek und Nies^awa statt, an der sich1, der Kreischef beteiligte. Auf der Tagesordnung standen die Regelung der Rabbinergehälter, die Gründung von. Biblip.th’eken und besonders, die ‘ „Chederfrage“ in hygienischer und / pädagogi-j scher Beziehung. * Auch in S i e r a d z fand eine Konferenz der Rabbiner des Sieradzer Kreises statt , Es wurde „darüber beraten,, auf welche Weise die Lage der Rabbiner verbessert und die Familien verstorbener Rabbiner unterstützt werden sollen. Außerdem gelangte die Frage der Religionssdhjilen zur Bespredhting. Es' "wurde beschlossen, darüber eine Denkschrift auszuar- Nf. 40 beiten und, den Behörden vorzustellen'. In Zyrardo w fand unter Vorsitz' des KreisfchefS ein .Kongreß der Rabbiner aus dem' Kreise Blonie statt. Es Wurde ein ständiger „Rabbinerrat“ gewählt. der aus den Rabbinern von Zyrard'ow, Grodzik und Blonie besteht. Hilfsaktion der aus Galizien <urad 'der Bukowina stammenden. Amerikaner. Die letzte Jahresversammlung des Verbandes der Galizianer und . Bukowiner in Amerika erhob den Antrag zum' Beschluß, daß ein Delegierter nach; Europa fahren solle, um' sich der kriegsbeschädigten Landsleute anzuneh'mCn. Sendung eines Vertreters des New-Yorker. * Hilfskomitees. , Die Wiener „Allianz“ teilte den Hilfskomitees . im österreichischen Okkupationsgebiet gelegentlich der letzten Zusendung der Unterstüztungsbeträge mit, daß von nun an die Komitees die Gelder direkt aus Amerika zugesandt e.halten werden. Zu diesem Zwecke wird ein spezieller Vertieter des New-Yorker jüdischen Hilfskomitees' herüberkommen, der' die Lage der Kriegsbetroffenen an Ort und Stelle, kennen lernen und die Institutionen ins Leben ruftf.a wird, die mit Amerika in direkte Verbindung treten sollen. Zionistisdie Bewegung. Vereinigte Staaten von. Amerika. Eine wirksame Propaganda für Palästina ■wird mit einem neuen Büchlein gemacht, das den Titel „Ein Päckchen aus Palästina“ trägt . und zu Gunsten des zionistischen Hilfsfonds1 für 25' Cents verkauft wird. Das Vorwort dazu hat kein geringerer als Henry Morgent h a u, der ehemalige Botschafter der Union in Konstantinopel, geschrieben. Unter den Mit- ' arbeiiern finden sich Dr. Harry Friedenwald, Dr. Benzion MossinVohVn,' Wolf G 1 u s k i n, einer der erfolgreichsten Kolonisten, "■ die Frau Ben Jeliudas, Louis H. L e v i n, der -bekanntlich auf dem „Vulkan“ die Lebensmittel des amerikanischen Hilfskomitees nach Palästina brachte. Herzl-Gedenkfeier in New-York. (Wegen Raummangel verspätet.). Am 21. Juli fand laus Anlaß -von Theodor Herzls Jahrzeit ein großes Meeting in Cooper- . Union' statt. Der Am eriCan JewishChron i c I e berichtet hierüber wie folgt :■■■>• Die letzte Woche mvar eine „Herzl-Woche“ in New-York. Am 21. Juli war Herzl’s 12. Jalirzeit und die New-Yorker-Judenheit, ehrte diesen Tag in der fechten Weise; Ungefähr 25 öffentliche G edchkfe'ienr': wurden/ in ' Groß-New-York abgehalten. Am Sonnabend abends hafte sich1., in - Cooper-Hall die 'größte~ zionistische Menschenmenge versammelt, die seit 'Jahren gesehenwor- - den ist, und [vor (dieser Menschenm'asse fand die Gedenkfeier statt. Die große Anzahl der Versammelten und ihr großer Enthusiasmus erinnerten an Dr. Schmarja L e v i n’s erstes Erscheinen in New-York, auf der gleichen Tribüne,' 7 Jahre zuvor. Miß A n t in, die bekannte Autorin des „Promised Land“, sprach von dem Geiste, welcher uns durch all die Jahrhundert des Goluth zusammenhielt und welcher -uns picht verlassen wird, bis pvir für uns selbst einen Platz Errungen habenunter den Nationen der Welt- Dr. Herzl, sagte Miß Antin,. wird (nicht nur ein jüdischer Held, sondern ein Held der 'ganzen Welt bleiben. Herr-Leo Motzkin, ein intimer Freund und Mitarbeiter des großen Führers, zeigte wie unvergleichlich viel größer als seine Zeitgenossen Dr. Herz! war in seinem Ziele, Gesichtsfeld und seiner Fähigkeit, unter tallen Bedingungen zu handeln. Indem' Herr Mot?kln sich auf die letzte amerikanische Zionist-Konvention bezog, zeigte er, welche Kraftder Zionismus in Amerika geworden ist, wie pnsere Verantwortlichkeit sich gesteigert 'hat, und drückte (die Hoffnung aus, daß die amerikanische Judenheit Bich, des in sie gesetzten Vertrauens Würdig zeigen werde. Df. Schmarja Levin wurde bei seinem Erscheinen mit. Ovationen begrüßt- Er hielt eine glänzende Rede, in welcher er mit den Gegnern des Zionismus' abrechnete, indem1 er zeigte, daß " ihr Nichtbereitsein in einer Solchen Zeit der sicherste Beweis für unsere Deberlegenheit sei; die Schwäche ihrer Argumente offenbare unsere Stärke. General Bofhas Botschaft an Südafrikas Zionisten. . Dem/ Kongreß der Südafrikanischen Zionisten, der vor mehreren Wochen stattfand, sandte der Premierminister von Südafrika, General Botha, ein Schreiben; in dem1 er; sein Bedauern ausdrückte,- dem Kongreß nicht persönlich, beiwohnen zu können. Er. drückte sein tiefes Mitgefühl für die Juden aus, die in anderen Ländern verfolgt und unterdrückt werden. Falls sich in absehbarer Zeit das nätionaljüdi-, sehe Ideal erfüllen' sollte, und die Staatsmänner ' der Kolonien irgendwelchen Einfluß darauf, haben sollten, so' würden die Juden unter ihnen sicherlich warme Freunde ihrer Sache finden.