Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 35 (1.8.1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 JÜDISCHE ZEltUNG _ _ . _Seite 7 Einsegnungen schon nötig gewesen sein dürften, um im besseren Abteil des besseren Jenseits einen würdigen Empfang gewärtigen zu können. Einer,, der eigens zur Zeremonie gegangen ist, um sich an der rassereinen Christianität zu erfreuen, erinnerte Sich dabei an den alten Witz: Als der Kirchendiener die Mischpoche heran-, nahen sah, da stieg ihm die S c h a m m e s-Röte ins Gesicht. * „In der heutigen Plenarsitzung der ungarischen Akademie der Wissenschaften stellte Bischof Wilhelm Fraknoi (gewesener Frankl) den Antrag, daß die Akademie zur Verewigung ungarischer Heldentaten im Auslande . . . Denkmäler errichten solle. Und zwar soll je ein Marmorrelief angebracht werden: am Königsschloß zu Belgrad ... am Warschauer KönigsschloB . . . am österreichisch-ungarischen Botschafterpalais in Berlin ... Die Kosten der Denkmäler trägt Fraknoi selbst. Der Antrag und . das Anerbieten . wurden mit Begeisterung angenommen. Der Antrag .des Bischofs lautet: „Geehrte Akademie! Ich bin der festen Ueberzeugung, daß wir die Flamme des K u It u s der nationalen Verga n-g e n h e i t unablässig anfachen müssen . . von Ungarn sehen Künstlern modellierte, aus ungarischem Marmor,gemeißelte Reliefdenkmäler anbringt, welche den die Christenheit befreienden Belgrader Sieg Hunyadis ... .“ * Donat Taussigsche Armenstiftung bei der israelitischen Kultusgemeinde Wien: „'Bewerbungsberechtigt sind dem jüdischen Glauben angehörige, männliche Personen . . . welche in einem der im Reichsrate vertretenen ■Königreiche und Länder mit Ausnahme Galt z i e n s geboren und dahin zuständig sind . . .“ * . N Nirgends sind sie nicht: „General Townshend, der Gefangene von Kut-el-Amara, hat an seine Gemahlin, eine geborene Cahen d‘Anvers, geschrieben...“ * •- „Altruismus. Von Helene Scheu-Riesz. . . . des Mannes geistgeborene Christusgüte.“. (N. Fr. Pr.) . # „Den Herren ' Karl, Em'u und Adolf Kohn, Söhnen des verstorbenen Herrn N. J. Kohn, 'Kaufmannes in Prag, Obstgasse 7, wurde mit Erlaß der k. k. Statfhalterei die Annahme des Familiennamens „Kienzl“ bewilligt.“ * „Hofunld Gerichtsadvokat Dr. Siegmund Schornstein, Mitglied des Ausschusses der niederösterreichischen Advokatenkammer, hat seinen Namen Schornstein in Schorn geändert.“ * Böhmisch-Türkisch-Französisch: Es war einmal in Böhmen ein Bocher, der hieß ßondy. Kam dann in die Türkei und ließ sich — weil es dort eine Zeit lang als nobel galt —: griechisch-orientalisch taufen, ward Handelsattache und Bey dazu. Dem waTd ein Sohn geboren, in dessen Namen türkische Heldenhaftigkeit mit französischer Grazie sich vereinigen sollte und der darum Reschid Renee genannt wurde. So war es möglich, daß jetzt die Adrianopoler Studienkommission mit einem Reschid Renee Bondy Bey prunkte. Familiennachrichten: „Meine Verlobung mit Fräulein Eva v. Delbrück, einzigen Tochter Seiner Exzellenz des Herrn Staatsmmisters Dr. v. Delbrück, und seiner verstorbenen Gemahlin geb. Liedtke, beehre ich mich ergebenst anzuzeigen. Manu Stern.“ * „Fräulein Helene v. Gutmann, Tochter der verstorbenen Großindustriellen Dr. Ludwig Rt v. Gutmann und Mathilde v. Gutmann gebomen Baronin v. Günzburg, hat sich mit Herrn Dr. med. August Reyer, derzeit zugeteilt dem Reservespital Nr. 11, Sohn des Privatiers Konstantin Reyer und Klementine Reyer gebomen Gräfin Galler, verlobt.“ . # „. . . geben wir Nachricht, daß . . . Frau Bertha Adutt geb. Elias .! . Das Leichenbegängnis findet . . .vormittags vom Trauerhause, 2; Bezirk . . . Zentralfriedhof (t ü rkische Abteilung) ... Gisa, Louis, Marianne Adutt, Vikerl Tedesko, RaChele Gogi Russo, Felix Stiaßny v. Elzhain.“ (Nach Semigotha:'Konsul v. Venezuela, seit 1913 katholisch, seit 1911 geadelt.) * . „In Kloster Hradisch bei Olmütz starb . . . Fräulein Liddy A. Glaser . . . Die Leiche wurde hach Wien überführt und daselbst am 9. d. M. (vormittag — nachmittag?) auf dem Zentra^- friedhofe bestattet.“ „. . . Nachricht vom . . . der Frau Luli Lucia Löwy . . . Semmering-Wien. Isak S. Löwy, Bojana Trebitsch, Rea König.“ * „. . . geben Nachricht . . . Alvine Günsberg, Aurel Herbert Kohanyi, Dr. Florian Costiner, Georgine Pick, Vilma Rosenberg, Elvira Mandl, Hildegarde Haslinger, Dr. Dominik Eisinger . . . Dr. 'Nikodemus Ritter von Landau.“ Inserate: „Prokurist eines größeren Industrieunternehmens, diplomierter Ingenieur, auf Kriegsdauer militärfrei, jedoch gesund und tauglich, zirka 162 Zentimeter hoch . . . freidenkender Israelit, sucht . . .tunlichst aus israelitischem Hause, blond, mit selbstredend entsprechend hohem Vermögen . . . unter „Geist der Zeit“ an . . .“ * „Junger, fescher Manr, mflitärfrei, mit akademischer Bildung, angehender Fabrikserbe, mit glänzender Zukunft, sucht die Bekanntschaft eines jungen israelitischen, kapitalkräftigen Fräuleins zwecks Ehe.“ * Technik und Israelitik: „Junger Mann vor der letzten Staatsprüfung der Bauingenieurschule wünscht mit streng moder n erzogenem, jungen Mädchen aus vornehmem, deutschen Hause, Israeli tisch er Abstammung. . . unter „T ech n isches Denken“ . . .“ # Aus einem Budapester Blatte: „Wiener Aristokrat (Graf), in den Vierzigern, wünscht Heirat mit reicher, repräsentabler Dame der Gesellschaft. Jüdin, wenn jung, schön und aus vornehmem Hause, bevorzugt.“ Aber auCh das: ■ „Für die Kriegspatenschaft als Monatsbei-. trag: Sara v. Stern K 24.—.“ (Wohl keine Jüdin ) (N. Fr. Pr.) Von den Fortschritten des Ostens. Aus einem Privatbriefe (polnisch) des Ingenieurs Munio Gellhaus: „. . . mir eine reizende Tochter geboren wurde. Ich habe ihr den Namen Anitta Wanda gegeben, nach dem meiner Mutter, Chane Pesie, seligen Andenkens.“ * Aus dem Briefe eines Gymnasiasten aus T. : ,,. . . unser Religionslehrer, Dr. Boxer, hat einen Sohn gekriegt, den er nach seinem Vater Daniel, Thaddeusz genannt hat. Unser Professor Chaim Chaskel Pizalle hat seinen Namen in Kazimierz Orliniski geändert.“ * Vermißte: „Regina, Jett'i und Salo suchen ihren Vater Isak Hersch Gartenblüh aus Suczawa.“ — „Feige Neche Berler aus Wierzbowiec sucht ihre Kinder Dora, Helcia, Zygmund und Saldo.“ — „Georg Zablatower, Korporal beim . . . sucht seine Eftern Mendel Berisch und Nesie Zablatower aus Zborow.“ — „Frau Klara Weinstein aus Horodenka sucht ihre Kinder Sascha, Pepi, Emil und Lona. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sie sich in Gesellschaft ihres Bruders L e i b i s c h Lester aus Kolomea Tiefinden.“ * „Lazar Goldberg, Stryj, angeregt durch das Feuilleton Felix Saltens: „Und dann überlegt, ob es nicht eure Pflicht ist“, für frohe Nachricht von seinen beiden an der Front kämpfenden Neffen Kadettaspiranten Leo und H i I arius Astei, spendet K.’IOO.—.“ * i „„ . . . der Richter sprach aber die Angeklagten frei, denn er wisse, dab polnische Jndeji, denen ihr Vornamen nicht gefällt, ihn mit einem besser klingenden vertauschen, ohne daß sie dabei die Absicht verfolgen, die Behörde in Irrtum zu führen. Es sei bekannt, daß sich viele polnische Juden, die sich Moses nennen sollten, als Moriz eintragen.““ „Da sind sie so noch bescheiden. Jenen, denen dann der Moriz nicht gefällt, nennen sich Maurice. Und wer den Hersich nicht ehrt, will des Horace wert sein und heißt dann, weil Frankreich der Feind ist, eines Tages Horaz. Es sollten Höchstnamen eingeführt werden. Bis zum Moriz gehe ich noch mit, aber dann versagt das Verständnis.“ („Die Fackel“, Aug. 1916.) * „Dem Vaterlande.“ (Polen.) Eine polnische Gedichtsammlung der löjährigen Melanie Medlinger aus Sambor (Galizien), entstanden während der Kriegszeit in Wien, wo die Verfasserin als Flüchtling weilt. (Daß gewisse „Freundinnen“ nicht auch geflohen sind, betrachtet sie nicht . . .) Nirgends auch nur efn feiser gewollter Anfclang an Jüdisches. Kein Wort von Judenleid und Judenmarter dieses Krieges. Auch nicht in dem Teil, der „Im Exil“ betitelt ist. Dafür aber Gedichte wie „Am Palmsonntag“ und „Vor Weihnachten 1914“. „Es naht das hohe Fest der Geburt des Herrn, wie traurig wird es unter Fremden sein!“ Die Glocken läuten zur Auferstehung (Polen trägt das Märtyrerkreuz), die Weihkerzen leuchten und die Kirchengebete steigen vom Altar zum Himmei auf. „In Blut das ganze Land . . . doch das heilige Polen lebt!“ „Gott, wir sind doch deine Kinder! So viele Tränen schon haben Geschlechter geweint . . . gib ein Ende den Leiden der Knechtschaft!“ „Herr, gib Kraft den Brüderr, auf daß sie gewinnen Land und Freiheit und Krone!“ Daß au9 vielen Stellen unbewußt jüdische Gefühlsweise spricht, daß manche Wendungen so anmuten, als wären sie direkt aus der „Tchinah“ (Gelegenheitsgebet) der Großmutter übertrage.’, das müßte unsere „Polin“ inniglich schmerzen, wenn sie es empfände. Die Großmutter alier, die fromm in dem von ihr selbst gestifteten „Schülchen“ (Privatbethaus) sitzt und betet, kann die polnische Schrift nicht und nicht die Sprache, in der ihre Nachtigall so göttlich singt — die arme Alte! Die Herausgeber des Büchleins allerdings waren wohl von dieser Gött-> liehkeit nicht überzeugt. Denn sie beginnen ihr Vorwort mit dem Bekenntnis: „Wir übersehen ah die Vorwürfe, welche die rücksichtslose Kritik rauher Kenner machen könnte; wir denken jedoch, dab in diesem ungewöhnlichen Moment...“ Wir wieder empfinden solches gerade jetzt von einem Samborer jüdischen Mädchen als »ungewöhnliches Moment“ — zu sehr mit Scham, als daß Zorn aufkäme. Denn wahrlich, in dem Vaterlande der Dichterin haben ihre Brüder — nein, andeie nennt sie so — haben die Juden in den letzten Jahren ganz Anderes „zu singen und zu sagen.“ Dab aber den Gedichten, wie es bei der Ungewöhnlichkeit de9 Ganzen wohl gepaßt hätte, nicht das Bild des „jungen, zu großen Hoffnungen berechtigenden Talents“ beigegeben wurde, war klug getan. Denn es hätte sich gezeigt, daß Ponem und Nas‘ nicht im entferntesten gewillt sind, wie angeblich die Gefühle, sich polnisch zu assimilieren. ■ * Herr Prof. Dr. Alfred v. Halban-Blumenstock schreibt über „Die Wiedervereinigung von Cholm mit Kongreßpolen“: „. . . die Bedeutung, die w i r seit jeher dem ungeschmälerten Bestand« Kongreßpolens beilegen . . . Deshalb haben w i r die Schmälerung des Gebietes so hart empfunden . . . Standhaft wie nur in der urchristlichen Katakombenzeit wurde hier der Glaube der Väter . . .“ — — Nebbich l (Aus der Sammlung A. Sch.) Ziouistisdie Bewegung. England. Die Manchester Zionist Association hielt am Sonntag, den 30. Juli, ihre jährliche Generalversammlung ab. Bedeutende Fortschritte sind während des letzten Jahres gemacht worden. Die Mitgiiederzahl ist auf 400 gestiegen. Auch die allgemeine Presse interessiert sich für die Bewegung, wie unter anderem aus einigen Artikeln des „Manchester Guardian“ hervorgeht. Das Comite der Association hat die Leitung der Ivriyah Schule für Mädchen übernommen. Es wurde der Versuch gemacht, die jüdischen Gewerkschaften und „Freundschaftlichen Gesellschaften“ (soziale Krankenkassen) für den Zionismus zu interessieren; man hofft eine Zusammenarbeit zu erreichen. — Schekolim waren 326 verkauft worden. Für die notleidende jüdische Bevölkerung in Palästina wurden 127 Pfund gesammelt und dem Provisorischen Zionistischen Executiv-Comite in Newyork überwiesen. In dem englischen Zivifgefangenenlager in Douglas fand am 23. Juli d. J. eine Herzl-Feier statt, die vom Jüdischen Comite veranstaltet wurde. Mehr als 150 österreichische, ungarische, deutsche und türkische Juden nahmen an der Feier teil, die von Herrn Rabbiner Dr. Silbermann eröffnet wurde. Herr Moses Frostig (Redakteur vom Lemberger Tageblatt) hielt die Gedenkrede. Frankreidr. Am 21. Juni haben die Zionistischen Vereine von Paris gemeinsam eine Herzl- Gedenkfeier veranstaltet, bet der der Präsident, der französischen Zionisten-Föderation, Dr. A. Klein, die Hauptrede’ hielt. Seit etwa zwei Monaten erscheint in Paris ein Wochenblatt in jidischer Sprache „La Semaine Parisienne“ (Pariser Jüdische Woch‘). Australien. Die Zionist Society in Auckland, Neu-Zeeland, hat ihren Bericht über das Betriebsjahr 1915/16 veröffentlicht. Die Zahl der Mitglieder ist trotz des Krieges erhalten worden und beträgt 171, die größte erreichte Zahl während der zwölfjährigen Dauer des Vereines. Das Hauptereignis des Jahres war die Einführung; einer Juniorenabteilung. Es sind schon 49 Juniorenmitglieder aufgenommen worden. Der Verein hat sich der English Zionist Federation angeschlossen. Präsident ist Rev. S. A. Goldstein.