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Jüdische Zeitung · 1916-08-11 · 32 (11.8.1916) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
10 (1916)
Issue
32 (11.8.1916)
Date
1916-08-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nf. 32' der gegenwärtige Ausgang der Wahl einen Sieg 'der Zionisten und Orthodoxen .über die Assmiiätoren darstellt, zu welchem erfreulicherweise auch die Ratmänner der „Jüdischen Volksgruppe“ beigeträgen haben. JüOisdieF HaiionalbalenSep 5677. Ende August erscheint im Verlage der „Jüdischen Zeitung“, Wien, der „J ü d sehe Nation alka lender 5677“, herausgegebe.i von Otto Abe les und Ludwig Bato. Dieses Jahrbuch wira im 20. Jahre nach dem Auftre ten TheodorHer zfs veröffentlicht und m zahlreichen Arbeiten berufener Autoren wjrd diesem bedeutsamen Zeitabschnitte Rechnung getragen. Der reichhaltige belletrLt sehe Tel, sowie Bilder und Zeichnungen unserer ersten Künstler verleihen dem zweiten Jahrgange der jüdischen Nationalkalenders dauernden Wert. Aus dem Inhalte heben wir folgende Aufsätze' hervor: „Das Jahr 5676“ von Ludwig Bato, „Theodor Herzi und wir“ von Adolf St and, „Zwanzig Jahre politischer Z onstnus“ von Otto Aböles,4 „'Zurück zu Herzi!“ von Nadium Goldman r, „Großzügige Pa'.r 'naarbsit“ von Adoll Böhm, „Die Entdeckung des Ostens“ von Dr. Osias Thon, „Vom Leben einer toten Sprache“ von Dr. Heinrich Loe w e, „Die volkserz elie-;- sche Bedeutung des jüdischen Nationalfonds“ von Dr. Egon Z w e i g. ' „Von jüdivc.ien Diintern und Erzählern“ von Martin Bub er, „SChalom Alejchem“ von Dr. Z. F. Finkei st ein, „Bialfc im Uchte des zeitgenössischen Judentums“ von Ernst M ü 1i e r, „Arnold Zweig“ von Dr. Auguste Weidler-Stein berg, „Wilhelm Wachtel44 von Josef Patai. Ferner Novellen, Skizzen, Gedichte una Nachdichtungen von Otto Abe ler, Ludwig B a 1 o, Ch. N. B i a 1 i k, Max Brod, David .Frischmann, S. F r u g, Otto Hauser, Josei Kiss, Alfons Petzöfd, M. Scherlag, Schaom Ate je ch m, Abraham S onne, Arnola Zwe i g. In den Pext sind zahlreiche sorgfältig .g ewählte K e r n w o r t e jüdischer Denker zur Judenfrage engestreut. Das Buch, dessen Umschfagbild von Wilhelm Wachtel gezeichnet wurde, bri’gt Bilder von Herman Struck, Jakob St a rk, Wilhelm Wachte’, zahlreiche interessante Illustrationen und die Autopsie des denkwürd gen Briefes Theodor Herzls an die Münchener Jüdische Kultusgemeinde. Das vornehm und handlich avsgestattete Buch (Feldpostformat) kostet K 2.50 — M 1.80. Bestellungen nimmt der Verlag „Jüdische Zeitung“ in Wien (II., Zirkusgasse 33) entgegen. Vorarbeiten zum amerihanlsdi: jüdischen Kongreh. Der vorbereitende Ausschuß des Kongreßbüros hat einen Arbeitsplan für die Veranstalter des Kongresses ausgearbeitet. Diesem Arbeitsplan zufolge soll bis zum Datum des Kongresses folgendes Material zusammengetragen werden: Ruß fand. 1. Geschichtlicher Ueberblick über die Ansiedlung der Juden in Rußland. 2. Deberblick über die rechtliche Lage der Juden, von .der frühesten Periode bis zur Regierung Alexanders N. 3. Ausnahmegesetze einschließlich aer Bestimmung des Ansiedlungsra von?, der Maigesetze und weiteren Verfügungen bis Juli 1914. 4. 'Ausnahmebestimmungen seitens der Kreis-, Stadt- und ^Polizeibehörden. 5. Darstellung des Eint fie ses der während des Krieges ertas:enen Mi'litärverfügungen aut die Juden. 6. Ueberbl ck über die Pogrome in Rußland. 7. Darsteifung des wirtschaftlichen, sozialen, rcl giösen und politischen Zustandes der Juden in Rußland, 8. AuD Stellung der den Nationalitäten und andren Gruppen im russischen Reiche gewährten gesetzlchen Anerkennung. 9. Vorschläge für eine Gesetzgebung, durch welche die bestehenden Beschränkungen beseitigt werden würden. Rumänien. 1. Geschichtlicher Lfeberbf ck über die Änsiedlung der Juden in Rumän en. 1 . Ueberblick über die rechtliche Lage der Juden von der frühesten Periode bis 1878. 3. Der Berliner Vertrag und sein Einfluß aut d e rumänische Jugendgesetzgebung. 4. Ausnahmegesetze von 1878 bis zur Gegenwart. 5. Darstellung der Agitation nach dem Berliner Vertrag und der Versuche, das Gleichberechtigungsgesetz zu erlangen. 6. Vorschläge für eine Gesetzgebung durch welche die bestehenden Beschränkungen beseitigt werden würden. Galizien. 1. DarsielfLng der wirtschaftlichen, sozialen, relig Ösen und politischen Lage der Juden in Galizien. 2. Ueberbl Ck über d e rechtliche Lage der Nationalitäten und anderer Gruppen in Oesterreich-Ungarn. 3. Ueberblick über die Anwendung des Gesetzes lin Hinblck aut die Vcrlofgungen der Juden in Galiz en. 4. Vorschläge zu Maßnahmen für die Beseitigung von Alißstfinden und die Erhaltung una Entwicklung des jüdischen Lebens. Polen. 1. Geschichtlicher Ueberblick über die Ansiedfun g der Juden in Poien. 2. Rechtliche Lage der Juden unter der polnischen Herrschaft bis 1831. 3.' Einfluß der russischen Herrschaft aut das jüdische Leben. 4. Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden heutzutage, mit Berücksichtigung der Beziehungen zw'Schen Polen und Juden. 5. Geschichtlicher Ueberblick über die recht’iche Lage der Nationalitäten in Polen. 6. Die Lage der Juden seit der deutschen Okkupation. 7. Vorschläge für Maßnahmen zur Erhaltung. und Entwicklung des jüdischen Lebens in Polen. Palästina. 1. Geschichtlicher Ueberbr ck über die Kolonisatio n- und Ans edmngsversuche der Juden in Pa’äotina. 2. Ueberblick über d e rechtliche Lage von Nationa’itätcn oder anderer Gruppen in Palästina. 3. Ueberblick über die Rechtslage der Juden m der europäischen und der asiatischen Türkei. 4. Ueberblck über die Gesetze betretend Bodenbesitz, Einwanderung wia Nieder’a-sung der Juden in Palästina. 5. Ue'berbhck über die -Rechte oder Konzessionen seitens der ottoma gischen Regierung für fremde Staaten oder deren Bürger gemäßder vor dem Kriege gültigen Verträgen und Abmachungen. 6. Ueberb'ick über die Zieh?, Bestrebungen und Tätigkeit der zion st sehen Organisation in Palästina. 7. Vorschläge im einzelnen zur we'- teren Entwicklung des jüdischen Lebens in Palästina in allen seinen Phasen. Ein Wanderung. 1. Ein statist'scher Ueberblick der jüdischen Einwanderung aus’allen Tei'en Euromr und Kfeirasiens nach Europa und Amerika seit 188! mit Berücks cht gung der Institute zur Leitung und Unters'ützung dieser Eiiwanderung und der dafür verwendeten Fonds. 2. Urberblick über die Gesetzgebung der einzelnen Länder Europas und Amerikas zur Erleichterung, Regulierung oder 'Erschwerung der Einwanderung sowie Angabe der dafür zuständigen Regierungsstellen. 3. Statistischer Ueberbf ck über die Binnenwanderung in Westeuropa und Amerka und Angabe der Institute zur Dezentralisation, landwirtschaftlichen, und andern Ansiedlungen und ihre Ergebnisse. 4. Statist scher UeberbFck über Auswanderung aus allen Teilen Europas und Amerikas nach Osteuropa, Ktei-asien, As'en und Afrika mit einem Ueberblck über de Binnenwanderung in Asien, Angabe der Institute zur Leitung una Unterstützung dieser Auswanderung una die dafür verwendeten Summen. 5. Vorschläge für eine praktische jüdische Auswanderungspolitik. * ' Jüd iScher Kongreß in Permanenz. 11 Kurzer Ueberblick über jüdische Kongresse seit Beginn des Exils. 2. . Dje Zweckmäßigkeit der Einrichtung eines amer kan s:ri-jüdjschen Kon gresses als dauernder Einriditung. 3. Vorberei tung eines eventuellen Statuts für den perma’nen ten Kongreß. Horte Theodor Herzls. Gesammelt von Wilhelm Berkel ha mm er. II. Golus. Alle Völker leben heute gewissermaßen der Diaspora; nur unser privilegium od'osum ist es, daß wir überall Kolonisten ohne Mutterland sma. * Wie grob der -Jammer der zerstreuten Juden i->, das weiß man außerhalb des Judentums eigentlich noch gar nicht. ft DaS Judentum ist eTne Massenherberge des Elends mit Filialen: in der ganzen Welt. Kischinew ist üBera", wo Juden an Leib oder Seele gequält, än. der Ehre gekränkt, am Vermögen geschädigt (werdet1, weil sie Juden sind. * * Im mittelalterlichen Deutsch bedeutete das Wort „Eilend“ sowohl Misere als auch’ Exil, unid seit jeher waren diese Ausdrücke für die Judenheit gleichbedeutend. * Die Völker, bei denen Juden wohnen, sind alie c-amt und Sonders veisChämt oder unverschämt Antisemiten; * Ich betrachte diese Bewegung (den Antisemitismus) als Jude, aber ohne Hab und Furcht. Ich glaube zu erkennen, was Tm Antisemitismus roher Scherz, gemeiner Brotneid, angeerfateS Vorurteil religiöse Unduldsamkeit — aber auch was darin verme'ntliche Notwehr ist.. ft ln den Bevölkerungen wächst der Antisemitismus täglich, stündlich md muß weiter wachsen, weil die Ursachen toribestehen und nicht behoben werden können. D.e causa remota ist der im Atitte'alter itein.get-: eue Verlust unserer Assimilierbarkeit, de cai.sa proxjma unsere •Ueberproduktion an mittleren Intelligenzen, die keinen Abfluß mach unten habeji und keinen Auf tieg nach oben — näm’ich keinen gesunden Abfluh und 'keinen gesunden Aulstieg. Wir werden nach unten hin zu Um ürzlern proietansiert, bilden die Unteroffiziere aller revolutionären Parleien und gleichzeitig wächst nach oben unsere furchtbare Geldmacht. - Unsar heutiger Antisemitismus dari n cht mjt dem religiösen Judenhasse trüberer Zeiten verwechselt werden, wenn der Judenhab auch in einzelnen Ländern noch jetzt eine konfessionelle Färbung hat. Der große Zug der judenfeindlichen bewegung ist heute ein anderer. In den Hauptländern des Antisemitismus ist d eser eine Folge der Juden-Emanzipation. Als die Kulturvölker die Unmenschlichkeit der Ausialimegesetze einsähen und uns freiließen, kam die 'Freilassung zu spät. Wir waren gesetzlich in unseren bisherigen Wohnsitzen nicht mehr emanzip erbar. Wir hatten uns im Ghetto merkwürdigerweise zu einem Mittelstandsrvolk entwickelt und kamen als1 eine fürchterliche Konkurrenz für den Mittelstand heraus. * Den jetzigen Antisemitismus kann man nur an vereinzelten Orten für die alte religiöse Intoleranz halten. Zumeist ist er bei den Kulturvölkern eine Bewegung, mit der sie ein Gespenst ihrer eigenen Vergangenheit abwehre i möchten. Dieser Antisemitismus rst ganz verschieden von allen Formen des Judenhasses,, die wir in der Geschichte kennen gelernt haben, und mub verschieden sei’, weil er hinter e ner vollständigen Emanzipation auftritt. * .... der rach der Emanzipation eingetretene also endgültige Antisemitismus . . . * Bald da und bald dort, jetzt im Süden und jetzt im Norden, springt der Judenhaß 'aut; kein Kulturland 'ist so westlich ige'egen, daß es diese alte Hetze nicht beherbergte; keine Halbzivii'- ration ist so zurückgeb’ie’nen, daß sie ’d e neuesten Formen und Sdhlagworte nicht kennte... * Und je länger der Antisemitismus auf sicfh warten läßt, um So grimmiger mub er ausbredien. * Die Verfolgungen haben vers'chiederen Charakter nach Ländern und Gesellschaftskreisen. In Rußland werden Judendörfer gebrands'cf’atzt, in Rumänien •erschlägt man ein paar Mens'eher, n Deutschland prü~eit man sie gelegentlich durch, in Oesterreich terrorisieren die Antisemiten das -rarizs öffentliche Leben, in Algerien treten Wanderhetzprediger auf, in Paris knöpft sich 'die teoeenam1:'' bessere Gese’lschaft zu, die CercleS: schließen sich gegen die Juden .ab. * Die Verfolgungen sind nicht mehr so bösartig wie im Mittelalter? Ja, aber ur -'m Emof nu- Iichkeit jSt gewachsen, so daß wir keine Ver-i m'inderung der Leiden spüren. Die la’ge 'Ve foigung hat unsere Nerven überreizt. * Unsere Gegner wissen vielleicht gar nicht, wie tief im Innersten Sie gerade diejenigen unter uns verletzt haben, die Sie mögliCherwere n cht in erster Linie treffen wollten. Das mederre4, gebildete, dem Ghetto entwachsene, des Schaicherns entwöhnte Judentum bekam einen Stich mitten ins Herz. Die jetzige Bedrängung der Juden ist eine ganz merkwürdige und schmerzhaft gerade Tür die,A die man aus dem Ghetto liinausgedrängt hat, um sie zu quälen. ' Das Ghetto besteht innerlich fort. Das Ghetto besteht im Atißtrauen der Gentiles, im Zusammenhocken der Juden und in der Sdieu, die Zusammengehörigkeit einzugest eben. » Man Tic'U uns vermutlich ebensosehr wegen unserer Vozüge wie Wegen unserer MängeL * Ein Mi bewerbe-, der an Vorzügen reicher ist, ist gefährlicher. Man bedient rieh der Juden immer nur, so lange man unterwegs ist, wenn majn aber am. Zie’e ist, daiijn Wird der Jude, der seine Schuldigkeit getan hat, verabschiedet. » Die Juden werden (im Falfe der Teilnahme „an den poTifachen ZwiStigke'ten der Nationalitäten“), wenn eS hoch kommt, von ihren Mitkämpfern lediglich ,afs eine Art Fremdenlegion geringschätzig angesehen. An den Siegesfeierin dürfen sie nicht als Vollberechtigte teilnehmen, und die Niederlagen Täßt. man an ihnen aus, so hüben wie drüben. Sie Find, wie es auch ausgebe, die Geschlagenen.... Es ist, um-den Verstand zu verlieren — oder um ihn endlich zu finden. . * (Aut Israel Zangwills „ironische Worte von den launischen Ungereimtheiten des jüdischen Exils.“) .. Das ist keine Komödie, ^das ist eine große Tragödie.

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