Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 31 (4.8.1916)
- Date
- 1916-08-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Nr. 31 Die KöhgreMewegung in Amerika. Auf der am 3. und 4. Juni abgehaltenen Konferenz der „Kehilla“ in New* y o r k stellten die Delegierten der Opposition den Vorstand zur Rede, warum der 'Beschluß der Konferenz des vorigen Jahres bezüglich' des Kongresses bis jetzt noch nicht ausgeführt worden sei. Der Vorsitzende erklärte unter anderem, in Fragen der jüdischen Politik sei die „Kehilla“ mit dem American-Jewish Comm ttee völlig einverstanden. Die Debatte über die Fragen des Kongresses könnte daher bloß akademischen JCharakter tragen. Der 'Vorschlag des Vorsitzenden, die Frage des Kongresses von der Kehilla-Berätüng abzusetzen, wurde angenommen. Die Delegierten der Opposition stellten daraufhin einen zweiten Antrag, demzufolge der Kehilla-Vorständ sich für selbständig, von dem American-Jewish Committee völlig unabhängg erklärt. Auch dieser Antrag wurde von der Konferenz ohne Debatte abgelehnt. Der Vertreter der Zionistischen Vereine Lou's Lipslty und der Vorsitzende des Verbandes der Juden Galiziens und der Bukowina, Leo Wolfsohn, erklärten darrauf, daß die von ihnen vertretenen Organisationen nicht mehr in der „Kehilla“ ble ben köhrn ten, worauf 60 Delegierte die Konferenz verließen. Der Vorsitzende der Zionistischen Föderat'on in Amerika Dr. Friedenwald einer der Gründer und ältesten Mitglieder des American- Jewish Committee erklärte seinen Austritt aus dem A. J. C. Er motivierte diesen Schritt mit der feindlichen Stellung des A. J. C. zu den' demokratischen und nationalen Bestrebungen im Judentum, eine Stellung, die in der Kongreß- Politik besonders klar zum Vorschein kam. Am 21. Juni fand unter dem Vorsitz von Loüis Brandeis ein großes Demon strat i o n s m e e t i n g für den Kongreß statt. Das Meeting wurde von 1200 jüdischen Körperschaften 'n ■lewyörk cranstaltet. Als kedner traten auf: Rabbiner Dr. Stephan W i s e, der Vorsitzende der Philadelphier-Konferenz Richter Hugo P a m, der Vorsitzende des Ordens „Bne Zion“ Joseph Baron des, der Führer der Kongreßbewegung in Washington J. Peiis er u. a. m., im Namen der national-sozia'ist'schen Verbände Dr. Ch. Schitlows'ky und B. Zuckermann. Sdralom Blejdiem uni öle hefiräisAe Spradie. Vor einigen Jahren führte die Hebräische Bühne (Habimä haiwrith) in Jaffa zum ersten Male Schalom Alejchems „Zeseit um zespreit“ (Versprengt und verstreut) in hebräischer Uebeisetzung auf. An Schalom Alejchem wurde der hebräische Theaterzettel "gesendet, worauf von ihm folgender Briet in hebräischer Sprache anlangte : „Der Hebräischen Bühne in Jaffa Schalom! Geehrte Herren! Mit großer Freude habe ich Euren Brief betreffs der Aufführung meines Stückes in Jaffa gelesen. Doppelt aber war meine Freude dadurch, daß Ihr mein Stück he b r ä isch spielet, in der Sprache unserer Erneuerung. Heil uns, daß wir das hören und sehen! Ich1, einer vom Galuth, ein Sohn des versprengten und verstreuten Volkes, lebe schon lange in der Hoffnung, zu Euch zu kommen, um mit eigenen Augen die Wunder zu sehen, welche jetzt im Lande der Väter geschehen, und mit eigenen Ohren den Klang der le bendigen hebräischen Sprache auf den Bergen und Bühnen Judas zu hören. Möge es* mir vergönnt sein, meine „Versprengten und Verstreuten“ auf der hebräischen Bühne in Erez Israel „vereinigt“ zu sehen; das wäre für mich eine Art vorläufige „kleine Erlösung.“ Mit den bestem Wünschen Euer ___ Schalom Alejchem. P. S. Sehr gerne werde ich Euch jedesl dramatische Stück, das ich zukünftig hebräisch schreiben werde, zusenden. Die „Ohowewe Sfat Ewer“ in Moskau veranstaltete am 25 .Mai eine Sondersitzung zum Andenken Schalom Alejchems. Nach den Reden Grünbergs und Dr. Eisenstadts sprach Rabbiner Mase über das Verhältnis des Verblichenen sowie Mendele Mocher Sfarims zur' hebr äisehen Sprache. Beide strebten, ihren Namen in unserer Nationalsprache zu verewigen, in der hebräischen Literatur. Mendele besorgte dies allein, indem er seine Werke ins! Hebräische überträgt; Schalom Alejchem aber, dessen hebräisches Können ein kleineres war, nahm hie?u die Mithilfe seines Schwiegersohnes (Berkowicz) in Anspruch. Der Redner sdhlob mit der Hoffnung, daß diese Arbeit glücklich' beendet werden wird, uns einen hebräischen Schalom Alejchem zu schenken. JüöisAer Kongreß in SBDalrißa. .Am 28. April fand in Johannesburg der südafrikanisch-jüdische Kongreß statt, zu welchem der südafrikanisCh-jüdische Board of Deputies zusammen (mit der zionistischen Federation alle jüdischen Organisationen Südafrikas eingeladen hatte. Am Kongreß nahmen "mehr als 300 Delegierte teil. Vorsitzender des Kongresses war Herr Harry Graumann, einer der bekanntesten südafrikanischen Zioniste.i, der Mitglied des Parlaments ist. Der Kongreß wurde vom Mayor von Johannesburg offiziell begrüßt. Esf Wurden eine Reihe vdn Resolutionen angenommen, in denen der Kongreß der Regierung des britischen Reiches seine Loyalität ausdrückte und die Hoffnung aussprach, daß nach Beendigung des! Krieges den Juden aller Länder volle Gleichberechtigung gewährt würde, worunter die Verleihung aller bürgerlichen, religiösen und politischen Rechte zu verstehen ist. Eine weitere Resolution weist auf die Bedeutung der jüdischen Kolonisation in Palästina hin und wünscht für den Fall, ‘daß die Zukunft Palästinas zur Diskussion Stehen sollte, die Geltendmachung der historischen Rechte des jüdischen Volkes. Zur Durchführung aller Resolutionen wurde ein Komite gewährt, dem die führenden jüdischen Persönlichkeiten Südafrikas angehören. . Der Kongreß wurde mit dem Gesang der „Hatikwah“ geschlossen. Paläslinahillsuerli für die jüöisAen Kolonien.*) 14. Ausweis. Sammlung der Schomrim bei den Wiener Herzl-Veranstaltungen 393.01, Eingegangen beim Jüdischen Nationalfonds (s Nr. 28, 29 und 30 dei Jüdischen Zeitung) 174.39, Sammlung Oberarzt Dr .'Ludwig Szasiz in Lublin 170.—, (s. Spezifikation unten), Sammlung Leutnant Dr. Robert Sonnenmark in Radom 100.50, Sammlung Chaim SimChe Jakob in Nadworna: Simche Jakob 50.—, Frl. Regine Fischer 2.—, Herscb Leb Wieselmann 1.—, zus. 53.—; Sammlung Salmon Nissenbaum, Moses Wajnberg und Hirsch Eisenstadt in Sandomierz 49.77 (s. Spezif kation unten), Sammlung Dr. Chaim Tartakower im Felde 36.74 (s. Spezifikation unten), Sammlung H. Rubin (Theologia), Wien "23.—; (s. Spezifkation unten), Sammlung Oskar Nusseablatt, Traisen 20.—, (s. Spezifikation unten), Sammlung Frl. Sara Königstein, Lehrerin in P otrokow 17.35, 'Abr. Hammer, Leb Kimmeimann je 1.—, zus. 19.35, Markus Glücksmann, Kgf. in Marchtrenk 15.49, Einj.-Freiw. des Inf.-IReg. Nr. 84 13.—, (s. Spezifikation unten), Regierungssekretär H .David, Sarajewo anl .des Ablebens seiner Schwägerin Frl. Lina Nadel 10.—, Ester Herzog, Wien 10.—, C. K. S., Wien 4.36, Dr. Amoid Friedmann, Wien gratuliert z. Hochzeit Dr. Fast- Schlamm 2.—. Selbstbesteuerung: Fr. Leonore Smolensky für Monat Juli 5.— Summe 1100.01 Gesammelt durch das Zionistische Distr ktskomitee für Böhmen in Prag (s. Nr. 26, 27 und 28 der „Selbstwehr“) 1801.49 2901.50 Früher ausgewiesen 25.357.87 Somit bisher 28.259.37 Spezifikation. Sammlung Oberarzt Dr. Ludwig Szasz in Lublin: Regimentsarzt Dr. Wolf 20.—, Sammelbüchse (Dr. Löwy) 16j—, Rothenberg, Dr. Hugo Goldstein, Dr. Klegsbrunn, Dr. Gutfreund, R.-A. Dr. Wolf, D. S., Fhr. Roth je 10.—, Dr. Zimmer 6.—, Wilhelm Plank, Chanina Rosenpir, H. Schlesinger, J. Zycher, Rudolf Weiß, Skomorowski je 4. —, Dr. Ruh 5.—, Dr. Kohn, Rothenberg, Klara Perlmarfn, Bolgar, 'Moses Sobel, Meir Speier, Jakob Aschkenasy, B. Joz, Freyse, Wilhelm Pollak, Robert Lulicz, Froim Rosenbaum, H. Schlesinger je 2.—, Otto Perl 1.—, zus. 170.—. Sammlung Salmen Nissenbaum, Moses Wajnberg, Hirsch Eisenstadt in Sandomierz: F. M 1rad, S. Milrad, je 4.—, Dr. J. Solomonica 3.—, M. Czapnik, J. Ehrmann, N. Kleinmann, J. Müntz, J. Las, M. Rottenberg, Ch. Wallerstein je 2.—, M .Wajnberg, J. Mühlstein, Sch. Drujstein, M. Grünblum, S. Grünblum, G. Tuchmann, L. Jegerhorn, D. Wilizek, M. Gutholz, H. Eisenstast, L. Nissenbaum, Ch. Grünberg, P. Landau« M. Bernzweig, M. Münzberg, L, Grünberg, J. Rzezak je 1.—, Fr. Meilach, Ol. Kleinmann —.70, 5. Salzmann, B. Dizenhaus, D. Mifetejn, D. Birenbaum, J. Grinblum, M. Werdiger, A. Rozenfeld, H . Hirschmann, A. Faktor 2 Rub. 81 Kop., zus. 49.77. *) Geld- und Briefsendungen sind zu richten an: Palästinahilfswerk für die jüdischen Kolonien, Wien, 18., Hasenauerstraße 43.' Bei Einzahlungen im Wege der Postsparkasse bediene man sich mit entsprechendem Vermerk der Erlagscheine des Verbandes „Zion“ Nr. 47115. Sammlung E.-Fr. Korp. Dr. Chaim Tartakower im Felde: 1 .Selbstbesteuerung für Juni: Feldw. Abr. Papo 10.—; Feldw. Isak Abüimm 5.—; Feldw. Silvio Schalpm 3.—; Zugsf. Chajoit Levi 5.74; Zugsf. Meir Altaraz 2.—; Korp. Dr. Ch. Tartakower 4.—; Isak Kaminer 3.—; 2. Spenden: „Unsere Lmba“- 2.—; Benjamin Einstein, Saul Oliwa je 1.—; zus. 36.74. Sammlung H .Rubin (Theologia), Wien: Rektor Prof. Dr. Schwarz, Leib Birnbach je 4.—; Rosa Rebhuhn, Jacob Rebhuhn, Jekif Hoffnung je 2.—; Salomon Rosenberg, Adolf Lemberger, Wolf Lauterstein, Isak Thurm, Salomon Fried, Regina Glaser, Anna Freilich, Mina Gold, Schuster je 1.—, zus. 23.—. Sammlung Oskar Nussenblatt in Traisen: 1. Spielgesellschaft Traisen „Im eschkachech JeruSchalajim, tischkach jemini“ 7.—; 2. Sp'elgesellschaft .„'Jung Juda“ 3.20; O. Nussenblatt 2.20; Wolf Schofer, Kgf. 2.—; Emanuel Ebner 1.30; Kadett N. Nussenblatt, Israel 'Juda Nussenblatt, Alois Deutsch, Mendel Pollak je 1.—; N. Luft —.30; zus. 20.—. SEinj.-Freiw. des Inf.-Reg. Nr. 84: Z. R. 5.—; O .Springer, O. Liebermann, E. P. a 2.—; R. Back, Hillebrand je 1.—; zus. 13.—. Zionistlsdie Bewegung. Belgien. Ein großer Teil der belgischen Zionisten befindet sich seit Ausbruch des Krieges in dem benachbarten Holland, wo nach einer kurzen Unterbrechung der Verband wieder seine Arbeiten aufgenommen hat. Die belgischen Zionisten nehmen Anteil an der Arbeitn des Niederländischen Zionistenbundes, haben aber auch ihre eigenen zionistischen Veranstaltungen. Den Schekel entrichten sie vorläufig an den Niederländischen Zionistenbund, der darüber eine gesonderte Rechnung jführt. Vor kurzem wurde ein Lesesaat der belgischen Zionisten in Scheven i*ngen eröffnet. Kanada. Die Organisation der „Poale Zion“ in Montreal veranstaltete vom 2. bis 4. Juni' einen Vortrags-Zyklus des Schriftstellers Dr. N. Syrkin, Redakteurs des „Jüdischen Kämpfer“, der außerordentliches Interesse bei der jüdischen Bevölkerung von Montreal fand. Dr. Syrkin sprach über folgende Themata: 1. Unsere nationalen und sazialen Arbeiten im Galuth, 2.Schalom Alejchem und die jüdischen Kinder, 3. Unsere Erwartungen vom Amerikanisch-jüdischen Kongreß. — Am 11. Juni veranstaltete die Misrachi-Gruppe in Montreal ein großes Volksmeeting. * Neue Zeitschriften. Unter der Redaktion von Dr. S. M. Melamed begann eine jüdisch-nationale Wochenschrift, der American Jewish Chronicle in Newyork zu erscheinen. Die erste Nummer, die am 12. Mai erschien, bringt u .a. folgende Beiträge: Warschau von heute (Dr. Adolph Friedemann); Die Aussichten für unser Geistesleben nach dem Kriege (Dr. Melamed), Jüdische Hoffnungen in Palästina (Sheinkin), Chaim Nachman Bialik (Dr. Waxmann), Die jüdische Frauenbewegung (Frau M. G. Strunsky und Celia Silbert), Orthodoxie in Amerika (Prof. Hurwitz), Reform-Judentum (Dr. Max Rabii). Die Adresse lautet: Aeolian Hall, 33 West, 42nd Street Newyork. Die hebräi c'ie Wochenschrift „Haibri“ kündigt das Erscheinen eines literarischen Vierteljahr-journals an. Das neue Journal, welches von den Herren Meier Berlin und Rev. Dr. Revel redigiert wird, wird Sowohl der wissenschaftlichen wie auch der publizistischen Literatur gewidmet Sein. * Die hebräische Wochenschrift „Hatoren“ hat anläßlich des fünfundzwanzigjährigen Dichter-Jubiläums ,von Ch. N. Bialik eine Sondernummer herausgegeben .Ebenso erscheint eine Schalom Alejchem-Nummer .dieser Zeitung anläßlich des Todes .des Dichters. Der KerzhB edenhabend der (Diener Zionisten. Die Reihe der Kundgebungen der Wiener Zionisten anläßlich des 12. Todestages Theodor Herds wurde mit e’ner Gedenkfeier abgeschlossen, die Mittwoch, den 23. |nli, im Festsaale des Hotel Kontinental stattfand. Lange vor Beginn des Abends war der Saal überfüllt. Der stellvertretende Präsident der westösterreichischen zionistischen Parteile tung, Herr k. k. Reichsratsrevisor Rudolf Taussig, eröffnete die Fe:er mit einer eindrucksvollen Ansptache. Unser ausgezeichneter Freund, Herr Regisseur Egon Brecher von den Jarnobühnen, bei seinem Erscheinen herzlich akklamiert. las hierauf mit feinem Verständnis und in künstlerischer Vollendung Theodor Herzls berühmten Aufsatz „Mau-