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Jüdische Zeitung · 1916-07-21 · 29 (21.7.1916) · p. Seite 15

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Nr. 29 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 in Sprache, Kultur Und Lebensformen unterschied, lernten' trotz aller Verschiedenheit die Einheit aller versprengten Teile der Gemeinschaft und empfanden (die Verpflichtung, als Glied dieser Gemeinschaft;auch die Verantwortung für die Vergangenheit und mehr noch für die Zukunft zu tragen. Und das war doch das gleiche Volk, das einst eine Gemeinschaft von Priestern heißen sollte .indem einer für den andern sich vor Gott verantwortlich fühlte und das kein Fortleben des Individuums nach dem Tode kannte, weil der Einzelne seine Existenz im Schicksal des ganzen Stammes sah und befriedigt war, seine eigene Leistung in der Gesamtschöpfung 'des Volkes fortgesetzt zu wissen. Ein gesetzloser Haufen von Spöttern lernte die Ehrfurcht wieder. Das hämische, ironisierende Lächeln, das Größe immer herunterzerrt, mit einer Kammerdienerpsychologie alles Hohe entgöttert, an dem Schopenhauer den völligen Mangel an verecundia bis in die graueste Vorzeit verfolgen zu können glaubte, beugte sich vor ider Größe Herzls und empfand mit Staunuq und Glück den Besitz und mit welchem Jammer den Verlust des eigenen Sohnes, i Doch das ist allen eingepflanzt: Die Persönlichkeit Herzls ist nur zu erklären aus seiner Zeit (und zugleich Verursachung der Höherentwicklung, HerzI wurzelt in der Tiefe Seines Volkes und trägt es doch in die Ferne. Er . ist mehr Vorbild wie irgend ein Jude seit Jahrtausenden, weil er die seelischen . Möglichkeiten seiner'Volksart in1 seinem Wahren Leben, m Seinem Wollen und in seinem Tun zu verwirklichen suchte. Dr. Wilhelm Stein. Im August 1. J. erscheint im Verlage der „Jüdischen Zeitung“ der Jiitte lionslhalender ■ nr i ■ BTiif ir «r*r’BMtisaaafcy-y’* 5677 Redaktion: Otto Abeies, Ludwig Batö. Der zweite Jahrgang des Jüdischen National-Kalenders wird Beiträge folgender Autoren enthalten: Emmerich Abädi, Otto Abeies, Ludwig Batö, Ch. N. Bialik, Adolf Böhm, Max Brod, Martin Buber, Z. F. Finkeistein, David Frischmann, Simon Frug, Nachum Goldmann, Otto Hauser, Josef Kiss, Dr. Heinrich Loewe, Ernst Müller, Josef Patai, Alfons Petzold, Marek Scherlag, Schaolm Alejchem, Abraham Schwadron, Abraham Sonne, Adolf Stand, Dr.Wilhelm Stein, Dr. Osias Thon, Dr. E. Weldler, Arnold Zweig, Dr. Egon Zweig, u. a. m. Umschlagzeichnung von Wilhelm Wachtel. Zionislinhe Bewegung. Holland. Die holländischen Zionisten sind jetzt mit den Vorbereitungen zur Organisierung des „Zionistischen Feldzuges“ beschäftigt, der vom 20. bis' 25. August veranstaltet werden, wird. In diesen Tagen sollen in allein Städten Hollands Versammlungen stattfinden, in denen die jüdische und nichtjüdiSche OeffentÜchkeit über das Wesen des Zionismus, die Bedeutung der Zionistischen Organisation und das Jüdische Kolonisationfeiwerk in Palästina aufgeklärt werden soll. Im Anschluß an die Reden sollen Lichtbilder gezeigt und hebräische und jüdische Lieder vorgetragen werden. Der von dem Niederländischen Zionistischen Studentehbund auch für dieses 'Jahr geplante Zionistische Ferfefnkurs, der vom 24 Juli bjs 4. August in Amsterdam stattfihdet, wird folgende Vorlesungen umfassen: .1. Der Einfluß der Juden auf ihre Unfwett (Dr. L. Slijper). 2. Jüdische Kolonisation (Agronom J. Oettihger). 3. Jiddisch (Dr. J. Gerzon). 4. Geschichte der 'Architektur in Palästina (mit Lichtbildern) (S '.F. Loeb) ’ 5: Die Ostjuden (B. P. Gompertz). 6. Ausgewählte Kapitel aus (der Geschichte des Zionismus (H. Edersheim). 7. Emigrat.-on (S. Kaplansky). 8. Jiddischismus- (Prof. Dr. Ornstein). Das Sekretariat der Ferienkurse befindet sich in Zandvoort, groote Krocht 5 (Fräulein Adele Bawly). Einen schönen Erfolg hatte der vom Jüdischen Nationalfonds in Holland veranstaltete Blumentag, der einen Ertrag von 2427 Gulden (gegen 4729 Gulden im Vorjahre) brachte. Die Gesamteinnahme des Jüdischen Nationalfonds in Holland im Rechnungsjahr 1915/16 (1. Juli (1915 bis 30. Juni 1916) betrug 10.709 FH, gegen 5723 Fl. im Jahre 1914/15, 7626 FL 1913/14 und 8039 Fl. 1912/13, Australien, Die Melbourne Zionist Society „Herzliah“ veranstaltete am 15. April eine Versammlung, in der Herr Dr. Silberberg einen Vortrag über Cesare Lombroso hielt. Die Generalversammlung dieses Vereines fand am 14. Mai Statt. Es wurde beschlossen, das Jüdische Hilfswerk in Australien nachdrücklichst zu unterstützen. Die erste Jahresversammlung der „Young Men's Zionist Association“ von Sydney fand am 13. Mai statt. Es wurde beschlossen, die zionistische Werbearbeit unter der jüdischen Jugend Australiens mit größter Energie fortzusetzen und für diesen Zweck geeignete Propagandaliteratur herauszugeben. Dem Jahresbericht der „Ballarat Hebrew Congregation“ ist zu entnehmen, daß dieser Verein für den Jüdischen Hilfsfonds zugunsten der durch den Krieg geschädigten Juden bisher den Betrag von 200 Pfund aufgebracht Ihat. Die jüdischen Zeitungen „The Jewish Herald“ und „The Hebrew Standard“, die beide in Sydney erscheinen, bringen regelmäßig ausführliche (Nachrichten über die Lage des Jüdischen Kolöriisationswerkes in Palästina und 'unterstützen auch sonst die zionistische Arbeit jni Australien in wirksamer Weise. *> Saloniki. Nachdem vor einiger Zeit der hebräische Verein „Kadimah“ sich offiziell zu dem' Basler Programm bekannt hat, ist nun der sehr rührige ,una "allgemein bekannte Jüdische Turnverein ,,'Makkabi“ diesem Beispiel gefolgt. In. seiner letzten Generalversammlung, die am 23. Ijar stattfand, wurde fast einstimmig unter großer Begeisterung das Basler Programm angenommen Der Jüdische Turnverein „Makkabi“ leistete schon Seit (mehr als 7 Jahren positiv-jüdische Arbeit, ihm Sind heute ca. 400 aktive Mitglieder und eine große Anzahl von 'Gönnern und Ehrenmitgliedern angeschlossen. Der Anschluß dieses eifrigen yVereines ist für die zionistische Jugendarbeit in Saloniki von größter Bedeutung. * England. Kürzlich erschien in England (bei Murray — London) ein Sammelbuch unter dem Titel „Zionismus <" und die jüdische Zukunft“ (Zionism ian|d the Jewish Future), herausgegeben von Herrn H .Sacher, ein Werk, das in der jüdischen und nichtjüdischen OeffentÜchkeit das größte Interesse erweckt. Jetzt erschien (bei Fisher Uniwjn*— London) eine zweite Sammelschrift „Zionismus, Probleme und Aussichten“ (Zionism, Problems and Views) herausgegeben von den Herren Paul Goodman und Arthur D. Lewis. Die Einleitung zu diesem Werk hat Dr. Max Nor dau geschrieben. Von den bekanntesten jüdischen Autoren ,die hier zu Wort kommen' nennen wir N. Sokolow, Ach ad Haam, Ch. N. B i a 1 i k, Eliezer ben-Yehuda, Dr. Selig B r o d e ts k y, Israel Z a n g w i 11. Durch Beiträge vertreten sind auch andere führende zionistische Persönlichkeiten, Kvie Louis D. Br and;eis, Dr. Harry Fr;ed e n w a 1 d .Herbert B e ntw i ch, Josef Cowen und der Chief Rabbi von London, "Dr. Hertz. Weit über den Kreis der zionistischen Organisation hinaus wird dieses Buch, in dem die wichtigsten Lebensfragen des jüdischen Volkes behandelt werden, Interesse und Beachtung finden. Amerika. Außer den Zeitschriften „Hatoren“ und „Haibri“, die seit einiger Zeit m hebräischer Sprache in Newyork erscheinen, wird dort jetzt auch eine neue hebräische Monatsschrift für die Jugend „Schachruth“ herausgegeben. Sie wird von den Pädagogen Hirsch, Tomarow und Stein redigiert. Die Poale-Zionisten Serubabel, Ben-Zwi und Alexander ließen in Newyork ein Sammelbuch „Jiskor“ erscheinen, das dem Andenken der in Palästina gefallenen jüdischen Wächter und Arbeiter gewidmet ist. Das Buch ist jetzt in jiddi- _ scher Sprache erschienen istellt aber eine, frei-i ' lieh erheblich vermehrte, Uebersetzung eines vor einigen Jahren in Jaffa unter demselben Titel in hebräischer Sprache unter der Redaktion von Brenner und Rabinowitsch erschienenen Buches dar. Anläßlich des Erscheinens dieses Gedenkbuches wurde in Newyork eine gToße Feier zugunsten des Palästina-Arbeiterfonds veranstaltet, bei (der d|e Herreh Dr. Scäririarja Levin, Leo Motzkin, M. Scheinkm und andere sprachen. Sdialom Hlejita GrabsAritt. (Von ihm selbst verfaßt.) Do liegt a Jud, a poschuter, Geschrieben Jüdisch-deutsch far Weiber Un far das proßte Volk is er — Gewen a Humorist, a Schreiber. Das ganze Leben ausgelacht, Geschlogen mit der Welt kappores. Die ganze Welt hot gut gemacht Un er — oj weh — gewen auf Zores! Un davke demolt, wenn der Ojlom hot Gelacht, geklatscht un flegt sich frohen Hot er gekrenkt — dos weiß nor Got — Beßod, as keiner soll nit sehen. Die Nablen zum Sfadlral in UarsAan. Im Gegensätze zur Stille und Interesselosigkeit inbezug auf die Wahlen in den ersten 5 Kurien, vollzogen sich, wie zu erwarten war, die Wahlen in der VI. allgemeinen Kurie im Zeichen des größten Kampfes und des dadurch wachgerufenen allgemeinen Interesses. Die Wahlen in dieser Kurie dauerten zwei Tage und es beteiligten sich an ihnen 36.781 Wähler. Vor. den abgegebenen Stimmen erhielt die Liste der polnischen Sozialisten 5316, bezw. zwei Mandate, die Liste der vereinigten Sozialdemokratischen Komitees 2631, bezw. ein Mandat, die Liste des sozialistischen Blocks („Bund“ und P. P. S.) 3711, bezw. ein Mandat (Pole), die Liste des Jüdischen Volkskomitees 8611, bezw. vier Mandate, die Liste der polnisch-nationalen Arbeiter 13.988, bezw. sieben Mandate. Von der Liste des vereinigten jüdischen Wahlkomitees, die 1924 auf sich vereinigte, drang keiner durch. Die Zahl der jüdischen Mitglieder im Warschauer Stadtrat beträgt sonach neunzehn. Nach ihrer Parteizugehörigkeit gruppieren sie sich folgendermaßen: Nationalisten: Rechisanwalt Noah Priluzky, Ing. B. Efron, Sch. Hirschhorn und A. Eisenberg; Orthodoxe: Elieser Priwes, Leibusch Davidsohn und Joel Wegmeister; Zionisten: Rabbiner Dr. S. Posnansky, Rechts7 anwalt S. Seidemann und H. Farbstein; Neo- Assimilanten: Dr. S. Goldflamm, Dr. Aluttermilch, Rechtsanwalt Berensohn; Unparteiische: Raphael Schereschewsky, Waclaw Kirschroth u. Adolf Trusker; Eiger Gruppe: der dänische Konsul Boleslaw Eiger, Rechtsanwalt Ettinger und Rechtsanwait Goldstein. Bus der jüdisdien Nett. Cie Konferenz der unterdrückten Nationen. An der Konferenz der unterdrückten Nationen, über die wtr m der vorigen Nummer unseres Blattes meldeten, beteiligte sich auch Dr. FelLx Pink us, der Präsident der schweizerischen Zionistischen Organisation und die bekannten Zionisten Dr. Josef Lurje (Jaffa), Dr. Chaim T scherno witz (Raw-Zair) und Isaak Epstein (Saloniki). Kulturarbeit im Osten. Nach verschiedenen Nachrichten, die aus dem Okkupationsgebiet ‘hierher gelangen, wird dort jetzt auf vielen Gebieten mannigfache Kulturarbeit geleistet. Besonders den hygienischen Zuständen wird rege Aufmerksamkeit zugewendet und die ..nötigen Maßregeln werden mit Energie durchgeführt. So haben wir in Nr. 22 unseres Blattes berichtet, daß alle Chadari/n' in Radom aus hygienischen Gründen gesperrt worden sind. Nun entnehmen wir dem Briefe eines polnischen Legionärs (datiert: Rozprza, Etappenpost Piotrkdw, den .. .) folgende Stelle: . Bei Tag fingen^ wir Juden auf und die mußten die Stadt remfegen und die Kanäle reinigen, da dieses unser Rozprza schrecklich verunreinigt ist. Es war herrlich anzusehen, (wie am Sabbath die Jüdchen m Feiertagskaftanen den Kehricht fegten und neben ihnen ein paar Jungens fmit .Karabinern standen und sie bewachten. Mehr-als ein Jüdcheh bekamdabeiSchläge ■, *

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