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Jüdische Zeitung · 1916-07-07 · 27 (7.7.1916) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
10 (1916)
Issue
27 (7.7.1916)
Date
1916-07-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 27 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 gut Rennt und verspottet. Es ist bekannt, daß die berühmten jüdischen Witze nicht Erfindung feindlicher Nichtjuden sind, sondern von den 'Juden selbst geschaffen werden. Es hat noch niemals einen Nichtjuden gegeben, der einen jüdischen Witz machen konnte, und nur wenige Nichtjuden Vermögen jüdische Witze in ihrer ganzen oft tragischen Tiefe zu verstehen; denn jene jüdische Zweideutigkeit, so komisch sie nach außen wirkt, in der -Tiefe ist sie eine furchtbare Tragik. Sie kann niemals dadurch beseitigt werden, daß man Menschen mit diesem inneren Bruch iso behandelt, als hätten sie ihn nicht; d. h; indem man ihnen Staats- Und Militärhoheit überträgt. Die Folge davon wäre nur, daß die westlichen Ideale einer schollenlosen Menschheitsverbrüderung, wegen deren Hohlheit augenblicklich der Glanz unserer Feinde verdämmert, auch bei unS immer mehr Eingang fänden und unser Gemeinsthaftswesen (zersetzten; denn das wird niemand leugnen, daß die politischen und so-: zialen Ansichten jener eben geschilderten, innerlich Zerrissenen Juden die Gedanken von 1789 sind, die .am Stelle festgewurzelter, selbstbewußter und eindeutig gerichteter Völker die Zerfahrenheit allgemeiner Mensfchheitsideale setzen wollen. Es ist nur zu begreiflich, daß ein schollenloseS Volk wie die Juden zu'besonderen Trägern jener Gedanken werden konnten* deinn wenn hur noch die Menschheit, nicht mehr das Volk gelten soll, dann brauchen die Juden nicht länger lutn ihre verlorene Volkheit zu trauern. Es Soll überhaupt keine Völker mehr, sondern nur noch Menschheit geben, verlangen die Folgerichtigen, und die so sagen, wären notgedrungen lein Ziersetzungsstoff 'in einem Volk, das Sein Volkstum erhalten will. Solange sich daher die Judenfeindschaft gegen jenes zersetzende Judentum wendet, kann man ihr nur recht geben. Ganz anders aber, wenn die Juden Völkisch werden ‘wollen, Sei eS, daß sie (sich als Zfonisten auf ihr eigenes Volkstum besinnen;, sei es, daß Sie Sich endgültig für das Christlich-germ.-’-’ische Volkstum entscheiden und eindeutig ohne irgendwelche Vorbehalte sich zu seinem Geist lind zu Seinen Formen bekehren. Dies geschieh wie gesagt, fnicht allein durCh die Taufe, aber die Taufe ist fein Sinnbild der Willensrichtung. Auch der christliche (Religionsunterricht allein würde es nicht tun. Ich stehe keineswegs auf dem liberalmechanischen Standpunkt, daß man durch die Schule, d. h. durch Lernen, die Menschen im wesentlichen verändern kann. Kenntnisse Sind ran Sich etwas ganz Aeußerliches. So sehr man auch die Gehirne damit füllt, irgend etwas Lebendiges wird damit noch nicht erreicht. Deswegen sind auch alle von der Religion los'ge-i lösten sittlichen Belehrungen in der Schule vollkommen zwecklos. Es handelt sich vielmehr darum', idas Kind der zeugenden Wirkung eines lebendigen organischen Geistes zu unterwerfen, um Saus ihm einen überzeugenden Vollmenschen zu machen Sei es einen Deutschem, sei es einen zionistischen Juden. Wer aber weder das eine noch das andere ist, sondern sein Judentum nur dazu benutzt, um iüdhche Witze darüber zu machen. seine deutsche Staatsangehörigkeit, um gute Geschäfte abzuschließen, und seine deutsche Bildung, um durch Sophistnen deutsche 'Art und deutsche Staatsformen zu entwerten und zu untergraben, der mag wohl iti einem so starken Volk Wie . dem deutschen geduldet Sein, aber Staats- und Mi1itärhoh.eit ausüben darf er nicht. Zahllose unter ihnen .sind freilich anständige; und die meisten in ihrer Arbeit nützliche Menschen. Mit vielen von ihnen ist gesellschaftlicher Verkehr und Freundschaft vorbehaltlos" möglich; wer iaber einen Begriff davoln hat, WaS der Kameradschaftsgeist unseres Offizierskorps ist. der weiß, daß ihre Aufnahme trotz ihren auch' von vielen Offizieren anerkannten [Vorzügen! nicht durchführbar ist. Im Offizierskorps leben ist etwas! anderes, als zusammen an einer Gasthoftafel Speisen, etwas anderes als gesellschaftlicher Verkehr, ja als inersönliche Freundschaft. Ich könnte Imir vorStellen. daß der beste Fremd 'eines deutschen Reiteroffiziers ein solcher Jude ist, und daß er ihn trotzdem dicht als Kameradim Offizierskoros Sehen -möchte, und zwar nicht, weil er nicht gut genug Wäre (auch im OffizierkornS Wird nur mit Wasser gekocht), sondern weil er etwas anderes ist. Das Wesen des Karne-' radschaffsgeistes unter unseren Offizieren ist eine gewisse Einheitlichkeit des Füblens und Werfens. Die Iaber fehlt gerade jenem inSierliCh' geteilten luden durchaus, und zwar bisweilen -auch gerade. Weil er darüber steht und infolgedessen die Welt vielfältiger Sehen muß; denn dies ist klar: jener Bruch, den das jüdisfch'e Kind bereits in seiner Seele fühlt, kanin bei einzelnen Persönlichkeiten zu einer Hochsteigerunig des geistigen Leben* führen. Mag nun jener Jude durch Seine innere Zweiheit unter oder über der eindeutigen Weise unserer ‘Offiziere stehen, er wäre unter ihnen — dies! Sei ohne jede Wertung gesagt — ein Fremdkörper. Dieses Wort wurde einem unserer konservativen Politker einmal sehr verübelt. Mit Unrecht: denn statt einer Feststellung "wollte man darin eine Bewertung erblicken. Aber auch die Juden könnten etwas Entgegenkommen zeigen. Alle Achtung vor denen, die Sich nicht taufen lassen wollen, weil sie, ohne zu glauben, kein Glaubensbekenntnis aussprechen wollen. Wie aber, wenn sie ihre Kinder taufen ließen? Wie gesagt, was täten sie anders als nichtjüdische Eltern, die selbst den Kirchenglauben aufgegeben haben, aber ihre Kinder in der Staatsreligion erziehen lassen, bis sie sich später selbst ein Urteil bilden können? „Die jüdische Rassenabgeschlossenheit“, setzt Disraeli in der Lebensgescbichte Lord Bentincks auseinander, „ist der deutlichste Ausdruck gegen die Lehre von der Gleichheit aller Menschen.“ Nur {die Not oder die Rache des Verfolgten, kann den Juden zur Aufstellung solcher unhaltbaren Lehren treiben, ja, es ist möglich, daß wir dem Waffen gegen Verfolgung und Bedrückung suchenden jüdischen Erfindüngsgeist, der im Unglück immer wieder auf die Füße zu fallen versteht, der aus der Not eine Tugend zu machen weiß, überhaupt den ganzen, wenigstens den deutschen Radikalismus verdanken, dessen Anhängerschar bekanntlich mit Ausnahme seiner jüdischen Führer nur ein wirr denkender Haufe Unzufriedener ist. „Die Juden sind ihrem Wesen nach Tories,“ Sagte Sidonia. Mit Disraeli. fiel einmal ein jüdischer Geist auf die rechte Seite. Was hat ihnen erlaubt, als einziges Volk, die Antike, Rom und das deutsch-römische Kaiserreich zu überleben und in dem neuen Reich wieder eine machtvolle Gruppe zu bilden? Drei Grundsätze, die gewissermaßen das Wesen des Konservatismus ausmachen: Familie, Religion und Besitz. Die jüdische Familie hält auch in den armen Schichten zusammen, ein religiöser Zug erfüllt den Juden auch hoch da. wo er die Strenggläubigkeit abgelegt hat. Der Die verliert, auch wenn Sein Leben mit nichts als Gelderwerb ausgefüllt ist, niemals ganz die Beziehungen zu den geistigen Mächten. Die jüdische Frau findet sich in Mittel- und Western oni nur ausnahmsweise in den Reihen der A'-ngestoßenen. Ihre Zähigkeit, die sie die AhttJ "rt agen und leicht zu Wohlstand kommen Iä'7., macht die Juden meist .zu Herren der d itien der konservativen Mächte: des Besitzes. Es liegt auf der Hand, daß eine Rasse, die Familie, Reli-non und Eigentum hochhält, nur aus Mangel an Einwurzelungsmöglichkeit umstürzlerisch ist. In England gehören sie vorwiegend der Konservativen Partei an. Wo sie lauch immer Minister geworden sind, haben sie, wie in Italien, sich immer mehr als verständnisvolle Erhalter , denn als verwirrte Träumer oder feindselige Auflöser {gezeigt. Die Juden sind durch Charakter und Ueberlieferung geneigt, eine konservative Gesellschaftsschicht erster Ordnung zu Sein. Der hohe Grad ihrer geistigen Eigenschaften (eS gibt kaum dumme Juden, und die nur mittelmäßig begabten unter ihnen bilden den kleineren Teil) ist vielleicht nicht zum mindesten gerade ihrer Abschließung zu verdanken. Wenn sie aus ihrer Sonderstellung, die jeden einzelnen bis zu einem gewissen Grad ungewöhnlich macht, herausgetreten Sind, dann werden sie vielleicht ebenSo alltäglich, wie die Durchschnittsmenschen ihrer Wirtsvölker. Wenn man von den neuerlich auS Deutschland eingewanderten Juden äbsieht, die noch Beziehung mit der Heimat unterhalten, kann 'man nicht sagen, daß englische oder amerikanische Juden über dem Durchschnitt ihrer Umgebung ptehen. Die Senhardim, welche an der Blütec und dem'Niedergang'ihrcr Wirtsvölker unbehelligt teilgenommen haben, scheinen heute geistig ebenso erschöpft zu sein, wie die Westeuropäer. Vielmehr dürfte die Kraft der Rasse noch vorwiegend in jenen A-'chkenasim liegen, die, bis zum Anfang dieses (ahrhunderts ins Ghetto gesoerrt, sich plötzlich regen durften und innerhalb hundert Jahren jene Fi'dle bedeutender jüdischer Männer mit deutsch-klingenden Namen über die ganze Welt gesandt haben. Wenn sie sich bei uns ganz einwurzeln, so werden sie wohl unter uns manche sonderbare Eigenschaft bewahren, aber sich unserer Bewegungsweise anähneln. Wir Deutsche sind ihnen nicht ganz unähnlich1, (da wir infolge längerer Fesselung als letztes europäisches Volk die Befreiung unserer Kräfte auch erst heute erleben. An dem Ansehen, ’daS deutsche Arbeit, geistige und stoffliche, in der Welt genießt, haben sie redlichen Anteil genommen. Warum nicht den Eingewurzelten unter ihnen freiwillig auch ihren Anteil an der Regierung und Verwaltung gönnen, ehe sie ihn durch die Erzwingung des Parlamentarismus auch -für die Unerwünschten durchsetzen? Die Forderung kann also künftig -nicht heißen Befreiung, sondern" Einwurzelung der Juden. Dazu gehört guter Wille auf beiden Seiten, auf unserer Aufgeben von Vorurteilen, auf ihrer Aufgeben ivon Vorbehalten. Liberale Rurpinsdierei. In der „'Neuen Freien Presse“ vom ’l-l. Funi "“war folgendes Inserat zu lesen: „Tüchtige Kontoristin, perfekte Maschinschreiberin und Stenographin. (Christin), wird aufgenommen. Offerten wollen persönlich beim Roten Kreuz, Mineralwasserzentrale .Wien, 4. Bez., Gußhäusstraße 20, überreicht werden.“ Der „Abend“ vom IS. Juni bemerkte dazu: „Hoffentlich darf man annehmen, daß es sich hier nur um eine allerdings grobe Fahrlässigkeit handelt, weil es ja bekannt ist, daß das Rote Kreuz - keineswegs grundsätzlich auf das Glaubensbekenntnis derer sieht, die zu ihm in Beziehung treten. Mindestens nicht in allen Fälieji.“ Auch die „Sonn- und Montagszeitung“ vom 26. Juni glossierte jenes Inserat und teilte mit, daß die Leitung des Roten Kreuzes das Blatt in einem Schreiben aufgeklärt hatte, das betreffende Inserat sei durch „das Versehen eines untergeordneten Organs in dieser Fassung zur Aufgabe gelangt“. Das letztere Blatt wendet sich dann gegen die „N. Fr. Pr.“, warum sie das Inserat aufgenommen habe. „Die „N. Fr. Pr.“ ist doch ein sogenanntes freiheitliches Organ, das für die Gleichstellung aller vom Staate aner-« kannten Religionen einzutreten wenigstens vorgibt und das sogar wegen seiner scheinbar judenliberalen Haltung oft genug Angriffen ausgesetzt war. Warum sollte aber die politische! Meinung nicht überall und ln allen Teilen eines Blattes gelten? Ein anständiger Mensch halt sein Haus und sein Kleid an allen Stellen sauber und tadellos und wenn die „N. Fr. Pr.“ den Kampf gegen die öffentliche Verhetzung der Religionen untereinander ernst jneint, dann darf sie in ihrer Inseratenplantage nicht anderweitigen Möglichkeiten Raum Tassen, dann muß sie 'ihrer Administration den strikten Auftrag erteilen, alle Annoncen abzuweisen, die nicht den unbedingten Grundsatz der Gleichheit aller Staatsbürger respektieren. Irgendwo muß der Grundsatz: „Geschäft ist Geschäft“ denn doch seine Grenze haben.“ Soweit die „Sonn- und Montagszeitung“. Da ist aber der merkwürdige Fall, daß w i r für die „N. Fr. Pr.“ gegen die Anwürfe eines liberalen Blattes Stellung nehmen müssen. Wir sehen nämlich nicht ein-, warum ein Blatt, das Jahrzehnte Inserate bringt, worin jüdische Geschäftsleute nur christliche Angestellte suchen, (keines aber, wo jüdische nur jüdische suchen) eine solche Annonce von seiten des Roten Kreuzes abweisen soll. Nehmen wir Juden, darunter auch die Herren von der „Sonn- und Montagszeitung“, dies vom inserierenden Herrn Schlesinger und vom druckenden Herrn Benedikt immer protestlos hin, so dürfen wir uns nicht sonderlich aufregen,' wenn es einmal den „Anderen“ passiert, daß sie Gefühle kundgeben, deren Vorhandensein niemandem ein Geheimnis ist. Und sagt einer, das Geschäftsinserat ist eben Privatsache, hier handle es sich aber um eib öffentliches! Institut, so hat er se'ber das Prinzip „Geschäft ist Geschäft“ anerkannt und hat sich darüber bei anderen nicht zu beklagen. Und das Geschäft im weheren Sinne führt alle in gleicher Weise dazu, echte Kurpfuscherei zutreiben, d. h. nicht die Krankheit zu heilen zu versuchen, sondern die Symptome zu verdecken. Ueber die Tatsächlichkeit der herrschenden Gefühle und Zustände setzt man sich mit dem Hinweis auf Fortschritt, Ueberempfindlichkeit. u. dernl. hinweg; sagt aber einer, was ist, dann muß di<* Aussage wegdemonstriert werden, nicht der Zu=tand. Kam da neulich eine iüdiSche Kriegerswitwe zur Beratungsstelle des Fürsorgeamfes, um wegen einer Berufswahl einen Rat einzuholen. Im Laufe des Gesoräches sagte die amtierende Dame: ..Eine öffentliche Anstellung kriegen Sie ja als Israelitin ohnehin nicht“. Worauf {große Indignation seitens der Betroffenen: Staafsgrundgesetze, Gleichberechtigung, unsere aufgeklärte Zeit u. dergl. Sie versuchte dann auch von außen her. von offiziell-jüdischer Seite eine Intervention in Bewegung zu setzen — — Lieber Vogel Strauß! Wäre es nicht eine Unehrlichkeit von sehen jener christlichen Dame gewesen, wenn sie ihr nicht gesagt hätte, was tatsächlich ist? Die folgende Geschichte ist bekannt: Ein* Bauer brauchte eines Tages für ^seine Feldarbeit dringend schönes We*ter. Morgens bemerkte er aber, daß sich seine Katze beharrlich putze. Das, heißt eS im Volke, zeige baldigen Regen an. Der Bauer schlug daher nach der Katze und erschlug sie. Doch der Regen kam. — — Arme Katze , armer Bauer! A .Sch. Die Verteilung der Bevölkerung in RussischsPolen. Die 19*5 erschienene Schrift Po’en und die Polen“ von Stanislaw Thugutt behandelt auch’ die Verteilung der Bevölkerung nach Konfessionen in Stadt und Land, wobei zu beachten ist, dab -das Zahlenmaterial sich selbstverständlich auf die Z°it vor Kriegsausbruch bezieht. Es seien hier folgende Ziffern wiedergegeben: Das Gouvernement Kalisch weist unter 1.206.141 Einwohnern 983 062 Katholiken und 107.876 luden auf Von der iüdheben Bevölkerung wohnen 99.74J Pe-'onen in den 13 größeren und 40 kleineren Städten des Gouvernementsl. Das Gouvernement K i e 1 c e zählt unter 937.274 Einwohnern 106 511 Juden. S1.956 Personen der jüdischen Bevölkerung wohnen in den 7 größeren und 34 kleineren Städten des Gouvernements. Das Gouvernement L ii b I i n zählt unter 1.463.274 Einwohnern 206.180 Juden, von denen

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