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Jüdische Zeitung · 1916-07-07 · 27 (7.7.1916) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
10 (1916)
Issue
27 (7.7.1916)
Date
1916-07-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Regierung gelang, die jüdische Masse von der Teilnahme am Aufstande äbzuhalten. Das (verziehen die Polen aber niemals. Die Enttäuschung .über das abermalige Fehlschlägen ihrer Hoffnungen machte sich in der Aufstellung ihres Programmes von . der „organischen Kulturarbeit“ Luft. Sie gingen nun daran, eine Zusam-. menfassung der wirtschaftlichen und kulturellen Kräfte phreS Volkes auf rein nationaler Basisi zu (versuchen und fanden dabei die wirtschaftliche Macht des jüdischen Elementes vor,, die mit iallen Mitteln niedergerungen werden sollte Das Programm: Polenisierung des Handels und der Industrie, Befreiung vom jüdischen Einfluß und Zwang zur produktiven Arbeit wurde zur Quelle unsäglicher Not für die Juden, da eS mit einer grauenvollen Rücksichtslosigkeit durchgeführt wurde. Die berüchtigte Boykottbewegung, die auS einer an sich unbedeutenden Ursache erwuchs, pst die letzte sichtbare Tat dieser tieffeindseligen Stimmung, die bei Ausbruch des .Weltkrieges wieder neue Nahrung suchte und fand. Es sind nicht neue Ergebnisse der Forschung, die‘uns Meisl in der fließend geschriebenen Schrift vorlegt, wohl aber verbindet er uns durch seine (objektive Darstellung, die sich nicht von Gefühlen hinreißen läßt, so nahe 'die Kundgebung von Sympathie und Antipathie oft gelegen wäre. Die verworrenen Zustände zu Ende des 18. Jahrhunderts Sm Innern der polnischen Judenheit, besonders die Reformationsbewegung bedarf allerdings noch einer gründlicheren Aufhellung. w. st.' JÜDISCHE ZEITUNG Von 9er aieeribanisdi:jü9isdien Die Vorbereitungsjarbeiten des Kongreßkomitees. Das Organisierungskomitee des amerikanischjüdischen Kongresses hat sich jetzt mit einem! Zärkularschreiben an die führenden jüdischen Organisationen in allen Ländern gewandt, um diese mit dem Programm des Kongresses, seinen Zwecken und Zielen bekannt zu machen. Das Organisierungskomitee hat ferner sieben Kommissionen eingesetzt, die die Aufgabe haben, die Lage der Juden in den einzelnen Ländern vor Zusammentritt des Kongresses gründlich zu studieren. Im besonderen werden sich die. einzelnen Kommissionen zu befassen haben mit der Lage der Juden in Rußland, Rumänien, Galizien, Polen. Palästina, der Emigrationsfrage und endlich der Frage der Etablierung eines' jüdischen Kongresses als einer dauernden Institution. Kongreß oder Konferenz? Nachdem idie meisten jüdischen Organisationen in Amerika in einer Vorkonferenz am 26. März in Philadelphia beschlossen haben, noch vor Ablauf des Jahres 1916 einen amerikanischjüdischen Kongreß auf breiter, demokratischer Qrundlage einzuberufen, hat jetzt das American Jewish .Committee, das die Kongreß-Idee bekämpft, auf einer Sitzung vom 14. Mai in Newyork eine Resolution angenommen, durch welche das Exekutive Comite des A. J. C. ermächtigt wird, (im Juni des laufenden Jahres eine Konferenz der jüdischen Organisationen Amerikas zu Veranstalten. Die 'Konferenz soll über diq Maßnahmen beraten, die zur Sicherung (der vollen Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern und zur Abschaffung aller gegen sie bestehenden Sondergesetze geeignet sind. Unter „vollständiger Gleichberechtigung“ ist zu verstehen: der Besitz aller bürgerlichen, religiösen und politischen Rechte, sowie in denjenigen Ländern, in welchen Sonderrechte für Bevölkerungsgruppen anerkannt sind, die Ausdehnung dieser Rechte auf die Juden, sofern diese sie wünschen. Gleichzeitig (beschloß das American Jewish Committee, die Anzahl seiner regulären Mitglieder -auf 200 auszudehnen. Ein Teil der Mitglieder Soll von der jüdischen Bevölkerung deri Vereinigten Staaten gewählt, ein anderer Teil vom American Jewish Committee auf seiner Jahresversammlung designiert werden; den Rest bilden die Vertreter der jüdischen Organisationen, die im Verhältnis zu ihrer Mitgliederzahl gewählt werden. Das American Jewish Committee hat sich also unter dein Druck der öffentlichen Meinung innerhalb der amerikanischen Judenheit zu einer ■weitgehenden Demokratisierung entschlossen; Die Frage Kongreß oder Konferenz ist jetzt im wesentlichen nicht mehr eine Frage der Delegiertenzahl oder der Wahlmethode. Die Differenz besteht jetzt vornehmlich in der Frage: „Geheime Beratungen“ oder „Erörterung der jüdischen Sache in voller .Oeffentlichkeit“? ES ist Sehr zweifelhaft, ob die vom American Jewish Committee geplante Konferenz zustande kommen wird. Die Judenfrage. Von Oscar A. H. Schmitz. (Schluß.) lieh weiß, daß ich mir durch solche Ausführungen nicht nur die Juden, sondern auch die Judenfeinde zu Gegnern mache. Die Judenfeinde werden behaupten daß (j ene Juden doch' noch etwas anderes, als der bloße Name vom deutschen Wesent rennt, nämlich ebenjener gefährliche jüdische Geist, der durch die Taufe nicht beseitigt wird. Dagegen behaupte ich nun folgendes: Ich stimme mit den Zionisten überein, daß es heute eine Art jüdischen Geistes gibt, der mit der Rasse nichts zu. tun hat;~ich widerspreche aber Judenfeinden wie Zionisten in allem, was sie über die körperliche Rasse an (sich Böses* oder Gutes sagen, vielmehr glaube ich an einen bestimmten Rassegeist, der sich längst von seiner körperlichen Unterlage befreit hat. Wie viele' heute lebenden Deutschen sind noch Germanen, ja haben überhaupt noch germanisches Blut? Ebenso ist es sehr fraglich, ob "den heutigen europäischen Juden wirklich 'noch viel .semitisches Blut in den Adern fließt? Trotzdem ist es kein Zweifel, daß es einen deutschen und einen jüdischen Rassegeist gibt, der sich auch kör-c perlich nusdriiekt. .Wer heute die Germania des Tacitus auf schlägt, wird .erstaunt sein, Wievijel Nr. 27 von jenen germanischen Idealen, ja das Hauptsächliche davon, in uns heute noch lebendig ist. Nicht als ob wir in unserer Lebensweise jenen alten Germanen glichen, aber ihre Ideale tragen wir noch immer im Herzen, und vor allem ist das Treiben unserer'Knaben eine Wiederherstellung jener Ideale im Spiel. Auch ihre Indianerkämpfe sind pur vermummte germanische Angelegenheiten.'Was einen deutschen von einem französischen oder englischen Jungen 'unterscheidet, daS (sind Züge, die schon Tacitus bei den alten Germanen festgestellt hat.. Ebenso gibt es einen jüdischen ■ Rassengeist, 'der sich in Moses und Jeäaias, in Saloniop und Jesus Sirach, in. Jehuda ben Halevi und Spinoza ausgedrückt hat, und ferner gibt eS jenen entarteten Geist des jüdischen Großstadtmenschen, Wie er in einem Teil unserer Presse, unserer Bühnen und in den gesellschaftlichen Gewohnheiten gewisser jüdischer Emporkömmlingsschichten unverkennbar ist. Der Rassegeist ist ganz gewiß aus einer bestimmten körperlichen RasSegemeinschaft einmal entstanden, aber er gebärt Sich fort und fort, unterwirft sich angegliederte Menschen ariderer Rassen und überlebt noch, wenn von der Urrasse nur noch wenig, Blut, vielleicht gar keines mehr vorhanden ist. Die Taufe selbst vermag natürlich an sich den .christlich-germanischen Rassegeijst nicht zu übertragen.' Wer aber durch sie eng und eindeutig, der christlich-germanisChen Gemeinschaft eingefügt (ist,. wird dadurch der stetem Einwirkung, und Schließlich der Unterwerfung durch jenen Rassegeist ausgesetzt. So ist es mög-i lieh, daß es Sehr viele Juden gibt, die gar nichts von dem jüdischen Geist, weder dem echten noch dem entarteten besitzen* sondern durch und durch iwie Deutsche leben, lieben und urteilen. Auch dieser Krieg, hat es wieder bewiesen: Wenn auch das entartete Judentum im allgemeinen picht (durch! Mut hervbrzusrtedhen pflegt, so haben doch eine ganze Reihe von Juden Man-, nesmut und echtes deutsches Fühlen in diesem Krieg bewiesen. Waren dies nun .vorzugsweise die getauften' Juden? wird man fragen.*) DaS ist Schwer oder gar nicht festzustellen, da die getauften Juden ihr Judentum selbst nicht betonen; ganz gewiß aber ist, daß der getaufte Jude in die Gemeinschaft eindeutig aüfgenommen ist und dadurch einfür allemai jener gefährlichen Zweiheit-des nicht getauften deutschen Juden entzogen ist, der weder ganz Jude, noch ganz Deutscher ist. Und damit kommen wir zu dem, was jener mißachtete jüdische Geist eigentlich ist, in dem die Zionisten mit Recht eine Entartung Sehen. „Kein Mensch kann zween Herren dienen.“ Was dem eindeutigen Deutschen 'an Idem (Juden so fremd ist, das ist eine gewisse Unentschiedenheit, die kein volles Vertrauen 'einflößt. Man behauptet, der Jude könne so, aber auch anders handeln, es liege niemals eine überzeugende Not-: Wendigkeit in ihm. Aus diesem Grund könne er vor allen Dingen niemals herrschen. Wie sehr, verletzt es deutsches Empfinden, wenn der größte unter den neueren jüdischen (Dichtern, Heinrich Heine, auS innigster deutschester Empfindung plötzlich-in Schnödes Gnwitzel verfällt! Was ist diese Zweiheit, die sich in .ungünstigen Fällen als Doppelzüngigkeit und Sophistik zeigt, anders, als das Zeichen, einer vop Kindheit an ge'spaltenen .Seele. Man laSs'e sicheinmal voja Juden ihre Kindheitsgeschichte erzählen. Das jüdische Kind ist zunächst genau so unbefangen wie jedes andere, (aber sehr bald erfährt es, daß mit ihm! irgend etwas anderes ist. Es ist wohl deutsch',' wie die übrigen', aber es ist auch jüdijsch* 1. ..Was aber dieses Jüdische ist, kann ihm zunächst kein Mensch - sagen; denn einen Inhalt hat, wie gesagt, jenes Wort nicht mehr; jüdische‘Großstadtkinder werden .'darum selten im jüdischen Glauben erzogen, und wenn, dann auch wieder mit Einschränkungen mnd Bedingtheiten. Muß dadurch die kindliche Seele nicht verwirrt, werden? Dann erleben sie die Judenfeindschaft der Schulkameraden, die ungerecht, aber menschlich pur zu begreiflich ist, weil Sich die nichtiüdischen Kinder auch keine rechte Vorstellung* davon machen ,was denn jenes Judentum eigentlich' ist, da es ja für seihe eigenen Vertreter gar keinen greifbaren, zu verteidigenden Inhalt mehr besitzt. Dazu kommen natürlich persönliche Empfindungen. Die jüdischen Kinder sind begabt und fassen Schnell auf, das ärgert die anderen. Dafür werden die jüdischen Kinder sonst wieder nicht ganz (voll genommen, das ‘macht sie überempfindlich. Ich behaupte daher: Der jüdischen Kin-? deSseele ist eine Aufgabe aufgebürdet, die kein Kind zu lösen vermag; daraus entsteht das Uneinheitliche, Schwankende, Nervenschwache des späteren Menschen, dam man vor allen Dingen mangelnde Echtheit vorwirft, so sehr man sich immer Wieder im einzelnen von seinen Vorzügen überzeugen läßt. Solange daher jene Zweiheit bestehen bleibt, (die das jüdische Kind meist schon mit vier bis fünf Jahren zu fühlen beginnt^ wirdjene gebrochene Halbheit des jüdischen: Menschen bestehen bleiben, die kein volles Vertrauen erweckt, und die der Jude Selbst, nur zu *) Geben die bisher an Nich.tgetaufte verteilten 6530 fiiserne. Kreuze II. und über 20 I. Klasse keine genügende Antwort?! (Red. „Jüd. Z.“)

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