Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 25 (23.6.1916)
- Date
- 1916-06-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 25 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Selbstbesteuerung (Bukowina) pro Mai, gesammelt durch Frau Dr. Rözia Singer: Dr. Theodor Weisseiberger 4.—, Dr. Rözia Singsr, Frau Weindling, Löbl Rakower, Josef Caraco ä 2.—, Dr. Josef Goldes 1.—,'J. H., S. W. ä -.60, zus. 14.20 Summe K 1.119.50 Gesammelt durch das Zionististische Distriktskomite für Böhmen in Prag (s. Nr. 23 der „Selbstwehr“) _184.50 Summe K 1.304.— Früher ausgewiesen K 23.214.66 Somit bisher K 24.518.66 Spezifikation: —Durch k. u. k. Oberarzt Dr. Emil Stein: Sammlung Frl. Ene Pup und Lea Kaziol in Luck: Gesammelt bei Hochzeit Benne Goldenberg — Sprinze Kantor 30.—, Mil. Tierarzt Julius Samstag 25.—, Dr. Emil Stein, Aron Schneider, David Pessach, Ang. Lerch, Oblt. Dr. Fritz Broch, San. Kad. Osias Sigall ä 10.—, Bele Widelguss 6.—, Dr. M. Abziuk, Dr. Lewi ä 5.—, Josef Bakomerszi 4.—, Schapsa Portman 3.—, J. Pugig 2.30, Freide Goldin, Moses Osipow, Chaim Kagan, Unleserlich, Sitin, Cimerman, Fischmann, Dr. Szamek, Ginsberg, Unleserlich, Dr. Julius Mayer, N. N., N. N., B. S., Elza Kaziol, Eie Funk, Meier Lion, Gummelfarb, Chajem Kagan, Salmen Zarecky, Mosche Osipow ä 2.—, Garbasch, Zuger, Kuli, Sch. Fischmann, Kertsman, Meier Pup, Geier Klepec, Nansi Kiwrik, Schlome Trob, Milmeister, David Finkeistein, Liebermann Gauermann, Wolf Plosker, Winstein, Feldmann, Taine Gilden ö 1.—, Sarah Press —.70, Motche Sie —.60, div. —.40, zus. 200.—. Durch Julius Singer: Sammlung Frl. Ella Ungar und Ida Jellinek: Leopold Heim, Sarajevo, Kadett Ezra Kajon fm Felde, Binjo Eskenazi, S. B. Amar, Raf. I. Löwy ä 20.—, Gabriel Alevy, Daniel A. Kabiljo, Sal. M. Montiljo, Oberinspektor Hochberg, S. Chachamovics ä 10.—, Adele Berger, Rudolf Brust ä 5.—, Frl. E. Becker, J. S. Salom, A. Cohen, Kabiljo M., Kabiljo D. ä 2.—, Direktor Mango 1.—, ferner 1.—, Familie Armin Altmann als Kranzablösung für Rdbert Fröhlich 20.—, zus. 251.—. Sammlung Chaim Katz im Felde: T. M., Mr. Holl ä 10.—, Markus Weinstock 8.—, J. Lorber, Johann Pscheidt, Abraham Wolfzahn, Saul Leib Weber ä 4.—, Abr. Altschüler, M. Tunis, B. Tauber, M. Grünspan, G. Poulinec, Zugsf. Leon Weiser, Korp. J. Klar, M. Pohoryles, Bandure, Ehrenkranz, Pomorski, lwoszynski, J. Kugel, J. Heliczer, Kestenbaum, J. Lorber, S. H., M. Kieselstein, Korp. Poryle, Josef Stein, Hermann Luftig, Peter Fabianski, S. J. Gans, A. Presser, Ch. Katz ä 2.—, Zugsf. J. Margos, Leon Stanisch, E. Forocsy, J. Maruczak, Korp. M. Hrube, J. Werber, Korp. P. Humemuk, J. Demusz, R. Kubling, Zugsf. J. Kobylniak, S. Zatwarnicki, J. Szostak, A. Kolodij. N. Malaniuk, K. Rzepski, F. Zelinski, J. Brüller, Korp. A. Zimmer, M., J. Deutsch ä 1.—, zus. 114.—. Sammlung Abr. Zahler, Kolomea: S. Ball, S. J. Ball ä 6.—, L. Kohn 5.—, J. Ball 3.—, A. Bergmann 2.20, J. St. Allerhand, P. Neumann, J.Tepper, A. Schaffel, E. Delfiner’ L. Becher, H. Ball, R. Ball ä 2.—, M. Ringelblum, J. Bernstein, M. Schneeberger, S. Lustig, M. Mauthner, G. Buchhalter, L. Lustig, H. Lanczener, S. Taub, J. Lustig, E. Welzer, A. Drücker, L. Nadler, J. Ramler, L. Tannenzapf, Sch. Pames, O. Schiffer, X. Y. ä 1.—, N. N., S. Fuchs ä —.80, A. Tepper, S. Sender ä —.60, J. Teicher, L. Silber ä —.50, zus. 60.— Sammlung Max Steinberg und. Osias Stern im Felde: Osias Stern r. Wintergrün, Moses Rotter, Max Steinberg, Mechel Friedmann. Osias Weber, Aron Kneitl, Sische Ackermann ä 1.—, Schulim Gerstenfeld —.60, zus. 7.60. JüOisdie Soldaten im Felde. Dieses 'Märchen Wird auch in Deutschland von einer gewissen Presse Sogar in der gegenwärtigen Kriegszeit kolportiert, obwohl "die das Märchen erschütternden Tatsachen wahrlich eine beredte Sprache führen. Sind doch schon bisher ca. 6500 Eiserne Kreuze 2. KlaSse und 40 Eise rne Kreuze 1. KlaSse jüdischen Soldaten verliehen worden und haben doch bereits ca. 2500 jüdis che Krieger den Heldentod gefunden. Und was ist früher nicht alles über die Ungeeignetheit der Juden zu Offizieren gefabelt gehöhnt, gespottet worden! Sie werden „die Front verderben“, prophezeite Liebermann von Sonnenberg. Als seinerzeit die Kaiserliche Kabinettsordre, wonach für die Wahl zum Reserveoffizier allein die moralische und dienstliche Führung maßgebend sein solle, wieder in Erinnerung gebracht wurde, meinte die „Tägl. Rundschau“: ,-,Da nun trotzdem Juden fast nie den Grad vonReServeoffizieren erreichten, so läßt das eben aut ihre moralische und dienstliche Führung entsprechende Schlüsse zu. Und so wird es wohl auch in Zukunft bleiben.“ Noch vor Ausbruch des Krieges .(17, 5. 14) brachte der „Bund der Landwirte für Ostpreußen“ einen Artikel über „jüdische Reserveoffiziere“', in dem an ihnen die abfälligste Kritik geübt und getadelt wurde, daß „schon jetzt unsere Kriegsminister geradezu ihr Bedauern darüber ausdrückten, daß unser Offizierskorps immer noch nicht Juden wählt“. — Alißfällig wurde darauf hingewiesen, daß „unter den aktiven Ofuzitren es bei uns bereits bis in hohe Stellen hinein — Eichthal und Moßner usW. — eine ganze Anzahl von Judenabkömmlingen gibt, von den; nur mütterlicherseits belasteten Halbabkömmlingen ganz zu schweigen. So werden allmählich ohne jeden Eingriff von oben die Grenzen verwischt, gewöhnt man sich selbst bei den Trägern alter Adelsnamen an den semitisierten Typus.“ — So erlaubten sich die gewissen exklusiven Kreisen angehörenden Leute eine nicht mißzuverstehende Kritik an der Kaiserlichen Kom-r mandogewalt, als deren Hüter sie sich sonst bei jeder Gelegenheit aufzuspielen lieben. Ebenfalls kurz Vor Ausbruch des Krieges vertrat der bekannte Herr Ph. Stauff in der agrarisch-antisemitischen „Thüring. Landesztg “ (21, 7. 14) die Auffassung, daß „es für einem, Arier ,einen Deutschen einen Schimpf bedeutet, von einem 'Juden Befehle entgegenzunehmen.“ Nun, die Mahnung oder Drohung des Herrn Stauft ist wirkungslos verhallt. Ueber 1000 jüdische Offiziere, darunter ca. 600 in der preußischen, 400 in der bayerischen Armee, sind während des Krieges ernannt worden. Angesichts der erwähnten Tatsachen sind die judengegnerischen Kritiker etwas kleinlaut geworden. Gänzlich haben sie aber ihre Minierarbeit nicht aufgegeben, indem sie es an offenen und versteckten 'Anspielungen nicht fehlen lassen, daß die jüdischen Soldaten von solchen Aufgaben, die mit besonderen Gefahren Verknüpft sind, sich fernhalten, so vom freiwilligen Patrouillendienst 'und von den Luftkämpfen. Auch das ist unzutreffend. Aus dem uns zur Verfügung stehenden 'Material seien nur die folgenden Fälle jüngeren Datums angeführt: 1. Anläßlich des am 21. April erfolgten Todes! des Kriegsfreiwilligen Fritz Katz aus Hannover, der (im ersten Mobilmachungstage als Achtzehnjähriger bei dem Füsilier-Regiment Prinz Albrecht von Preußen eingetreten ist und sich kurz nach Eintreffen an der Front das 'Eiserne fCreuz erworben hat, ist' der folgende Regimentsbefehl erlassen worden: Regi mentsbefe hl vom 22. 4. 1916. Gestern ist der Gefreite Katz, 42. Kompagnie, einer der besten Patrouiltenführer des Regiments, gefallen, Ich bringe dies zur Kenntnis des Regimentes; weil ich in Katz das Muster einest wahrhaft todesmutigen, pflichttreuen Soldaten sehe. Freiwillig meldete er sich während heftiger Artillerie-Beschießung auf dem Schützenstand zu beobachten — für seine Kameraden zur Ehre des Regimentes. Hier fand er den Heldentod. Ehre semem Andenken. gez. v. Oppen, Oberstleutnant u. Regiments-Kommandeur Füs.-Reg. „Prinz Albrecht v_ Preußen.“ 2. ln dem Tagesbericht der Obersten Heeresleitung vom 6. Mai heißt es, daß Vizefeldwebel Frankl, der am 4. Mai einen englischen Doppeldecker abgeschossen und damit das vierte feindliche Flugzeug außer Gefecht gesetzt hat, vom Kaiser zum Offizier befördert worden ist. Leutnant Wilhelm Frankl aus Frankfurt ja. M. meldete sich; wie wir der „Frankf.-lZtg “ entnehmen, nach .Ausbruch des Krieges als Freiwilliger und wurde alsbald der Fliegertruppe zugeteilt. Der damals Neunzehnjährige war im Besitz des Flugzeugführerpatents; seine Pilotenprüfung "hatte er in Johannisthal abgelegt. Vor einem halben Jahre schon ist der jüdische Fliegerleutnant Joseph Zürn dorffer aus Rexingen (Württemberg) gefallen. Er stand zuerst bei einem Infanterieregiment, wo er das Eiserne Kreuz iund die Württembergisfche Verdienstmedaille erwarb .und zum Offizierstehvertreter befördert wurde. Bei einem Sturmangriff wurde er verwundet. Nach seiner Heilung meldete er sich zu den Fliegern, wo er bald zum Leutnant befördert (wurde. DaS Märchen von der Minderwertigkeit der deutschen 'Soldaten jüdischen Glaubens ist im Weltkriege gründlich zerstört worden. (Aus den Mitteilungen des „Vereines zur Abwehr des Antisemitismus“.) Ein Eoflabrittin anserer Propagandaaittit. Durch einen vom Wiener Kongreße angenommenen Antrag Davis Trietsch* wurde bekanntlich der Leitung des J. N. F. die Verpflichtung auferlegt, innerhalb etwa eines Jahres „ ein System der Wirksamkeit des j. N. F. in Palästina auszuarbeiten und eine gründliche Diskussion zu veranlassen“, die Grundprinzipien seiner Arbeit, wie sie sich im Laufe der Jahre aus dieser selbst herausentwickelt hatten, theoretisch darzulegen und die Resultate dieser gedanklichen Tätigkeit der Oeffentlichkeit zur* Nachprüfung zur Verfügung zu stellen. Es war anzunehmen, daß dadurch weitere Kreise zu einer Mitarbeit angeregt werden würden, die bisher nur recht spärlich zu konstatieren war, die aber dringend erforderlich ist. Das Hauptbureau des J. N. F. ging_ auch bald nach dem Wiener Kongreß an die Erfüllung dieser Aufgabe, indem es eine „Nationalfonds-Bibliothek“ herauszugeben begann, die „die Grundprinzipien und Arbeitsmethoden an der Hand der von uns in Palästina, sowie von anderen kolonisierenden Völkern gesammelten Erfahrungen erörtern und klären“ sollte. Im Mai 1914 erschien als erstes Heft dieser Sammlung „Gemeineigentum und Privateigentum an Grund und Boden“ von Dr. Franz Oppenheimer, und als Ergänzung dazu dann noch ein kleines Beiheft von demselben Verfasser: „Genossenschaftliche Kolonisation in Palästina“, das die praktischen Konsequenzen der wissenschaftlichen Erörterung des ersten Heftes für Palästina zog. Sehr verzögert durch den Krieg ist erst jetzt das schon längist und sehr erwartete zweite Heft der Sammlung erschienen: „Der Jüdische Nationalfonds“ von Adolf Böhm. Wir werden für unser Warten reichlich entschädigt, denn hier haben wir zum ersten Male eine Darstellung des Systems der bisherigen Tätigkeit des J. N. F., die uns für die weitere gedeihliche Arbeit unseres Fonds so notwendig erschien. Bereits 1910 ist eine Broschüre von Adolf Böhm mit dem Titel „Der Jüdische Nationalfonds — ein Instrument zur Abhilfe der Judennot“ erschienen, als deren zweite Auflage der Verfasser im Vorwort seine jetzige Arbeit bezeichnet. Es sei gleich konstatiert, daß er ihr da-i mit unrecht tut, denn die neue Arbeit ist etwasl völlig anderes, völlig neues. Sie dient auch einem ganz anderen Zweck. Wohl soll auch die neue Arbeit der Propaganda dienen, aber einer ganz anderen, und Inicht nur dieser allein. Sollte die vor 6 Jahren erschienene Broschüre dem Fernstehenden Kunde geben von der Existenz eines Instrumentes zur Abhilfe der Judennot, genannt „Jüdischer Nationalfonds“, so soll die jetzige Böhm4 sehe Arbeit dem Zionisten, dem Nationaljuden, dem Freunde des J. N. F. Gelegenheit bieten, diese Institution genauer kennen zu lertien, sich ein deutliches Bild ihrer bisherigen Wirksamkeit und des zu ihrer Entfaltung notwendigen Ausbaus zu 'machen, und daraus (gewiße Konsequenzen zu Ziehen. Täuschen wir uns nur nicht darüber: es ist ein allzugroßer Kreis von Sehr guten Zionisten, von regelmäßigen Spendern für den J. N. F., die diesen nur aus den Spendenverzeichnissen unserer Organe kennen. Sic kennen genau die Sammelmitte! des |NF und haben wohl — das soll nicht beStritten Werden '— (die bin und wieder vom Hauptbureau veröffentlichten Mitteilungen über Leistungen mehr weniger aufmerksam gelesen. Aber gerade die Ausweise für den J. N. F. ergeben sehr deutlich, daß über die spezielleren Aufgaben, denen der J. N. F. dient, über die Einzelnprobleme, die er der Lösung zuzuführen berufen ist, ein Mangel an Kentnissen fühlbar ist. Man gedenkt des Hauptzwecks des NF}., des Landerwerbs (auch dies vielleicht weniger des! Problems wegen als der Gesamt - Institution schlechthin) und der Baumspende, weil sie zugleich eine bequeme Spendenart ist. Daß aber der J. N. F. noch einige überaus wichtige Unterabteilungen hat, ist so ziemlich in Vergessenheit geraten. Diese bringt Böhm in seiner Broschüre Sehr zur Zeit in Erinnerung durch die überaus interessante Darstellung der Probleme, denen diese vergessenen Zweige des NF in Palästina dienen. Um eines herauszugreifen: wer erinnert sich noch des Genossenschaftsfonds? Und wie wenige wissen, daß dieser nicht bloß dem Versuch der Durchführung Oppenheimer'scher Ideen in Merchawjah dient, u. daß noch andere nicht minder wichtige ländliche Arbeitergenossenschaften in Erez Israel sich durchzusetzen bemüht sind, und der sozialen Hilfe bedürfen, die anderwärts der Staat, bei uns aber der NF zu leisten berufen ist? Viel zu wenig bekannt ist insbesondere auch das Wirken der Okkupations - Genossenschaften, die für Palästina So besonders wertvolle Arbeit leisten. Und ferner: wie wenige wissen die Bedeutung des Heimstättenfonds für unsere nationale Arbeit in Palästina zu würdigen. Böhm zeigt die Wichtigkeit dieser und der anderen Zweige unserer schweren KolonisationSarbeit, deren ausführendes Organ der NF ist, und er versteht es, den Wert jedes der bis-