Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 25 (23.6.1916)
- Date
- 1916-06-23
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 25 in der täglich hunderte Soldaten rituell verköstigt werden, Steinamanger versorgte 700 Soldaten am Pessach, was allein über 9000 K kostete, Preß bürg versorgte 1400 Soldaten und Verwundete. In Eisen stadt wird die Last von den gastfreundlichen Gemeindemitgliedern ganz getragen. Dort herrscht der patriachalische Zug, daß alle fremden Krieger Familienanschluß haben. In Weißenburg reichten sich die jüdischen Parteien die Bruderhand, um mit vereinter Liebeskraft 600 jüdische Soldaten koscher zu verpflegen. )0 f e n zahlte 8600 Kronen für rituelle Kost und brachte außerdem 3000 kgj Mazzos zur Verteilung, ln Ocden bürg wurden 4000 Kronen für die Versorgungder jüdischen Soldaten am Pessadi gesammelt. 300 wurden beim Seder gastlich bewirtet. In Gyula deckte Moritz v. Weiß mit 4000 Kronen die Aus gaben des Pessachs. In Erlau wurden 1500 jüdische Krieger versorgt. In Sorbo yored wurden 50 jüdische Kriegsgefangene 9 Tage hindurch rituell gespeist. 400 Soldaten wurden von der Ko morn er Gemeinde koscher verköstigt. * Von der Opferwilligkeit. Wir berichteten neulich über einen Aufruf des Ministerpräsidenten Graf T i s z a In Angelegenheit ' der Versorgung der Kriegswais'en, worin er „auf dass edle Beispiel des Magnatenhausmitgliedes Adolf ,v. U11 m a n n“ (eines Juden) verweist und mit dem Ausdruck der Hofft nung schließt, daß sich „die Opferwilligkeit der ungarischen Gesellschaft bewähren werde“. Wir fügten hinzu: „Auch wir hoffen, daß säch: die Opferwilligkeit der — jüdischen Gesellschaft bewähren werde.“ Nun bringen die Tagesblätter folgende Nachricht. „ Infolge des Aufrufes des Ministerpräsidenten Grafen Tisz a wegen "Versorgung und Erziehung ungarischer Kriegswaisen stiftete Baron LouisiRoths child den (Betrag Von 100.000 Kronen mit der Bestimmung, daß dieser Betrag nicht als ständige Stiftung zu behandeln ist, sondern, daß sowohl das Kapital wie dessen Zinsen im Verlaufe der Zeit zu verwenden sind, bis die Kriegswaisen erwerbsfähig werden.“ Auch die folgende Nachricht gehört zu demselben Thema (.Mehr geleistet als jede andere Konfession“): Der Obergespan des Komitates Torontal, Dr. Ludwich Delimanich, welcher seif Kriegsbeginn als' Regierungskommissär sich in ausgezeichneter Weise betätigt hatte, wurde jetzt, da er dieses seines Amtes enthoben wurde, von Sr. Majestät mit dem,St. Stefans-Orden ausgezeichnet. Aus diesem Anlasse erschienen Abordnungen des Komitates und 'der Komitatshauptstadt Nagybecskcrek, um dem Obergespan zu der hohen Auszeichnung zu gratulieren. Unter, ihnen befand sich auch eine Deputation der israeliti- Sehen Kultusgemeinde der letztgenannten Stadt unter Führung des Präsidenten Dr. Viktor Pol- 1 a k. Auf seine Ansprache antwortete, Avie„Egyenlöseg“ berichtet, der Obergespan in warme» Worten und hob ganz besonders hervor, daß die israelitische Konfession auf dem Gebiete der Erleichterung der Kriegslasten und der Aktionen, den Krieg erträglicher zu machen, mehr geleistet hat als jede andere Konfession. Diese Aeußerung von so maßgebender Stelle verfehlte selbstverständlich ihre Wirkung nicht * Hofrat Siegmund L. Breltner in Budapest hat für einen interkonfessionellen Wohltätigkeitszweck 200.000 gespendet. Dm Sie jüöisdie Volltssdiule. Zur Sprachenfrage. , Am 7. Mai fand in Moskau eine allgemeine Versammlung der Mitglieder der Moskauer Abteilung der Bildungsgesellschaft zusammen mit den Vertrauensmännern des Moskauer -Rayons statt Eingehende Berichte wurden über die Lage der neuen Schulen erstattet, die auf Kosten des Moskauer Komitees im Gouvernement Woronesch (10 Schulen;, Von der allein die Schule in Woronesch 264 Schüler hat) in den Gouvernements Nischni-Nowgorod und Wladimir (16 Schulen mit 1847 Schüler und Schülerinnen) und im Gouvernement Tambow errichtet wurden. Die Unterrichtssprache in jallen diesen Schulen ist die Jidische. Die hebräische Sprache wird überall unterrichtet, aber nicht in allen Schulen wird ihr die gleiche Zahl Stunden eingeräumt Die Versammlung bestätigte das Budget des- KomiteeS für das Jahr 1916, das 307.562 Rubel beträgt. Die Einkünfte des Komitees bestehen aus 60.000 Rubel vom Tatjanakomitee, 170.562 Rubel vom Zentralkomitee der jüdischen Hilfsorganisation, 60.000 Rubel Mitgliederbeiträge und 17.000 Rubel zurückbezahlter Schulden der früher subventionierten jüdischen Studenten und sonstiger Einkünfte. Einen heftigen Kampf verursachte der Hauptpunkt der Tagesordnung, die Wahlen der vier; neuen Mitglieder des Komitees. Beide Hauptrichtungen der Gesellschaft, die Hebraisten und JidiSchisten wetteiferten im Streite um diese neue Position. Schon vor Einberufung der Versammlung wurden von beiden Parteien Flugschriften an die Mitglieder der Gesellschaft verschick--, die über die Richtung und Aufgaben einer modernen jüdischen Schule aufklären sollten. Drei Wahllisten wurden aufgestellt: eine hebräische^ eine jidischistische und eine Kompromißliste, die je zwei Kandidaten der beiden ersten Listen enthielt. Als Generalredner wurden von den Hebraisten Dr. J. Tschlenow und A. G oldst e'in, von den Jidischisten M. Ras'kin und A. Sokol owsk y aufgestellt. Besonders -interessant scheinen uns die Ausführungen des Dr. Tsdilenow und Sokolowsky, weshalb wir sie auszugsweise wiedergeben. Es handelt (sich hier, führte Dr. Tschlenow aus?, nicht bloß, um die Zahl der dem Studium der hebräischen Sprache einzuräumenden Stunden, sondern um etwas viel Tieferes, Prinzipielleres. Die Frage ist, ob ein Volk, das sein Land verlassen hat, auch ohne seine historische Sprache und ohne seine Religion existieren wird. Die Jidischisten antworten, wie es die Resolutionen der Czemowitzer Konferenz und die literarischen Aeußerungen ihrer Wortführer bezeugen •— mit einem unzweideutigen Ja. Wir aber mit einem kategorischen Nein. Die jidische Sprache allein kann dem Volke seine Lebenskraft nicht bewahren. Das Moskauer Komitee ging auch auf Kompromisse ein. Kompromisse befriedigen aber weder uns noch den besten unserer Gegner. Der Weg der Jidischisten ist leicht. Unser Weg ist bedeutend schwieriger und fordert viel größere Anstrengung. Er gewährt uns aber eine Stutze in der Vergangenheit, eine Hoffnung aiif die Zukunft. Was bis jetzt, meinte endlich A. L. Sokolowsky, der Schaffung einer modernen Volksschule im Wege stand, war der Riß zwischen der jüdischen Intelligenz und den jüdischen Massen'. Die Intelligenz isehnte sich nach .europäischer Kultur, die Massen aber hingen an dem alles Alte konservierenden Cheder. Die Verpflanzung der europäischen Kultur in die Sprache der jüdischen Massen gibt jetzt die langersehnte Synthese. Wer den tiefen Sinn des politischen Zionismus erfaßt hat, kann sich nicht mit der Entfremdung vom Volke zufrieden geben. Die Existenz zweier Sprachen ist eine jinnormaTe- Erscheinung. Die Lyrik und Romantik kann die Welt des Beth-hamidrasch verherrlichen. Für das Leben und die soziale Politik bildet es aber eijne Gefahr, die (schon Herzl eingesehen hat. Auch wir beginnen unsere Kultur nicht mit Abraham Reisen, sondern mit dem Erzvater Abraham. Was wir aber wollen, ist: die Kluft zwischen Priester una Volk zu überbrücken. Daher die Forderung einer weltlichen Schule "in 'der Sprache der Massen. An der Abstimmung beteiligten sich 843 Mitglieder der Gesellschaft. Die Mehrheit der Stimmen erhielten die Kandidaten der Hebraisten: Rabbiner J. L. Mase (499 Stimmen), P. S. A»a r e R (499 Stimmen), J. S. S te i nb e rg'(470 Stimmen) und W. R.. JakubSohn (467 Stimmen). * Konferenz der „national-radikalen“ Schulen Amerikas:. Die „national-radikalen“ Schulen sind eine der jüngsten Schöpfungen der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika, Sie sindvorläufig als; Ergänzung der allgemeinen Schulen gedacht, in welchen für jüdische Sprache und Kultur keim PJatz ist. Der Unterricht findet daher vorwiegend bloD an Samstagen und Sonntagen .— in manchen Städten auch an Wochentagen nachmittags!. — statt. Jiddisch und Hebräisch, jüdische Geschichte, Literatur, Volksdichtung, Singen usw. sind die Gegenstände. Einige dieser Schulen (es sind jetzt im ganzen ungefähr 40 vorhanden), haben sich bereits in wirkliche Volksschulen verwandelt und demgemäß ihr Programm erweitert. Auf der Ende April abgehaltenen zweiten Konferenz vereinigten sich-nun beide existierende Richtungen dieser jungen Bewegung, indem die reinjidischen Schulen dem Verbände der jidischhebräischen endlich beigetreten sind, um einen’ Schulverband mit gemeinsamem’ Programm' zu bilden .Es Isbllen von nun an in allein dem Verbände angehörenden’ Schulen beide Sjjrachen un-, terrichtet werden, JidisCh'. bleibt die Unterrichtssprache der Schulen. Ueber den Zeitpunkt des Beginnes des hebräischen Unterrichtes entscheidet jede Schule autonom. Ende Oktober stoll ein Lehrerseminar eröffnet werden. Die Konferenz beschloß ferner die Herausgabe einer pädagogischen Zeitschrift, einer Kinderzeitschrift ünd setzte eine Kommission für Schulbücher und Kinderliteratur ein. Die Schulen 'sind ein Werk der Poale Zion .und Sozialistischen Territorialisten': Amerikas!. t , Die »Jüdische Zeitung“ ist im Einzelverschleiß in der Buchhandlung R. L ö w i t, I. Rotenturm- Straße 22 und in dem Zeitungsbüro Gold- - schmiedt, I. Wollzeile 11 erhältlich. Bus Palästina. Am 20. März fanden die Wahlen der Stadtverwaltung in Jerusalem statt. Kein.einziger der vier jüdischen Kandidaten wurde gewählt. * * Obwohl eine Anzahl Schüler und Lehrer des Gymnasiums in Jaffa Palästina seit Ausbruch des Krieges verlassen haben, wurde der Unterricht im Gymnasium ungestört fortgesetzt. An Stelle der Ausgeschiedenen sind folgende heue Lehrer angestellt worden. Rechtsanwalt Wiener für' Türkisch, Schriftsteller J. Ch. Brcn.ner für hebräische Sprache und Literatur, J. Feldmann für deutsche Sprache und Literatur und Jacobsohn für Talmud. Das Lehrerpersonal besteht gegenwärtig aus 27 Personen,- die 448 Stunden wöchentlich unterrichten; die Zahl der Schüler beträgt 446. Auch in diesem Jahre wurden Parallelklassen für die* beiden obersten Stufen eingerichtet. Jeden Samstag wurden vom Lehrerpcrsonal' öffentliche Vorträge im Gymnasium veranstaltet. Besonderen Erfolges erfreuten sich die Vorlesungen, die der gegenwärtige Direktor -und Gründer des Gymnasiums Dr. J, L. Metina n über die Aufkiärungsepoche in Europa, Dr. Z i f r o n i über Shakespeare, W a 1 d s t e i n über Erkenntnistheorie, J. F e 1 d m a n n über M. J. Berditschewsky, J. Ch. Brenner über Bialik und Tschernichowsky, Dr. Gurew itsch über Ethik und Aesthetik hielt. Eifrigen Zuspruch fanden auch die Vorträge von Dr.!Ro Sen st e i n, W inn i k und L a d i z i» S k?. Die Lehrer des Gymnasiums beginnen ihre Aufzeichnungen über Mathematik, Naturwissenschaft, Literaturgeschichte etc. in Buchform zu veröffentlichen. Der (Verwalter der Regierungsschulen, Djema 1 Bey, besuchte das Gvmna-1 sium und drückte seine Bewunderung über all das Neugeschaffene aus. *•' Zum Andenken an einen Schüler des hebräis’chen Gymnasiums in Jaffa, der im vorigen) Sommer ertrank, (erschien jetzt ein kleines Sammelbuch „Z e 1 a I i m“ verfaßt und redigiert durch die Schüler der 7. Klasse des Gymnasiums. - * In Jaffa wurde eine Gesellschaft zur Unterstützung der iFamilien, deren Ernährer '.eingezogen worden sind, gegründet. Die Gesellschaft eröffnete eine Küche, die täglich <ca. 140 MittagsCSsen, teils umsonst, 'teils zu Sehr billigen Preisen verteilt Paläslinahilfswerk für Oie jüäisifien Kolonien.’) Hungertyphus in Palästina. Hat sich auch die traurige Lage unserer Brüder in Palästina in der letzten Zeit im allgemeinen nicht verschlimmert, so ist neulich leider eine furchtbare Plage über das Land hineingebrochen. Es ist dies der Typhus, über dessen schreckliche Folgen wir bereits in der jüngsten Nummer der „Jüdischen Zeitung“ berichtet haben. Das vielmonatliche Hungern und die Entbehrungen verschiedenster Art haben das neue Leid verschuldet! Welcher Zionist fühlt sich hier nicht mitschuldig, mit verpflichtet? Dringende Hilfe tut not! Unsere heiligste Pflicht ist es, hier helfend einzugreifen. ■ # In Fortsetzung unserer Sammlung, die in Anbetracht der langen Kriegsdauer für Erez Israel immer dringender erscheint, ersuchen wir unsere Freunde bei allen Anlässen des Palästinahilf s werkes zu gedenken und für dasselbe zu werben. Weiterhin ist uns die Namhaftmachung von Adressen erwünscht, an die sich unsere Aktion mit Aussicht auf Erfolg wenden kann. 12. Ausweis. Sammlung k. u. k. Oberarzt Dr. Emil Stein in Russisch-Polen 500.— (s. teilweise Spezifikation, unten), durch Julius Singer, Sarajewo, 2. Rate, (gesammelt durch Frl. Ella Ungar und Ida Jellinek) 251.— (s. Spezifikation unten), Sammlung Chaim Katz im Felde 114.— (s. Spezifikation unten), Sammlung Moses Feinkind, Piotroköw 75.— (Spezifikation in der nächsten Nummer), Sammlung Sanitätsfähnrich Margulius im Felde 66.—, Sammlung Abraham Zahler, Kolomea 60— (s. Spezifikation unten), Eingegangen beim Jüdischen Nationalfonds (s. Jüdische Zeitung Nr. 24) 17.70, Feldwebel Zoltän Szekäcs, Wien, durch Dr. Georg Weiner 10.—, Sammlung Max Steinberg und Osias Stern im Felde 7.60 (s. Spezifikation unten), Friedrich Schönau, Wien, 3.—, Hotelier Julius Herzog, Wien, 1.—, *) Geld- und Briefsendungen sind zu richten an: Palästinahilfswerk für die jüdischen Kolonien, Wien, 18., Hasenauerstraße 43. Bei Einzahlungen, im Wege der Postsparkasse bediene man sich mit entsprechendem Vermerk der Erlagscheine des Verbandes „Zion“ Nr. '47115. / i