Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 24 (16.6.1916)
- Date
- 1916-06-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 beschlossen, der Familie des Dichters einein Fond von 10.000 Dollar zur Verfügung zu stellen. Die jüdischen Schriftsteller New-Yorks haben in ihrer Trauerversammlung beschlossen, auf den Namen von Perez und S c h a 1 o m tA 1 e j c'h e m einen Jüdischen S ch r i f t s t e 11 e r v e r - band zu gründen. Das jüdische Kinderfest in Warschau. Wohl zum ersten Male hat die Stadt Warschau eine sö" gewaltige jüdische Veranstal« tung gesehen, wie es das Kinderfest am vergangenen Lag Beomer war. Es beteiligte sich an ihm fast die gesamte jüdische Schuljugend. Die. ganze jüdische Presse Polens bezeichnet dieses Fest als einen vollen Erfolgt. Die „Deutsche Warschauer Zeitung“ schreibt hierüber — nach dem Lodzer Völksblatt — folgendes: ,.,Das war eine so gewaltige jüdische Veranstaltung, daß sie alles übersteigt, was man bisher in Warschau gekannt hat. Es war eine große öffentliche Kundgebung der ‘Juden, deren Nachwirkung sicher ei~e starke sein wird. Wer hätte sich einst träumen lassen, daß Tausende von Juden feäch in Warschau mit Fahnen in den nationalen Farben und unter Gesang bewegen würden, und daß kein Menis'ch Sie daran hindern würde! Die Stimmung,;auf den jüdischen Straßen,- durch die die' junge, frische Jugendwehr zog,, durch die die Schüler der verschiedenen jüdischen Schulen marschierten, war wirklich Feiertagsstimmung, gehobene Stimmung, das Aehrenfest, das anfänglich nur für die Kinder bestimmt war, verwandelte S ch in eine gewaltige Kundgebung für den jüdischen nationalen Gedanken. Eine gehobene Stimmung herrschte auch in Wawer, wohin der Kin’derfestzug sich \vandte und wo 'die Jugendwehr ihre Zelte aufschlug. Besonders erhebend War der Augenblick, als die Fahne des Turnvereines „Makkabi“ eingeweiht wurde. Feierlich war der ganze Vorgang, feierlich auch die Stimmung der narfi Tausenden zählenden Volksmenge, die der Weihe beiwohnte und einen erhebenden Eindruck von der seelischen Kraft wie auch der Organisationsfähigkeit der Juden gewann, die sich hier in Wawer zeigte. Und als die Schüler mit der Jugendwehr an der Spitzel abends nach Warschau heimkehrten, und,durch die jüdischen Straßen zogen, da blieb niemand in der Stube drinnen. Auf den Bürgersteigen standen sie, auf 'den Balkons und am' Fenster, mit Hurra- und anderen Rufen wurden die Jungen I.—iels von allen begrüßt, auch Blu-. men wurden ihnen zugeworfen, die Begeisterung war allgemein ,u|!nd der Eindruck wird so schnell nicht vergessen werden. Die Warschauer /Zionisten haben als erste den Plan IdiesCr Feier entworfen und sie dann organisiert.. Sie haben die jüdische Jugendwehr und die Turnvereine orgäuriert und herangezogCn. Sie haben die Schulen jn den Zug e'ingereäht., Auch der jüdische Chor und mehrere andere Anstalten wurden eingeladen, wie auch in den -verschiedenen Schulen lauf eine Beteiligung an1 der Feier hingearbeitet wurde.'“ K o n r a d: Gerade da?-, was das Tragische in Ihrem Deutschtum ausmacht, ist für mich eine Bestätigung dessen, was ich mir unter den Eindrücken des Krieges über das Wesen -von Volk und Volkstum zurecht gelegt hatte. Nathan: Ich hoffe von Ihren Ergebnissen aUgh eine Lösung meiner Zweifel. Kon r ad: Erlassen Sie . mir eine systematische Darstellung und Entwicklung, sondern erlauben Sie miir*" ganz frei einige Hauptpunkte herauszugreifen. * - Zunächst dies: Verwechseln Sie nie die Begriffe Rasse .und Volk. D'e Rasse ist von der Natur gegeben und verhältnismäßig beständig; das Volk ist ein Ergebnis und Träger geschichtlicher Entwicklung. Im allgemeinen wird eine Rasse, oder eine Unterart einer Rasse, den Stoff zu einer Volksbildung abgeben; aber wenn man überhaupt der Meinung ist, daß Wortbedeutungen nicht leichtfertig verwischt werden dürfen, so ist diese Unterart nicht ein Volk, sondern allenfalls ein, Stamm. Ein Volk—oder sagen wir vorsichtiger: jene geschichtliche Einheit, die wir .herkömmlich und am besten unter Volk verstehen— ist erst da vorhanden, wo ein gemeinsames Wollen hinzukommt. Die Gemeinsamkeit wirtschaftlicher, religiöser , politischer, künstlerischer Ziele ist es, durch die ein Volk wird. Deshalb gehören auch Volk und Staat zusammen, das eine ist die Seele, der andere der Körper, und es ist der Geist, der sich um seines Bestandes willen den Körper bauen muß. Nathan: Und ]sind wir Juden kein Volk ohne einen eigenen Staat? K o n r a d: Die nicht, die in einem anderen Volk aufgehen, Wie Sie. Aber ein bedeutsamer Teil von Euch strebt zum eigenen Staate hin. Paläslinahillsuerli für Oie jüöisdien Kolonien.*) 11. Ausweis. Eingegangen beim Jüdischen Naiionalfonds: 501.9S (s. Nr. 22 und 23 (der „Jüdischen Zeitung“), Sammlung Dr. Anselm Landau, Lemberg, 87.—, Sammlung Zacharia Segah 68.—, Sammlung Aba" Gottesmann und Mathias Eckstein 129.50, zus. 284.—, (s. Spezifikation unten), Sammlung des Bukowinaer zionistischen Landesverbandes durch Frau Malcia Bauer 201.—, Sammlung „Moriah“ — „Neure Jehuda“ (3. Rate) 97.70 (bish.zus 109S.10), San.-Ehnr. Emil Bachrach, im Felde 60.—, durch Dr. Markus Spiegel, Krakau, 31.—, durch Frau Dr. SchnirerJ Wien: Frau Kronstein 20.—, San. Fhr. Ferdinand Barber (Ivria) ,im Felde, anläßlich des 50. Semesters der jüd. akad. Verb. „Ivria“ 20.—•, Sammlung Hermann Gabel, Wien, 19.—, f.l.'Spezif. unten), Sammlung Dr. S. J. Schweig. Wien 13.— (s Spezifikation unten), durch Wanderbund „Blau-Weiß“: Moses Hammer: Wien 10.—. Ass. Arzt Dr. Rudolf Menzel (Theodor .HerzlÄWien). im Felde 10.—, Kad Selig Hochstätter im Felde 5.—, Ing Theodor Deutsch, Wien 5.—, Arnold Wengott, Wien 5.—, Selbstbesteuerung: Ob.->Arzt Dr. Emil Stein im Felde für Juni 10.— Summe K 1292.68 Gesammelt durch das Zionistische Distriktskomitee für Böhmen in Prag (siehe Nummer 21 der „Selbstwehr“): Aus dem Felde: 10.—, Dux 10.—, Komotau 10.—, Mies 1.—, Nieder-Rochlitz 5.—, Neuötting-10.—, Oberleut,,nsdorf 5.—, Pilsen S.—, Ploschkowitz 5.—, Prag 74.—, Rei-. Chenberg 9.—, IRonsperg 35.40, Rumburg. 1.—, Saar 6.—, Saaz 18—, Schönlinde 5.—, Schüttenhofen 10.—, Staab 2.—, Strxa chitz 10.—, Teplitz 15.—, Tetschen 7.—, Trautenau 52.— 308.40 Summe K 1.601 08 Hiezu früher ausgewiesen _K 21.613,58 Somit bisher ■ K 23.214 66 Spezifikation: Sammlung Dr. Anselm Landau: Leo Wahl, Isidor Wahl, Direktor Simon Oransz, Dr. Herz Halpern je 10.—; Jakob Rips, Dr. Anselm Landau, Herz u. Jura Wahl je 5.—; Rosa Melzer 3.—; Julesi Lurie, Markus Werner. Leon Gottesmann, Phöbus Abeies, Jakob Atlas, Lazar Volk, Josef Aberdam, Prof. Dr. Moses' Schorr, Samuel Buber, Dawid Rubcnzahl,- Isak Friedmann, Dr. Rubin Bierer je 2—; Herz Landauf Naftah Glücksmann, Bernhard Bernstein, Joachim Wahl, J. B. Berkowicz je 1.—; zus. 87.— Sammlung Zacharia Segall: Josef Eskreis 10.—; Baruch Blick, J. S. Korkes je 5.—; Morvay, Apotheker Braunstein je 4.—; Noa Schafranski, Leon Offner, Kunv Vogelfänger, Kanzlei *) Geld- und Briefsendungen sind zu richten an: Palästinahilfswerk für die indischen Kolonien, Wien. 18., Hasenauerstraße 43. Bei Einzahlungen im Wege der, Postsparkasse bediene man sich mit entsprechendem Vermerk der Erlagscheine des Verbandes „Zion“ Nr. 47115. Außerdem ist es aber in Dingen wie dem vorliegenden nie -nötig, daß die Rechnung in allen Posten gleich ist, wenn sie nur aufgeht. Ujnd so kann auch die Macht politischer Zustände und Ziele ersetzt werden durch die der religiösen oder gar der künstlerischen, wie im alten Griehenland. Nathan: Ich gebe zu, daß Ihre Beweisführung etwas Verlockendes hat, und Sie mögen auch der Eigenart des Volkes gerecht werden. Was' dagegen den Staat betrifft, so fallen doch beispielsweise Oesterreich und -die Schweiz aus Ihrem Ramen heraus. Sie müssen etwa sagen, es sind das Staaten ohne Seele, Staatswesen ohne Volk. In .der Schweiz streitet man sich ja selbst Seit langem,] pb die drei Nationalitäten ein Schweizerisches Volk ausmachen oder nicht. K o n r a d: Ganz recht, und ich gehe von dieser Feststellung Weiter zuder Forderung, daß sie eine Seele sich schaffen. Und mein Glaube ist, daß dies möglich ist. . ....ein Volk wird zusammengehalten durch gemeinsame seelische Handlungen, durch deren Ziele sowohl, als durch die Art, auf sie hinzuarbeiten. Nathan: Gut, und dann könnte also meine Behauptung zu recht bestehen, daß die Eigenart des deutschen Volkes letztlich in einer eigenartigen Auffassung der Arbeit besteht. K o n r a d: Ganz gewiß, wenn es natürlich immer seine Bedenken hat, etwas Lebendiges wie einen tpten Begriff aus einer einzigen Quelle herzuleiten. Nathan: Was mich mehr als dies beunruhigt, ist ein anderes, was ich schon vorhin andeutete. Sowohl jene Eigenart seelischen Han¬ Jab, Regina Magenheim, Nadhman Friedhofer, Moses Bohrer, Herman Baum, Elias PasSweg, Dawid Kronfeld, Breitmeier, Josef Agid, Ahron Leon Griffel, Jakob Zuer je 2.—; Jonas Jelin, Moses ‘Engelberg, Schmarie Silberstein, Hersch Fendrich, Dr. Samuel Fronn, Begleitmannschaft, Hersch Frobler, Samuel Rosenfeld, Wolf Lien, W. Grün, Moses Backtrog, B. Schargel je 1.—; zus. 68.— Sammlung Aba Gottesmann und Mathias Eckstein : Josef Koch 5.—, Regina Gronich 4.—, Hersch Chacham 3.—; Markus Schatner, Hersch und Baruch Tales'mann, Aba Gottesmann, Matias Eckstein, Berl Eisickowicz, Leiser Türkenfeld, Simon Reiner, Dawid Rosenblatt, Seide Engler, Juda Reisch, Alter Bränder, Markus! Spjegef, Abraham Rosenbach, Fischei Krauthammer, Isak Tritt, Israel Schräge, Berl Schiffer, Wolf Linker, Leib Rudich, Mendel Marek, Israel Granirer, Isak Hersch Lehrer, Pinkas Schapira, JosefWeisinger, Mendel Goldenberg, Jakob Geller, Elias Linder, Jakob Bäcker, Moses Auerbach, Auerbach und Kolm, Leon Fuhrmann, Markus Frimet, Hermann Grünberg, Schaje Goldfeld, Aron Chaimowicz, Abraham Kerner, Salomon Sternberg, Hersch Taubes, Dawid Nussbaum, Isak Sternberg, Josel Gärtner, Zurach Scheer, Eisig Fischler, Jakob Schulsohn, Leib Gärtner,' Chune Wagschal, Jakob Türk, Todris Starnberg, Berl Wig- 1er je 2.—; Meier Ornstein, Israel Hindes, Leib Sinnreich, Dawid Schmid, Brüder Melzer, Nechemie Zucker, Wolf Retter, Dawis Weber, Leib Samit, Moses Rauchwerger, Moses Wolf, Her-, man Rittberg, Singer u. Rosenbaum, Mechel Mehler, Josel Bartfeld, Semie Rosenzweig, Leiser Linial, Chaskel Blumenthal, Mendei Kramer je 1.—; Isak Gefner —.60; zus. 129.50. Sammlung Hermann Gabel, Wien: Hermann Gabel anl. d. Befreiung s. Eltern aus russ. Gefangenschaft (1. Rate) 2.—, Gesellschaft im Kaffee Fürstenhof 2.50, Gesammelt auf einem Ausfluge der Hatchijah: Frau Ing. Josef Tischler^ Dr. S. Schweig, je 5.—; 'Schalom ''Baron 3.50, H. Korez, Dr Seidmann, Hermann Gabel, 'Hersch Klinghofer je —'.50; div. 1.—, zus. 19.—. Sammlung Dr. tned. S. J. Schweig: Dr. Friedmann, Fr. Dr Pollach, Dr. Schweig, cand. med. Druckmann, Greif, Herson je 2—; cand. mea. Kraus 1.—; zus. 13.—. Spezifikation der bisherigen Sammlungen „Moriah“ — „Neure Jehuda“: Sammlung des Einj.-Freiw. Kdtt.-ASp. Emst Weisz, dzt. Przemvsl, Trainersatzdepot Przemysl: die, Eini.JFreiw. Wilhelm Zwillinger K 30.—; Ernst Weisz. 20.—; Hans Hochhäuser, Arthur Fleischmann, Oskar Busch (Bar Kochba), Bela Füchsel, Arpad Adler, Miklos Schwarz, Andor Kubicek, Eugen ‘Tonello; Felix Steiner, Otto Weisz, Alexander Politzer, Clemens Schönbach, Arnolo Perl, Alfred Horowitz, Izso Molnar, Rudolf Ehrmann, Emanuel Wechsler je 10.—; Paul Krassnitzky 5.— : Hermann Hirschler, N. Aschkenase je 3.—; Kadett M. Juni 14.—; Korporal Grünwald 6.—; zus. 251.—. Sammlung Ella Neumann: Isidor Goldberger, Dr;. N. 'Weigel, Josef Schmerz je 50.—; Alois Mandler 19.—; M. Weinfeld, Josef Friedier je 10.—'; Rudolf Glanz 6—; Emii Spitzer 5.—; zus. 200.i—; Sammlung Gisela Kohn: durch Fr!. Starer 35.—; durch Frl. Schlesinger 22.—; Josef Kronik, delns, wie auch jene bezeichnenden Ziele sind eben doch nicht bei jedem Deutschen zu finden, ja, es gibt verschwindend wenige, die sie aufweisen. Konrad: Sie führen mich selbst auf den zweiten Punkt, den ich aus meinem KriegS’erlebnis, so weit es mein Verhältnis ’zum Volk betrifft, herausgreifen wollte. Sie kennen Lagardes Wort, daß das Wesen des Deutschen sich mit der Zieit wandelt, daß es ein Ideal ist, ein ewig zukünftiges. Daraus folgt aber schon, daß es immer tour wenige erkennen und in ihrem Leben verwirklichen werden. Ich kann es nicht besser verdeutlichen, als daß ich auf die Legende aus dem Alten Bunde hinweiSe, wie Abraham mit Gott handelte. Nicht um aller Sodomiten willen, nicht um 100 oder 90 oder. 80 sollten die Städte Sodom und Gomorrha gerettet werden, Sondern schon um ganz weniger willen. Und so wird auch unser Deutschland in der Welt bestehen, nicht weil alle Deutschen ausgezeichnete Kerle sind, auch nicht weil unsere Gebildeten oder unsere Arbeiter allen anderen in der Welt voran sind, sondern um der Wenigen willen, sagen wir .um Luthers und Schillers und Fichtes und des Rembrandtdeuts'chen willen und derer, die heute ähnlich1 wirken una leben, wie diese. Wie der Menschheit Würde bei Schiller in die Hand der Künstler gegeben ist, so sind Träger des Volkstums die arbeitenden, schaffenden, schöpferischen Glieder des Volkes. Ich sagte, daß das Volk geeint wird durch seine seelische Handlungen. Wirklich gehandelt, geschaffen, gewirkt wird aber nur von jenen wenigen, den Suchern, Führern und Helden. Dieseisänd — erlauben Sie mir diesen Schlußsprung — das deutsche Volk ....