Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 20 (19.5.1916)
- Date
- 1916-05-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2438141-2438572-2438591--4804-2444715- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 20 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 gung aufzuklären. In ihrem Programm verlangt sie Freiheit der Einwanderung und Kolonisation in Palästina und Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern, in denen sie noch nicht im Be-* sitze aller Rechte sind. Am 15. April ist in Paris die ers^p Nummer der Halbmonatsschrift „Le Peuple Juif“ (früher „Echo Sioniste“) erschienen. Chefredakteur ist Baruch Hagani. Paläslfaahiltswerli für die jüdisAen Kolonien.*) 8. Ausweis. Sammlung ,-Moriah“ und der ,,Netire Jehuda“ Wien (2. Rate) K 843.30 (bisher insgesamt K 1000.40, Spezifikation in der nächsten Nummer), Nada Abinum, Sarajevo 50.—, Sammlung im Jüdischen Exportaxademiker-jVerein, Wien durch Kassier Samuel Monderer 40.— (Spezifikation s. unten), Sammlung’ E. Fr. Korp. Moses Horowitz, Lemberg 36.50 (Spezifikation s. unten), Sammlung Josef Kosehitzki in Oswiecim: David Goldstein- 20.—, Josef Koschitzki 10.—, Salo Dodeles 3.—, zus. 33.—, Sammlung Stenko Rudinger, Wien 30.65, Sammlung im k. k. Wilhelminenspltal'. Wien: Dr. E. K. 10.—. Dr. Grün-'i wald 5.—, E. Fr. Korn. Eugen Höflich 6.36, zusfammen 21.36, 'kais. Rat Josef 'Rosenthal, Wien 20.—, Sammlung Jakob S+nrch, Rozwadow 15.— (Spezifikation s. iinten), Isidor Gewitsch, Wien (neuerliche Spendei 15.—, Bronia und Arthur Medlinger zum Geburtstage ihres Vaters 12.—, W. Schlesinger und Komp.,'Wien 10.—, Dr. Fritz Georg Steiner, Wien 10.—, Dr. H. Syrop gratuliert zur Auszeichnung dem Leutnant Dr. Arthur Felix 10.—, Oblt. Richard Koch im Felde 10.—, Dr. S. 'Altenstein, Mähr.-fOstrau 10.—. Rabb. Dr. Leo Bardowicz, Mödling 5.—, Jüdisch-literarischer 'Klub 5.—, Ine. Oskar Kramer '(neuerliche Spende) 4.—, Albert Abinum, Sarajevo 2._. Selbstbesteuerung: durch Isidor Gewitsch', in Wien: Frau Gela Preis für 'Mai 10.—. Samuel Fried'für'Mai 4.—, zus. 14.—. Summe K 1196.81. Einöegangen beim Zicm-Eschen Distrikt«knmitee für Böhmen in Prag: Bleistadt: LeoFreimuth, Fabriksdirektor 10.—, Brüx: Rudolf Köhn 1. —, Sigmund Wodi+schka 10.—, Ludwig Stern 5.—, Debreczin: E. Fr. Otto Löwv (durch Lese- und Redehalle iüdiseber Hochschüler in Prag) 10.—. Dux: Max Meier 2.—, Gablonz: Rabbiner Dr. Hermann Baneth 5.—, Rudolf Löwy 3.—, Hochpetsch: Julius Gl.äßner 2.—, Iglau: Hermann Pollack 25.—, Jablonetz a. I.: A. Schück 10.—. Karlsbad: Gustav Löwenstein jun. 5.—, Sfeo-fr. Löbl 3.—, Adolf Grünbaum 5.—. Dr. Heinrich Fischer 2.—, Komotau: Alois Lnttner, Cafe Habsburg 10.—, Siegfr. Heller und Bruder 2. —, Kosten: Jakob Schroffer, k. k. Finanz- Res'p. 5.—. Landskron: Adolf Grünthal 2.—. Lubenz: A. Lederer 5.—, Mzelf: Julie Nohel 20.—. Nachod: Leonold und Fritz Stran=kv 5.—, NeuhauS: M. Bnabetz und Sohn Nachf. 1.—, Pola: San. Gustav Kohom (durch Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Prag) 40.—, Pra": Frauenverein : Anna Kauder 3.—, Therese Kohn 1.—, Prag: S. Beckmann 2.—. In". Beck 3.—, E. B. 2.—. Schwarzbach: A. Adler 5.—, Teplitz: Karl- Zentner (durch Ludwisr Steiner) 100.'—, Adolf Kann 5.—. Zusammen K 309.—. Summe K 1.505.81 Früher ausgewiesen K 15.098.76 Somit bisher K 16.604.57 Jüdischer Exnorfakademikerverein ehweh den Kassier Samuel Monderer: Kassa des Vereines 14.—, Ladislaus Pälfi 4.—. Samuef Monderer 3.15, Max Hahn, Anna Baidoff je 3.—, Gustav MargulieS 2.95, Gustav Steinherz 2 "0, Jennv Hahn 2.—, Löbl Barber, Alexander Füzf, Hans Präger, Walter Epstein 'je 1.—, Naftali Fromm’ —.80. Abraham Lamm —.60, zus. K 40.—. Sammlung E. Fr. Korp. Moses Horowitz, Lemberg: Prof. H. Rnd " —. Karl Gold 4.—j Samuel Imber, Dr. Oswald Enstein. Max Reuzer. Bernhard Kofler, Mo-es Weiß, Frau Moses Weiß, J. Andermann. Samuel Rosenkranz, B. B., A. J.. H. Distenfeld je 2.—. Moses Horowitz, Frl. Amalia Krell, Dr. Juda Friedmann. Johann Fischer Labiner je 1.—, Krumbein'—.50, zusammen 36.50. Sammlung Jacob Storch, Rozvvadow: L. Wiesen, S. Feuer je 2.—, Salomon Reiss, IsraelGroß;,. Ch. S. 'Neumann, S. I. Nußbaum, B. Spargel, M. Storch, Ben-ha-am, B. Kupferberg, A. Gersten, Siegmund Grauer je .1.—, Weinberg, N. N. je —.50, zus. 15.—. *) Geld- und Briefsendungen sind zu richten an: Palästinahilfswerk für die jüdischen Kolonien, Wien, 18., Hasenauerstraße 43. Bei Einzahlungen im Wege der Postsparkasse bediene man sich mit entsprechendem Vermerk der Erlagscheine des Verbandes „Zion“ Nr. 47115. Juden, zeichnet Die Uesfmätfite in Ruftlanös Diensten. Ein neutraler Bevollmächtigter der Israelitischen Allianz, der sich einige Zeit in Paris und London aufgehalten hat, konnte zweifelsfrei' feststellen, daß Rußland mit Frankreich und England ein Abkommen geschlossen hat, nach' dein bis zum Juli 1916 alle in diesen Ländern ansässigen militärfähigen Russen an Rußland auszuliefern seien. Gegen wen diese Maßregel gerichtet ist, darüber belehrt uns eine Statistik,' aus der wir erfahren, daß 63 Prozent aller in Frankreich und England wohnenden Russen J ud e n sind. Alle Bemühungen angesehener Persönlichkeiten in London, das schwere Verhängnis von den Emigranten abzuwenden, blieben ergebnislos. Mehrere Rabbiner, die es wagten, öffentlich ihre Stimme gegen diesen Gewaltakt zu erheben, Sind ihres Amtes enthoben worden. Daß in der Presse der Fall nicht erörtert wird, dafür sorgt bestens die nach russischem Muster arbeitende Zensur. Wie der Gewährsmann mit aller Entschiedenheit berichtet, soh demnächst in England mit der zwangsweisen Abschiebung der russischen Juden im Alter von 18—30 Jahren der Anfang gemacht werden. Ihnen werden im September auch die Aelteren bis zu 42 Jahren folgen. Die erste Wirkung dieses Abkommens war eine ganz immense Zunahme der Auswanderung nach Amerika. Seit Februar bekommen aber die Auswanderer keine Reisenässe mehr ausgestellt, angeblich, weil Amerika militärpflichtigen Russen keinen Einlaß gewähre. So ergoß sich eine Zeitlang der Strom nach Brasilien, wo die Emigranten bitterster Not ausgesetzt waren. In letzterer Zeit wurden aber von Seiten der englischen Behörden auch dieser Auswanderung ein Ende gemacht und eS werden schon Vorbereitungen für den Abtransport der Juden nach Rußland getroffen. Ob und inwiefern für die hinterbliebenen Familien gesorgt wird, bleibt noch abzuwarten. Weit schlimmer verhalten sich die Dinge in Frankreich, wo alle Aeußerungen der Humanität zu Gunsten der russischen Juden gewaltsam zum Schweigen gebracht werden. Die Listen der zum 'Rücktransport Bestimmten sind bereits ganz Tertig und ohne ein Wort des 'Mit-i leids oder Mitgefühls werden die Tausenden bald aut den schon bereitstehenden Schiffen nach der lieblosen' Heimat abgeschoben werden. Das soh gewissermaßen auch eine dankbare Gegenleistung für die nach Frankreich geschickte russische Division darstellen. Es handelt sich um: 35—40.000 Männer, die als fleißige Arbeiter nicht wenig zur Entwicklung voi). Kleinhandel, Gewerbe und Industrie in Frankreich beigetragen haben.. Die öffentliche Meinung in Paris ist mit diesem Vorgehen vollkommen einverstanden und der wachsende Antisemitismus ist befriedigt, in der stillen Zeit des Burgfriedens wenigstens auf diese Weise seinen Gelüsten Genüge zu leisten.. Palästina nadi dem Kriege. Welches Verständnis man heute in deutschen christlichen Kreisen — im Gegensätze zu den bekannten jüdischen — den jüdischen Pa-* lästinabestrebungen entgegenbringt, beweist der nachstehende Artikel, den wir der Berliner „Neuen Preussischen Zeitung. Kreuzzeitung“, der man bekanntlich Judenfrqundlichkeit nicht nachrühmen kann, entnehmen: „Palästina ist das Heilige Land für Christen, Juden und Mohamedaner. Politisch spielt es gleichfalls eine große Rolle; die Großmächte England, Frankreich und Rußland betrachten es als ein Stück der Türkei, welches über kurz oder lang den Osmanen entrissen werden muß. In England ist oft genug verkündet worden, daß dieses Nachbarland des Suezkanals niemals in andere als englische Hände kommen; darf. Die Franzosen, welche Syrien a's ihre „Provinz“ ansehen, möchten ihren Einfluß auch auf Jerusalem und die heiligen Stätten ausdehnen. Man weiß, wie schmerzlich es für sie war, als der Deutsche Kaiser ihnen das Jahrhunderte alte Vorrecht nahm, sich als Beschützer des Heiligen Landes aufzuwerfen. Die Russen ha'ten es für ihre Aufgabe, das Land zu gewinnen, um den Zaren vor dem frommen russischen Volke als den großmächtigsten Beschützer der heiligsten Stätten der Erde zu feiern. Gerade die Russen haben es seit Jahr und Tag versucht, durch Errichtung zahlreicher Kirchen und . Anstalten ihren Einfh 3 dort geltend zu machen. Aber trotz dieses Litbeswerbens haben sie in Palästina nie Sympathien errungen. Man hat dort aus dem Kaukasus und aus Persien oft genug Erzählungen gehört über die Gewalttaten der russischen Knute, über die Bestechlichkeit der russischen Beamten und ihre erbarmungslose Un*erdrückung aTer Andersgläubigen. Unverjährbare Ansprüche auf Palästina machen mit dem größten Recht die Juden geltend. Sie können idie Heimat, das Land Abrahams, Isaaks und Jakobs, das Land, da Milch una Honig fließt, nicht vergessen. Der Zionismus hat dort, das muß man anerkennen. Großes geleistet. Politische Phantastereien aber sind es, wenn von England der Plan ausgeht, daß nach dem Siege des Vierverbandes, Palästina wiederum ein Reich Juda mit der Hauptstadt Jerusalem werden solle, das einen neutralen Pufferstaat bilde, der seine Befehle natürlich ausschließlich von der Themse erhält. Auf diesen Vorschlag hin haben die Zionisten ausdrücklich betont, daß sie in erster Linie ein gutes Einvernehmen mit der Türkei, mit der Macht, der Palästina gehöre, aufrecht zu erhalten wünschen. Nicht eine Schwächung, sondern eine Stärkung des OsmanenreicheS wünschen sie, und eine nationale Einigung der luden könne dazu nur förderlich sein. Es ist wahrscheinlich, daß nach dem Kriege eine stärkere jüdische Einwanderung nach Palästina stattfinden wird, nicht aus dem Westen- Europas, wo cs den Israeliten gut geht, sondern aus Rußland..Was haben diese armen russischen und polnischen Juden in.den letzten Jahrzehnten und ganz besonders aber während dieses Krieges, Entsetzliches gelitten! Zahlreiche Pogrome haben stattgefunden; viele Zehntausende wurden von ihren Geburtsstätten vertrieben una ihrer Habe beraubt. Palästina und Syrien scheinen jedenfalls berufen, nach dem Kriege eine große Rolfe zu spielen. Der Präsident der osmanischen Kammer und viele andere haben es ausgesprochen, daß es das wichtigste Ergebnis des großen Weltkrieges sein werde, daß von der Schelde bis zum Indischen Ozean eine machtvolle Völkergruppe geschaffen wird, die sich gegen den englischen Eigennutz, den russischen Ehrgeiz, die franzöv sische Revanche und gegen die italienischen Verräter wendet. Syrien und Palästina sind aber ein wichtiges Bindeglied nach Mesopotamien und nach Aegvpten. Verbinden erst Eisenbahnen diese Länder mit Europa durch Palästina hindurch, so wird dort eine neue Zeit hereinbrechen, und es eröffnen sich weite hoffnungsvolle Ausblicke für die Zukunft. Die französischen Bahnen in Syrien und Palästina sind bekanntlich enteignet und zwangsweise von den Türken zurückgekauft worden. Es sind die Linien Jaffa—Jerusalem, die Libanonhahn zwischen Beirut und Damaskus, Horns und Trinoli, sowie die Verbindungsstücke des Anschlusses der Linie Beinit—Damaskus zwischen Rajak und Aleppo. Ueber den Weiterbau der Linie Nablus-Jerusalem, welche bis nach El Kantarah getrieben werden sollte, wird verschieden berichtet, jedenfalls ist diese Eisenbahn, deren strategischer Zweck auf der Hand liegt, in letzter Zeit außerordentlich weit vorgeschoben. Durch ingemeuse Einrichtungen hat man es verstanden, ähnlich wie bei der Mekkabahn, die schwierige Wasserfrage zu lösen.! Aegypten mit dem Suezkanal ist für Großhritanien, wie Bismarck sich einmal ausdrückte, das Genick. Möge es den Türken gelingen, England das Genick abzudrehen!“ Bus Der allgemeinen Kresse. Zionismus und Tagespresse. Die Tagespresse verschiedener Länder hat sich in letzter Zeit häufig und mit mehr Verständnis als früher mit dem Zionismus beschäftigt. In Deutschland sind in einer Reihe politischer Zeitschriften, wie „Preussische Jahrbü - eher“, „Grenzboten“, „Das neue Deutschland“ und in "roßen Tageszeitungen, wie „Berliner Tageblatt“, „Frankfurter Zeitung“ und „Kölnische Zeitung“ wiederholt Artikel erschienen, in welchen die Frage der Verwirklichung des Zionistischen Progrnmmes, häufig in Verbindung mit der Frage der Ostiuden, behandelt wurde. In den meisten dieser Artikel wird darzulegen versucht, daß die zionistischen Bestrebungen auf Wiederbeleb'mg des heiligen Landes den deutschen, auf die Erweckung des vorderen Orients gerichteten Tendenzen parallel laufen. In Frankreich hat Gustave Herve in seiner Zeitung „Victoire“ („Guerre Sociale“) den Zionismus des öfteren mehr oder weniger ausführlich behandelt und erklärt, daß die Verwirklichung des zionistischen Programmes für die Alliierten eines der Ziele dieses Krieges sein müsse. Auch die englische Tagespresse hat während des Krieges den zionistischen Bestrebungen wiederholt ihre Aufmerksamkeit zngewendet und ihre Svmpathien mit der Verwirklichung des zionistischen Programmes zum Ausdruck gebracht. Von besonderem Interesse sind zwei Artikel, die kürz’ich erschienen. - Die Zeitung ..The New Statesman“ bringt in ihrer Nummer vom 5. Februar unter der Uebersrhrift „Zionismus“ einen interessanten Aufsatz über die theoretische Begründun" und die Ziele der zionistischen Bewegung und behandelt im besonderen das Verhältnis der englischen Juden zum Zionismus, die dieser Bewegung merkwürdie vierte österr. Kriegsanleihe!