Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 18 (5.5.1916)
- Date
- 1916-05-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 18. flAnCKein .„Judenblatt“. Die .„'Wiener »Zeitung“ bringt'folgende Erlkenntnis »üeSSLandesgerichtes Lemberg: „MitErkenntnis «vom 1. Marz 1916 wurde die Weiter- «nedweitimg des im Jahre 1914 in Lemberg her- ■aiisgegebenen hebräischen Gebetbuches unter dem Titel „Sider Beis Jakob“. (Druck und Verlag, von David ’Balaban) nach §§ 58 e und 305 des /Strafgesetzbuches (Hochverrat und Aufforderung zu -strafbaren Handlungen) sowie der im Jahre 11907 in Hemberg herausgegebenen hebräischen Gebetbücher in zwei, bezw. fünf Bänden unter dem Titel „Machsor“ (Druck und Verlag von David Balaban) nach J§§ 58 c und 305 des Strafgesetzbuches veiboten.“ ■Wie .«ns -von sachkundiger Seite mitgeteilt •wirn, enthalten diese f ür de n V erkauf nach Raiß la nd .m Lemberg gedruckten Gebetbücher aas Gebet für. den russischen Zaren, das allein die 1 Veranlassung zum Verbote der Weiterverbreitupg »gegeben haben dürfte. Interessent ist, daß gerade der „Abend“, das -Organ des Teopoldstädter jüdischen Abgeordneten Dr. Ofner, es war, der an das obige Verbot .folgende Bemerkung knüpfte: „Es scheint, ' daß sich' seinerzeit die Herausgeber von Gebet- '"hudiem zu Sehr beeilten, den .geänderten Verhältnissen' 'Rechnung zu tragen“. Entgegen der feststehenden, von keiner Seite angezweifeiten Tatsache 'vom Patriotisfmus der jüdischen Bevölkerung GalizienS und der Bukowina, für welchen sie gerade unter den „geänderten Verhältnissen“ schwer büßen »müßte, scheut sich also der.,-Abend“ nicht, jüdische Herausgeber des -Hochverrats zu bezichtigen, wobei er ihn sogar ne.au Jahre—.bis! 1907 — zurückdatiert. Fürwahr, Gott bewahre die Juden vor den jjjuderiblättem“. ' Antisemitische Umtriefe Ja den Gefangenenlagern. Zu diesem Kajütel, worüber wir durch Publizierung eines Briefes russisch-jüdisChCr Kriegsvgefangener aus einem Gefangenenlager in Oe- Merreich1 in -Nr. 13 unseres Blattes berichteten, eiänelten wir das! nachstehende Schreiben, das -wir ohne 'Kommentar wiedergeben : //Neulich' las ich (selbst einen Brief aus der Feder -eines russisch-jüdischen Gefangenen, der "Sich ausführlich' (mit dem Besuche der russischen ,,-Roten-Kreuz-Schwestern“ befaßte. Darin •wird ü. &. erzählt, daß diese zwar der Verwaltung des Gefangenenlagers für die mustergültige Ordnung und die gute Behandlung der Kriegsgefangenen Worte1 der Anerkennung zollten, daß -sie es -ober für angezeigt erachteten, ihrem Unmut darüber Ausdruck zu geben, daß die .jüdischen Gefangenen ebensögüt wie die echt- TUSSischen behandelt und daß sie sogar — infolge ihrer Intelligenz natürlich — als Dolmetscher und Kanzleischreiber verwendet werden. Ferner-gaben sich diese „Rote-Kreuz-Schwestern“ Mühe^ durchzusetzen, daß bei der Verteilung der auS Rußland eingelaufenen Spenden die jüdischen Kriegsgefangenen ausgeschlossen werden. AIS sie aber von den amtierenden Organen «die Antwort (erhielten, daß die österreichische Wollweberei und verstehen insbesondere die ■Silberarbeit. Die feinen abeSsinischen Schmiedearbeiten wie auch die weithin berühmten und mehr gesuchten Filigranarbeiten in Gold und Silber sind fast immer unter den Händen der FalachaS hervorgegangen. An Fleiß und Scharfsinn eibeben sie sich über die Eingeborenen, Eine Zeit lang haben die FalachaS große Macht im Reiche besessen und eigenen Königen gehorcht -Fine ihrer Fürstinnen, Judi.th, zerißtörte an der Spitze ihrer 'Bewaffneten den Tempel von Axum, «um einen Aufstand nieder- 'zuschlagen. -Im zehnten Jahrhundert gründete -eine Falacha-Rrinzessin namens Sague (Ptenmui) v«on Lasta eine Dynastie, von der*es beißt, daß -Sie 400 Jahre lang am Rüder geblifeben. Dnrch Y«ek-on Memle.ket wurde die Majdht «der FalachaS gestürzt. Seitdem ist es mit ihferpolitischen Bedeutung vorbei und im Laufeder Zeit sind viele Fälachas durch die Christlichen Machthaber gewaltsam zum' Religions - Wechsel gezwungen -worden. Die Agau, ein den FalachaS verwandter . Stamm, beobachten gleichfalls israelitische Gebräuche. Die später eingewanderten Amhara haben-sich' mit den Agau vermengt üüd die natürliche Fdlge war eine Vermischung der beiden Völkergruppen und deren religiösen An- «chauungen. Auch1-ein-anderer Agau-Zweig, die Köm an- oder Kamau ten, welche nabe von «Gondarund in Schba wohnen, befolgen jüdische Gebräuche und Sitten. Sie erkennen MoseS als einen gottbegnadeten Propheten an, heiligen den Sabbathnnd -waren ‘früher dem ' jüdischen Ritus vollkommen ergeben; - jetzt stehen sie der christlidf-jakobitischen Mehrzahl «der Abessinier als Ketzer, Sekterier gegenüber und werden von Verwaltung nur Kriegsgefangene imd keine Juden kennt, wurde, das Geld von russischen gefangenen Offizieren unter allen verteilt, wobei sie aber nicht unterlassen konnten, bei jeder. Kopeke, die sie einem Juden ausfolgten, zu bemerken, daß dieses «in Raub sei.“ Vom „Sdhützengrabengeist“. J Seit dem 24. April 1916 erscheint in Lern!« berg ein deutsches Wochenblatt unter dem' Namen „Lemb ergerMontags-Zeitung“. Aus dem Programmartikel seien folgende Stellen hervorzuheben: „'Alle Völker der Monarchie haben Anteil an den gewaltigen Erfolgen unserer Waffen... Deutsche und Polen, Ukrainer und Juden liegen vereint im Schützengraben und setzen in treuer Pflichterfüllung ihr Leben für Kaiser und Reich1 ein . . . Die „Lemberger Montags-Zeitung“ sieht ihre vornehmste Aufgabe darin, den „Schützengrabengeist“ aus dem jetzigen Kriege in den späteren Frieden hinüber zu sichern. Den Tüchtigsten im Lande, einerlei, welcher. Nation oder Partei sie langehören, soll das Wort in dieser Zeitung gegeben Werden ... Die „Lemberger Montags-Zeitung“ sieht ihre wichtigste Aufgabe darin, der mitteleuropäischen" Oeffentlichkeit die reformbedürftigen politischen, kulturellen und Wirt-' -Schaft liehen Zustände Galiziens' aufzuzeigen, im besonderen die Zentralregierung auf die zahlrei che n Miß stände - im Lande aufmerksam zu machen, auf daß sie rechtzeitig Abhilfe Schaffe und im allgemeinen die öffentliche Meinung der Mittelmächte — an der uns allen sehr gelegen sein muß — über die galizischen Verhältnisse wahrheitsgetreu zu unterrichten ...“ Die erste Nummer enthält auch einen Artikel „P o I e n li n d Jude in“,, der sich' mit den verschärften polnisch-jüdischen Beziehungen be- ■ sonders in Russisch-Polen befaßt. Bevor die Redaktion der Frage hinsichtlich der Ursachen der „sich immer mehr ausbreitenden antisemitischen Bewegung der Polen“ nähertritt, reproduziert sie zunächst die auf persönlichen Wahrnehmungen beruhenden unparteiischen Schilderungen des Kriegsberichterstatters der „Arbeiter-Zeitung“ Wilhelm D ü w e T f. die auch unsere Leser interessieren dürften. Dü well schreibt (Arb.-Zeitg.“ vom 7. Okt. 1915): , „In ihren Hoffnungen und Interessen gehen Lithäuer, Juden und Polen nicht konform. Polen schwärmen von einem .neuen, vollständig Selbständigen polnischen Reiche, dessen Machtsphäre Sogar Lithauen umfassen soll. Die Vorstellung einer Solchen Möglichkeit erweckt bei den Lith'auem und vor allem bei den Juden Verstimmungen und Befürchtungen. Alle Juden, mit denen ich' darüber sprach, erklärten (mir un-l umwunden, Sie würden lieber unter russischer Herrschaft bleiben, als Angehörige eines selbstständigen Polen werden. Uebeihaupt für die RusSen als Menschen hat man Sehr viel Sympathie. Der eigentliche RusSe zeichne sich' durch' Herzensgute aus; der Pole sei härter und unduldsamer als der Russe. Man betrachtet die russische Herrschaft Sozusagen als Fegefeuer, mit einer polnischen Herrschaft fürchten" die Juden in die Hölle zu geraten. Was' man inRußdi'esen, wie auch von den Mohamedaner zurückgesetzt, ja mißhandelt. Nur der im Beginne seiner Regentenlaüfbahn staatskluge Negus Theodor II. hatte die Kömanten als treue und tan-.' fere Anhänger an sein Heerlager zu fesseln gewußt. " ' '; ' An der L o a n g o - Küste wohnen die C h a - robe oder Mavumbo, die als „Judeos“ oder „Ju-Ju“, Schwarze Juden, bekannt Sind. Diese sind im Ganzen eine wohlaussehende Rasse, ernster und zurückhaltender als die übrigen Neger und während sie sonst als ein ausgestoßenes und verachtetes Volk-betrachtet werden, nehmen sie in dem aus etwa 100 Häusern bestehenden Hauptdorfe M a k a v a, wo sie sich mit Handel beschäftigen, eine halb dominierende Stellung ein oder doch eine solche, daß sie von ihren Nachbarn geachtet und zum Teile selbst gefürchtet werden, doch haben sie sich Vielfach den eingeborenen Negern assimiliert. Sie beobachten jüdische Sitten und Gebräuche und feiern den Sabbath so streng, daß sie an diesem Tage (a'ueh nicht ein einziges Wort reden. Nach Goncalo Piriz nahm der Gouverneur Alvaro de Cäminha im 'Jahre 1492 nach der Insel St. Thomas 2000 jüdis'che Kinder von und unter sieben Jahren mit, die der König den kastilinischen Juden hatte wegnehmen und taufen lassen. Auf-der ältesten, in der Kathedale in . Herefords aufbewahrten Karte von Richard Haldingham (13. — 14. Jahrhundert) befindet sich der „Golfo dos Judeos“ in der später von den Bramas eingenommenen Gegend Loango’s, doch1 .ist über die genauen Umstände der Ansiedlung der .Judeos nichts Näheres bekannt. land als Qual empfindet, ist .idaS tierirschendei System; für (die NichtrusSen sind -damit Bedrückungen aller Art und moralische Martern verbunden. Diese lasten auch auf solche Familien, deren soziale Lage über sonstige russische Eigentümlichkeiten leicht hinweghilft. Mit dem Rubel kann (man Vorteile erkaufen, sich1 gegen Strafen schützen, der Militärpflicht entgehen, mancherlei ^andere Wünsche erfüllen Tassen und Uebel ablenken“. . M.H. , 's Das Versagen Ses rnssisihen Liberalismus in Der Judenfrage. Der sogenannte progresesive Block .der russischen Reichsduma hat in der Judenfrage völlig versagt und damit seine Prinzipien — und Charakterlosigkeit aufs Neue offenbart. Wie bekannt hatte der jüdische 'Abgeordnete Friedmann eine Dringlichkeitsinterpellation wegen der Zirkulare des Polizeidepartements und des .Steueramtes Ides! Finanzministeriums eingebradht. Diese Interpellation, wurde dann aus-einem gewissen technischen Grund durch eine Anfrage des Deputierten Bomasch ersetzt.- Den Interpellanten wurde ursprünglich die Unterstützung, der Kadetten und des, gesamten progressiven Blocks in Aussicht gestellt. Bald bekamen aber die! Kadetten mit Miljukow an der Spitze, der die Friedmannsohe Interpellation unterzeichnet hatte, Furcht vor der eigenen Courage und sie drangen in die jüdischen Abgeordneten, die Interpellation zuriiokzunehmen. Anfänglich ohne Erfolg. AIS die Anfrage zur Verhandlung kam, gaben Vertreter des Finanzministeriums und des Polizeidepartements frappierende.. Erklärungen ab. Sie konnten d.ie Richtigkeit der in der Interpellation aufgeStellten Behauptungen nidht leugnen, sie bestätigten die Existenz beider Zirkulare, die die gesamte russische Judenheit des Hochverrats und der Spionage bezichtigten und» ihr die allgemeine Teuerung und den Mangel an*Sdheidemünzen zur Last legten. Dabei berichtete der Veretreter des Finanzministeriums, daß das Zirkular des Steu’erdepärtements (wegen der Teuerung und des Scheidemünzenmängels) zurückgezogen worden sei. Der Vertreter des PolizeidepartementS Wiederum’ behauptete, die Beschuldigungen wegen des jüdischen Verrats ' stammen von /.höchst autoritativer Quelle“ und im' übrigen habe das Zirkular keine Pogromagitation bezweckt, da es nicht an den Pöbel, sondern bloß an untergeordnete Behörden gerichtet Worden Sei! Angesichts des offenen Eingeständnisses ihrer Schurkenstreiche seitens der Regierung und insbesondere des herausfordernden' Zynismus des PolizeidepartementS hätte man . wohl erwarten dürfen, »daß die demokratischen. Elemente der Duma die Gelegenheit zum entschiedenen Protest ergreifen würden. , 'Aber . weit gefehlt! Der rechte Flügel des progressiven' Blockes 'war von den Regierungserklärungen vollständig .„zufrieden gestellt“ und die Kadetten fügten sich1 Willig seinem Diktat. Sie waren es, die die' jüdischen Abgeordneten zur Zurücknahme der Anfrage zwangen, , mit der Drohung, daß man sie sonst durchfaTlen lassen werde. Der „progressive Block“ hat die Kadetten noch' rückgratloser und unzuverlässiger gemacht als sie es je gewesen sind. ■Wiewohl die jüdischen Abgeordneten sich plötzlich isoliert sahen und von einer Ablehnung der Interpellation einen schlechten Eindruck auf das Land befürchten mußten, So muß doch ih? Zurückweichen als .eine unverzeihliche Schwäche bezeichnet werden. Die Reaktionären werden sicherlich diesen unmännlichen Schritt weidlich ausinützen und ' ihn als Schuldbekenntnis der Juden hinzustellen suchen. Die jüdische Presse verurteilt denn auch einmütig die Haltung der indischen Abgeordneten. Sie ist der Ansicht, die jüdischen Abgeordneten hätten, gestützt auf ■ die Sozialdemokraten und die Arbeitsgruppe. durch Aufrechterhaltung und Begründung der Interpellation -der -Entrüstung der jüdischen Bevölkerung Ausdruck verteilten sollen. Die jüdische Oeffentlichkeit .verlangt immer dringender den Austritt der Jüdischen Deputierten aus der Kaderten-Fraktion ünd damit aus , dem „progressiven Block“. , _____ ' J. A. K. Das jüüisdie oitenilidie Dellen in Ungarn. (Von unserem Korrespondenten).)' Budapest, Mitte April. Am 8. d. M. fand im FeStSaale der Pester is'r. Kultusgemeinde ein Vortragsabend der Makkabäa Statt, der durch; seine Tagesordnung: „Das} ü d i s ch e ö f f e n 11 i c h e L e b e n in U ngarn“ in der ganzen Stadt allgemeines Aufsehen erregte. Als erster Referent'sprach Dr. Nikolaus Häjdu, . Redakteur "der Budapester Tageszeitung „A Nap“. Hajdu gehört wohl-der Zionistischen Partei nicht an, allein sein starkes