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Jüdische Zeitung · 1916-05-05 · 18 (5.5.1916) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
10 (1916)
Issue
18 (5.5.1916)
Date
1916-05-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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o NRTIDNRL -JÜDISCHES ÜRGRN Mit Beilage: „DER JÜDISCHE NATIONALFONDS“ ■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II., Ziricusgasse Nr. 33. — Sprechstunden B _ täglich von 11—-12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurfickgestellt — Abonnemensfsprefee: Für Oester- _ ™ reich-Ungam: Ganzjähr. K 10.—. tralbjähr. K 5.—. Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halb fahr. Mk. 5.—, viertel jähr. ™ ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 b. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telephon 45.325. | Nr. 18 Wien, Freitag, den 5. Mai 1916 — 2. Ijar 5676. Xi Jahrgang. Rieder ein Sdipill nadi oopwärls. Der verheerende Sturm des Weltkrieges, der viele Tausende (unserer Brüder aus ihren Wohnstätten in Galizien und der Bukowina riss und sie nach den Westprovinzen Oesterreichs in die Flucht jagte, hat dadurch, daß er OSt- und West- Juden in enge Beziehungen zu einander brachte, doch auch 'manches Gute gewirkt. So hat der Aufenthalt in Wien einer Anzahl führender Ziohis'ten aus Idem Osten .unseres Vaterlandes die Möglichkeit geboten, ihre Arbeit mit jener der hiesigen Führer zu verbinden und als Organ dieser. gemeinsamen (Arbeit, die nie so am Platze war, als (gerade zur Zeit der Kriegsnot, dasl Exekutiv komite'e der Zionisten Oesterreichs aufzurichten. Und diese Imorovisation des Exekutivkomitees hat sich vollauf bewährt, \vie schon der in der Pes'sachnummer unseres Blattes wiedergegebene Bericht über das in Wien und vom' Wien aus [geleistete Hilfswerk für die Kriegs-* , flüchtlingc dartut. Die so . stark beschickte VertrauenSmännerversammlung österreichischer Zionisten vom 5. Dezember v. J. hat denn auch' die Tätigkeit des Exekutivkomitees unbedingt anerkannt und dieser Anerkennung den schlagendsten 'Ausdruck durch1 den einhelligen Beschluß gegeben, das Exekutivkomitee solle die restlose Wiedervereinigung der zionistischen Verbände ‘Westösterreich1, Galizien und Bukowina in die Wege leiten. Das Exekutivkomitee hat diesen ihm erteilten Auftrag mit dem gebührenden Ernst zum Gegenstand seiner Obsorge gemacht. Im Bewußtsein jedoch, daß ein übereiltes Vorgehen bei Wiedervereinigung der in drei Teile zerrissenen Organisation eher Schaden als Nutzen stiften könnte, hat das Exekutivkomitee sich zunächst über die Stimmung auch der in der Provinz zurückgebliebenen . Gesinnungsgenossen orientiert una sich ihrer Zustimmung versichert. Nun. dies FEUILLETON. Die Juden in Abessinien.*) Von Professor Ludwig Mahler. Unter den in Abessinien, diesem merkwürdigsten und interessantesten Gebiete des afrikanischen Kontinents herrschenden Glaubensbekenntnissen ist das jüdische' zweiffellos das älteste. ES ist nun von Wichtigkeit,. festzusteilen, in Welcher sozialen Gliederung sich die abessinischen Juden (Falachas) angesiedelt haben, sich mit ihrer Geschichte während ihrer Vergangenheit und mit der Rolle bekannt zu machen, die sie in der Entwicklung des äthiopischen Kaiserreiches gespielt haben und zu erfahren, wie sie in einem von unzähligen Kämnfen erschütterten Reiche 'ihre Religion und Tradition haben bewahren können. In der Bibel lesen wir bekanntlich1 von dem König Salomo von Juda und der wissensdurstigen Königin von Saba, die aus dem glücklichen Arabien kam, „Salomo mit Rätseln zu versuchen“. *) Siehe Feuilleton in Nr. 7 vom 18: Februar, 1916. mit entsprechender Gründlichkeit geschehen, durfte ein entschiedener Schritt weitergegangen wer- . den. In Seiner letzten Sitzung vom 25. April hat das Exekutivkomitee, welches unter dqm Vorsitz seines Präsidenten Adolf Stand tagte, folgende bedeutsame Entschließung angenommen, die sich an alle Parteigenossenunserer Monarchie wendet und Sie zu entsprechendem Handeln verpflichtet : „DaS Exekutivkomitee der Zionisten Oesterreichs als die derzeitige Repräsentanz der österreichischen zionistischen Gesamtorganisation erklärt es für eine bindende Verpflichtung aller organisierten Zionisten Oesterreichs und deren Vereinigungen, während der Kriegsdauer keine wie immer .geartete Unternehmung politischen, wirtschaftlichen, kulturellen oder auch nur charitativen Charakters ohne Vorherige Fühlungnahme mit dem Exekutivkomitee in Wien zu Inaugurieren, mit Vertretern anderer politischer Parteien, Staatlichen, Lahdes- oder Gemeindebehörden zu vereinbaren oder in der Presse oder in öffentlichen Versammlungen zu propagieren. Ausgenommen von dieser Bestimmung sind ausgesprochen lokale Unternehmungen, deren unpolitischer Charakter außer jedem Zweifel steht. Ebenso spricht das Exekutiv-Komitee den Wunsch aus, daß die Ergebnisse der Sam’- meltätigkeit der beiden NationalfondS-Ländeskommissionen auch weiterhin als einheitlicher Ausweis für Gesamtösterreich zur Verlautbarung gelangen.“ Dieser Entschließung, welche auf einen Andes Gg. k. fc. ReichStatsrevisors T a u S s i g zurückgeht, ist umso größere Bedeutung zuzumesSen, als sie nach gründlicher Durchbera - tung mit sämtlichen Stimmen der Anwesenden in aller Form angenommen, und nach Annahme als die Verheissimg einer schöneren, reicheren Ein Sohn dieser beiden soll Menelik Ibn Hakim gewesen sein und von diesem leitet der Herrscher Abessiniens seine Herkunft" aj>. Eine alte abesSinische Chronik berichtet, daß in derselben Zeit, als König David In Israel herrschte, ein König gleichen Namens das Szepter von Aethiopien führte. Die Erbin dies'es legendären Königs war dessen Tochter Makad a. Diese, mit eigentlichem Namen N e g e s t a A d z a b a, trat der Sage nach zum Judentum1 über. Die „Kebra za Negest“, ein altabessinischesi Manuskript, in welchem die abessinische Königsgeschichte geschildert wird, meldet wiederum. daß der Sohn des Königs Salomo uria der Königin Makada, Menilik. in Jerusalem geboren, als Jüngling nach Abessinien zog, die Bundeslade der Juden nach Axum brachte, indisches Gesetz einführte und eine salomonische Dynastie gegründet habe. Es ist schwierig, zu ergründen, wieviel geschichtliche Wahrheit an jener ganzen Historie von der Königin Makada und von ihrem Besuche bei Salomo sein möge; soviel aber steht fest, daß schon in sehr früher Zeit jüdische Ritualgesetze ihren Eingang in Abessinien gefunden haben müssen. In solcher Ueberiieferung sniegelt sich vielleicht die Erinnerung an die Beziehungen, die Abessinien zu Arabien in frühester Zeit hatte; Zukunft unseres heimischen Parteilebens mit lautem Jubel begrüßt worden ist. An dieser historischen Sitzung hatten sich beteiligt aus Galizien die Gg. Adolf Stand, Dr. Anselm H alpe rn, Dr. Michael Ringel, Dr. Herseh S y - r o p und Löbel Taubes, aus der Bukowina die Gg. Dr. Salomon KaSsner und Dr. Theodor Weisseiberger, und aus Westösterreich die Gg. Ludwig Bato, (Adolf Böhmj, Obering. Robert Stricker, Rudolf Taus - slig, Dr. Paul Weisengrün und Dr. Egon Zweig. Es wird gewiß viele Zionisten geben, denen die Entschließung nicht weit genug geht und die — mit vollem Recht — die Ansicht vertreten, daß damit der von jener Vertrauensmännerversammlung dem Exekutivkomitee erteilte Auftrag zur restlosen Wiedervereinigung der aliösterreichisch-zionistischen Organisation noch nicht "erfüllt Sei. Doch nur gemach! Das 'Exekutivkomitee kennt Seine Pflicht und Vfird auf dem eingeschlagenen Weg weitergehen, zumal es tief davon durchdrungen ist, daß nur eine einheitliche zionistische Partei die Kraft und die Eignung besitzt, die wichtigste Aufgabe der nächsten Zukunft zu lösen. Diese Aufgabe besteht darin, die verschiedenen jüdischen Gruppen unseres Vaterlandes zu einem' einheitlichen Organ zusämmenzuschließen, welches die Wünsche und Forderungen der heimischen Gesamt-Judenschaft bei der Neugestaltung Oesterreichs mit Klarheit und Nachdruck vertritt. Es ist nun Sache jedes einzelnen Zionisten, die Erreichung dieses hohen Zides, dadurch zu fördern, dab er mit alTen Mitteln die Autorität des Exekutivkomiteesder Zionisten Oesterreichs kräftigt und verficht. Schon zeigt sich dasi heilsame Ergebnis dieser neubelebten Parteiarbeit im Aufschwung unserer Presse, unserer Fonds und aller unserer Unternehmungen, doch können und werden wir mit (vereinter Kraft ein Vielfaches erreichen — zum Wohle unseres Volkes, zur Ehre seines Namens. Dr. Egon Zweig. der deutliche Ursprung der Abessinier selbst; die .Erwähnung iüdischen Gesetzes ist gleichfalls! nicht zufällig. Trotz der Einführung deS Christentums, das nach den alten äthiopischen Kirchenurkunden im vierten Jahrhundert durch Frumentius und Aedesius dorthin kam', findet noch das zehnte Jahrhundert Bekenner des jüdischen Glaubens in Abessinien und noch heute zeigt das im Lande herrschende jäkobitisch'e Christentum, ein verzerrtes monophisitisches Bekenntnis, zahlreiche Anklänge an alttestamentarische Gesetzlichkeit, obwohl die religiöse Kultur sonst natürlich nach Aegypten neigte. Der Gottesdienst der Falachas, dieser den Agau (Agawj so sehr nahe verwandten Landeseingeborenen, ist ein Gemisch von altchristlichen und altisraelitischen Gebräuchen. Letztere, stammen aus der Zeit her, in welcher ein ver- -dorbenes, von vemenischen Arabern herübergebrachtes Judentum die Staatsreligion von Abessinien gewesen ist. Die Falachas halten den Namen Gottes hoch, heiligen den Sabbath am Sonnabend. verneinen die göttliche Abstammung Christi, schlachten Ostern am Feste der Freude ein Opferlamm, schätzen die fünt 'Bücher Mosis, leben jedoch1 wie die Mohamedaner streng abgegrenzt in den "Quartieren der Städte und irr besonderen Dörfern. Sie treiben Ackerbau, Handel, verschiedene Gewerbe, zumeist die Bau»-*

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