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Jüdische Zeitung · 1916-04-14 · 15-16 (14.4.1916) · p. Seite 10

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
10 (1916)
Issue
15-16 (14.4.1916)
Date
1916-04-14
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 15/16 des Pressgesetzes, e) Abfassung und Kundgebung von Petitionen, Adressen, Denkschriften und Aufrufen, f) Gewährung von Rechtsschutz an eines solchen bedürftigen Juden. Mitglied des Vereines kann jeder großjährige, eigenberechtigte, jüdische Mann sein, der das Staatsbürgerrecht in Oesterreich besitzt. Der mindeste Jahresbeitrag beträgt K 1.—. Juden Oesterreichs, wolltihr. in dem werdenden Neu-Oesterreich einen Anwart eurer, nationalen, politischen und wirtschaftlichen Interessen, wollet ihr die Zusammenfassung aller Juden des Reiches, dann schaffet durch Beitritt zum „Jüdischen Nationalerem in Oesterreich" eine starke politische Reichsorganisation. Für den Ausschuß: Ingenieur Robert Stricker, Obmann. Dr S. Kassner, Obmann-Stellvertreter. - M. Henisch, Sekretär. Beitrittserklärungen sind an das Vereinssekretariat, Wien, II., Zirkusgasse 33 zu richten. wo es an ein bereits absolut geschautes Unleben knüpft, wie in den Illustrationen zu Edgar Allan Po 1 ’s Werken, wirkt es sozusagen sekundär, hier verläßt den jungen Künstler seine Kraft, da er noch den selbständigen Werksinn nicht voll nützen kann. Aber Uriel Birnbaums 'Zeichnungen sprechen. Sprechen von heiligem Ernst, einem Vatererbe; sprechen von dem Sinn für das Gestalten des Absoluten. Es ist kein Wirklichkeitssinn; er geht über die Wirklichkeit hinaus zu den Wahrheiten, die alle bislang nur ahnten, auch die Künstler. Vielleicht ist das der Sinn der jüdischen Kunst, von dem die Macher und Makler ins Leere schwatzen. Sicher aber ist es Geist v o m Geiste des Judentums. Uriel Birnbaums Vätererbe. Er wahre es! Die Kraft dazu (es bedarf einer großen) verleiht ihm wohl sein Ernst. Wir hoffen und harren .... Juden Oesterreidis! In ernster Zeit tritt der „Jüdische Nationalverein in Oesterreich" an die österreichischen Juden mit dem Mahnrufe heran, sich zu sammeln und zu organisieren. Die alte Habsburger-Monarchie wird nach dem Kriege, nach siegreicher .Ueberwindung ihrer äußeren Feinde an ihren inneren Umbau zu einem modernen Völkerstaate, zu einem' Rechts- Kultur- und Wirtschaftsstaate schreiten müssen. Anläßlich dieses historischen Momentes werden alle Nationalitäten mit ihren Forderungen herantreten. Berücksichtigung aber werden nur jene finden, hinter welchen starke Organisationen als Machtfaktoren stehen. Die Juden der Monarchie werden dann trotz ihres während des Krieges mit den größten Opfern von Blut und Gut betätigten österreichischen Patriotismus einen harten Kampf für die Gleichberechtigung als N a t i o n, Religion und Staatsbürger führen müssen. Der „Jüdische Nationalverein in Oesterreich“ der auf reichstreuer und volkstreuer demokratischer und sozial-reformatorischer Grundlage fußt, erstrebt in erster Linie die Anerkennung der Juden als gleichberechtigte Nationalität in unserer Monarchie. Um diesen Kampf für seine jüdisch-nationalen, modem-österreichischen, demokratischen und sozial-reformatorischen Anschauungen energisch führen zu können, ist es unerläßlich, daß dies durch Massenbeitritt der Juden Oesterreichs ermöglicht wird. Schon jetzt harren des „Jüdischen Nationalvereines“ wichti Te Aufgaben sozial-wirtschaftlicher und nationalpolitischer Natur, an deren Lösung er jedoch naturgemäß während des Krieges unmöglich herantreten kann. Umteb früher und intensiver ward daher seine Wirksamkeit auf allen diesen Gebieten nach dem Kriege einsetzen müssen. Nun gilt es die gegenwärtige Kriegszeit gehörig auszunützen, diese Arbeiten vorzubereiten, sich gleich den anderen Völkern der Monarchie zu sammeln und zu organisieren. Mögen sich allerorts die gesunden, treujüdischen Elemente in den Dienst dieser wichtigen Organisierungsarbrit stellen. Besonders aber die Juden im Osten der Monarchie, die sich gerade während dieses Krieges vom Wert einer politischen Reichsorganisation mit dem Sitze in der Reichshauptstadt, welche ihre Interessen und Beschwerden direkt und nachdrücklich bei den Zentralstellen zu vertreten in der Lage ist, überzeugen konnten. Der „Jüdische Nationalverein in Oesterreich“ ist ein politischer Verein. Sein statuarischer Zweck ist die Stärkung des jüdischen Stammesbewußtseins, die Wahrung und Förderung jüdisch-nationaler Bestrebungen und Einrichtungen, sowie die Geltendmachung der Interessen der Juden Oesterreichs auf politischem, kulturellem' und wirtschaftlichem Gebiete. Die Mittel zur Erreichung dieses Zweckes sind: a) Abhaltung von Versammlungen, b) Veranstaltung von Vorträgen und geselligen Zusammenkünften, c) Aufstellung und Unterstützung gesinnungstüchtiger Kandidaten für die verschiedenen öffentlichen Vertretungskörper in Oesterreich, d) Herausgabe und Verbreitung von Flugschriften, Broschüren und anderen Druckschriften gemäß den Vorschriften Die Osfjaüenlrage und die jüdisihe Presse Detihdilands. Im allgemeinen kann man sagen: die jüdische Presse Deutschlands, soweit uns bekannt geworden ist, hat sich in der Ostjudenfrage gut gehalten — mit wenigen, Ausnahmen, und von diesen Ausnahmen sollen hier einige Proben gebracht werden — möglichst ohne Kommentare. Jene gute Haltung ist nicht nur auf die zionistische und die ihr richtungsverwandte beschränkt geblieben — was selbstverständlich gewesen wäre —, sondern auch Blätter von der Art des Hamburger „Israelitischen Familienblattes“, welch letzteres seit dem Technikum - Streit" als ein Organ derer um Paul Nathan gegolten hat, haben eine fast tadellose, Haltung eingenommen;.' Das heißt: sie haben versucht, der Eigenart der polnischen Judenheit gerecht zu werden, nicht die Schablone des westeuropäischen Philisters als einzigen Maßstab an sie anzulegen und haben nicht nur die bürgerliche Gleichberechtigung gefordert, sondern auch gewisse völkisch-kulturelle. Rechte; besonders aber allen Versuchen der Antisemiten, Grenzschluß-Vorkehrungen gegen die Ostjuden treffen zu lassen, wurde heftiger Widerspruch entgegengesetzt. Kurz: sie haben ihre westeuropäischen Assimilationstheorien auf unseren! Osten nicht übertragen und irgend einer mehr oder weniger stärken Solidarität mit den Ostjuden Ausdruck verliehen,. Allerdings muß man bedenken, daß diese ihre Stellungnahme bei dem einen oder anderen der Redakteurenicht ganz oder allein von jüdischen Beweggründen diktiert war. Fast die ganze deutsche allgemeine Presse hat ja bekanntlich gegenüber den Ostjuden gewissermassen dieselbe Stellung einge- / nommen. Wenn die „Preussischen Jahrbücher", der „März“ und der „Tag“ die Eigenart der polnischen Juden allgemein und gesetzlich anerkannt wissen wollten — wie konnte der Zen- * tralverein eigentlich anders wollen? Das Interesse Deutschlands erheischte die richtige Einsicht, daß nachdem die Letten, Balten, Polen und Finnen die in sie gesetzten zentralmächtefreundlichen Hoffnungen enttäuscht hatten, nachdem der Verrat der einheimischen Bevölkerung so viele schmerzliche Ueberraschungen gebracht hat, nur die in den östlichen Okkupationsgebieten wohnenden Deutschen und Juden als absolut. verläßliche Elemente angesehen werden können. — Wie dem auch sei, die Tatsache an sich ist für uns' erfreulich, wenn auch1 manche wohlwollende Perspektive oft vielfach schief . , und durch Nebenabsichten und' -Wünsche stark ' verdunkelt war. Auch von den erwähnten Ausnahmen muh gesagt werden: uns ist keine jüdische Zeitung Deutschlands bekannt, die sich grundsätzlich und einseitig auf den Grenzschluß - oder Polonisierungsstandpunkt gestellt hätte, die Ausnahme bestand nur darin, daß diese Blätterauch solchen Standpunkten Raum gewährten; sie ließen

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