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Jüdische Zeitung · 1916-04-07 · 14 (7.4.1916) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
10 (1916)
Issue
14 (7.4.1916)
Date
1916-04-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Nr 14 Seite 2 ‘JÜDISCHE ZEITÜNÖ ln seinem in Petrikau gehaltenen Vortrage äußerte sich Moraczewski ungefähr folgendermaßen : ,Ihr Polen in Rußland habt in letzter Zeit eine stark antisemitische Politik betrieben. Es waren auch viele Gründe dazu vorhanden, vor allem, weil die Juden hier ein russifikatorisclies Element bilden. Eure Politik iden Juden-gegenüber war also' mehr alsgerechtfertigt. Denn es ist schon so mit den Juden, daß sie immer sich der'regierenden Mehrheit anschließen. In* Galizien sind aber wir Polen die regierende Mehrheit — und die Juden sind in Ostgalizien ein polonisierender Faktor. Ohne die Juden würden wir Polen in Ostgalizien zu einer verschwindenden Minderheit herabfallen, Ostgalizien würde einen rein ukrainischen Charakter annehmen.'.Wenn wir durch die antisemitische Politik die Juden von uns abstoßen; wird unsere politische Bedeutung in Ostgalizien westwärts über den Fluß San hinausr gedrängt werden.. Denn mit unseren eigenen Kräften können wir uns dort nicht halten. Im Interesse unserer! politischen Vorherrschaft in Galizien müssen wir also die Juden an uns fesseln und dürfen absolut nicht dem Antisemitismus fröhnen, da sonst Ostgalizien die Gefahr läuft, ukrainisch zu werden' usw. usw. Abgeordneter Moraczewski wurde im Wahlbezirk Stiyj (Ostgalizien) und mit den Stimmen der ukrainischen und jüdischen Wähler gewählt. Es wird für dieselben gewiß nicht ohne Interesse sein, zu erfahren, wie Herr Moraczewski über die ukrainische und jüdische Frage denkt.“ Was sagen dazu die jüdischen Genossen Dr. Liebermann und Diamant? Tun wir unsere Pflicht und steuern wir dem Palästinahjlfswerk für die Kolonien bei. Unsere Pioniere tun das ihrige, sie. essen bloß an i sechs Tagen der Woche! j Georg IkaiOes Bier Oie jüöisdi: polnlsdien Beziehungen. Der Kopenhagener Korrespondent des in Lemberg erscheinenden jidischen „Tagblattes “ wiedergibt in einem längeren Artikel in Nummer 79 dieses Blattes die Ansichten des berühmten jüdisch-dänischen Professors Georg Brandes über die jüdisch-polnischen Beziehungen. Diese von Brandes in freien Gesprächen mit dem genannten Korrespondenten geäußerten Ansichten sind umso bedeutungsvoller, als er bekanntlich vor anderthalb Jahren gegen die Polen in einem offenen Briefe auftrat, in welchem er sie für die-vielfachen, den Juden zugefügten Leiden in -scharfen Worten geisselte. Der Korrespondent! erzählt eingangs, wie Brandes jetzt insbesonäere von den kleineren Völkern in Europa mit verschiedenen Schriften überflutet wird, die ihn im Sinne ihrer besonderen Bestrebungen und Wünsche zu beeinflussen bemüht sind. Namentlich sind es die Polen, die -„kein Mittel unversucht lassen“, um das Wohl- 'wollen Brandes wieder zu gewinnen. Wieder wird -Brandes von Polen verschiedener Länder regelmässig aufgesucht, die ihn über die polnischjüdischen Beziehungen zu belehren suchen und selbst ein Luigi Luzatti ließ es sich nicht entgehen, ihm einen polnischen Delegaten zum Zwecke der- Informierung über diese Beziehungen -zu empfehlen. Die Gräfin Ledachowska, die behufs Organisierung der philanthropischen Hilfe für Kongress-Polen letztens *ihr Domizil nach Stockholm verlegte, wendet Brandes große Aufmerksamkeit zu und behelligt ihn unausge- *setzt mit ihren Briefen über die polnische Frage. 1 Natürlich bleiben all diese Bemühungen der Polen nicht ohne Erfolg. So gelang es neulidi der Kopenhagenerpolnischen Kolonie, Brandes für einen öffentlichen Vortrag über die Polenfrage zu gewinnen. Trotzdem hält Brandes alle seine gegen die Polen erhobenen Vorwürfe aufrecht, da sie auf Wahrheit beruhen. Der Käaipf zwischen Polen und Juden — meint Brandes — dürfe nicht mit einer Erbitte'rüng'geführt werden, die jegliche Verständigung ausschließt und nur noch zu'gege-nsei- -tiger Raserei führen würde. Eine Verständigung müsse angebahnt werden. Diese aber wäre nur dann möglich, wenn einerseits die Polen als Stärkere, den Schwachen .gegenüber weit menschlichere Methoden an- : wenden und wenn andererseits sowohl. Polen ■ als auch Juden gewisse Grundsätze anerkennen würden. Und zwar müßten die Juden ihrerseits . anerkennen,- daß ein selbständiges Polen es nicht dulden könnte, daß sein Staatswesen nicht ausschließlich polnisch bleiben sollte und demzufolge müßten die Juden alle Forderungen aufgeben, die eine Abschwächung; dieser Ausschließlichkeit des polnischen Staatswesens nach sich' ziehen würden. Ferner müßten sie die Ausschließlichkeit der polnischen Staatssprache anerkennen, deren Unterricht sie in den eigenen Schulen intensiv zu pflegen hätten. Andererseits sollten die Polen begreifen, daß es — einerlei ob man sich mit dem jüdischen Nationalismus befreundet und die Assimilation an sich völlig ablehnt, oder man den jüdischen Nationalismus perhorresziert und glaubt, daß in absehbarer Zeit eine vollständige Assimilation eintreten werde — in jedem Falle unmöglich sei, gegenwärtig die Eigenart einer Dreimillionenbevölkerung nicht berücksichtigen zu wollen. Man müsse mit dieser Eigenartigkeit in Bezug auf Sprache, Kultur und Religion rechnen und jedwede gewalttätige Unterbindung dieser Eigenart vermeiden, da sie zur Brutalität und zur eigenen Schwächung führen würde. Nur auf diese Weise — meint Brandes — könnte eine Verständigung ermöglicht werden, eine Verständigung, die so sehr im Interesse beider unterdrückten Völker liegt. Brandes vermag es auch kaum zu fassen, wie denn der alte vehemente polnische Freiheitstrieb, den der polnische Adel selbst dem russischen einimpfen konnte, in den letzten Jahren so sehr erlahmte. Es ist ihm auch nicht recht verständlich, daß Idealisten vom Schlage S w i etochowskis ^ich in so nationalistische Chauvinisten verwandelten. Wilhelm Feldmann den Brandes im Jahre 1893 in Galizien als Sozialisten kennen lernte und der ihn seinerzeit .in eine geheime Sozialistensitzung einführte, ist heute kaum noch zu erkennen. Feldmann" wirkt heute unter deutschem Einfluß, er schreibt vermutlich auf Kommando und bedient sich in seinen „Polnischen Blättern“ selbst der Geschichtsfälschung, um nachzuweisen, daß die Annäherung zwischen Deutschen und Polen geschichtlich gerechtfertigt ist. Schließlich kam Brandes auf die Broschüre Binjamin Segels über „die polnische Judenfrage“, die gerade vor ihm lag, zu sprechen. Er hat sie bereits-gelesen und äußerte sich über sie in Worten größter Empörung, schon wegen ihres unkulturellen und pöbelhaften Tones. Palästinahlllsmcph für die jüdischen Kolonien. 4. Ausweis. Sammlung Leutnant Artur Felix im1 Felde: Stabsarzt Prof. Dr. E. Weil 100.—, Ing. Leutn. Artur Felix 100.—, Offizial Dr. Arnold Tamas 20.—, Oberleutnant Otto Schön 20.—, zusammen 240.—; Sammlung Frau Paula Haas, geb. Rechnitzer in Bihac (Bosnien) und in Bosn.-Gradiska 200.—x (s. Spezifikation unten), Sammlung Frl. Klara und Scheindl Kohn: Gesammelt impolnischen Gymnasium Wien, 8., Albertgasse 100.30, Fanny Borak 10.—, Emma Kohn 5.—, Josef Kohn 4.—, Dr. Wassermann 3.—, Eva Kohn, Juda Kohn, Thau und Nagler je 1.—, zusammen 126.30, Sammlung Einj.-Freiw. Salomön Schlichter in Nikelsdorf bei Bielitz 105.32 (s. Spezifikation unten), Verbindung „Judäa“ Lemberg 100.—, Sammlung Frau Dr. Schnirer, Wien: Dr. M. ,T. Schnirer 50.—, Ida Mittler 20.—, Jenny Kronstein 10.—, N. N. 5.—, zusammen 85.—, durch Abraham Zahler, Kolomea 75.— (Spezifikation in der nächsten Nummer), Sammlung Fanny .Weiß: Direktor Liebermann 50.—, Leopold Kanitz 20.—, zusammen 70.—, Sammlung Simon Picker,' Wien 61.50 (s. Spezifikation unten), Sammlung im k. k. Willielminenspital, Wien: Dr.Grünwald, Dr. Goldberger, Dr. Edelmann, Dr. Wolf je 10.—, Med. Braunstein 2.50, Einj.-Freiw. U. J. Eugen Höflich 10.—, Med. Agid, Med. Ravinowitsch je 2.—, zusammen 56.50, Hermann Tropp (Stanislau) derzeit Baden 50.—, durch San.-Fhr. Walter Reiß aus dem Felde: H. Kurd, Amster- . dam, zu Ehren seines gefallenen einstigen Schulkollegen Leutnant Richard Stangl "50.—, San.-Unteroff. Salomon Bergmann aus dem1 Felde 33.—, Isidor Gewitsch, Wien 30.—, Heinrich Diamahdstein 30.—, F. Bardach, Wien 20.—, Komm.-Rat/ Otto Beck, Wien 20.—, Ing. Oskar Kramer 20.—, Kadett Boruch Gruberg, Wien 20.—, Inspektor Mofiz Bergl 20.—,' Sammlung Chajim Gutmann, Tarnobrzeg 14.40 (s. Spezifikation unten), Sammlung Robert Guttmann, Präg 12.—, Dr. Georg Weiner, Wien (neuerliche Spende) 10.—, Ing. Viktor Luftschitz, Klosterneuburg 10.—, Alois Fischl, Klosterneuburg 10.—, Alexandrowitsch 10.—, Dr. S. Satz, Wien 10.—, Felicia Medlinger, Wien 10.—, Dr. Arthur Immerglück 10.—, Dr. R. S., Wien (neuerliche Spende) 8.—, Feige Barasch, Zlocow 5.20, Samuel Kohn, Wien 5.—, Heinrich Lermer, Wien 5.—, Edmund Hacker, Wien 5.—, M. H., Wien 5.—, Josef Weiß 5.—, Em. Kollmann Wien 5.—, J. Grünwald, Prerau 5.—, Frl. Freiwillig, Lanzendorf 4.—, Sammlung Taubenfeld 2.36, Dr. Anselm Kleinmann, derzeit Matzen 2.—, Dr. Carl Weihrauch (Czemowitz) derzeit Matzen 2.—, Simon Groll aus-dem-Felde 2.—, Hermann Brender 2.—, Moritz Berl, Wien 2.—, Ltnt. Ch. Winlienn 1.—, Braver 1.—. K 1.575.58 Selbstbesteuerung: Felicia Medlinger, Wien 5 Monatsraten per 2.—. K 10.— K 11585.58 Gesammelt durch das Zionistische Distriktskomitee für Böhmen in Prag: Sammlung Ing. E. Pollaczek: Frau Nowotny, Prag 10.—, Fritz Neuberg, Leitmeritz 200.—, Oberleutnant Drucker Brünn 20.—, Obltnt. F. S., Leitmeritz 2.—, zusammen K 232.—, Dr. Robert Weltsch, Prag 50.—, Ing. E. Thein, Kralup 10.—j Jul. Epstein, Krumau 10.—, Irma Kohn, Mestomitz 8.—. Zusammen K 310.— Summe K 1.895.58 .Hiezu früherer Erlös - „■ 3.470.04 Somit bisher K 5.365.62 Sammlung Frau Paula Haas, "eb. Rechnitzer in Bihac (Bosnien): Josef D. Israel 10.—, Bertha Körbel 10.—, Albert kechnitzer 10.—, Jakob Kaveson 6.—, Hermine Ueiger, J. Pollacsek, Cäcilie Rechnitzer je 5.—, Bematnni, Br. J.L., Ester Levy, Juda Levy je 4.—, Elsa Schön 3.—, Simdia Atias 2.30, Abram Abinun, Lina Altarasz, Avram und Asiel Atias, Eugen Ehrenfeid, Solei Israel, Avram Levy, Bukas Israel, Kaveson, Salomon Kaveson, Haim Levy, Erna Rechnitzer, Paula Rechnitzer—Haas, lda Kechnitzer, Blanka Maestro je 2.—, Ester Atias, Religionslehrer Atias, Altarasz, Baruch, Eckstein, B. Eckstein, B. Friedmann, F. Israel, Simcha Kaveson, Levy je 1.—, div. —.50, ferner in ßosn.-Gradiskä: Isabella Rothschild 16.—, Abraham J. Elijau,' Dr. Ferdinand Engel,. Bernhard Spitzstem, Josef Spitzstein je 10.—, Rudolf Rechnitzer 6.20, Ing. Oskar Grof, Josef Groß, Dr. Ludwig Schwarz je 5.—, Josef A. Elijau, Max Kaiser, Josef Fodor je 4.—, zusammen K 200.—. Sammlung E. Fr. Salomon Schlichter bei der; 3. Kompagnie des. 55. Inf.-Reg. in Nikelsdorf bei Bielitz: Bernhard Nadel 20.—, J. Nachmann 15.—, Dr. Heinrich Sterner 5.12, Salo Schlichter 5.—, Josef Pesches 5.—, Abraham Huppert, Eduard Kempler je 3.—, H. Pfeffer, Ch. Marder, Dr. S. Ehrlich, Rachmiel Schwarz, Perlmann, J. Zuckerkandl, Isak Epstein, Reichmann, K. Schneider, je 2.—, A. üottlieb, J. Hefter, B. Nadel, N. N., J. Banner, F. Halpern, W. Rack, S. Soroka, S. Brecher, J. Fischer, J. Mirberg, A. Abrahamowicz, J. Rakower, M. Groß, L. Leffler, J. Rattner, S. Höher, J. Petersiel, M. Kanzelpolt, M. Schik, P. Surkis, J. Lipsker, D. Holler, A. Beller, M. Blecher, M. Blutei, A. Leuchtling, B. Strauß, S. Klein, H. Kempler je 1.—, div. 1.20, zusammen K 105.32. Sammlung Simon Picker, Wien: Simon Pikker 25.—, Elsa Blatt, Leon und Marjim Brodbar je 5.—, Aron Picker 4.—, Obler (Czernowitz) 3.—, Aron Andermann Markus Kreindler, Joachim Pfefferkorn, E. Kreisel je 2.—, S. H. Roth (Lemberg), N. Ohrenstein (Delatyn), Baruch Picker, N. Malamath, Margulies, Emanuel Lagstein, Plescher, Weinreb, O. Horowitz (Stryj) je 1.—, div. 2.50, zusammen K 61.50. Sammlung Ch. Guttmann, Tarnobrzeg:. Wiesenfeld, Schuldmann, je 1.—, Fränkel, Guttmann, Braver, N. N., Wiesenfeld je —.60, div. Spenden 9.40,; zusammen K . 14.40. Hos 9er allgemeinen fresse. In Heft 6. der „Deutschen Arbeit“ macht ,G. Fittbogen, ein bekannter Germanist, der in letzter Zeit wiederholt, mit Aufsätzen literarisch-politischen Inhalts hervorgetreten ist, auf die Wichtigkeit und Aktualität der Ostjudenfrage aufmerksam. „Denn wie auch die politische Zukunft der westlichen Gebiete des heutigen Rußlands sich gestalten möge, das Problem des östlichen Judentums wird nicht wie- ' der einschlafen.“ Merkwürdig ist nur, daß der Verfasser seine Kenntnisse aus den Romanen ■ von K. E. Franzos schöpft, eine gewiß sehr anfechtbare und subjektiv gefärbte Brille. Doch zeigt diese, uns überraschende Art, sich über, einen so wichtigen Gegenstand zu orientieren, von neuem, wie wichtig die eben erst begonnene Aufklärungsarbeit ist. Die Tatsache aber, daß eine meist nur böhmischen Fragen zugewandte Zeitschrift, dieses Problem in den Kreis ihrer Betrachtung zieht, darf nicht übersehen werden. Die Notiz wird in keiner Weise positiv, sondern fordert zur allseitigen Informierung auf. * i In Hardens „Zukunft“ vom 26. Februar ist unter dem Titel: „Die Judenfrage in Polen“ ein Bruchstück aus der Schrift Dr. Richard Bahr’s, „Im besetzten Polen“, abgedruckt. Nach einer Einleitung, die sich' mit der ehemaligen Stellung der Juden in Polen befaßt, fährt der Autor fort: „Was der Judenfrage in Kohgreßpolen ihre verhängnisvolle, ihre, wie ich' . befürchte, schier hoffnungslose Gestalt gab, war großrussisches" Werk. Und so kann man mit ' Recht sagen: die Judenfrage als das düsterste Problem polnischer Zukunft ist von der russischen Regierung, genauer: der russischen. Regierung der letzten Jahrzehnte geschaffen worden, ■ - . Die Russen zerstörten das Land nicht physisch, ließen-die Grenzmarken1 nicht mehr unge- - rodet,' den Acker nicht, unbebaut: schon mit der moralischen Wüstenei glaubten sie ih- '. rem Ziel näh zu. kommen. Zu dem Ende wurde auf das Baltikum der Abschaum des russischen

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