Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 14 (7.4.1916)
- Date
- 1916-04-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2438141-2438572-2438586--4739-2444645- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JUDEuE ZEITUNG SflB NRTIDNRL -JUDI5CHE5 ORGRN »gg rmrum Mit Beilage: „DER JÜDISCHE NATIONALFONDS« JÜDISCHE ■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II., Zirfcingaase Nr. 33. —\ Sprechstunden ■ _ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt — Aboanemenstspreise: Für Oester- ■ reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, ftaibjShr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, faalbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr, | Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 b. — Postspaikassenkonto 133.404. — Telephon 45.325. ■ Nr. 14. Wien, Freitag, den 7. April 1916 — 4. Nissan 5676. X. Jahrgang. MITTLERER KONZERTHAUSSAAL Mittwoch, den 12. April 1916 8 Uhr abends, Jüdischer Liederabend Lieder und Dichtungen. Mitwirkende Künstler: Jüdischer Gesangsverein „Hakinor“ unter Leitung des Gesangsprof. Artur Wolf. MeaSteuermann von der neuen Wiener Bühne. Malvine Szter6riyi, k. k. Hofopernsängerin, Ferdinand Onno vom Deutschen Volkstheater, Opernsänger Max Hanke von der Hamburger Oper. Am Flügel: Elsa Kries-Hanke und Robert Weil. Karten zum Preise von K 6.— bis Kl.— an der Kassa des Konzerthauses, in der Buchhandlung Löwit, 1. Rotenturmstr. 22 und im Zionist Zentralbüro II. Zirkusgasse 33 sowie beim Palästinahilfswerk für die Kolonien, XVIII. Hasenauerstraße 43. von jenen überraschenden Aeußerlichkeiten auszugehen und sie als Auswirkungen eines Judenhasses zu erklären, wie ihn in seiner Brutalität und seinem Raffinement nur dasi finsterste Mittelalter gekannt hat. Gerade der beste Teil der Westjuden ist einer solchen Aufklärung zugänglich1 und man kann sich denken, wie sie in national gesinnten Kreisen mit freudiger Genugtuung aufgenommen worden wären. Denn /die Not der Zeit hat einen Zusammenhang suchen gelehrt. Und hinter der äußeren Nötigung erhebt sich bei den Besseren auch schon eine Würdigung und eine Sehnsucht nachl Verständnis. Damit wäre aber eine Einheit der auf dem Gebiete der Zentralmächte wohnenden Judenschaft eingeleitet und, wer die Geschichte der zionistischen Arbeit verfolgt, der weiß, daß eine ihrer stärksten Stützen bei all ihrer numerischen Schwäche gerade die Forderung nach Einheit des Volksganzen war und daß sie im Enthusiasmus ihrer Forderung ruhig die scheinbare Zerklüftung der Wirklichkeit übersehen durfte. Darum sind auch alle gegenwärtigen Ver- Ein vernachlässigtes Gebiet. Mit einer nicht unwichtigen Frage beschäftigt sich die in Wien erscheinende „Wahrheit“. (Nr. 10 von» 24. März 1916). Sie weist auf die seltsame Tatsache hin, daß in den gesetzlich! interkonfessionellen öffentlichen österreichischen Volks- und Bürgerschulen Lesebücher eingeführt sind, welche die religiösen Gefühle den jüdischen Schüler dadurch' verletzen müssen, daß sie so katholisch gefärbt sind, da sie oft genug Aufsätze über katholische Heüige enthalten. Bezeichnend ist es, daß gerade jüdische Privatschulen, so die Baron Hirsch-Stiftung, derartige Lehrbücher ihren Schülern vorlegen. Nur. Läßigkeit erklärt die Handlungsweise der Schul¬ Ost: uns Uesfjuöen. In letzter Zeit mehren sich die Zeichen, daß die bekannten östlichen Judenfeinde und ihre israelitischen Helfer sich einen neuen Angriffspunkt ausgesucht haben, der zu denken gibt: sie wollen einen scharfen Keil zwischen Ost- und Westjuden treiben. Und wenn wir die ganze Tendenz im Auge haben, so müssen wir gestehen, daß der 9treich ganz geschickt ausgedacht ist. Sie können ihrer Sache wirklich am besten dadurch nützen, daß sie die Gesamtheit des jüdischen Volkes in möglichst viele hilflose Judentümer zerschlagen. Eine gewisse Nervosität zwischen den beiden in Betracht kommenden Gruppen der Juden Mitteleuropas erleichtert ihr Vorhaben. Die wesentlich theoretische Kenntnis, die Ost- und Westjudentum vor dem Kriege von einander gehabt haben,. ist von einer gründlicheren Erfassung, der Wirklichkeit abgelöst worden und dabei gab es zahlreiche Reibungen und Verstimmungen, die leicht zu demagogischen Zwecken ausgebeutet werden können. Mitten in den welthistorischen Ereignissen stehend, besitzen wir längst noch nicht die für die ruhige Beurteilung der Eigentümlichkeiten der beiden jüdischen Gruppen notwendige Distanz. Verdächtigungen fliegen darum von beiden Seiten auf. Einerseits der bis zum; Philistertum gesteigerte Sesshaftigkeitssinn und der fast völlige Mangel an äußeren jüdischen Lebensformen bei den Westlern, andererseits die bei einer gewissen Erstarrung angelangte religiöse Entwicklung und die unter furchtbarem Drucke gewordene Moralität der Oestier bereiten solche Verdächtigungen mit Leichtigkeit vor. Noch sind auch die durch! den Flüchtlingsstrom in Oesterreich geschaffenen Schwierigkeiten auf beiden Seiten nicht vergessen. Die Aufklärungsarbeit über das Wesen der Ostjuden, die scheinbar der breitesten Oeffentlichkeit gewidmet war, hätte eigentlich! die westlichen Volksgenossen am stärksten ins Auge fassen müssen. Es war dabei notwendig, gerade suche eines bedingungslosen Zusammenschlusses_behörden gegenüber der gesetzlich gewährlei- ——~-v -- - ",— — :—.— -r~j —-steten— fnterkonfessionalitat nach § 9 desn.-o. von Ost und West von vomeherein mit dem Ge- L G vom, 25. 12. 1904, wodurch in allen Schulfühle aufgenommen worden, die Einheit an sich bedeute schon die Sicherung der Zukunft. Die Feinde des jüdischen Volkes, deren Geschicklichkeit und Wirklichkeitssinn wir gerade jetzt oft genug anerkennen müssen, haben sofort erkannt, daß alle ihre Anschläge aufs schwerste gefährdet sind, wenn ihnen das Ostjudentum nicht mehr hilflos ausgeliefert ist, sondern im Westen seinen Rückhalt hat. Damit schenkt keiner dem andern. Das Westjudentum bedarf vielmehr des unerschöpflichen Reservoirs und der geistigen Regsamkeit des Ostens, um nicht in seine kleinen örtlichen Einheiten zu zerfallen. Der Selbsterhaltungstrieb, aber nicht in der Form der Selbstsucht, spricht das entscheidende Wort. Und es mögen darum ostjüdische Führer, wenn sie auch einmal in Versuchung kommen, überdas Nichtverstandensein im Westen zu klagen, dafür Sorge tragen, daß immer mehr und mehr Licht über die politischen und kulturellen Zustände verbreitet werde, nicht aber jedes Zusammengehen als eine Gefahr eines Eingriffes verurteilen. Nochmals!: der Angriffspunkt, den sich die östlichen Judenfeinde und ihre israelitischen Hausknechte gewählt haben, ist geschickt gesucht und soll uns zeigen, welchem Fehler und welcher Gefahr ausgewichen werden muß. w. st. RunösAan. gemeinden, in denen es mehr als 100 jüdische Familien gibt, ein konfessioneller Vertreter zur. Wahrnehmung der religiösen Interessen ifer betreffenden Schulkinder garantiert ist. Aber nicht einmal in religiösen, also scheinbar wichtigsten Fragen des jüdische.n Lebens, steht eine mannhafte Vertretung für den gewährleisteten Schutz jüdischer Schulinteressen ein. * : » Für unser Seelenheil. In Chikago hat Ende vorigen Jahres eine stark besuchte Missionskonferenz getagt, auf der der fromme Wunsch ausgesprochen winde, die Sendung Christi an Israel in absehbarer Zeit erfüllen und andererseits dem jüdischen Volke die Rückkehr in sein altes Heimatland zu ermöglichen. Es wurde da von einem Judentäufling bekannt gegeben, daß im verflossenen Jahrhundert etwa 72.000 Juden zum christlichen Glauben übergetreten seien. Das bedeutet bei weitem mehr, als die Uebertritte zum Christentum aus allen anderen Bekenntnissen zusammen, denn auf 156 Juden kommt ein Täufling, während bei den Mohamedanem das Verhältnis 1 zu 525 beträgt. Die weiteren Aussichten für die Judenmission wurden dementsprechend auch als günstig bezeichnet. Das Ziel des Kongresses war, wie offiziell verkündet wurde, die Missionstätigkeit auf allen Gebieten anzuregen und zu fördern und es wurde zu diesem Zwecke ein internationales Komitee eingesetzt, das die Aufgabe übernahm, die Zweigvereine in ihrer Tätigkeit zu unterstützen. Wie wir sehen, wird für das Seelenheil der Juden übermässig gesorgt, während man ihnen moralisch und physisch unsägliche Leiden zufügt. Haram einpolnisdier SoziaUanoknt teio Antisemit sein kaan. Die „Ukrainischen Nachrichten“ bringen in Nr. 81 vom 2. April unter obigem Titel die nachstehende Notiz, die auch unsere Leser interessieren dürfte: „Der polnische sozialdemokratische Reichsratsabgeordnete A. Moraczewski bereiste in letzter Zeit die größeren Städte des okkupierten, Polen und hielt dort Vorträge über das politische Leben der Polen in Galizien.