Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 12 (24.3.1916)
- Date
- 1916-03-24
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZE1TUNQ Nr. 12 allein das Hebräische oder Hebräisch und Jidisch —' ist der Natur der Sache nach ein Unding. In dem Hebräischen liegen die starken Wurzeln der Jüdischen Kraft und des völkischen Bewußtseins, hier rauscht der Quell der nationalen Eigenart, der jüdischen Moral und Wissenschaft. Das Wesen des alten echten jüdischen Geistes kann nur gespeist und erhalten werden durch eine Pflege des hebräischen Schrifttums, neben dem die übrigen Bildungs¬ und Kulturaufgaben in dem Rahmen der allgemeinen Volks erziehlichen Veranstaltung einherzugehen hätten... „Das Ostjudentum erhebt den Anspruch auf nationale Gleichberechtigung mit den übrigen Nationen und ist der Ueberzeugung, daß die Ersetzung der bisher gepflegten Schulsprache, des Jidischen und des Hebräischen durch die deutsche Sprache eine Entwurzelung der jüdischen Schule bedeute und in nichts durch die Reformbedürftigkeit des bisherigen Schulwesens begründet werden könne.“ Bus io jüiisdieo Nell. Wie das Berliner „Komitee des Ostens“ soeben mitteilt, ist die berüchtigte Broschüre Binjajnin Segels „Die polnische Judenfrage“, die in der vorigen Nummer unseres Blattes gehörig' beleuchtet worden ist, von der deutschen Preßzensur beschlagnahmt Worden. * Einem Bericht des Newyorker „Tag“ zufolge, hat die amerikanische Regierung auf Vorschlagdes Vertreters des „Central Relief Comittee“, Mr. Albert Lukas beschlossen, ein besonderes Schiff mit Heilmitteln nach Palästina zu entsenden. Das Schiff soll bereits am 15. Februar abgegangen sein. m Das „Chamber of Commerce“ des Staates Newyork gab am 3. Februar einen Beschluß bekannt, demzufolge der Vertrag mit Rußland nicht eher abgeschlossen werden dürfe, bis Rußland die amerikanischen Juden in ihren Rechten den anderen amerikanischen Bürgern gleichgestellt habe. Die Baron Hirsch-Stiftung Ica befindet sich, wie man aus Tondoa berichtet, in einer kritischen Lage. Infolge des! Krieges hat die Verwaltung dieser großen jüdischen Kolonisationsi-Gesellschaft Schwierigkeiten mit ihren Geldern, die in Papieren festgelegt sind. Man hätte gern in Amerika einen Hilfsfonds aufgebracht; mit Ausnahme von Jacob H. Schiff, der 100.000 Dollar gab, hat sich noch keiner der jüdischen Millionäre erweichen lassen. - Weil er Cohn heißt, wurde in einem Londoner Rekrutierungsbüro ein in England geborener Jude, Sohn eines russischen Juden, zuiückgewiesen. Der Offizier meinte; Cohn sei ein deutscher Name; und er wolle nicht Leute deutscher Herkunft Alle Einwendungen halfen nichts, der Offizier blieb bei seiner Meinung; Herrn Hany J. Montefiore in London, der sich in der Preslse sehr wild gegen Deutsche und — gegen deutsche Juden gebärdet, erzählt „Jewish World“ folgendes neues Königsmärchen: König Salomon, der die Sprache der Tiere verstand, hörte einen Schmetterling, der an den Mauern des Tempels schabte, ausrufen: „Ich1 werde'es tun, Du wirst mich nicht hindern. Du sagst, ich solle nicht, aber ich will usw.“ Salomon fragte ihn: „Willst Du die Mauern meines Tempels niederreißen?“ „Mächtiger König“, entgegnete der Schmetterling, „Du weißt daß ich' derartiges nicht tun könnte.“ „Freüich weiß ich es“, erwiderte der König, „Warum sprichst Du denn eine solche törichte Prahlerei aus?“ „Ich meinte es nicht so, aber der andere Schmetterling, den Du sahst, war meine Frau, sie verhöhnte und ärgerte mich), da wollte ich ihr imponieren, das ist alles“ sprach der Schmetterling. Solche Schmetterlinge sind Sir Francis und seine Freunde. Im Pavillon-Theater in London hat dieser Tage eine besondere Shakespeare- Aufführung stattgefunden. Ein jüdischer Schauspieler, Moritz Moskowitsch, hat nämlich eine „jidisdhe“ Aufführung des „Kaufmann von Venedig“ veranstaltet, nur jüdische Kräfte darin beschäftigt und nur jüdische Zuschauer dazu geladen. Merkwürdigerweise war die Aufnahme der Vorstellung recht lau; das Stüde gefiel nicht; es war, wie sich einzelne ausdrückten, zu phantastisch und zu wenig glaubhaft. „Lächerlich!“. kritisierte ein alter Kunstkenner, „haben sie schon einmal etwas von einem Juden gehört, der blutgierig gewesen wäre?!“ auf, an der Schaffung eines ausreichenden Hilfsfonds für das ,arg bedrohte Siedlungswerk in Palästina energisch mitzuarbeiten. Zu diesem Zwecke erhält jedermann im Büro des’ Zentralkomitees (Wien, II., Zirkusgasse 33) sowie beim „Palästina-Hilfswerk für die jüdischen Kolonien“ (Wien, 18., Hasenauerstraße 43) Aufrufe und Sammelbogen in beliebiger Anzahl. Das Zentralkomitee macht zugleidi alle Gesinnungsgenossen aufmerksam, daß die Schekelsammlung pro 5676 bereits begonnen hat. Die Gg. in Böhmen und Mähren-Schlesien wollen Sich gefälligst wegen Zusendung der Schekelblocks an die betreffenden Distriktskomitees in Prag, bezw. Troppau, die Gg. Innerösterreichs!, Galiziens und Bukowinas hingegen direkt an das Z. K. unter Bekanntgabe der gewünschten Zahl der Blocks wenden. Zur teilweisen Wettmachung des infolge des Krieges naturgemäß entstandenen Ausfalles hat das Z. K. die Einhebung einer geringen Parteisteuer im Betrage von 50 h, die jedem Schekel aufgeschlagen wird, beschlossen. Das Z. K. legt Wert darauf, möglichst bald mit allen Orten des österreichischen Okkupationsgebietes, insbesondere aber mit den größeren jüdischen Zentren desselben, in Verbindung zu treten. Das Z. K. bittet daher die Gg. in denjenigen Städten dieses Gebietes, die mit ihm bislang nicht in Fühlung getreten sind, um Bekanntgabe der Namen und Adressen der für das Amt eines Vertrauensmannes in Betracht kommenden Personen. Anzeigen nu9 Korrespondenzen. Allgemeiner Jüdischer Arbeiterverein „Poale Zion“. Samstag, den 1. April, 8 Uhr abends, findet iui Hotel „Arco“, II., Rote Sterngasse 7, ein Mendele-Abend aus Anlaß des 80. Geburtstages von Mendele-Mocher-Sfarim statt. Es werden mitwirken Herr Dr. 1. Schipper, Herr Oberkantor I. Grob, Violinvirtuose Herr Max Läufer. — Karten zu K 1.— und K —.50 im Cafe Stefanie, II., Stefaniestraße 2, und in der Buchhandlung Löwit, I., Rotenturmstraße 22 erhältlich. Wir erhalten folgende Zuschrift zur Veröffentlichung : Auf Anregung des Freiherm Louis von Rothschild hat sich vor einiger Zeit ein „Oesterreichisches Zentralkomitee zur Währung der staatsbürgerlichen Interessen der jüdischen Bevölkerung im nördlichen Kriegsgebiete“ gebildet, welchem als Präsident Herr Landtagsabgeordneter Dr. Philipp Ritter von Gomptrz, als Vizepräsident Herr Reichsratsabgeordneter Kamill Kuranda, ferner die Herren: Kaiserlicher Rat Wilhelm Anninger, Richard Bettelheim, Universitäts-Professor Dr. Salomon Ebrmaan, Bergrat Max Ritter von Gutoiann, Direktor Dr. Paul Hamm'erschlag, Dr. Felix K atz au, Dr. Friedrich Kaufmann (Prag), Johann Kremenetzky, Moriz Edler von K u f f n e r, Dr. Arthur Kuranda, Direktor Wilhelm K u x, Jonas L ö \v - Beer (Brünn), Dr. Bruno P o 11 a c k Edler von Parnau, Dr. Arnold Rose nbac her (Prag), Herrenhausmitglied Hofrat Dr. Josef Schey Freiherr von Koromla, Gemeinderat Dr. Rudolf Schwarz-Hiller, Dr. Theodor Sonnenschein (Troppau), Sigismund Freiherr von Springer, Dr. Alfred Stern, Ingenieur Robert Stricker, Dr. Bela Taussig und Direktor Alexander Weiner angehören. Die Vertreter des Komitees wurden von den Spitzen der Zentralbehörden und den leitenden Persönlichkeiten der für die Verwaltung' des nördlichen Kriegsgebietes maßgebenden Aemtpr empfangen und hatten Gelegenheit, vor denselben jene Gesichtspunkte zu entwickeln, welche behufs Sicherung der politischen Gleichberechtigung und der kulturellen Hebung der jüdischen Bevölkerung dieser Gebiete in Betracht kommen Die Aufnahme des Komitees war bei allen diesen Empfängen eine durchaus wohlwollende und sachlich entgegenkommende. In einer Reihe dringender, die staatsbürgerlichen Rechte der jüdischen Bevölkerung berührender Fälle hat das Komitee im Wege schriftlicher Vorstellung Abhilfe erbeten. — Das Büro des Komitees befindet sich: Wien, 9., Universiüätsstraße 8. In Ergänzung dieser Nachricht sei auch auf die Mitteilung des Kriegspressequartiers vom 22. d. M. hingewiesen, wonach „in den letzten Tagen vom Feldmarschall Erzherzog Friedrich eine Abordnung des obigen Komitees empfangen wurde, die dem Erzherzog mehrere, die politischen und kulturellen Interessen der Juden im Okkupationsgebiete betreffende Wünsche unterbreitete. Der Armeeoberkommandant, welcher die Abordnung in huldvoller Weise empfing, anerkannte in Wannen Worten den Patriotismus, den die jüdische Bevölkerung Galiziens und der Bukowina Während des Feldzuges bewiesen hat, und unterließ auch nicht, ihrer Leiden während □□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ □□ □□ □ Die einundfünfzigste ordentliche § O Generalversammlung der k. k. privilegierten Zionlsiisdie Bewegung. Das Zionistische Zentralkomitee in Wien fordert alle Vereine und Vertrauensin änner □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □□ findet am 8. April 1916 um ij.,5 Uhr nachmittags in Wien, I. Teinfaltstraße Nr. 8, statt. UeiMUungssGegensiänile: a) Bericht des Gouverneurs. b) Bericht der Zensoren. c) Beschlußfassung über die Gesellschaftsrechnungen und die Verwendung des Gewinnes. d) Wahl von Verwaltungsräten. e) Wahl von zwei Zensoren. In dieser General-Versammlung sind jene Herren Aktionäre stimmberechtigt, welche mindestens vierzehn Tage vor dem Zusammentreten derselben, daher bis längstens 24. März I. J., fünfzig. Aktien nebst Coupons bei der Kasse der Gesellschaft in Wien (I. Teinfaltstraße Nr. 8) deponieren. □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □□ □□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□DO