Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 12 (24.3.1916)
- Date
- 1916-03-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 ’.ÜDISCHE ZEITUNÖ Seite 3 gen Rußlands?, sind in Gefahr. Die finanzielle Hilfe Amerikas wird den Verbündeten immer nötiger. Bedenken wir, daß wir sie nur .durch eine Aussöhnung zwischen den Vereinigten Staaten und Rußland erhalten können. Frankreich una England, die in den Berliner Vertrag die Schutzbestimmungen zugunsten der Juden Rumäniens aufnehmen ließen und den Grundsatz der Gleichheit aller Menschen proklamierten, müssen diese Sache in die Hand nehmen.“ Bemerkenswert ist an diesem, ohne Zweifel auf amtliche Anregung geschriebenen Artikel, wie die „Frankfurter Zeitung“ mit Recht hervorhebt, unter anderem der für den Stand der französischen Finanzen wenig schmeichelhafte Notschrei nach amerikanischem Geld. Und dann, wie schön ist es, wenn da die menschenfreundliche Teilnahme der „den Krieg des Rechts“ führenden Verbündeten an den Leiden der russischen Juden mit geradezu bewunderungswürdiger Offenheit damit begründet und sozusagen entschuldigt wird, daß man das amerikanische Geld braucht! Paläslinabiliswerlt Eiir Oie jüdisthen Kolonien. Nachstehend veröffentlichen wir den zweiten Ausweis unserer Sammlung für den bedrängten neuen Jischub in Palästina, der auch das erste Ergebnis der Tätigkeit des Zionistischen Distriktekomitees in Böhmen enthält. Der bisher ausgewiesene Betrag ist nicht hoch, wir stehen jedoch in den ersten Anfängen unserer Tätigkeit und alle Anzeichen sprechen dafür, daß sie bald von einem, der Zionistischen Organisation in Oesterreich würdigen Erfolge begleitet sein wird. Hiezu bedarf es der eifrigen und unermüdlichen Mitarbeit aller unserer Gesinnungsgenossen, gilt es doch eine für unsere Organisation außerordentlich wichtige Arbeit, an , der alle mittun können. Es ergeht daher an alle Gesinnungsgenossen die dringende Aufforderung, sich an den Sammlungen zu beteiligen. Aufrufe, Sammelbögen, Flugschriften und Erlagscheine versendet auf Wunsch das Büro des Palästinahilfswerkes (Wien, 18., Hasenauerstraße 43). Einige Vereine gehen bereits durch Veranstaltung von großzügigen Sammlungen und Fest* lichkeiten, Konzerten usw. zugunsten des Palästinahilfswerkes mit gutem Beispiel voran. 2. Ausweis. Dr. Leopold Meisel (Wien) K 200.—, Emil Wehle (Prag) 100.—, Erna Rappaport (Wien) 52.—, I. Seidener (Wien) 50.—, Emanuel Tisch (Bielitz) 50.—, Dr. Osias Herschdörfer (Alland) 50.—, Dr. Georg Halpem (Wien) 50.—, Sammlung Ludwig Pollaczek (Wien) 40.—, Kleinmann 10.—, Dr. Schwoner, Pollak je 5.—, Frl. Jäger 4.—, Dr. Gerstmann 3.—, Weisel, Pollaczek, I. Deutsch, Frl. Reiss je 2.—, Dr. Scheinmannj Winter, Bardach, Frl. Rybarz, Lissau je 1.—, Isidor Groß (Bielitz) 30.—, Bela Reschovsky (Wien) 30.—, 2. Sammlung Ludwig Bato (Wien) 26.—, (Dozent Dr. Isidor Klimont 10.—, Thoraspende beim Gottesdienst jüdischer Soldaten aus Ungarn 4. —, Dr. Goldscheider, Bergl, Lerden, Gutwillig, Frey er je 2.—, Siegelbaum und div. je 1.—), Dr. Paul Berger (Wien) 20.—, Dr. Alfred Loewy (Wien) 20.—, H. Altmann (Teschen) 20.—, Sammlung Robert Guttmann (Prag) 19.70, Sammlung H. S. Jakob (Nadwoma) 17.—, (Samuel Wittels 10.—, Simche Jakob 5.—, Salomon Jakob 2.—), Dr. phil. Karl Schalk (Mödling) 10.—, Dr. Alfred Lanzer (Wien) 10.—, Emil Mayer (Jamnitz) 10.—, Gustav Löw (Schönkirchen) 10.—, Ing. Fedor Ackermann (Wien) 10.—, M. Bodascher (Trebitsch) 10.—, Bernhard Jahr (Wien) 10.—, Prof. Leon Kellner (Wien) 10.—, Ing. Fischer (Wien) 10.—, Gebrüder Tartakower (derzeit Wien) 10.—, Alex Marmorstein (Wien) 10.—, Fritz Spitzer (Leipnik) 10.—, Benno Maier (Wien) 8.—, Alexander Landau (Wien) 5. —, Wilhelm Matzner (Mähr.-Ostrau) 5.—, Fritz Berger (Wien) 5.—, Ignatz Borger (Biala) 5.—, Leopold Löw (Misslitz) 5.—, Dr. Wilhelm Beigel (Wien) 5.—, Akademischer Maler David Kohn (Wien) 5.—, Anton Löw (Wien) 5.—, David Läufer (Wien) 4.—, Dr. Anselm Kleinmann (Matzen) 4.—, Oberländer u. Co. 4.—, Dr. Wilhelm Berkelhammer (Wien) 3.—, Arnold Nassau (Friedek) 3.—, Josef Schönblum (Baden) Ein Student (Wien) 3.—, Gustav Seidemann (Prijedor) 3.—, Verein „Theologia“ (Wien) 2.14, Leon Friedmann (Wien) 2.—, Hermann Sonnenfeld 2.—, Heinrich Freiwald (Wien) 2.—, Hugo Wertheimer (Wien) 2.—, Salomon Oberländer (Selbstbesteuerung für März) 2.—, Dora Brenner ner (Wien) 1.—. Zusammen K 982.84 Gesammelt vom1 Zionistischen Distriktskomitee für Böhmen in -Prag: Direktor Karl Resek 100.—, „Bar Kochba“ 1. Rate 130.—, Max Landsmann 5.—, A. Bobasch 5.—, Dr. Wassing 20.—. Zusammen K 260.— Summe K 1242.84 Früher ausgewiesen „ 876.50 K 2119.34 Aus Ser allgemeinen Presse. ~~ In der sozialdemokratischen „Neuen Zeit“ (Stuttgart) hatte sich ein Genosse, der unter dem Pseudonym „Sp.“ schreibt, gegen diejenigen gewendet, welche in Rußland das Land der politischen und nationalen Unterdrückung sehen una von seiner Zertrümmerung durch den Krieg die Freiheit seiner Völker erhoffen. Sp. aber, ein antinationaler Sozialist (Ein Israelit? — Red. „Jüd. Ztg.“) erwartet diese Freiheit nur von einer Revolution und weist darauf hin, daß die Sozialdemokratie aller Nationalitäten Rußlands sich gegen die Los-von-Rußland-Bewegung ausgesprochen habe. In Nr. 13 jener Zeitschrift tritt nun der bekannte österreichische deutsch-national denkende Sozialistenführer E. Pemerstorfer jenen Ausführungen entgegen. Er beweist an dem Beispiel der Ukrainer, daß die von Rußland unterdrückten Nationen nur nach dem Westen um Hilfe ausschauen und fährt fort: ,yDas tun auch die Polen, die baltischen Deutschen, die Juden, die Finnen, ja selbst die Litauer und Letten. Schon aus diesem Grunde gehören sie nicht ins russische Reich. Wenn alle diese Völker ihr nationales Selbstbestimmungsrecht bekommen wollen, so müssen sie „los von Rußland“ gehen. Verbleiben sie in Rußland, so sind sie dazu verurteilt, früher oder später im russischen Meere rettungslos zu ersaufen. Das mag denjenigen gleichgültig sein, die die Frage der Nationalität als etwas Nebensächliches ansehen. Wer aber wie ich Nation und Staat als die Zellen des Gemeinschaftslebens für heute und für alle Zukunft, soweit wir in sie blicken können, ansieht, der hat vom Wesen una Wert der Nation eine so hoheMeinung, daß für ihn der Bestand una da9 Schicksal der Nationen eine ausschlaggebende Bedeutung erhält. Rußlands Abdrängung von Europa ist für mich eine Frage der Sicherheit des Friedens und der freien JEntwicklung der europäischen Kultur, und sie ist für mich eine Frage der Selbständigkeit (sei es in der Form der Souveränität oder der Autonomie) der „fremdstämmigen“ Völker West- und Südrußlands. Daher wünsche ich als Sozialdemokrat die völlige Besiegung Rußlands.“ In einer Antwort in derselben Nummer polemisiert Genosse Sp. scharf gegen Pernerstorfer und bleibt gegenüber Rußland objektiv bis zum Ekel. Eine Stelle seiner Ausführungen sei hier wiedergegeben: „Nim behauptet allerdings Pemersdorfer, daß die „Fremdstämmigen“ sich von Rußland losreißen wollen, allerdings nicht das ukrainische Bauerntum, sondern die Polen, Juden, Litauer und selbst die Letten. Woher mag er nur diese seine Kenntnisse der Stimmung der Völker Rußlands schöpfen? Nach dem, was ich aus guter Quelle darüber erfahren habe, ist heute selbst die jüdische Presse durchaus „russischpatriotisch“. Und wer wird in Rußland mehr verfolgt als die Juden? Gerade die jüdischen Nationalisten (mit Ausnahme etwa der Zionisten) sind aber plötzlich russische „Patrioten“ geworden.“ Wer diese „gute Quelle“ ist, nennt er natürlich nicht; aber man kann sie sich denken. » In der „Pädagogischen Warte“ (1. Heft 1916) veröffentlicht der bekannte Schulfachmann, Schulrat Otto Eberhard aus Greiz, ein Christ, einen Aufsatz über „Die jüdische Schulfrage in Polen“. Wir bringen daraus im folgenden einige markante Stellen: „Der Oberbefehlshaber der deutschen Verwaltung schrieb für Polen links der Weichsel, da die Verwaltung kein Interesse an der Unterdrückung der nationalen Eigenart nimmt, für die polnischen Schulen die polnische Unterrichtssprache, für die deutschen und jüdischen Schulen die deutsche vor. Er war auch dem von dem Warschauer polnischen Bürgerkomitee versuchten Unterfangen, die polnische Sprache den jüdischen Schulen aufzuzwingen oder nur tür Schulen mit polnischer Unterrichtssprache die Deckung aus öffentlichen Mitteln bereitzustellen, entgegentreten; nichtsdestoweniger aber sieht durch diese vorläufigen Verordnungen das nationale Ostjudentum seine Hoffnungen nicht voll erfüllt. Es erhofft eben von dem der polnischen Bevölkerung für ihre Schule eingeräumten Recht auch seinerseits die Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts in seinen Schulen, d.h. den Gebrauch der nationalen Sprache als Unterrichtssprache, und damit die Anerkennung seiner Ansprüche auf die Pflege des jüdischen Geistes und die Erhaltung der nationalen Eigenait“ Das jüdische Schulwesen braucht nicht erst neu ins Leben gerufen werden. „Mag diese alte Judenschule, die mit der Zeit die Form des Cheders annahm, gut oder schlecht, fortschrittlich oder rückständig sein — sie ist in dem Schul- und Bildungswesen der Welt eine geschichtliche Erscheinung von unverkennbarer Eigenart; sie ist eine der ältesten Einrichtungen des jüdischen Volkes im allgemeinen“. R. LÖllIIT SpezialbncfihanAlniig liir ]ild. Giteatur Wien, I. Rotenturmstraße 22. Soeben ist erschienen: Buber, Martin: Vom Geist des Judentums. Reden und Geleitworte. Eleg. gebunden K 6.75 Nachum Goldmann: Von der weltkulturellen Bedeutung und Aufgabe des Judentums. K 1.50 Die Schrift stellt einen geschichtsphilosophischen Längsschnitt dar durch den Entwicklungsgang des jüdischen Volkes bis zur Gegenwart, und die voraussichtliche Entwicklungsbahn seiner Zukunft. Wladimir Medern: Briefe eines Auferstandenen. (Aus dem Sonderheft „Kriegsgefangen“ der „Süddeutschen Monatshefte“ — März 1916). K 2.25 Felix A.Teilhaber: Die Juden im Weltkriege. K 1.50 Abraham Schwadron: Mauschelpredigt eines Fanatikers. K —.80 „Der „Cheder“ ist seinem Wesen nach durchaus eine hebräische Schule; in ihm werden ausschließlich die hebräisch-religiösen Lehrfächer, die ja zugleich die nationalen sind, unterrichtet Die Unterrichtssprache — richtiger Uebersetzungssprache, denn sie bildet nur ein Unterrichtsmittel, ist aber nicht selber Gegenstand des Unterrichts — ist das Jidische . . . “. An unseren Bildungs- und Erziehungsansprüchen gemessen, sind freilich diese Chederschulen im höchsten Grade reformbedürftig. „ . . . daß ein gründlicher Wandel in diesem Schulwesen not tut, daß sonderlich die weltlichen Lehrgegenstände in den Unterricht einbezogen werten müssen, damit die sogenannte Religionsschule zu einer Lebensschule, zu einem Bildungsträger und zu einer Grundlage für die wirtschaftliche Daseinsmöglichkeit werde; daß ferner die einfachsten Forderungen der Schulgesundheitslehre berücksichtigt und die Lehrpersonen für ihre Aufgabe methodisch vorgebildet werden müssen, diese Einsicht bat sich auch in den ostjüdischen Kreisen durchzusetzen begonnen . . . Die neue, vor der Jahrhundertwende auch im Osijudentum einsetzende große national-kulturelle Bewegung, die sich, aus geschlechterlangem Schlafe erwachend, auf die geistigen Kräfte des Judentums besann und eine jüdisch-nationale Wiedergeburt anstrebte, fand natürlich auch auf dem Gebiete des Schul- und Bildungswesens ihren Ausdruck; ihre schöpferische Triebkraft fand vielfach gerade in den neuen pädagogischen Reformgedanken eine Wesensergä.izung. So gingen in dem Geistesleben des Ostens nationales und kulturelles Streben Hand in Hand. . . Und merkwürdig, gerade aus dem Land der Väter, in dem bewußter jüdischerWille alsbald den Spaten angesetzt hatte zur Bearbeitung der Scholle und zur Freilegung der altjüdischen Geisteskräfte, kam in den „Golus“, die Zerstreuung, das erlösende Wort, das der Wiedergeburt des Volkes die fruchtbare Grundlage gab, ohne doch die Wurzeln zu berühren oder den Geist zu verschieben: zwei palästinische Schulmänner und Pioniere des Geistes, David Yellin und Isaak Epstein, hatten die „natürliche Methode“ im hebräischen Sprachunterricht, die sogenannte „Ibrith be-Ibrith“ geschaffen und in Zeitschriften und Lehrbüchern dargestellt Und diese aus jüdischstem Geist und Heimatlüft geborenen Bestrebungen und Bildungsmittel fanden nun im Ostjudentum Eingang, sie wirkten umwälzend und wiesen den tastenden Bestrebungen Richtung und Ziel.“ Nach der neuen hebräischen Pädagogik erlernen die kleinen Kinder die hebräische Sprache nicht mittelst Uebersetzung, sondern mit Hilfe von Anschauungsbildem und Sprechübungen. Diese Methode des Unterrichts wurde auch nach Polen verpflanzt, wo die sie anwendenden Schulen „Reformchadarim“ genannt werden. Der Lehrplan dieser Reformschulen wurde dahin erweitert, daß zu den religiös-nationalen Fächern ein systematischer hebräischer Sprach- und Literaturunterricht hinzukam, und auch die nachbiblische nationale Geschichte bis zur Gegenwart weitgehende Berücksichtigung fand. Diesen Schulen wurden bald hebräische Kindergärten nach Fröbelschen Gedanken angegliedert „Denn das Hebräische war und blieb der Herzschlag der jüdischen Schule, und eine jüdische Erziehung ohne die nationale Sprache — sei es nun