Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 7 (18.2.1916)
- Date
- 1916-02-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 ODISCHE ZEITUNG Seite 3 darunter 9 Juden, 19 Mohamedaner und 2 Christen. Von diesen Waren 16 in militärischen Stellungen und 14 Bürger. 2. ln der Serologischen Abteilung wurden folgende Untersuchungen vorgenommen: 11 Fälle von Darmtyphus, 8 Fälle von Maltafieber und 67 Fälle von Syphilis. 3. In der Vaccinotherapeuthischen und Impfabteilung 'wurden 8 Kranke gegen Acceß, Furunkulose (u. a. geimpft. Außerdem werden die Arbeiten Zur Herstellung von Pockenserum fortgesetzt und Impfungen mit diesem1 Präparat vorgenommen. * In diesen Tagen finden in Jerusalem die neuen Wahlen in der Stadtverwaltung statt. Nach dem Gesetz werden die Mitglieder der Stadtverwaltung für vier Jahre gewählt und zwar alle zwei Jahre abwechselnd die Hälfte der 'Mitglieder. Zur Zeit ist die Amtsdauer von fünf Stadtverordneten abgelaufen; unter ihnen befindet sich der Jude Jizchok Efendi Ed es. Aus Oer jüdisdrcu Heit. Berichten der englisch-jüdischen Presse zufolge, sollen kürzestens einige zionistisch-politische Schriften in englischer Sprache erscheinen, darunter zwei Sammelbücher, die gründliche und wissenschaftliche Abhandlungen verschiedener Autoritäten über die politischen und kulturellen Aufgaben des Zionismus enthalten werden. An dem Programm eines dieser Sammelbücher, das .sich vorwiegend mit der Aufklärung der politischen Seite des Zionismus befassen wird, hat das E. A. Z.-Mitglied Nachum Sokolow mitgearbeitet. Außerdem gibt die NF-Santmelstelle in England in kurzem eine umfangreiche Schrift heraus, die die Bedeutung des Jüdischen Nationalfonds in kolonisatorischer und politischer Beziehung schildert. Mit Ungeduld erwartet man jedoch in den englischen politischen Kreisen das Erscheinen der „Geschichte des zionistischen Gedankens in England“ von Nachum Sokolow, an der er mehr als anderthalb Jahre gearbeitet hat. In diesem Werk, das gleichzeitig auch in französischer und russischer Sprache erscheinen soll, schildert Sokolow ausführlich die Beziehungen des englischen Staates zu den Problemen der jüdischen Kolonisation im Orient und in Palästina in den letzten hundert Jahren. Durch die Herausgabe all dieser Schriften wird einer der Forderungen der unter Führung von Zabotinski stehenden zionistischen Opposition, der sogenannten „Aktivisten“, in hohem’ Maße Genüge geleiset werden. # Wie bereits gemeldet, sind vor einiger Zeit der Kaiserlich deutschen Verwaltungsbehörde in Lodz zwei Mass enpetitionen bezüglich' der Einführung der jidischen und der polnischen Sprache als Schulsprache zugegangen. Die Petition zugunsten des Jidischen hat 20.000 Unterschriften aufzuweisen, während die entsprechende propolnische Bittschrift von etwa 2000 Personen „unterzeichnet“ war. Wie das .„Lodzer Volksblatt“ nunmehr berichtet, hatte dieser Tage der Lodzer Polizeipräsident v. Oppen mit den Vertretern der beiden genannten Petitionen, den Herren R.-A. Andres und Stadtverordneten Ludwig Hirsehberg eine Aussprache. Der Polizeipräsident v. Oppen machte die Herren darauf aufmerksam, daß die Nachforschungen bezüglich der Richtigkeit der Unterschriften in einigen Fällen Unrichtig - k eiten bezüglich der polnischen Petition ergeben hätten. Er teilte ihnen gleichzeitig im Namen des Generalgouverneurs v. Beseler mit, daß beide Petitionen einer ernsthaften Erwägung seitens der Behörde unterzogen worden seien und ihnen die endgültige Entscheidung über diese Frage in angemessener Zeit zugehen Werde. * In den Statuten des „Phötographenvereins“ in Warschau, dem auch viele Juden angehören, gibt es ein,e Bestimmung, der zufolge Christen das Uebergewicht in der Vereinsleitung haben müssen. In einer Beratung des Vereines gelangte vor kurzem ein Antrag auf Streichung dieses Paragraphen zur Erörterung, der bei der Abstimmung aber unent schieden blieb. Die jüdischen Photographen beschlossen darauf, aus dem allgemeinen Verband auszutreten und einen besonderen jüdischen Verband ins Leben zu rufen. „Der Austritt der jüdischen Mitglieder — so bemerkt die Warschauer polnische Zeitung „Goniec“ — rief unter sämtlichen Anwesenden das Gefühl lebhafter Genugtuung hervor.“ * Dem bekannten jüdischen Historiker S. M. Dubnow, der seit zehn Jahren in Petersburg wohnte, wurde das Wohnrecht außerhalb des Ansiedlungsrayons entzogen. S. Dubnow, der als Redakteur der in Petersburg erscheinenden Vierteljahrsschrift der jüdischen Historisch-Ethnographischen Gesellschaft, als Dozent der von Baron David Ginzburg gegründeten Petersburger Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und als Bibliothekbenutzer und Archivforscher ganz außerordentlich auf einen Aufenthalt in Petersburg angewiesen ist, mußte die russische Hauptstadt verlassen. * Das Blatt „Hazefirah“ Imeldet, daß eine jüdische Vereinigung in Lublin die. Erlaubnis zur Errichtung eines dreiklassigen jüdischen Privatgymnasiums (mit polnischer (nicht wie es irrtümlich geheißen hat: jidischer) Unterrichtssprache erhalten hat. Der Verein wird in Lublin auch eine jüdische Zeitschrift in polnischer Sprache unter dem Titei „Wiadomosci Lubelski“ herausgeben. Der Oberrabbiner Dr. M a r g u 1 i e s in Florenz hatte sich an den König von Italien mit der Bitte gewandt, bei den Russen zugunsten seines von ihnen bei dem Rückzug aus Galizien als Kalischer GeiSei verschleppten Schwagers einschreiten zu wollen. Dr. Margulies erhielt vom HauSminister des Königs die Mitteilung, daß infolge der Vorstellungen der italienischen Botschaft in Petersburg die russische Regierung die Freilassung seines Schwagers angeordnet habe. Anzeigen uni Mitteilungen. Vorträge zur Aufklärung über ostjüdische Fragen. Am Montag, den 7. d. M. sprach im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines Herr Dr. Samuel R a p p a - R. Qöwit Oerlag, Hien I. Rotenturmstraße 22 Neues zur Ostjudenfrage: Jüdisches Archiv. Mitteilungen des Komitees „Jüdisches Kriegsarchiv“. Lieferung 4/5. Mit 2 Kunstbeilagen, K 1.—. Mit Frankozusendung K 1.20 Matthias Mieses, Die Entstehungsursache der jüdischen Dialekte. Im Preise ermäßigt auf K 4.— Segel Benj. Die polnische Judenfrage K 2.25 Süddeutsche Monatshefte. Februar 1916. Spezialheft „Die Ostjuden“ K 2.25 Kadett Oskar W o 1 i n e r, a. B. der jüdischakad. Verbindung „Veritas“, ist am 24. Jänner 1. J. auf dem nördlichen Kriegsschauplätze gefallen. Gg. Karl Dragon wurde durch den Erzherzog Thronfolger mit der großen silbernen Tapferkeitsmedaillc ausgezeichnet und gleichzeitig zum Fähnrich ernannt. Oberleutnant Ing. Ludwig Tramer, A. H. der „Emunah“ in Bielitz, erhielt neuerlich das signum laudis. Gg. Landsturm - Oberleutnant Alfred M a y, der seit Kriegsbeginn als Kompagniekommandant im Felde steht, erhielt das signum laudis. Der Feldprediger i. d. R. Rabbiner Dr. Israel Goldenberg, der derzeit in Budapest wohnhaft ist, erhielt für eine dem Thronfolger gewidmete patriotische Dichtung den Dank Sr. Einem Haager Telegramm des „Berliner Tageblatt“ zufolge erhob das Judenunterstützungskomitee in Petersburg beim Gouverneur von Minsk eine Beschwerde wegen eines Pogroms, das vier Tage gedauert hatte. Die Juden wurden innerhalb von zwei bis drei Stunden aus ihren Wohnungen gewiesen, ohne dab für ihre Habe irgendwelche Vorsorge getroffen worden wäre. Die verlassenen Stätten wurden von Soldaten in kurzer Zeit in Trümmerhaufen verwandelt. * Nach einer Meldung der „Rjetsch“ sind in Petersburg gegen 50 Personen verhaftet worden. Auch in Moskau haben Massenverhaftungen stattgefunden. Die Polizei hat eine förmliche Treibjagd auf alle verdächtigen Personen unternommen. Sie scheint es dabei namentlich auf die Juden abgesehen zu haben. Sie ist in die Moskauer Börse zur Börsenzeit eingedrungen, hat dort mehrere hundert Personen verhaftet, alle Hotels und Restaurants abgesucht und Hunderte von Personen dem Gefängnis überliefert. Im Laufe eines Tages betrug die Zahl der verhafteten Personen über 800. Später ist die Hälfte wieder freigelassen worden. Amtlich wird angegeben, die Massenverhaftungen seien vorgenommen worden, um' diejenigen Juden festzustellen, die nicht das Recht hätten, in Moskau zu wohnen. Diese sollten in Sibirien angesiedelt werden. Diese Darstellung wird in allen Kreisen mit berechtigtem Zweifel aufgenommen. •* Der russische Minister des Innern Chwos t o w hat, nach einer Meldung der „Rjetsch“ die Verfügung seines Vorgängers Schtscherbatoff wieder aufgehoben, nach der allen Juden ein siebentätiger Aufenthalt in Petersburg und Moskau gestattet wurde. Die Aufenthaltserlaubnis wird von nun an nur noch den Personen erteilt werden, die ihre Gesuche bis zum 18. Dezember im1 Ministerium des Innern eingereicht haben. In Zukunft werden derartige Gesuche überhaupt nicht mehr bewilligt werden. * Der in russische Kriegsgefangenschaft geratene österreichische Arzt, unser Glaubensgenosse Dr. Robert Barrany, Empfänger des letzten Nobelpreises, der auf Verwendung des Prinzen Carl von Schweden freigelassen werden sollte, schreibt an Stockholmer Freunde, daß er von der persischen Grenze nach Kasan überführt worden ist. Außer einer Mitteilung des schwedischen Gesandten in Petersburg habe er nichts über seine Freilassung gehört. # In der neuen griechischen Kammer sitzen fünf Juden: Dr. med. CoSsings--Volo, Haimaki Coh en-Trikola, Leo G ottegno- Saloniki, Peppo M a 11 a h - Saloniki und Bankdirektor Salomon M e i e r - Trikola. Sie gehören sämtlich der Guanaris-Partei an. Die Arbeitsmöglichkeiten des Zionismus in Italien sind augenblicklich nicht sehr grob. Für den „Jüdischen Nationalfonds“ gehen monatlich einige hundert Francs ein, für das Palästinahilfswerk dagegen kann nicht gesammelt werden. Fast alle Nationalfonds-Kommissäre stehen unter Waffen. Die Propaganda ist mangels tüchtiger Arbeitskräfte sehr schwierig. Aber nach dem Kriege besteht Aussicht auf bessere Resultate. Mocnsi oeacnienswerte una interessante Aufsätze von Dr. A. Friedemann, Ephr. Frisch, Kaplun-Kogan, Dr. H. Loewe, Nachum Goldmann usw. Soeben ist erschienen: Goldmann Nachum. Von der weltkulturellen Bedeutung u. Aufgabe des Judentums K 1.13 Nowak Karl Fr. Hötzendorfs Lager. Brosch. K 3.75. Geb. K 5.25 Der österreichische Feldzug in Polen und Galizien. Besonders wichtig ist die authentische Darstellung der ersten Lemberger Schlacht Sven Hedin. Nach Osten! K 1.50 Aus dem Inhalt: Czemowitz. — Nach dem Durchbruch in Westgalizien. — Der Fall von Jaroslau. — Die Belagerungen von Przemysl. — Der Einzug in Lemberg usw. p o r t, Lemberg, über „Das religiöse Leben der Ostjuden“. Aus dem Vortrage sprühte eine Wärme der Empfindung, eine Lebendigkeit der Anschauung und eine Kraft der Darstellung, die jeden Hörer in den Bann des von seinem Gegenstände sichtlich begeisterten Vortragenden zog. Am 24. d. M. spricht Herr Dr. Grunwald über „J. L. Perez als Schilderer des ostjüdischen Volkslebens.“ » Verein Kinderheim für Krüppelkinder. In der Heimstätte Laa bei Neulengbach des Vereines Kinderheim für krüppelhafte und rekonvaleszente Kinder jüdischer Konfession sind gegenwärtig 10 Plätze frei. Kinder, welche den Aufnahmsbedingungen entsprechen, erhalten in der erwähnten Heimstätte unentgeltliche Verpflegung und Behandlung. Aufnahmsgesuche sind per Post an das Vereinsbureau: 9., Universitätsstraße 8 zu richten. * Jüdisch-Literarischer Klub, IX., Liechtensteinstraße Nr. 2 (Eingang d. Gasthaus). Samstag, den 19. d. M. um halb 8 Uhr abends findet ein Vortrag des Herrn M. R a w i c z über „Gedanken über die zukünftige Literatur“ statt. Gäste willkommen. * Der jüd.-akad. Verein „Theologia“ teilt mit, daß sein Mitglied Israel G e r I i c h am1 Samstag, den 4. Februar 1916 zum Doktor der Philosophie promoviert wurde. Zionisten im Eelöe. Leo Fall aus Lemberg, Fähnrich d. R. des Feldkan. Reg. , Senior der Mittelschülerverbindung „Arjeh“ in Lemberg, fand am 8. September v. J. den Heldentod und wurde nach dem Tode mit der silbernen Tapferkeitsmedaille 2. Klasse ausgezeichnet. Gg. Moritz Jakobowitz, Telephonist des k. u. k. IR. Nr. , hat in der Neujahrsschlacht bei Buczacz am 30. Dezember 1915 den Heldentod gefunden. Er starb, wie sein Kompanie- Kommandant u. a. schreibt „den Heldentod in voller Pflichterfüllung für Kaiser und Reich, und wurde am 56. Friedhof angesichts Pilawa in einem Emzelgrabe zum ewigen Schlafe gebettet.“ — —