Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 2 (14.1.1916)
- Date
- 1916-01-14
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNQ sehen Bevölkerung auferlegte, persönlich zu überzeugen. firj versprach^ sich der jüdischen Bevölkerung Galiziens wärmstens anzunehtrien und Insbesondere -die Angeiegenheit der FlfichtHngsrückkehr im Sinne der Bittsteller zu erledigen. (Der diesbezügliche Termin: ist auch unmittelbar' darauf verschoben worden.) , , I , i Prinz Hohenlohe konferierte dann mit den einzelnen Mitgliedern der Deputation und ersuchte.sie, sie mögen ihm stets alle Fälle bekanntgeben, in weichender jüd.schen Bevölkerung:Unrecht zugefügt wurde, er werde sie genau prüfen. Er werde dankbar sein, wofern er über die Lage der Juden in Galizien gut informiert werden wird. Die Deputation,der auch unsere Gg. Langnas und Wittl in an gehörten, dankte zum Schlüsse dem Prinzen Hohenlohe für seine freundlichen Worte und Zusagen. Bef der Entente. "1 .'i bringen, * wo das Land Euerer 'TJf eitern wieder das Euere Wird, und möge es Englands glorreiches Verdienst sein, diese Aufgabe zif; vdnwrldic^en“. Wie „fein“ das alles zusammenklingt l;; Wir bringen hiemit einige Nachrichten aus dem Lager der mit dem lieben Judenfreunde Rußland verbundenen Entente, ohne es für nötig zu halten, einen Kommentar hinzuzufügen: In London hat Lord Rothschild in einem offenen Briefe auf die Beschuldigung der dortigen Antisemiten geantwortet, wonach die Zahl der Juden in der Armee viel kleiner sei, als ihrer Bevölkerungszahl entspräche. Er weist darauf hin, daß die Armee jetzt, aus 3,000.000 Mann bestehend, 6‘5°/0 der Bevölkerung umfaßt Die Zahl; der Juden aber in England beträgt 230.000, v.on denen jetzt 17.000 Mann in der Armee dienen, das macht 7-5%. Die Nichtjuden müßten demnach noch 450.000 stellen, um den Prozentsatz der Juden zu erreichen. Bekanntlich sucht England seine Handelsverbindungen mit Rußland so zu befestigen, daß e; auch nach dem Kriege die deutsche Konkurrenz aus dem russischen Markte verdrängen kann. Dabei gibt das englische Handelsministerium den englischen Fabrikanten den schönen Rat, sie mögen ihre Vertre.ung in Rußland nur nichtjüdischen Firmen übergeben, weil ja die Juden dort keine Gleichberechtigung haben und darum die englischen Handelsinteressen nicht wirksam vertreten können. Israel Zangwill hat am 1. Dezember v. J. über die Verfolgung der kleinen Nationalitäten und besonders der Juden seitens Rußland eine Rede gehalten. Er führte aus, daß das Interesse, der Verbündeten es erforderlich mache, sich in diese Angeiegenheit einzumischen und den' Verfolgungen ein Ende zu bereiten, sonst könnte Deutschland mit Recht darauf hinweisen, wie falsch die Parole der Entente sei, sie kämpfe für die Freiheit der kleinen Nationen. Mr. Cedi Chesterton erklärte hierauf, daß wenn Zangwill kein Jude wäre, erj für diese Forderung erschossen werden müßte. Als Jude darf Zangwill allerdings für die Juden eintreten. Weiters beteuerte er, kein Antisemit zu sein und die Ansicht zu vertreten, daß die Juden Palästina kriegen sollen. Bernhard Shaw aber sagte dann: Mich soll man wirklich erschießen, denn ich bin kein Jude und stimme in allem mit Zangwill überein. Auch der bekannte Sozialist Heed man und andere Redner traten gegen die russischen Grausamkeiten auf. In diesem Zusammenhänge reproduzieren wir nach dem „Jewish Exponent“ folgendes, Israel Zangwill gewidmetes und in „Ulk“ erschienenes Gedicht Fritz Engel’s, das Zangwill selbst einem Korrespondenten gezeigt haben soll, uni ihm zu beweisen, daß er Angriffen von verschiedenen Seiten, von Anhängern der Entente. sowie der Zentralmächte, ausgesetzt ist POGROM. Israel Zangwill gewidmet Kosaken plündern das Judenhaus. Der Jude streckt weinend die Hände aus: „England du freies 1 ■ Hör* meine Not und steure dem Raub* — England ist taub. Kosaken schleifen die Juden am Haar. Der Jude breitet sein Elend dar: „England du freies! Sieh’ meine Qual und schütze mein Kind“ — England ist blind. Kosaken schänden des Juden Weib. Der Jude reißt sich das Kleid vom Leib: „England du freies 1 Sage ein Wort und wende dich um“ — England ist stumm. . Am 13. November v. j. hat in Montreal die erste Konferenz der Kanadaer Juden getagt Der Mildster Honorably Artur Mihen, der eigens von Ottawa gekommen war, um die Konferenz im Namen der Regierung zu begrüßen, sagte unter anderem: „Der Glaube, den ich in Euch wahrnehme, ist eine Inspiration für mich. Möge Gott den! Tag nahe-' Die Jafimkonferenz Oer rumänisAen Zionisten. ln der Konferenz der rumänischen Zionisten, vom 7. und 8. Novemberv. J. in Galat;, über die wir zur Zeit kurz berichteten, gelangte folgendes Begrüßungsschreiben des. Zionistischen Actions-Comites zur Verlesung : „Die Verbindung der Zionistischen Organisation mit ihren Freunden in der ganzen Welt ist durch den Krieg kaum je unterbrochen worden, und der Zwiespalt, der die Welt zerreißt hat in unseren Reihen kaum einen Widerhall gefunden. Gleich vom ersten Tage ab haben wir uns alle in einem Streben zusammengefunden. Da Palästina vom Kriege bedroht und später, da es vom Krieg betroffen war, wußten alle Zionisten der ganzen Welt daß es eine Aufgabe war, die uns oblag, — die Sicherung unseres Werkes in Palästina. Palästina ist in großer Not und das, was der Opfersinn unserer Brüder zu ihrer Linderung bisher aufgebracht hat reicht noch bei weitem nicht, um den Gefahren der Gegenwart und der Zukunft zu begegnen, uud doch zweifeln wir nicht, daß unser Werk diese Gefahren überstehen wird. Das ist die große Aufgabe, vor die uns der Krieg gestellt hat: unser Palästinawerk zu erhalten und ungefährdet durch den Krieg hindurchzubringen;! unsere Banken, unsere Scsulen, unsere Farmen darf i der Krieg nicht zerstören, und unsere Brüder in Palästina dürfen der Not des Krieges nicht erliegen, j Die andere große Aufgabe ist, die Organi- ' sation zu erh alten und stark zu machen j über den Krieg hinaus für die Zeit nach dem Kriege. Noch kann niemand sagen, ■ wann der Friede kommen und wie er sein wird, i Aber aus ganzen Herzen, aus der tiefen Überzeu- | gung von der Verwirklichung unseres Ideals hoffen j- und erwarten wir, daß der kommende Friede auch für das jüdische Volk ein Markstein auf dem Wege der nationalen Entwicklung und Erlösung sein möge.! Nichts kann heute noch darüber gesagt warden, i wie wir dieses Ziel zu erreichen hoffen. Der verständige Sinn unserer Freunde wird begreifen, daß diese Fragen durch Diskussionen in der Öffentlichkeit nicht gelöst werden können. Dies eine nur können wir Ihnen sagen: daß die Leitung der Zionistischen Organisation sich der Größe und der Notwendigkeit des Augenblicks wohl bewußt _ ist und in sorgsamer, vorsichtiger Arbeit alle Möglichkeiten erwägt und sich für alle Chancen tüslef, die der Friede bringen mag. Das Gefühl der Verantwortlichkeit, das uns durchdringt, bewahrt uns vor jeder Abenteurer-Politik, wie sie hier und da verlangt wird. Das ist der Gesichtspunkt, von dem wir uns bei unserer politischen Arbeit leiten lassen. Die Organisation muß alle Möglichkeiten einer späteren Entwicklung berücksichtigen, in erster Reihe aber der Tatsache Rechnung tragen, daß Palästina ein Teil der Türkei ist Darüber hinaus hat die Zionistische Organisation Partei nicht zu ergreifen. Dies fordert die Tatsache der Ausdehnung der jüdischen Diaspora über alle europäischen Länder und der Wunsch, nach Beendigung des Krieges wieder eine öffentliche Zusammenarbeit der Zionisten aller Länder zu ermöglichen.“ Die Ergebnisse der Konferenz gipfeln in folgenden Beschlüssen: 1. Einführung von 4 Propagandazentren mit dem Sitze in den Städten Galatz, Bukarest, Focsani und Jassy. Die Propagandabureaus bestimmen die Redner für die Städte ihres Wirkungskreises und haben zugleich die Aufsicht über alle zionistischen Vereine in ihrem Bezirke. 2. Einsetzung von drei Kulturzentren, und zwar: a) in Bukarest in rumänischer Sprache unter der Leitung des Herrn Dr. Niemrower; b) in Focsani in hebräischer Sprache unter der Leitung des Herrn Dr. J. Nacht; c) in Jassy für Jiddisch. Sowohl die Propagandaals auch die Kulturzentren haben ihre Tätigkeit bereits begonnen und ist besonders ein wachsendes Interesse für die hebräische Sprache zu bemerken. Im übrigen hat die zionistische Bewegung in letzter Zeit einen großen Aufschwung genommen, was besonders der Zeitschrift „Hatikwah“ zu verdanken ist ISÜisAe Sdiulftanzlel in Drag. Ein volles Jahr ist vergangen, seitdem die Schulkanzlei in Prag eröffnet wurde, die sich die fast unlösbare Aufgabe stellte, in. Prag und in der Provinz Schulen für die jüdische Jugend Galiziens und der Bukowina zu begründen. Mehr als 2000 Schüler und Schülerinnen sind seither durch die Stadt- und Landschulen gegangen; fast 700 Analfabeten vom zarten Kindesalter bis zum reiferen Alter haben an den .neugeschaffenen Lehrstätten ihren ersten Unterricht genossen und . , Nr, 2 '^ele Hundefte habeh in kurzer Zeit"?2T<$ Jahrespensen absolviert Schullökale,' Lehrer, Lehrbücher, Lehrtfehelfemüßten beschafft,! ein Lehrplan ent- -wdffen werden,- der den besonderen I Verhältnissen entsprach, und das-wichtigste,; Geldmittel zur Erhaltung desganzen Werkes aufgebracht werden. Wenn auch heute, die Zeit, noch nicht ‘gekommen scheint eine Geschichte der jüdischen. Schulkanzlei zu schreiben, "eines ist sicher, sie ist im weitesten Sinne des Wortes ein Werk der Selbsthilfe, Die Schulen .führen vielfach die Bezeichnung Notschule. Aus der,Not’des Tages geboren,, haben sich aber diese jüdischen Schulen auf eine auch Von schulbehördlicher Seite anerkannte Höhe empörgeschwungen und Institutionon aus sich heraus entwickelt, die manchem Schul werk von Daher-und'-Bestand zur Ehre gereichen könnten. Die Notschule in Prag, die einen Bürgerschul- und intensiven Fortbildungsunterricht aufnahm, den modernen Handfeitigkeitsunterricht für Mädchen und Knaben und ein „Cheder metukan“ einführte, ist die Mutter und Musterschule für alle anderen Flüchtlingsschulen geblieben. Von 16 im Lande geschaffenen Schulen bestehen heute noch 9, die alle ihre Erhaltung der jüdischen Schulkanzlei in Prag verdanken. An eine Auflösung des bestehenden Schulwerkes kann im Augenblicke nicht gedacht werden, zumal Neugründungen, wie in DuSnik, Bez. Kladno, sich als notwendig erwiesen haben. Das Schülwerk,. das im; Geiste der jüdischen Gemeinbürgerschaft errichtet wurde, braucht heute mehr als je werktätige Förderer, die sich der Pflicht bewußt werden,, an der Erziehung der jüdischen Jugend Galiziens und der Bukowina nach besten Kräften mitzuwirken. Prag, im Januar 1916. Prof. Dr. Alfred-Engel. Zur jüdischen SAulfrage. Jn No. 48 unseres Blattes (v. 3. Dez. 1915) reproduzierten wir die in der „Hazefirah“ erschienene Resolution der Warschauer zion. Organisation in der Schulfrage. Nun veröffentlicht Gg. Justizrat Dr. Boden heim-er in No. 76 des jiddischen „,Warschauer Tageblattes“ einen längeren Artikel, worin er sich mit der Zion. Organisation in Warschau wegen der genannten Resolution auseinandersetzt. Wir bringen nun nachstehenden Auszug dieses Artikels, der unsere Leser interessieren dürfte. ,Jch glaube — schreibt Dr. Bodenheimer —daß jetzt nicht der passende Moment ist, sich mit theoretischen Fragen zu befassen und Prinzipien festzulegen; vielmehr müßte die sich darbietende Gelegenheit zur Reformierung der Verhältnisse der polnischen Juden sozusagen beim Schopfe gefasst werden. Dadurch, daß man Schon wieder vor der ganzen Welt die Tatsache konstatiert, daß Hebräisch die nationale Sprache des jüd. Volkes ist, hat man doch wirklich noch nichts und abermals nichts erreicht. Wofern aber diese Feststellung picht bezweckt, die Volksschulen in Russisch-Polen auf dieser Grundlage auch aufzubauen: — kann diese rein theoretische Konstatierung falsche Vorstellungen erwecken und die Solidarität der national gesinnten Juden in Russisch-Polen zerstören, die im gegenwärtigen Momente doppelt not tut. JnSbesondere in dem Falle, wo diese Feststellung bald darauf ihren Wert verliert, indem schon im folgenden Satze der Resolution erklärt Wird, daß die Volksprache der Juden in Russisch-Polen nicht Hebräisch,- sondern Jiddisch ist. Wenn dies zutrifft — und daran Wird doch niemand zweifeln — erhält der erste Satz der Resolution eine bloß historische Bedeutung. Jn diesem Widerspruch steckt jedoch eine grosse politische Gefahr. Wünschen die jüdischen Massen bei der Reformierung der jüdischen Verhältnisse im Osten ein entscheidendes Wort mitzusprechen, darf keine Zersplitterung eintreten; am meisten gilt dies hinsichtlich ,der Schulfrage. Jeder einzelne wird es verstehen, daß die Sprache der Schule die Volkssprache sein muß. Keine gerechte Regierung wird dieser Forderung ausweichen können. Deswegen oben bringen breile Kreise in Deutschland der Forderung der jüdischen Massen betreffend die Einführung der jiddischen Sprache alsi Unterrichtssprache jn den Volksschulen Jnteresse' entgegen. Man versteht dort diese Forderung“. Dr Bodenheimer befaßt sich! des Weiteren mit der Forderung der Einführung des Hebräischen in den Volksschulen und schließt: “Nicht jetzt ist die Zeit für sölCh'e nationale Z u k u n f t shoffnimgen, die noch’ weit entfernt liegen; jetzt muß inaii vielmehr alle Kräfte vereinigen, um die Aufgaben, die der Gegenwart entspringen, zu erfüllen. Und die erste Aufgabe ist — die jiddische Volksschule. Und sollte es den jüdischen Massen gelingen; diese Forderung — gegen die Bestrebungen der polnischen ASsimilatoren — durchzusetzen, -so würden die Zionisten für‘S jüdische Volk, für dessen Stärkung und dessen Zukunft Bedeutenderes geleistet haben, als durch’ den Kampf, für eine Theorie, die in weniger stürmischen und friedlicheren Zeiten: mit Erfolggeltend gemacht werden kann.“