Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 2 (14.1.1916)
- Date
- 1916-01-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I NRTIDNHL »JUDI5PC3 DRGRN Sg* Mit Beilage: „DER JÜDISCHE NAT1GNALF0NDS“ WWmml kiseratenauinahme: — Redaktion, Administration B Erscheint wöchentlich Wien, Freitag» de« 14. Jänner 1816 — 9. Schebat 5676. Nr. 2. X. Jahrgang! In ciiesen ernsten Zeiten, die auch fftr unser jüdisches Volk von größter Tragweite sein müssen, ruft das Zionistische Aktions- Komitee seine Freunde zur Arbeit für den Zionistischen Zentralfonds. Der Zentralfonds bezweckt, der Leitung der zionistischen Bewegung die Möglichkeit für die Durchführung ihrer Arbeiten zu gewähren. Es gilt den Zusammenhang der Zionistischen Organisation aufrecht zu erhalten, $e jüdische Siedlung in Palästina vor schlimmem Ungemach zq schützen und die zukünftige Friedensarbeit vorzubereiten.. Dazu bedarf die Leitung größerer Geldmittel. Möge jeder Zionist wissen, daß wir uns in einem entscheidenden Augpnbljck unserer Geschichte befinden! Wertn jeder seine Schuldigkeit tut, werden wir unser Ziel erreichen, Das SktfonssRoinllee Oee ZionistisAen Organisation. Oie Juden uni die anderen Reiths? »Biber. Kein österreichisch - jüdisches Problem bedarf so dringend einer Diskussion zum Zwecke der Klärung, als die Steilung der Juden zu den übrigen Reichsyölkern der Monarchie. Es ist dies keine speziell österreichische Angelegenheit, sondern berührt mehr oder weniger gesamtjüdische Interessen. Spll die diesbezügliche Diskussion positive Ergebnisse zeitigen, so muß vorausgesetzt werden, daß sie nicht unter dein Ger sichtspunkte von persönlichen Sympathien und Antipathien, nicht unter provinziellem Gesichtspunkte, sondern unter dem des jüdischen Gesamtvolkes erfolgt. Die Möglichkeit einer Verständigung mit den andern Völkern ist in erster Linie davon abhängig, wie weit unser Grundprinzip: die Anerkennung der Juden als gleichr berechtigte Nation mit allen daraus folgenden Konsequenzen, ebenso w|e unsere auf Erhaltung sowie Konsolidierung (1er Gesämtmonarclpp gerichteten Bestrebungen auch in den andersrnatiönalen Lagern Würdigung finden. ‘ " W^s vor allem unsere Stellung zu den Deutschen betrifft, so erkennen wir voll und ganz die Bedeutung der (deutschen Sprache als \VeHsprache, '^owie ajs innere V e r s t j giingr geh e zwischen den yerschiedenen Rejchsvöikern an und würdigen ihre Bedeutpng in demselben Maß?, als die d e u t s c h e K u 11 u r. Indessen folgt tjgraus für uns keineswegs, daß wir deshalb die deutsche Parteipolitik unterstützen müssen, wenn sie Wege einschlägt, die tn.it der Gleichberechtigung der Völker und speziell des jüdischen Volkes und hiemit auch mit den Existenzbedingungen der Habsburgef Monarchie in Gegensatz geratet). Die Bedeutung der deutschen Verständigungssprache und der deutschen Kultur stehen mit detn deutsch-nationalen Chauvinismus und christ|ich-spzialen' Antisemitismus in keinem kausalen Zusammenhänge und man kann daher das eine in seiner ganzen Bedei|tung würdigen und im selben Maße das andere bekämpfen und verurteilen. In dieser Richtung ist es sehr symptomatisch, daß hervorragende deutsch-österreichische Schriftsteller jüngösterreichischer Observanz, w|e Hermann Bahr, Heinrich v. Schullern und in der jüngsten Zeit auch immer zahlreicher werdende deutsche Stimmen vom -deutschen und ‘"mitteteüfopäischen Standpunkte aus die Verständigung der Deutsch- Qesterreicher mit den anderen Nationalitäten des Donaureiches und speziell auch mit den Juden fordern. Jede andere deutsch-österreichische Politik fördert nur den — Panrussism us. Unter diesem Gesichtspunkte ist auch ein Aufsatz von Hermann Bahr in der „Deutschen Rundschau“ in Berlin bemerkenswert, in welchem er für eine deutsch-tschechische Verständigung über die Köpfe der berufsmäßigen Chauvinisten, der sogenannten „gelernten? deutschen und tschechischen Böhmen, hinweg eintritt Pie Juden in den Sudetenländern sollten die Ausführungen Hermann Bahrs sehr berücksichtigen und sich wohl hüten, unter Preisgabe ihrer national-jüdischen und österreichischen Lehensinteressen in Zukunft an der künstlichen Schöning des nationalen Gegensatzes zwischen Deutschen und Tschechen teilzunehmen. Bei aller Abweisung gewisser bedauerlicher Entgleisungen jrn tschechischen Lager sind doch die Juden politisch so reif, um nicht das tschechische Volk in seiner Gesamtheit — rnit wejehem ja die Juden in .Böhmen und. Mähren friedlich 'ziisammenzuleben,ein Lebensinteresse haben — für die Fehler und Sünden einzelner tschechischer Parteien verantwortlich zti machen. CirpfSp Massen vqn Juden — pber 800.900 — leben mit den Polen und Ruthenen zusammen und müssen auch daher mit diesen bei den Völkern einen modus vivendi finden. Dieser kann aber nicht darin bestehen, daß die . Jtjfjpn oder ein Teil von ihnen zu diesem Zwecke sich von dem übrigen jüdischen Vplksjrörper losreißt, auf seine gigienep n§tipnal-kH}tHfell.en Interessen verzichtet und dem einen Volke Heeresfolge leistet in seihen Herfscijpftsbestrehungen gegen das apdergl Die eia?f Se Art einer'natipfiaien Verständigung' ist dtp» daß da.s gleiche Recht auf freie nationale Enfwlpkjung de'-n Jujien,. Pplen und Ruthenen in dem-ven ihnen bewohnten Territorien im Rahmeq der habsburgischen Monarchieverwirklichtwird. Was hier über das Verhältnis der Juden zu den Nationalitäten in Zisleithanien gesagt Wurde, gilt rnutatis mytandis auch für die Juden in Ungarn und Kroatien. Wir können vom national-jüdischen Standpunkte trotz uqsgres Wunsches, auch mit dej$ Magyqryn friedlich zysammenzuleben, der Magyajisierung der ungarischen Juden ebensowenig zustimmen, als der Unterdrückung der anderen luchtmagyarisphen Völker. Auch müssen wjr das Streiken, die beiden Reichshälftep nqph mehr von einander künstlich zu trennen, uro so mehr verurteilen, als dieses Streben auch zur weiteren Trennung tier ungarischen Juden von den österreichischen Juden fühf?u würde. Unsere Stellung zur Nationalitätenpolitik als Natipnnljydep ist eben eine grundverschiedene ypn.. der assimilatorisch-jüdischen Auffassung, w?ü für uns nur zwei unverrückbare Gesichtspunkte herrschen: 1. d i e E rkämpfung der Gleichberechtigung der jüdischen Nationalität, und 2. die Erhaltung und Erneuerung des Donaureiches, dem wir die geschichtliche Aufgabe zuteilen, ein Hort der Freiheit, nationalen Gerechtigkeit und wirtschaftlichen Wohlfahrt aller seiner Völker zu sein, eine Mission, die aber durch alle nationalen Herrschaftsbestrebungen gleichmäßig gefährdet wir^. —K— Eine JBdisAe Deputation beim tlhislep des Innern. Am SfO. v. M. erschien unter Führung des Abgeordneter) Heinrich Reizes eine aus fünf jüdischen Bürgern aus Galizien bestehende Deputation beim Minister des Innern Prinz Hohenlohe, um ihm die Wünsche der rückzubefördernden gatizischen Flüchtlinge vorzubringen. Prinz Hohenlohe nahm die Erschienenen freundlich auf und hörte den Ausführungen des Abgeordneten Reizes mit sichtlichem Interesse zu. Der Sprecher schilderte eingehend die ti jiste Läge .der in ihre Heimatorte rückkehrenden gatizischen Flüchtlinge, besonders der jüdischen, deren Wohnstätten vö|lig zerstört, die Einrichtungsgegenstände ausgeplündert und ihr Vermögen total vernichtet ist. Besondere Berücksichtigung verdient die jüdische Bevölkerung Galiziens, die pek^npütch von den Russen in brutalster und schonungslosester Weise behandelt wurde. Abgeordneter Reizes bat daher im Namen der Deputation, daß der Minister des Innern in erster Reihe der jüdischen Bevölkerung Galiziens seinen Schuf? angedejhen lassen und namentlich den Zeitpunkt der Rückkehr der Flüchtlinge nach Lemberg und f|> die anderen ostgalizischen Orte Wgfjjgsj$Q$ bis Ende iyiärz 1916 verschieden möge. Plijtz popeplohe antwortete, er sei längere Zeit an der ostgalizischen Front gewesen und habe daher selbst wiederholt Gelegenheit gehabt, sied vqj &eq yfägn Opfern, jjjg dieser Krijsg der jüdf:-