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Jüdische Zeitung · 1916-01-14 · 2 (14.1.1916) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
10 (1916)
Issue
2 (14.1.1916)
Date
1916-01-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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:ÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Nr. 2 Oer uirfsdiaifliitie Uiederaulbau 4er BiMna. Ira volkswirtschaftlichen Teile des Dezemberheftes der „N. I. Ztg.“ ist unter der Ueberschrift; „Der wirtschaftliche Wiederaufbau der Bukowina“ <in Artikel unseres Gg. Dr. S. Kassner erschienen, dem wir auszugsweise, insoweit er auch für jüdische Interessen in Betracht kommt, nachfolgende Stellen entnehmen: Der Verfasser knüpft an den in Wien gehaltenen "Vortrag des ehemaligen deutschen Staatssekretärs Dernburg an und fordert, daß beim wirtschaftlichen Wiederaufbau der' vom Feinde besetzt gewesenen Gebiete auf eine gründliche Aenderung des bisherigen Entwicklungsganges schon jetzt hingearbeitet werde. In Galizien ist bereits eine Reihe wertvoller Anregungen bekannt worden. Die Bukowina hinkt bloß nach. Die für Galizien propagierte Organisation des wirtschaftlichen Wiederaufbaues ist für die Bukowina ungeeignet Für die Bukowina wäre ein wirtschaftlicher Wiederaufbau unter direktem westlichen Einfluß und regster Anteilnahme der staatlichen Zentralbehörden, die unmittelbare fachliche Gutachten einzuholen hätten, besonders vorteilhaft Unter Schilderung der Ursachen des Wirtschaft- - liehen Niederganges der Bukowina verweist der Verfasser unter anderem darauf,' daß aus der •großen Zahl der infolge mangelhaften Kreditwesens zugrundegegangenen Pächter (Juden. D.- Red.), die tüchtige -Landwirte geworden und deren-Söhne in der Landwirtschaft bereits auferzogen sind, ein gesunder, der Landwirtschaft gewidmeter Mittelstand .sich bilden ließe. Nach Besprechung der erforderlichen Industrialisierung des Landes kommt der Verfasser hinsichtlich der nächstliegenden Aufgaben eines wirtschaftlichen Wiederaufbaues zu folgendem Resultate: „Eine planlose Kreditierung wäre von vornherein verfehlt. Kriegsdarlehen, die Unterstützungsgaben gleichkommen, schaffen Bettler, aber keinen gesunden, aufstrebenden Bürgerstand. Nach der Bukowina kehrt eine durchwegs verarmie Bevölkerung heim. Nicht nur die Landwirtschaft hat gelitten, der Handels- und Gewerbestand ist vollständig proletarisiert. Was vollends die wirtschaftliche Lage des Landes geradezu bejammernswert erscheinen lassen wird, ist auch die nicht zu verhüllende Pauperisierung uer intellektuellen Oberschichte der Bevölkerung . . . Die Heimkehr der Flüchtlinge, die zuhause keinen Erwerb finden werden, muß trost'os sich gestalten. Auch nur eine Teilzahlung des schuldigen Mietzinses wird in den meisten Fällen ganz unmöglich sein oder nur im exekutiven Wege erfolgen können, bezw. werden viele zwangsweise ihre Wohnstätten räumen müssen. Es muß daher schon jetzt zum Zwecke der Repatriierung für eine ausgiebige und zweckentsprechende Kreditierung vorgesorgt werden. Aus den in Galizien gesammelten trüben Erfahrungen soll für die Bukowina die Nutzanwendung gezogen werden. Flüch linge, die in Sammeltransporten nach Galizien die Heimkehr antreten, finden keine oder leere Wohnstätten und keine Erwerbsgelegenheit Hier muß unserem Bundesgenossen nachgeeifert und der Entwicklungsgang dem Deutschlands entsprechender werden. Ohne Wehleidigkeit, im Interesse des Vaterlandes, muß auch die Lösung dieser Frage erörtert werden, um einen wirtschaftlichen Wiederaufbau in moderner und zweckentsprechender Weise überhaupt möglich zu machen. Deutschland trifft schon heute seine Vorbereitungen, um nach dem Kriege alle volkswirtschaftlichen Kräfte dem Reiche dienstbar zu machen. Der Balkan wird für die Handelsbeziehungen sehr in Betracht kommen. Die Bukowina wird als Grenzlahd von Rußland, Rumänien und Siebenbürgen die Schraube bilden, die Ost und West verbindet und für die gesamtwirtschaftlichen Interessen der Monarchie von hohem Werte sein. Darum muß das Land rasch wirtscha tlich aufgebaut werden. Planmäßig und zielbewußt! Dann wird der Wunsch des ehemaligen deutschen Staatssekretärs sich erfüllen: Der Ertrag der Landwirtschaft wird auch bei uns gesteigert, die Industrialisierung größer werden und die Auswanderung versiegen.“ Hus 4er jü4isdien Nett. Dem Newyorker „Jüdischen Tageblatt“ wird aus London folgender Bericht telegraphiert: „Lord Robert Ce eil, Unterstaatssekretär hn Ministerium des Aeußeren, empfing dieser Tage den Redakteur der russischen Zeitung „Gazeta Kopejka“, S. Gorodezki, dem er im Laufe einer längeren Unterredung über die russische Judenfrage nachstehendre Erklärung gab: Die englische Regierung hat immer mit der Forderung einer völligen Emanzipation der russischen Juden sypathisiert, allein die Judenfrage ist eine innere Angelegenheit des russischen Reiches, in die wir, die Verbündeten Rußlands, un$ nicht einmischen dürfen und wollen. Die Verbündeten respektieren sich gegenseitig und wir werden uns deshalb mit jeder Art der Lösung dieser Frage durch die russische Regierung zufrieden geben müssen.“ Dem „Warschauer Tagblatt“ zufolge beschäftigt das dortige Bürgerkomitee bei den öffentlichen Arbeiten gegenwärtig ca. 7000 Arbeiter, davon bloß 150 Juden, d. h. 4*5 Prozent der Arbeiter. Bekanntlich bilden die Juden in Warschau ungefähr 40% der Gesamtbevölkerung . . . Aus Anlaß der heurigen Weihnachtsfeier, die auf einen Samstag fiel, ließ der Magistrat in Sanok durch Trommelschlag verkünden, daß es den Juden verboten ist, in dieser Woche Fische zu kaufen... * Der Ministerrat vom 18. September a. St. beschloß, mit Rücksicht auf die Kriegsverhältnisse den jüdischen Aktiengesellschaften und Genossenschaften, die aus den in der Kriegszone liegenden Orten evakuiert und in die inneren Gouvernements Rußlands verlegt worden sind, zeitweilig ausnahmsweise den Erwerb von Grundstücken, die sie für ihren Betrieb wirklich brauchen, zu gestatten. In Petersburg fand am 21. November die erste Sitzung der „Gesellschaft zur Pflege freundschaftlicher Beziehungen zwischen Rußland und Amerika“ statt. Als erster sprach Professor Paul Miljukow, der Führer der Kadettenpartei, welcher ausführte, daß die für amerikanisch-jüdische Bürger in Rußland bestehenden Beschränkungen eine Scheidewand zwischen den beiden Ländern bilden und kein freundschaftliches Verhälttisi zwischen Amerika und Rußland aufkommen las!- sen. Er hoffe aber, daß diese Scheidewand bald fallen, werde. Roditschew erklärte, daß die Forderungen Amerikas bezüglich der amerikanischen Juden keine Beleidigung Rußlands enthalten. Amerika erfülle bloß seine elementare Pflicht als Großmacht, wenn es eine bessere Behandlung der jüdischen Bürger in Rußland fordere. Die „Times“ meldet aus Newyork: Das Staatsdepartement beauftragte den amerikanischen Botschafter in Rom, möglichst schnell alle Einzelheiten über die Versenkung der „Ancona“ mitzuteilen, mit der, wie berichtet Wird, viele jüdisch -amerikanische Staatsbürger aus Palästina tzurückkehrten. — Wie sehr bedauerlich es auch ist, daß hier einige Juden — allzu viele dürften es kaum gewesen sein — umgekommen sind, so hat die Sache an sich mit der Judenheit nichts zu schaffen, und es müßte gesorgt werden, daß dies nicht wieder ausgebeutet wird, um in der Judenheit der neutralen Län- □□□□□□□□□□□□□□□ □□□□□□□ □□□□□□□ □□□□□□□□□ □□□□□□□□□□□ □□ BUCHHANDLUNG R. LÖWIT, WIEN, I. ROTENTURMSTRASSE 22 □□ □□ □□ □□ □□ □□ 5° □□ □□ □□ □□ □□ □O □□ □□ □□ □□ □□ □□ □□ □□ □□ □O □□ □□ □□ □□ □□ □□ □□ □□ □□ Zur rechten Zeit für gewaltige Dinge,* die der Gestaltung zureifen, erscheint als hervorragende Neuigkeit für Gebildete jeder Konfession, insonderheit aber als stolzes Wertungs- und Erkenntnisbuch für jeden Angehörigen des Jahwe-Glaubens die Schrift: Vom Geist des Judentums Reden und Geleitworte von MARTIN BUBER Subskriptionspreis K 5.25 geschmackvoll gebunden, falls bis Ende Januar bestellt Danach erhöht sich der Preis auf K 6.75 Gleich allen Nationen und Reichen, die jetzt mit letzter Kraftanstrengung um die Vorherrschaft in der alten Welt streiten, schlägt auch dem unter die Ringenden versprengten jüdischen Volke zur Zeit eine Schicksalsstunde. Sich selbst erkennen, seines Wesens ureigensten Kern erfassen und die Wurzeln seines Seins und Soseins jedem, der sehen will, offenbar machen, wird mehr als je Pflicht. Aus dem in edelster Sprache geschriebenen Buch Martin Bubers erblüht der lange mißkannte wirkliche Geist des'"Judentums. Nicht jener jüdische Geist, der sich in rationalistischen Apologien oder gar in den Schriften der verblendetsten Rassentheoretiker so unrichtig und einseitig darstellt, sondern der echte „motorische“ Geist des Judentums, wie er sich in den Propheten, der jüdischen Mystik, in den großen religiösen Empörern und Neuschöpfern offenbart, wird hier zum erstenmal in deutscher Sprache .dargestellt Überall, wo die Judenfrage diskutiert wird, wo man Seele und Kultur der Völker studiert’ verdient daher dieses bedeutende neue Buch Bubers die größte Beachtung und Verbreitung. Ihm solche zu verschaffen, wird vor allem die Aufgabe der Stammesgenossen sein. Subskriptonsanmeldung wolle man umgehend richten an Buchhandlung R. Löwit, Wien, I. Rotenturmstraße 22 □□ □□ □□ □□ □□ □□ □□ □□ □□ □□ □□ □□ □O □□ □□ □□ □□ □□ □□ □□ □O □□ □D □□ □O □□ □□ □□ □□ □□ □□ □□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ □□□□□□□ □□□□□□□□ □□□□□□□□□□□□□□

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