Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 9 (1915)
- Issue
- 50-51 (21.12.1915)
- Date
- 1915-12-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 50/51 .ODISCHE ZEITUNG Seite 3 Oie roten Täuflinge auf öem KriegspfaO. Die „Arbeiter-Zeitung“ vom 9. d. M. bringt unter der Spitzmarke „Der Rabbiner auf dem Kriegspfad“ folgende Notiz: „In den New York Times vom 14. November steht der Bericht über eine Predigt, die der Rabbiner Ephraim Frisch von der Neuen Synagoge in Newyork gehalten hat. Der ehrwürdige Mann beschäftigte sich darin weniger mit Glaubenssachen als mit Rüstungstreiberei oder vielmehr, er verquickte beides: „Der Gott, der_Ei-i senwerke wachsen ließ . . .“ Es war eine eifervolle Polemik gegen Wilsons Pazifismus, gegen den der Rabbiner sogar den alten Propheten Ezechiel aus dem Grabe zitierte. Herr Frisch erklärte, ein Frieden ohne richtige militärische Bereitschaft sei nichts wert. Amerika (brauche eine mächtige Flotte, eine starke Armee, eine furchterregende Artillerie. Die Wirkung auf die Zuhörer soll, wie von anderer Seite berichtet wird, außerordentlich gewesen sein. Die Frauen rannten nach Hause, „Schabbeskugeln“ gießen, die Männer gaben ihren Bankiers telephonisch Riesenordres in Stahlaktien. Rabbiner Ephraim Frisch aber stieg stolz auf das Schlachtroß, das der Tempeldiener vor dem Tore am Zügel hielt.“ Es braucht wohl keiner großen Imagination, um herauszufinden, daß der Nachtragsbericht über die Wirkung der Rabbinerrede aus der ureigenen Giftküche der „Arbeiter-Zeitung“ stammt. Wir überlassen die Person des Herrn Frisch den Herren Austerlitz und Scholz zur beliebigen Vermoppelung, müssen uns aber dagegen verwahren, daß im Zusammenhang mit der Verfehlung eines Juden, und wäre es auch ein Rabbiner versucht wird, die Juden als Gesamtheit lächerlich zu machen. Stehen noch zu wenig Hunderttausende von Juden im Feld, um die roten Schmocke' an unsere Wehrhaftigkeit glauben zu lassen? Vielleicht wird es zuvor nötig sein, daß die Täuflinge von der „Arbeiter-Zeitung“ von den Juden eins auf die Nase bekommen. Z. Zionist. Ucftrauensmännersilzung. Sonntag, den 5. Dezember 1915, fand unter dem Vorsitze des Vizepräsidenten Adolf Stand eine Sitzung der erweiterten westösterreichischen, galizischen und Bukowinaer Zionistischen Zentralkomitees statt. Die Beratungen, an denen viele bedeutende Gesinnungsgenosen teilnahmen, dauerten den ganzen Tag. Von Gesinnungsgenossen, die wir schon lange Zeit in unseren Versammlungen vermißt hatten, waren erfreulicherweise zu begrüßen: die Herren Dr. Abraham Korkis, Lemberg, Dr. Alexander Marmorek, Paris und Dr. Isidor Schalit, Wien. Die Diskussion stand meist auf ansehnlicher Höhe. Aus dem Tätigkeitsbericht des Präsidenten Dr. Karl P o 11 a k sind folgende Einzelheiten hervorzuheben: Auf dem Gebiete der zionistischen Arbeit wurden die Bemühungen hinsichtlich der Schekel- und Zentralfondssammlungen eifrig fortgesetzt, die „Jüdische Zeitung“ ausgestaltet und aüe Büros erhalten. Ein 'Teil derselben, der früher dem Palästina-Amt gehörte, ist mehreren hebräischen Kursen zur Verfügung gestellt. Als zionistische Arbeit im weiteren Sinne ist das unter Leitung des Gg. pbering. Robert Stricker stehende Kriegsarchiv zu betrachten, das bereits wertvolles Material besitzt, von dem manches für die Mitteilungen dieses Archivs verwertet wird. Das Z. K. begann lin letzter Zeit auch mit der Herausgabe von „Mitteilungen“, welche die Aufgabe haben, Gesinnungsgenossen und weitere Kreise über wichtige und aktuelle Dinge zu informieren. Auf dem Gebiete der Kriegshilfsfürsorge sind zu nennen: Das Ambulatorium, jetzt unter Leitung des Gg. Revisor T a u s s i g, mit Einnahmen von über 52.000 Kronen. Die Zahl der bis heute behandelten Patienten erreicht fast 50.000. ES wirken dort 20 Aerzte in selbstloser Weise. Das Rechtschutzbüro, seit der Einrückung des Gg, Dr. Bernhardt unter Leitung des Gg. Dr. Schubert stehend, erteilte in den 13 Monaten Seines Bestehens in 7150 Fällen Rechtshilfe und wird überdies auch von den Flüchtlingen in den Baracken und Konzentrationslagern im Korrespondenzwege stark in Anspruch genommen. Im Rechtsschutzbüro wirkten bis heute abwechselnu 49 Advokaten, darunter viele aus Galizien. Das Schadenerhebungsbüro versandte bereits ca. 22.000 Formulare des von demselben herausgegebenen Fragebogens. Es versendete auch wiederholt Aufrufe und Belehrungen an die Geschädigten und Kultusgemeinden. Auf dessen Initiative wurden auch jn vielen Orten Galiziens und der Bukowina spezielle jüdische Schadenerhebungskomiteesgegründet, welche die Wahrung der jüdischen Interessen bezwecken. Der von Gg. Frau Patak gegründete und geleitete Kinderhort setzt seine segensreiche Tätigkeit fort. Derselbe wird ständig von ca. SO Flüchtlingskindern besucht. Die materiellen Unterstützungen an die Flüchtlinge dauern, wenn auch im eingeschränkten Maße fort. Die Gesamteinnahmen zugunsten unserer Kriegshilfen belaufen sich bisher auf Kronen 107.000.—. Der Bericht wurde mit lebhaftem Beifall zur Kenntnis genommen. Nicht minder erfreulich war das Referat des gegenwärtigen Leiters der NF-Sammelstelle für Oesterreich, des Gg. Dr. E. Zwei g. Es genügt die Spendensummen in den vier aufeinanderfolgenden Semestern der Jahre 1914 und 1915 zu betrachten: 62.200 -Mark, 2S.600 Mark, 19.800 Mark und 55.200 Mark. Dies ist neben der Opferfreudigkeit, mit der sich vor allem unsere Gg. im Felde hervortaten, der zugkräftigen Aktion für die Kriegslandspende zu danken, die bekanntlich den Gg. Dr. Zipper als ihren Initiator rühmt. Diesem Zwecke sind bereits gegen 45.000 Kronen tzugeflossen, zum großen Teile auch von Nichtzionisten. Die Zionistischen Büros suchen freiwillige Kraft welche des Maschinenschreibens mächtig ist, für einige Stunden täglich. Zeit nach Übereinkunft. Anmeldungen sind zu richten: Wien. II., Zirkusgasse 33. Im Zusammenhänge mit diesen Referaten und den Ausführungen des Gg. Obering. Robert Stricker, Wurde die Oesamtlage der Juden und der 'zionistischen Partei einer eingehenden Erörterung unterzogen, die mit der Annahme folgender Resolutionen schloß: 1. ) Die Versammelten geben ihrer Ueberzeugung Ausdruck, daß es nach wie vor Auf-» gäbe der Zionisten aller Länder ist, unser Pa-> lästinawerk aufrecht zu erhalten und auszubauen. 2. ) Die Versammelten billigen die von diesem Gesichtspunkte geleitete Politik des AC und sprechen ihm und dem Leiter des Palästinaamtes Dank und Anerkennung aus. 3. ) Die Versammelten verpflichten die österreichischen Zionisten alle Parteiinstitutionen nach Kräften zu fördern, um die Autorität des AC zu stärken und um für die starke, nach dem Kriege zu gewärtigende Palästina im igration gerüstet zu sein. 4. ) Die Versammelten erwarten, dah auf dem* 1 2 3 Friedenskongreß die Judenfrage zur Sprache kommt und vertrauen dem AC, daß es die geeigneten Mittel und Wege finden wird, um eine möglichst einmütige Kundgebung der Juden aller Länder für die Forderung hervorzurufen, daß den Juden überall die bürgerliche und politische Gleichberechtigung und in den Nationalitätenstaaten auch die nationale Anerkennung gewährleistet werde. 5. ) Das AC. wird aufgefordert, in geeigneter Weise vorzusorgen, daß vor dem Forum des künftigen Friedenskongresses die Interessen des politischen Zionismus gewahrt werden. Im Hinblik auf den Friedenskongreß begrüßen die Versammelten die Bestrebungen hinsichtich eines jüdischen Kongresses in Amerika. 6. ) Die Verammelten wünschen, das schon in der nächsten Zeit ernste Schritte gemacht werden, um die alte Einheit in der österreichischen Partei wieder herzustellen. 7. ) Die Versammelten erblicken in der Fürsorge für die Waisen der jüdischen Kriegsopfer eine der dringendsten und wichtigsten Aufgaben und fordern die Parteileitung auf, eine diesbezügliche Aktion einzulei'en. Zu Hugo Zutemanns erster Jaiirzeit. „Denn er war unser! Mag das stolze Wort den lauten Schmerz gewaltig übertönen.“ (Goethe „Epilog zu Schillers Glocke“)' Ein Jahr ist vergangen, seit man Hugo Zuckermanns Leib .auf dem kleinen jüdischen Friedhof in Eger zur ewigen Ruhe bestattete, ein Jahr, voll von Ereignissen, Sorgen und Kämpfen für jeden und doch srteht uns allen, die wis Zuckermann gekannt und geliebt haben, sein Bild so vor Augen, als hätten wir ihn eben gestern zum letztenmal gesehen. Unser war Zuckermann mit ganzem1 Herzen ünd ganzer Seele, wo immer er weilte, was immer er tat, nie vergaß er s'ein Judentum, seine Gesinnung, seine Genossen und Freunde! Er bildete während seiner Studentenzeit und noch lange darüber hinaus das Zentrum seines Kreises. Seine Herzensgüte, sein Geist, sein Humor gewannen;ihm schnell alle Herzen. Schade, daß nicht auch die lustigen Gelegenheitsgedichte Zuckermanns publiziert werden konnten, dann hätte auch die weitere Oeffentlichkeit erfahren, daß dieser prächtige Mensch nicht nur ernst und begeistert, sondern auch lustig sein .konnte im Kreise seiner Freunde, JnSt denen er eins war. Nach einer langen Zeit kampfreichen Strebens sollte ihm endlich in Meran der Lohn s|einer Bemühungen zuteil werden. Er hatte sich in Meran ein .Heim gegründet. Voll Stolzes zeigte er mir sein Werk, seine Advokaturskanzlei, das traute gemütliche Heim, das er sich mit seiner heißgeliebten Gattin errichtete und nicht zuletzt das jüdische Werk, das er in Meran geschaffen, die Kultusgemeinde, die er in heißem Kampfe gegen die Feinde unseres Volkstums hatte mitgründen helfen. Wir gingen an einem' herrlichen Sommermorgen zusammen auf den jüdischen Friedhof Merans und besuchten das Grab Perez Smolensmelliaar R3 Sclmlie allen Ausführungen #