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Jüdische Zeitung · 1915-12-10 · 49 (10.12.1915) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
9 (1915)
Issue
49 (10.12.1915)
Date
1915-12-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITÜNO r ~Nr. 49 ErzUsdiof Rohn. Kürzlich ist in seinem steirischen Exil Ehrenhausen der einstige Fürsterzbischof von Olniütz, Dr. Theodor Kohn, einem Herzleiden erlegen. Ihm; gebührt hier ein Nachruf, denn er war ein Opfer seines jüdischen Namens und seiner jüdischen Abstammung. Sein Großvater schon war in den Schoß der katholischen Kirche geflüchtet, um der Strafe zii'entgehen, die er dadurch verwirkt hatte, daß er eine — den zweitgeborenen Juden damals verbotene — Ehe, eine sogenannte Boden- .oder Magrantenehe, eingegangen war. Der Sohn Josef dieses Apostaten heiratete eine tschechische Häuslerstochter. und sie machten ihr Kind Theodor zum Geistlichen. Dank seiner Begabung Wurde, er bald Theolologie-Professor, päpstlicher Kämmerer, dann Domherr und Kanzler, des Erzbistums Olmütz.; D.er. damalige Erzbischof Fürst Fürstenberg hielt sich an Kohn, daß er die-Finanzen; um die es schlecht bestellt war, halbwegs in Ordnung bringe;, Als Fürstenberg 1892 starb, Wählte das Domkapitel nicht den hochadeligen Kandidaten und nicht" den bürgerlichen Gegenkandidaten, Sündern den .Bauernsohn Kohn,'vornehmlich wegen,seiner-, bewährten Wirtschaftlichkeit Zum Nachfolgen Und. schon setzte die antisemitische Hetze ein."" Deh-- Auftakt gab Ministerpräsident Taafe, der, als er ' während einer Parlamentsitzung von Kolms Wahl , erfuhr, witzig bemerkte: „Hoffentlich istder. Mann schon getauft!“ und die aufstrebende Christ-' lidisoziale Partei Wiens gabA durch -ihren( lauten Protest das Echo. *; Und auch in Kohns Erzdiözese, 'wetteiferten alsbald die sonst so. uneinigen Deutschen und Tschechen,' ihren Seelenhirten offen und versteckt zu befehden und auf jede Art zu verhöhnen. Die geeigneteste Handhabe bot gerade Kohns Wirtschaftlichkeit. Dabei half es Kohn nichts, daß er selbst ein höchst bescheidenes Leben führte una daß er Kirchen und Wohltätigkeitsanstalten reich beschenkte, es half ihm audh bei den Tschechen nichts, daß er sich offen als tschechischen Patrioten gab und betätigte, und inichts bei 'den Klerikalen, daß er mit allem Eifer die KirChenzucht aufrecht hielt und die tschechischkatholische Partei im Lande organisierte. Jeder gchritt Wurde ihm übelgedeutet und schließlich bot Kohn, überreizt wie er war, seinen Gegnern immer öfter Blößen. So als er den hämischen Kremsierem den Park seines dortigen Schlosses verschloß, dann als er zur Entlarvung des Geistlichen, der im Olmützer antiklerikalen „Pozor“ als Rectus anonyme Hetzartikel schrieb, das Postgeheimnis verletzte. Papst Leo XIII, bei dem Erzbischof Kohn gleich wie vor dem Justizministerium angeklagt war, fand ihn schuldlos, doch Papst Pius X zwang ihn zum Verzicht auf seine Würde. Kohn war eine Streitnatur. Er Wich nicht leicht ungerechtem Angriff. Es ehrt den Mann schon, das er den gefährlichen Judennamen Kohn nicht abtat, und es' ehrt ihn, daß er es verschmähte, sich nach' bewährten Mustern als Antisemit populär zu machen. Und er hatte wahrlich keinen Grund, uns Juden hold Eox Sein. Denn auch deutsch-israelitische und sozialdemokratisch-israelitische Preßleute machten die Hetze gegen ihn redlich mit, als verstünden sie nicht, worum es sich handle. Kohn aber begegnete den Juden stets freundlich; so war er und blieb er Mitglied des jüdischen Frauenwohltätigkeitsvereines in Olmütz. Darum .Wollen Wir uns nicht dem sonst naheliegenden Gefühl der Genugtuung hingeben, daß auch der Judenstämmling verfolgt bleibt bis ins dritte und vierte Geschlecht. Dr. E. Z. Auf die Frage, Welchen Eindruck aut ihn der jüdische Soldat gemacht habe,; antwortete er: Wenn es auch Wahr istt, daß-das jüdische Volk seine Kräfte am besten jm Frieden; entwickelt, so kann ich ihnen versichern, daß imi jetzigen Kriege der jüdische Soldat seinem nichtjüdischen Kameraden in nichts nachsteht. Der jüdische Offizier aber verdient ein besonderes Lob. Beim Verabschieden Wiederholte Biörnson: Speziell die jüdischen Offiziere der österreichischen Armee sind ausgezeichnet. Ich habe viele Freunde unter ihnen. Sie können dies in meinem Nam'en veröffentlichen. Rnsieölung jüdischer Kriegsopfer aus Galizien in Bosnien. < ' - ' Der Krieg hat - tausenden jüdischen Familien , in Galizien die Erwerbsmöglichkeit für, die nach-., ste Zeit genommen.- Es genügt, nicht die Festste!? lung dieser Tatsache, es muss Abhilfe geschaffen werden.' Der Staat'wird seine Pflichten erfüllen- und den Geschädigten Ersatz leisten. Vielen wird es jedoch' unmöglich Sein'“ in Galizien ihre Exis - > tenz-idneu 'p.ufzubäuen und muss - damit gerechnet. ..Werden, - dass unmittelbar nach dem Kriege eine, .'•sehr'starke: Auswanderung'beginneri wird. Die] - grossen Auswinderungszentren werden voraussichtlich : ihre Grenzen' isühliessen ■ 'und können. wir vorläufig mit einer massenhaften Auswanderung nach Palästina nicht rechnen. Diese' Auswanderer sesshaft zu machen, ihnen- Grund., und Boden zu geben; sie der Landwirtschaft'zuzüführen,' um sie im entsprechenden -Atomente' in Palästina anzusiedeln, ist unsere heutige grosse Auf-' gäbe.' Mit Genugtuung können wir •feststellen, dass diese Ansicht auch von anderer .Seite .geteilt- Wird. Gg. Herrn -Dr.' •Heinrich Fastin1 Wien; . (II. Grosse Sperlgasse 6/6- Tel; Nn’46065' wurde von einem jüdischen Grossgrundbesitzer in Bosnien der Vorschlag gemacht, er möge die jüdische Oeffentlichkeit für die .obgenannte Idee; interessieren. Er selbst sei bereit, : 50-60 jüdische Familien auf seinem Besitze in Bosnien an-., rusiedeln. Jede Familie, würde 5-6 ha Grund und . die Mittel zur Bewirtschaftungdesselben erhalten. Der Pachtzins wäre durch ..Beistellung eines Teiles" des Reinertrages an; den -Besitzer -zu ent- - richten. Die Erwerbung des Eigentumsrechtes- - würde im Vertrage -in Aussicht gestellt werden. - ■In. Betracht kommen natürlich, nur Familien, die sich freudig der Landwirtschaft widmen wollen., Bosnien und Herzegovina. ist.das einzige im. Gebiete der oester,. Ungar. Monarchie in. Betracht kommende " Land, welches mit grossem Vorteile für die anzüsiedelnden Familienkolonisiert werden. könnte. Die-dort durch die bester, ungarische. Verwaltung geregelten Verhältnisse bieten besonders der jüdischen Bevölkerung. die. besten Aussichten auf das Gelingen dieser Bestrebungen. Die (einheimische Bevölkerung-ist sehr tolerant und das erklärt uns warum in Bosnien so hohe amtliche Stellungen bekleiden. Es gibt in Bosinien jauch jüdische BezirkShauptleute, die sich' des größten Vertrauens der Bevölkerung erfreuen. '• Dr. Fast hat nach Rücksprache mit) den in Frage kommenden Faktoren die ihm1 anvertraute •Aktion zur Durchführung übernommen und ist 'es jetzt den jüdischen Interessenten gegeben, sich mit ihm in Verbindung zu Setzen. Sie werden die nötigen Informationen und einen Entwurf des Vertrages erhalten. ES ist auch Sache der jüdischen Gemeinden in Galizien, ihre Mitglieder über diese geplante Aktion aufzuklären. Rus Oer jüdischen Welf. Björn Bjornson über die Juden im östlichen Kriegsgebief. Der Redakteur des in Kopenhagen in jidisdier Sprache erscheinenden „Wochenblattes“ hatte mit Björn Bjömson, der bekanntlich mit höherer Erlaubnis die ganze Ostfront besuchen durfte, eine Unterredung. Als das Gespräch auf die Lage der jüdischen Bevölkerung in den östlichen Kriegsgebieten kam, da äußerte sich Biörnson folgendermaßen: Ein galizischer Rabbiner sagte mir: „Das jüdische Volk durchlebt jetzt große Zeiten“. Ich will nur diesen Ausspruch wiederholen, denn ich finde wahrlich keine Worte, um all das zu schildern, was ich dort gesehen und gehört habe. Es ist rein unmöglich, die Leiden, die Not und das Elend auszumalen, die mir vor Augen gekommen sind. Besonders in den Städten und Städtchen, die das Unglück gehabt haben, von den Kosakenregimentem geplündert zu werden. Diese Horden haben sich ja überall die jüdische Bevölkerung zum Objekt ihrer unmenschlichen Schandtaten gewählt! Der („Israelit“ berichtet: Neulich verschied in Budapest der Kliniker Professor Tauszk. Er war bis zum Ableben Steuerzahler der Pester israelitischen Großgemeinde, Aspirant auf die gutdotierte Stelle der Leitung des .jüdischen Spitals, Hausarzt aller „guten“ Juden, Renommierprofessor der heiligen Vereine und als die Zeit für ihn um war, kam jes aut den Kreis seiner Intimen wie eine eisige Bescherung. Der joviale Professor tat ihnen einen Schmerz ,an, den sie 5hm bis in den Tod [nicht vergessen können. Es jstellte sich heraus, daß er durch und durch getauft war und daß er, der in „ihrem“ Kreise die Erziehung und den Stempel des „guten“ Juden erhielt, den größten Teil Beines jüdischen Vermögens für KlosterschWestem und Ordensbrüder vermachte. Um aber seine Freunde nicht ganz zu zerschmettern, ließ er auch noch einige Jahrzeitsstipendien für jüdische Institute zurück. Man kann nicht wissen .... *; Wie mitgeteilt wird, hat das Kriegsministerium die stellvertretenden Generalkommandos verständigt, daß jüdische Mannschaften, die unter Berufung auf die Religionsgesetze einen entsprechenden Antrag stellen, auch Während der Dauer der Mobilmachung von der Teilnahme an der gemeinsamen Truppenküche befreit werden können. Die alsdann an die Mannschaften1 zu zahlende bestimmungsmäßige Geldabfindung beträgt vom 26.’, September d. J. ab für die Verpflegung! einschließlich Brot 1.50 Mark1 und lohne Brot 1.35 Mark täglich. Wie zu ersehen ist, bezieht sich . diese Verordnung auf Deutschland. —. * - ';. - - . Nach' den jüngsten russischen „Siegen in Galizien“ hat 'der Armeefüh'rer, Iwanow ange- , ordnet, die Seinerzeit von der russischen Regiei rung nach Nischninowgorod abgeschobenen, etwa 3000 galizischen Juden nach Tamopol zurückzutransportieren. 'Die unglücklichen galizischen Juden befänden sich auf dem Rücktransport bereits in Kiew und Kusatin, als dann von Iwanow der Befehl ..einlief, „angesichts der militärischen Lage“ die .betreffenden Juden wieder nach Nischninowgorod iabzusCliieben. 1 Nach ' Berditschew Wurden dieser Tage 50 galizische''Juden, darunter mehrere - Rabbiner, ge-' . brächt. Sie Wurden als „Geiseln“ .jn , das / städtischen Gefängnis abgeliefert, -m-.-. : i. .-•■ Tri W ä'r'schä ü werden-'jetzt'Vörbereitun-' .gen getroffen, eine allgemeine Volkszählung , dürchzütühren. Das, Zenträlbürö . der“ ..jüdischen professionellen Vereine;'das zwölf Vereine mitca. 10.000 jüdischen Arbeitern vereinigt, hat in die- 1 ser Frage folgende Resolution gefäßt.:-In Anbetracht der .ungeheuren Wichtigkeit der wahrheitS-; gemäßen Angaben seitens der jüdischen Bevöli - kerung hinsichtlich der Umgangssprache erscheint i es1 als durchaus notwendig, auf die jüdischen1; Volksmässen, die sich der jidischen Umgangsi spräche bedienen, ieinzuwirken, dies bei der -: Volkszähhing“'zu“-'dokumentieren.-—- - —- - *' * -! ‘Die'i Warschauer „Dwa Grosze“ \ berichtet, daß das dortige Bürgerkomitee beschlossen habe, an das jüdische Kaminsk.i-Theater die Aufforderung ergehen Izü' lassen; seine Affichen [nicht mehr, Wie bisher, in jidiscber und deutscher. Sprache izu veröffentlichen, . sondern ausschließlich in polnischer und deutscher Sprache. ♦ ' Dem1 „Warschauer - Tageblatt“ zufolge, be- ' gibt sich demnächst Gg. Rabbiner Dr. Thon, aut eine VortragS-Toumee ins österreichische Okkupationsgebiet. ßei dieser Gelegenheit wird er auch in Warschau vier Vorträge über verschiedene Themen halten. * . Das Polizei-Präsidium in Warschau erteilte dem dortigen jüdischen „Arbeiter-Heim“ die Bewilligung, in seinen Abendkursen Jidisch als .Unterrichtssprache;einzuführen. * Zum Direktor des Gouvemetnentsarchivs in Warschau Wurde der Geh. Archivrat Prof. Dr. - Adolf Warschauer,, der bisherige Direktor des Staatsarchivs jn Danzig, ein Jude, ernannt. .. * ■ Die deutsche Militärverwaltung hat dem An- . suchen der Zionisten in Lodz betreffs Legalisierung des dortigen Zionistischen Komitees stattgegeben. (Diesem Komitee gehören an die be- - kannten Gg. Dr. Brande, Dr. Rosenblatt,- Miljukowski u. a.. ’ ' Seit Freitag, den 26. November erscheint Wieder in Warschau die „H azef Fr ah“. Sie war einige Zeit lang wegen dertechnischen Schwierigkeiten .eingestellt, die für ihre Administration dadurch entstanden, . daß der Verkauf von Warschauer Zeitungen außerhalb Warschaus nicht gestattet war. •••’*■ Der König von Italien ernannte Commendaiore Felice Tedes’chi zum Offizier des St. Maurus- und . Lazarus-Ordens, eine Würde, durch die . man „Vetter des Königs“ Wird. Der Ausgezeichnete, ein J u d e, ist seit 1908 Präsident des Metallsyndikates ' von Turin. Anzeigen unö Mitteilungen. An die jüdischen Photo-Amateure im Felde! Die Herausgeber des jüdischen. „Interessanten Blattes“ in Lemberg, Dr. Nathan Czaczkes, derzeit im Felde, und Dr. Heinrich Fast, derzeit Wien, wenden siclv auf 'diesem Wege an die jüdischen Photo-Amateure, sie. mögen Gräber der jüdischen Soldaten und Offiziere, die Dekorierten und andere Sehenswürdigkeiten, die für uns Juden Bedeutung haben .können, photographieren iund die Bilder an Heim Dr. Heinrich Fast, Wien, II., Große Sperlgasse Nr. 6 zusen- Üen. — Diese Bilder Werden ppäterhm' im „Jüdischen Interessanten Blatte“ veröffentlicht werden. . . ' ' ... '.'-- •'• - > '*

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