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Jüdische Zeitung · 1915-12-03 · 48 (3.12.1915) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
9 (1915)
Issue
48 (3.12.1915)
Date
1915-12-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 f*. . *••• .A ' Soeben erschienen:' Herausgegeben von Otto Abeies. Einfache Ausgabe K 2.40, In Leinwand: K 3.60. In Leder (Nr. 1—100) K 12.—. — Porto K —.30. ■* * ' Was dem.Jüngjuden der Dichter des berühmten „Reiterliedes“ bedeutet, davon sollen diese Gedichte zeugen. R, LGWIT VERLAG, WIEN I.’Rotenturmstr. 22 Brief ins Feld. Liebe Soldaten! -Das' .zweite Chanukahfest des Krieges naht. Vor zwei Jahren da war noch jeder von Euch im lieben, trauten Heim. Da kam der Vater abends nach Haus, sammelte um sich die ganze Familie-, nahm den Schames in' die Hand, zündete die Lichtlein an und sprach die Gebete. Die Großen und die Kiemen, Mann und Frau schauten auf die Lichtlein und vor ihren Augen entrollte sich die Geschichte unseres Volkes. Aus den Flammen dieser Lichtlein sprachen die Jahrtausende und die Flämmchen beleuchteten die Abgründe unserer Historie. Welch furchtbarer Gegensatz ist zwischen diesem idyllischen Bilde und der Jetztzeit. Heute, wie vor einem Jahre, sehet Ihr nicht mehr das liebliche stimmungsvolle Bild, sammelt Euch nicht mehr im Kreise Eurer Angehörigen, schauet nicht aut die kleinen Flammen der Lichter, höret nicht das stimmungsvolle Gebet. Jetzt ist cg ganz, ganz anders. An die Stelle der intimen; Wärme der Heimat treten die kalten, schneebedeckten Berge am Isonzo und .in Serbien und die uferlosen weiten Felder Tiefrußlands. Eure Augen sind gerichtet auf die großen Heere des Feindes und Eure Ohren hören das Donnern der Geschütze. Vor zwei Jahren da wäret Ihr stille, stumme Zeugen eines Familien- und Nationalfestes, jetzt macht Ihr Weltgeschichte. Vor Jahren bewundertet Ihr die Makkabäer, heute seid Ihr Makkabäer. Makkabäer! Wenn ich mich vor Jahren in Reden und Schriften an Euch wendete, sprach ich zu armen, gedrückten Ghettosöhnen. Heute Inzwischen hatten sich die Syrer, die Feinde der Juden, nicht mit den Verfolgungen der Juden in Syrien begnügt, sondern viele von ihnen zogen nach Palästina und begannen auch dort, die Juden zu unterdrücken. Sie verunreinigten ihre Heiligtümer und plünderten die friedlichen Bewohner des Landes. Da brach nun der Aufstand aus und Mathathias und seine Söhne vertrieben die Syrer aus Erez Israel. Antiochus schickte ein großes Heer gegen die Juden und Philipp jverbot den jüdischen Bewohnern seines Landes, Armeelieferanten zu sein. Syrische Händler versorgten nun das Heer mit den nötigen Nahrungsmitteln, aber sie trieben die Preise von Tag {zu Tag derart in die Höhe, daß schließlich ein Lagb Brot drei Silberschekel und ein Pfund Pferdefleisch ein Pfund Gold kostete. So beuteten die Lieferanten die Soldaten aus. Jetzt erst verstand der Feldherr Lysias die Bemühungen der Syrer, die Juden von der Armeelieferung auszuschließen. Die wenigen Hasmonäer aber in Palästina siegten über die syrische Uebermacht, vertrieben sie aus Jerusalem und (.'erfolgten sie unaufhörlich. Antiochüs.sah dies mit Schmerz, wußte. aber keinen Ausweg» Ein alter,, erfahrener, syrischer Weiser riet, nün .dem König nach dem Sprichwort: „Eisen nur kann Eisen brechen“ sich einen jüdischen Feldherrn gegen-die-Juden auszusuchen. Der König versöhnte sich daher mit seinem Sohne Eupater, der die Juden kannte, und trug ihm .auf, einen pasSenden jüdischen- Fcldherrn ausfindig zu macheiv JÜDISCHE ZEITUNG spreche ich zu Makkabäern. Wie Juda Makka- bis , Brüder und Soldaten, so kämpfet Ihr heute in einer anderen Zeit, unter anderen Verhältnissen, in einem anderen Klima aber mit demselben Elan, mit derselben Glut, mit demselben Eifer, mit derselben Wärme für die selbe heilige Sache. Ihr kämpfet für Oesterreich, für das Land unseres alten Kaisers, der uns von Sklaven zu Menschen erhob, der uns volle Gleichberechtigung gab, der uns immer und allezeit ein Vater war. Dieses Oesterreich bat Feinde ringsum!. Bedroht wird es von unserem gemeinschaftlichen grimmigsten Feinde im Norden, bedrängt vom . tückischen Gegner im Südosten, hinterrücks angefallenen 'wird es von unserem ehemaligen Freunde im Südwesten. Es ist unsere heiligste Pflicht, dem bedrängten Staate, dessen gleichberechtigte Staatsbürger wir sind, ganz und voll zu helfen. Diese hohe Mission habt Ihr übernommen und Ihr erfüllt sie mit großen Opfern. Ihr murtet nicht und klaget nicht, Ihr lieget in den Schützengräben. Euch bedrohen Geschütze und Maschinengewehre, Lavinen und Stürme, über Euren Häuptern Sausen die Kugeln. Ihr haltet zusammen, mutig und wacker, schaltet Eure Nerven aus und spannet Euren (JVillen, denn es handelt sich um eine hohe Sache, — Ihr kämpfet für Oesterreich. Nicht nur iür Oesterreich. Ihr kämpfet auch für die Ehre und Zukunft des Judentums. Ich teile mit Euch dea Glauben, daß in diesem großen Augenblicke, wo Weltgeschichte gemacht wird, auch über die Geschicke Judas entschieden wird. Denn auch unser Land Palästina ist Mittelpunkt eines Kampfes. Auch dort vergießt man viel Blut, darunter jüdisches Blut. Auch das Los Palästinas wird im Kriege entschieden werden. Wir haben die Zuversicht und den Glauben, daß diejenigen hohen Kreise, die im ersehnten Augenblicke des Friedens nicht nur über die Geschicke der großen Staaten, sondern auch über das Los der Kleinen, die ihre Selbständigkeit eingebüßt haben mit Großmut und Hochherzigkeit entscheiden werden. Die Schöpfer der neuen Geschichte, die werden nicht nur über ein großes Deutschland, ein starkes Oesterreich, eine unabhängige Türkei entscheiden, sie werden auch neue Werte schaffen, auf deren Entstehen Millionen Menschen, pochenden Herzens, mit großer Sehnsucht warten. Sie werden ein freies Polen, die unabhängige Ukraina und — zwanzig Jahrhunderte wartet aut diesen historischen Augenblick ein altes, großes Kulturvolk — sie werden ein freies Juda schaffen. Den Glauben und diese Zuversicht haben wir heute, die Wir hinter Euch stehen und Eueren Hel denmut bewundern. Zu jenqr Zeit lebte in Antiochien .ein alter jüdischer Held, namens Nogah, Sohn des Cho- ■ naw, oder, wie die Syrer ihn nannten, Noga-! hasch. Er war in seiner Jugend syrischer Feldherr gewesen und hatte mehrere Schlachten gewonnen, hatte aber, da die Juden aus dem Hee-; re austreten mußten, sich ins Privatleben zurückgezogen. Er hatte eine Tochter, namens Wärdijah, die klug war wie ihr Vater und Schön war, wie nur eine jüdische Tochter sein kann, j Der Kronprinz Eupater liebte sie sehr und wollite sie auch heiraten. Eupater kam nun ins Haus ' des Nogah und teilte ihm mit, daß fcr ihn zum Führer des gegen Jerusalem ziehenden Heeres erwählt habe. Der Jude weigerte Sich anfangs und erbat sich nach längerem Drängen seiner Tochter und des Eupater eine dreitägige Bedenkzeit. Drei Tage und drei Nächte lang ging Nogah mit sich zu Rate. Er sagte sich folgendes: „Wenn ich - mein Schwert gegen meine; Brüder ziehe, wenn ich Jerusalem belagere, dann vergehe ich mich gegen mein Volk, gegen das Land meiner Väter, gegen die Mauern der heiligen Stadt, die meine Väter schützten — ich versündige mich gegen den Juden in mir. Wenn ich aber das Kommando nicht übernehme, dann;sündige ich gegen mein Geburtsland, gegen meinen König, mein Reich, gegen das Volk, in dessen Mitte ich wohne — ich vjersündige mich' gegen den Syrer in mir. Was soll ich tun, um jaus dieser schweren Lage einen Ausweg zu finjden? Wie kann ich die Pflicht eines juden- .Syrcrs erfüllen?“ I Nr. 48 Helden! So wacker und tüchtig, so opferfreudig und mutig, wie Ihr bis jetzt kämpfet, kämpfet weiter. Harret aus, wjie die Giborim vor Jahrtausenden, Eure großen Ahnen und Vorbilder ausgeharrt haben. Ihr kämpfet für hohe Güter, für Oesterreichs und Judas Ehre. Lasset Euch, Helden, die Hand schütteln von Euren Bewunderern im Hinterlande. Wien, Kislew 5676. Adolf Stand. Dr. O. Thon. Ein Kricgsliquiäierungsliomita!. Durchdie Zeitungen lief jüngst eine kurze Notiz, — wahrscheinlich nicht von vielen beachtet, — daß die russische Regierung 'schon jetzt ein Kriegsliquidierungs-Komitee eingesetzt hat. Die Herren in Petrograd drehen offenbar den alten, übrigens sehr schuldbeladenen, Satz um und lesen: „Si ris bellum, parä pacem!“ Zu deutsch: Wenn du noch eine Weile geschlagen werden willst, So denke rechtzeitig an den Friedensschluß / Vorläufig tun Sie allerdings so, als ob sie Krieg führen wollten und — k ö nun - t e n bis in die Ewigkeit. Immerhin — der Krieg wird doch früher oder später — hoffen wir: früher! — zu Ende kommen und da wird der Augenblick da sein, ihn mit all seinen Entsetzlichkeiten zu liquidieren. Und — ich gestehe es — ich fürchte diese Liquidierung genau so, oder noch mehr, als den Krieg selbst. Wer weiß, ob und wie sich die aufgepeitschten Leidenschaften Werden beruhigen und beränftigen lassen. Wer weiß, wohin sich die aufgewühlten Prätensionen versteigen Werden. Wer weiß, welches Bett und mit welcher Gewalt sien die enttäuschten Hoffnungen und Erwartungen graben werden. . Bei diesem letzten Punkte denke ich in erster Linie an das weite Territorium, das bis jetzt unter russischer Herrschaft gestanden hat und zum Teile auch bleiben wird. Es kann sich aber freilich huch auf andere Gegenden beziehen, die teils der Schauplatz des furchtbaren Krieges gewesen sind, und nun durch den unsagbaren Jammer der Zerstörungen und Verwüstungen alles aufstacheln können, was auf dem Boden der Menschenseele an Niedrigem,;an Begehrlichkeit und Rachsucht, an Haß und Selbstsucht liegt. Selbst Gegenden, die .nur unmittelbar und in einiger Entfernung in Mitleidenschaft hineingezogen 'waren, bergen in sich Keime von Aufwiegelungen unü Verwilderungen, gegen die es kein Leichtes sein wird, mit Erfolg anzukämpfen. Es ist klar, daß ich aus mancherlei Gründen nicht klar sprechen kann, sondern mich damit begnügen muß, darauf hinzudeuten, daß es vielerlei Herde von Gefahren gibt, aus denen Flammen schrecklichster Art hervorbredhen können, denen gegenüber man nicht unvorbereitet und ungerüstet bleiben darf. Aut diesen Vulkanen sitzen gut drei Viertel des jüdischen Volkes. Und das jüdische Volk hat in diesem Kriege unsäglich gelitten, perzcntuell mehr als alle anderen Völker. Das jüdische Volk hat furchtbar gelitten an Leib, Leben und — Ehre. Es? sind von rechts und links, von London bis Petersburg über uns Verunglimpfungen geregnet, die das Blut erstarren machen. Und 'mochten Nach langer Ueberlegung kam er zu folgendem Entschluß: „Ich bin ein Jude, ein Bruder der Söhne meines Volkes. Gleich ihnen kämpfe ich für Erez Israel. Während!sie aber nur für die Erweiterung ihres Gebietes kämpfen, kämpfe ich für die Vermehrung Seiner Ehre. Wenn ich den Oberbefehl übernehme und den Krieg siegreich zu Ende führe, dann wird es allgemein heißen: Es gibt keinen Helden dem Juden gleich! Kein Bürger ist so verläßlich Wie der Jude. Hei! dem Lande, das eine solche Nation groß zieht! Heil dem Landp, dem Palästina solche Einwohner abgibt! Ich werde das1 Gebiet Antiochus erweitern und das Ansehen Palästinas in der ganzen Welt heben.“ Zu diesem festen Entschluss War Nogahasch gekommen. Er gürtete sich sein tapferes Schwert um und stellte sich an die Spitzle des Heeres. Er bestieg sein weißes Roß — an seiner Seite lief ein schwarzes Roß. Er war es nämlich in allen Kriegen gewohnt, am Tage weiße Kleider zu tragen und ein weißes Pferd zu reiten. Nachts legte er schwarze Kleider an .und bestieg ein schwarzes Pferd. Nogahasch näherte sich mit seinem Heere den Grenzen Judäas. Er trennte sich für kurze Zeit von seinen Soldaten, ging in eine Einöde zwischen zwei Bergen, warf sich zu Boden, küßte die Erde und rief:;,/hr Berge Judäas zürnet mir nicht und wecket nicht gegen mich meine Vorfahren aus ihren Gräbern! Für eure Ehre kämpfe ich! Habet ihr mich nicht gelehrt, den Geburtsort zu lieben?! Ist das jüdische Volk

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