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Jüdische Zeitung · 1915-11-26 · 47 (26.11.1915) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
9 (1915)
Issue
47 (26.11.1915)
Date
1915-11-26
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 3 Nr. 47 Die Gäste wurden zuerst in das Museum des „Bezalel“ geführt. Djemal Pascha drückte seine Bewunderung darüber aus, daü in der kurzen Zeit von 10 Jahren eine derartig reiche Sammlung geschaffen werden konnte; und erklärte dem Pascha von Jerusalem, daß eine Jerusalemer Stadtmuseum nach dem Muster des Bezalel-Museums geschaffen werden müsse. Der Pascha ersuchte Professor Schatz um seine Mitwirkung bei der geplanten Gründung eines: städtischen Museums in Jerusalem. Vom Museum begaben sich die Herren in .die Schule. Djemal Pascha erkundigte sich eingehend über die Art und Zeit der Gründung der Anstalt, bestellte ein Schmuckkästchen und. wünschte ausdrücklich, daß dies von den Künstlern des iBezalel angefertigt werde, denn — so meinte er —;er möchte aus Jerusalem als Andenken einen jüdischen Gegenstand mitnehmen, der die Kunst und den Fortschritt der Juden zum Ausdruck bringe.“ Vor seiner Verabschiedung sprach Djemal Pascha Prof. Schatz seinen Dank für das Gesehene aus, und als letzterer meinte, daß er für die große Ehre des Besuches danken müsse, erwiderte der General: „Ich danke Ihnen nicht dafür, was Sie mir gezeigt haben, sondern vielmehr hauptsächlich für das, was Sie geschaffen haben, daß Sie überhaupt etwas derartig Großes zustande gebracht haben!“ Der Besuch Djemal Paschas dauerte fast zwei Stunden. Er verabschiedete sich darauf von allen Anwesenden mit größter Liebenswürdigkeit und Verbindlichkeit. * General Djemal Pascha besuchte auch vor wenigen T agen die jü dischen Kolonien Petach Tikwah und Rischon le-Zion, nachdem er schon früher den jüdischen Kolonien in Galiläa einen Besuch abgestattet hatte. Er gab verschiedentlich seiner Genugtuung über den vorzüglichen Zustand dieser jüdischen Kolonien Ausdruck. Die Rufgaben der näriisten Zukunft. Unter diesem Titel veröffentlicht die an Stelle des behördlich eingestellten „Rasswjet“ in Moskau erscheinende „Jewrejskaja Schisn“ einen Artikel, dem wir — in wörtlicher Uebers'etzung — folgendes entnehmen: „Der Weltkrieg, der große Teile des jüdischen Volkes in der Diaspora betroffen hat, stellt gleichzeitig mit den laufenden Aufgaben des täglichen Lebens auch Forderungen höherer Natur an das Judentum, Aufgaben, die darauf hinzielen, die historischen Bestrebungen unseres Volkes zu befriedigen. Die zionistische Lösung des Juden-Problems muß in den Mittelpunkt der jüdisch-nationalen Bestrebungen gestellt werden; mit ihr müssen die breiten Massen unseres Volkes vertraut gemacht werden; ihr muß in allen einflußreichen Kreisen der kulturellen europäi- . sehen Gesellschaft Anerkennung verschafft werden. — Die Organisierung der Volksenergie nach dieser Richtung bin, die Anerkennung unserer historischen Forderungen seitens der Kulturwelt und seitens ihrer leitenden Faktoren, — das sind die wesentlichen gegenwärtigen Aufgaben der zionistischen Bewegung und ihrer leitenden Organe. In dieser Beziehung wurde im Laufe des verflossenen Kriegsjahres viel geleistet, aber vieles ist noch zu tim. In Anbetracht der Ergebnisse der bisherigen Tätigkeit und im Hinblick auf die Einzelheiten unserer Tätigkeit für die nächste Zukunft, können wir .zu folgenden Beschlüssen kommen: 1.) Mit. dem Gefühle höchster Genugtuung billigen wir die Tätigkeit der leitenden Organe der Zionistischen. Bewegung, für die verflossenen Kriegsmonate und heißen die dieser Tätigkeit zu Grunde liegenden Prinzipien gut. 2) Wir glauben, daß seitens der leitenden ■Organe der Zionistischen Bewegung in ihrem Bestreben zur Schaffung von Bedingungen, füjr die Verwirklichung des Zionismus folgendes getan werden muß: a) Die bisherige vorbereitende Tätigkeit, die sich das Wohlwollen und die Mitwirkung aller politischen Faktoren, die Einfluß haben oder Einfluß erlangen können, bei der Lösung unserer Aufgaben sichern will, muß fortgesetzt werden. Besondere Aufmerksamkeit ist hinsichtlich der Entfaltung einer breiten und informatorisch-politischen Tätigkeit in den neutralen Ländern, besonders den Vereinigten Staaten von Amerika zu widmen. ÜDISCHE ZEITUNG_ b) Die Jüdischen Organisationen und die jüdischen Staatsmänner sollen zwecks größerer Intensität der Arbeiten zu Gunsten eines jüdischen Palästina, zur Mitarbeit eingeladen werden. c) Energische Anstrengungen müssen zur Erhaltung und Stärkung der zionistischen Positionen und Anstalten gemacht werden. Besonders sind hier die bereits in Palästina geschaffenen Institutionen zu berücksichtigen, welche die notwendige Basis für unsere ganze Zukunft im Lande und die unerläßliche Vorbedingung einer jeden politischen Tätigkeit außerhalb des Landes bilden. d) Im Zusammenhang und parallel mit der oben dargelegten informatorisch-politischen Tätigkeit sollen die Bestrebungen der jüdischen Massen in der Diaspora, die auf eine volle nationale Gleichberechtigung in allen den Ländern hinzielen, wo Judenmassen wohnen, durch eine ebensolche informatorisch-politische Arbeit und durch eine entsprechende Vorbereitung der Jüdischen Gesellschaft unterstützt werden. Der jüdischen Bevölkerung Palästinas wird der Dank und die vollste Anerkennung für ihre | aufopfernde und bewunderungswürdige Haltung während der gegenwärtigen Krisis zugesprochen. Die gesamte Judenheit der Diaspora muß für die Erhaltung sämtlicher Positionen im Lande durch finanzielle Unterstützung, sowie durch Beeinflußung der in Betracht kommenden Machtfaktoren Sorge tragen. Endlich muß alles geschehen, um autentische Mitteilungen über die Lage in Palästina in die allgemeine, sowie in die jüdische Presse zu bringen, damit nicht, wie les leider geschehen ist, unkontrollierte und unwahre Nachrichten über Palästina verbreitet werden.“ Anzeigen. Makkabäerfeier der Wiener Zionisten. Die letzte Makkabäerfeier der Wiener Zionisten fand vor zwei Jahren statt; nun wollen wir das dem Andenken der größten Nationalhelden des jüdischen Volkes geweihte Fest heuer wieder feiern. Kein rauschendes Freudenfest, viel-; mehr eine würdige, dem Ernst der Kriegszeit durchaus entsprechende Feier, wollen wir begehen. Die Festrede hat Gg. Ludwig Bat 6 übernommen. Von den mitwirkenden Künstlern erwähnen wir: Egon B r e ch e r vom. Josefstädter Theater und; Frl. Mea Steuer man n von der Neuen Wiener Bühne. Die Feier findet Dienstag, den 7- Dezember d. J., 8 Uhr abends im Hotel Continental, (11. Taborstraße), statt.. Für die Makkabäerfeier, die die erste Wiener zionistische Kundgebung seit längerer Zeit darstellt, gibt sich allerorts großes Interesse kund-. Karten, sind im Zionistischen Zentralbüro, in der Buchhandlung Löwit und’ an der Abendkasse erhältlich. * Hugo Zuckermann-Abend. Der bekannte Verlag R. Löwit geht daran, eine, neue Institution ins Leben zu rufen-, die in. den' literariscH. interessierten jüd. Kreisen Wiens gewiß nachhaltiges Interesse finden wird. In jedem Monate sollen Jüdische Dichter- Abende veranstaltet werden-, die dem Zweck haben, derzeitgenössischen nationalen. Dichtkunst durchorientierende Vorträge und entsprechende Rezitationsproben, den: Weg. zum jüdischen; Volke zu bahnen. Der erste Abend gilt dem Gedächtnisse Hugo. Zuckermanns. Dr. Mayer Präger, der Verleger von Zuckermanns Gedichten-, wird; aus P e r je z, „Die Nacht auf dem alten Markt“ in der Uebersetzung ZuckermaSmS, aus Zuckermanns eigenen Gedichten- und Unveröffentlichtes aus seinem Nachlasse lesen. Der- Vortrag findet S a m s ta g, den 4. Dezember, abends 8 Uhr im- Saale des Wissenschaftlichen K1 ub s, 6., Getreidemarkt 7 statt. — Karten zu K 1.— und1 —.60 sind, in der Buchhandlung Löwit, 1., Rotenturmstraße 22 erhältlich1. Das ganze Erträgnis gehört der Kriegslandspende auf den Namen Hugo Zuckermanns. Der Verein „Misrachi-Wien“ veranstaltet für den verewigten Schöpfer und Gründer der Föderation „Misrachi“, Rabbiner LI. Reines aus Lida s. A. eine Gedenkfeier, bei welcher Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Gedalje Schmelkes ausPrzemysi die Gedenkrede halten wird. Die Feier wird Sonntag, den 28. November (21. Kfelew) in den Lokalitäten des Bethausvereines Luvias Chen, 2., Stefaniestraße 2, abgehalten werden. Beginn 4 Uhr nachmittags. Jüd. Toynbeehalle, Wien, 20., Denisgasse 33: Freitag, den 26. Bibelvortrag gehalten von dem Rabbinatskandidaten D. S. Margules; Samstag, den 27: Konzert veranstaltet von der Gesangsmeisterin Frau Funk-Freund; Sonntag, den 2S: Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Drobinski: Die Vergangenheit und Gegenwart des amerikanischen Judentums; Montag, Dienstag und Donnerstag finden Unterrichtskurse statt, für die bereits 250 Hörer eingeschrieben sind. Krakau. Zionisten treffen sich Montag und Donnerstag zwischen 6—8 Uhr im Cafe Secession (Annagasse). Gäste willkommen. ans der jüdlsdien Welt. Die große Not, unter derdie jüdische Bevölkerung in Polen leidet, hat zu einer großen Hilfsaktion jüdischer Organisationen der Vereinigten Staaten geführt. "Wie aus Warschau berichtet wird, sind soeben 500.000 Mark, die das jüdisch-amerikanische Hilfskomitee aufgebracht hat, an ein aus Vertretern der Zionistischen und der c h a ssi d i s c h e n Richtung zusammengesetztes Komitee eingetroffen. Diese Summe wird dem schlimmsten Elend wenigstens eine vorläufige Linderung schaffen können. * Von Wilna wird gemeldet, daß sich die ökonomische Lage gebessert hat. Es fehlt nicht an Lebensmitteln, aber die Preise sind sehr hoch. Die amerikanischen, deutschen und holländischen Hilfsgesellschaften haben große Summen zur Unterstützung Notleidender geschickt. * Außer den Flüchtlingen und den ausgewiesenen Juden gibt es in Rußland noch eine nach mehreren Tausenden zählende Kategorie von Juden, die der Krieg auf besondere Weise unglücklich gemacht Ihat. Das Sind die als verdächtig Betrachteten, die aus: niemand bekannten Gründen auf administrativem Wege für die Dauer des Krieges nach den entferntesten Dörfern Sibiriens verschickt wurden. Aus Tomsk wird jetzt der jüdischen Gemeindeverwaltung von Irtusk mitgeteilt, daß in den Dörfern der Narim-Gegend eine große Anzahl solcher Opfer konzentriert sei, hauptsächlich galizische Juden, die dem Hunger und, der Kälte ausgteliefert sind. Die Gemeinde in Tomlsk ist allein nicht imstande, diese bei dem strengen sibirischen Winter besonders furchtbare Not zu stillen1. * Den Kopenhagener „Jüd. Volksstimme“ sind aus Petersburg Meldungen zugekommen, wonach in den Pskower und: Minsk er Gouvernements neuerdings Judenausweisungen begonnen haben. Den Juden wird nicht einmal die Möglichkeit gelassen, ihre Hahseligkeiten in Sicherheit zu. bringen oder mitzunehmen. * ■ ‘i.N Ja einer großen Versammlung der englischen Juden in London am 31. Oktober unter dem Vorsitz von "Leopold' de Rothschild befaßte man sich ernst und eindringlich mit der e ntrset'ztichen Lage der russisc hen Jud e n. Die Reden der Herren Landau-, des Oberrabbiners Herz und1 des Chacham Dr.G-aster gaben ein erschütterndes Bild vom „Todeskampf“ der russischen Judenheit. Es wurde festgestellt, daß die bisher für die russischen Juden1 in England aufgebrachte Notstandssumme von 60.000 Pfund gerade hinreicht, um die Masse der Vertriebenen drei Tage läng zu ernähren. Die Versammlung war darin einig, die größten Anstrengungen im ganzen britischen Reiche zu machen, um wenigstens eine Million Pfund für die ' russischen. Juden aufzubringen. Sehr bezeich- Soeben erschienen Doppelheft II—III des „Jüdischen Archivs“. Aus dem Inhalt: Das Kriegselend der Juden in Galizien und der Bukowina. — Russengreuel in Komarno, Sedziszow, Nadwoma, Lopuchow, Lutowiska, Bohorodzcany. — Ein russisches Manifest gegen die Judenverfolgungen in Rußland: — Die Judenfrage in England. — Ein Brief des österreichischen Botschafters in den Vereinigten Staaten. — Oesierreich-Ungarns jüdische Offiziere. — Gefallene jüdische Offiziere der österr.-ung. Armee. — Jüdische Dekorierte. Preis des Doppelheftes II—III K 1.—, des Heftes I 60 Heller. Bestellungen durch den Verlag R. LÖWIT, Wien, I. Rotenturmstraße 22 oder durch das JÜDISCHE KRIEGSARCHIV, Wien, II. Zirkusgasse 33.

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