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Jüdische Zeitung · 1915-11-26 · 47 (26.11.1915) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
9 (1915)
Issue
47 (26.11.1915)
Date
1915-11-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 47jüÖISCHE ZEITUNG nend war eine Stelle der Rede des Oberrabbiners, inder er die Gründe für den bisherigen, verhältnismäßigso kleinen Ertrag der Notstands- Sammlung innerhalb der britischen Judenheit darlegte. Der Hauptgrund siei die Unkenntnis der Tatsachen. Die Judenheit in England und den Kolonien wisse jetzt noch nicht genau, welch furchtbare Dinge in Rußland passiert sind. Und daran trage Schuld das Schwe igekomplott der Presse. * Für die zahlreichen jüdischen Jünglinge, die bisher in den Jeschiwos lernten, muß jetzt für weitere Gelegenheit gesorgt werden, .damit sie -ungestört ihr Studium fortsetzen können. Für diesen Zweck hat sich in Moskau ein Komitee gebildet, das die nötigen Gelder beschaffen will. m ln Petrograd erscheint eine neue hebräische Zeitung „Hachajim“ (Das Leben), herausgegeben von den angesehensten literarischen. Kreisen der Hauptstadt. JV1 ein Ts Thee Neuer Ernte Vom BüAerfisdi. Zur Vergangenheit und Gegenwart der Juden - in Polen; r Es. War, zu erwarten, daß das schwierige polnische Problem, das der siegreiche Gang des Weltkrieges zur Lösung aufgegeben hat, auch die Frage des Verhaltens von Juden und Polen zum Gegenstände einer eindringlichen Erörterung machen muß. Handelt es sidi doch auf polnischer Seite um eine Rechtfertigung vor dem Forum der zivilisierten Welt Anwürfen und Beschuldigungen gegenüber, 'die das- Ansehen des ganzen Volkes als kulturfähigen Faktor tief getroffen hätten. Für uns Juden wiederum stand .die nationale Existenz von Millionen bisher entrechteter Volksgenossen auf dem Spiele. Eine in die Tiefe, reichende, historisch fundierte Untersuchung hat die Frage nicht-gefunden, obwohl bei dem fühlbaren Mangel selbst nur einer kurzen, aber vollständigen Skizze über die Juden in Polen in deutscher Sprache die Notwendigkeit einer übersichtlichen Orientierung über das ganze Problem in iSeiner geschichtlichen und wirtschaftlichen Bedingtheit ,zu Tage lag. Für die ältere Zeit würde noch die „Polnische Geschichte“ des Breslauer Universitätsprofessors Jakob Caro und die spezielle Darstellung „Geschichte der . Juden in Polen unter den Piasten und Jagellonen“ von Hermann Sternberg ausreichen, aber den äußerst wichtigen Zeitraum des Niedergangs der polnischen Judenschaft kennen wir nur. ,aus ganz unzureichenden Einzelschritten. Umso wichtiger und anerkennenswerter sind darum alle aus den Quellen schöpfenden Beiträge. Und zwei nicht unwichtige Untersuchungen rühmlich bekannter Autoren brachte uns die letzte Vergangenheit, die zu den eben verrauschenden Ereignissen und Beziehungen in der weiter zurückliegenden Geschichte aufzuspüren suchen. Prof. Dr. Majer B a 1 a b a n, (Zur Geschichte der Juden in Polen. Zwei Vorträge. Wien 1915. R. Löwit Verlag), der erste der beiden, behandelt die Zustände während der Kosaken-, Ta- | taren-, Russen- und Schwedenkriege, also den ( Zeitraum von 1648—1660. Die durchwegs auf! zeitgenössische Darstellungen zurückgehenden Angaben entwerfen ein lebensvolles Bild jener düsteren und blutigen Zeit, in der sich das Schicksal der Juden Polens in so verhängnisvoller Weise entschied. Die grauenhaften Kriege, die Ohnmacht des Königtums, die blinde Habgier des Adels und der Geistlichkeit, der Rachedurst des von allen unterdrückten Volkes. Alle Faktoren, die den unaufhaltsamen Niedergang der Judenschaft bis zu der Trostlosigkeit ihrer gegenwärtigen Lage verursachten, werden in dieser kurzen Darstellung greifbar. Gleiches gilt für den; zweiten Vortrag „An jenem Pessach - Abend“, in dem Balaban in hübscher, literarisch lebendiger Form Wichtige und charakteristische Kapitel aus der Leidensgeschichte der Juden des «einstigen polnischen Gebietes herauswählt, welche sich aus der in Polen mindest ebenso wie im übrigen' Europa verbreiteten Ritualmordlüge entwickelten. Das in beiden Vorträgen dargebotene Material ist kein toter aufgehäufter Stoff, sondern bietet dem geübten Auge leider nur allzu reichlich1 Gelegenheit, die hinter den Ereignissen Wirksamen Instinkte der Masse und Leidenschaften der Regierenden zu erkennen. Eine kurze, aber aufschlußreiche Skizze bietet Prof. Dr. Moses S c h o r r in dem Vortrage: „Aus der Geschichte der Juden in Przemysl“. Wien 1915. Verlag von R. Löwit. Die aktenmäßig belegte, bis in die Gegenwart reichende Darstellung gewährt Einblick in die bewegten größeren Schicksale und das reiche innere Getriebe dieser im letzten Jahre so vielgenannten Judengemeinde, aber ebenso viel den anderen Ansiedlungen Gemeinsames und Typisches. Von hohem Interesse sind da besonders die rechtlichen Kämpfe der Juden mit der Staatsverwaltung, die in das welthistorische Ringen des polnischen Adels mit dem Königtum1 eng verzahnt sind. In die Gegenwart führt eine Schrift „P o 1 e n u n a J u den“. Ein Appell von Hermann Feldstein. Wien. Im Verlage des Obersten Polnischen Nationalkomitees. Nur die Neugier läßt uns diese Broschüre Zu Ende lesen. Sie verdankt den im Herbst vorigen Jahres veröffentlichten Berichten Georg Brandes und Luigi LuzattiS über die blutigen Judenverfolgungen in Russisch-Polen ihr Dasein und bezweckt nichts anderes als' den Nachweis, die Polen seien -ein jedem Antisemitismus abholdes Volk; nur imbedeutende und eigennützige Gruppen stiften Unfrieden, den aber der gute Wille, den selbstverständlich' beide Teile'zeigen werden, sofort aus der Welt schaffen kann. Der Verfasser, der übrigens .in galizischjüdischen Kreisen wohl bekannt ist, leistet sich in seinem „Appell“ Behauptungen, die der Wahrheit direkt ins Gesicht schlagen; das Sdiriftchen aber sei dennoch jedem empfohlen, der sehen will, wie weit politische Unaufrichtigkeit gehen kann, um den Zweck: Täuschung der Westlichen und amerikanischen Judenheit zu erreichen. Diese Art Aufklärungsarbeit hat aber schließlich doch nicht ihr Ziel errreicht. Nicht so plump behandelt A. v. Guttry in seinem umfangreichen Buch „Die Polen und der Weltkrieg“ (München 1915, Georg Müller), die Judenfrage. Er ist sich .eines bestehenden tiefen Gegensatzes wohl bewußt, führt ihn aber einzig auf die russophile Tendenz der in Russisch-Polen einwandemden litauischen Juden zurück. Nach ihm sind diese als Träger _ einen russenfreündlichen Politik Feinde des polnischen Nationalbewußtseins im eigenen Lande und einzig und allein daher aller Haß und aller Kampf Und so liegt auch die Lösung ganz bei den Juden. Man wird überdie Geschicklichkeit staunen müssen, (mit der hier Tatsachen zurecht gelegt werden und an sich wenig bedeutungsvolle Strömungen zur wesentlichen Tendenz umgedeutet werden. Denn der Verfasser weiß isehr wohl, daß die durch die Regierungschikanen aus ihren Wohnsitzen verdrängten Litwaken dem Zarismus nicht freundlich gesinnt Sein konnten. Einen ähnlichen Standpunkt Wie Guttry nimmt auch Leon W a sl i 1 e w s k i ein in Seiner „J u - denfrage in Kongreß-Polen“ (Wienl915, Verlag R. Löwit). Nur (sind fü;r ihn die „Litwaki“ identisch mit den jüdischen Nationalisten, welche die ruhigen und segensreichen Assimilationsbestrebungen zu stören wagten, obwohl sie unter den Auspizien der höheren polnischen Gesellschaft standen. Begreiflich, daß man im Namen der Freiheit 'gegen die als jüdische Nationalisten verkleideten Panrus'sen kämpfte. Aber die einsichtsvollen jüdischen Kreise Warschaus haben schon den Weg zur (Verständigung beschritten, indem sie vertrauend ihr Schicksal in die Hand des polnischen Volkes legten. Denn — una das ist des Verfassers Uebarzeugung — die jüdischpolnische Frage Wird von dem liberalen Sinn des polnischen Volkes am besten gelöst Werden. Man legt alle dieöe Schriften (mit dem Gefühl aus der Hand, es sei noch unglaublich viel und schwierige Aufklärungsarbeit zu leisten. Wir stehen fast voll Bewunderung vor diesen geschickten, die Wirklichkeit so kühn entstellenden Auslassungen, die gerade ihrer Kühnheit und ihrer gewandten Ausnützung der Wahrheit wegen Täuschung über Täuschung in nichtjüdischen wie in jüdischen Kreisen schaffen. In der reichsdeutsehen Presse dämmert es schon (über all denn Wust gleisnerischer und nichtiger Phrasen. Hoffen Wir Gutes auch für unser Oesterreich, an dem so viel fester Glaube hängt. w. st. „Ute? nzw“ Lehrbuch der hebräischen Sprache für Schul- und Selbstunterricht mit Wörterverzeichnis und Schlüssel von Moses Rath, Leiter der jüdischen Volksschule in Krakau. Einzige praktische Methode zur Erlernung der hebräischen Sprache in Wort und Schrift, auch ohne Lehrer mit deutscher (resp. polnischer) Unterrichtssprache. Preis eines Exemplars (400 Seiten stark) gebunden K 4.70 mit Schlüssel K5.20. Zu bestellen bei allen Buchhandlungen oder direkt bei Moses Rath, Wien, I. 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