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Jüdische Zeitung · 1915-09-22 · 38-39 (22.9.1915) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
9 (1915)
Issue
38-39 (22.9.1915)
Date
1915-09-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 38/3§ totgeboren), aus jüdisch-christlichen Ehen 796 (davon 20 totgeboren) und unehelich von jüdischen Müttern 374 (davon 9 totgeboren), gestorben 5741, Eheschließungen 2482 jüdische. * Am 1. April 1914 gab es in Frankfurt a. M. 333 Ehen, in denen nur der eine Teil Jude war (= 514 Prozent der jüdischen Hausstände Frankfurts). * Als man vor einiger Zeit an die Internierung der feindlichen Ausländer heranging, zeigte man sich in Regierungskreisen geneigt, die galizischen Juden, die in London seit Jahrzehnten wohnen, von dieser Maßnahme auszuschließen. Es hätte, nur eines empfehlenden Wortes bedurft, um den tausenden armen Leuten die Bewegungsfreiheit zu erhalten, und aller Augen waren auf den „Board of Deputies“ gerichtet, als auf die einzige berufene Körperschaft, für jüdische Interesisen einzutreten. Der „Board“ hat die Hoffnung getäuscht. In einer öffentlichen Sitzung wurde erklärt, daß man keine Schritte zu Gunsten der „jüdischen Feinde“ unternehmen dürfe, mit der Begründung, daß sich unter ihnen Spione befinden können und daß das Interesse des Landes eine derartige Rücksichtnahme unzulässig mache. Die Folge dieses auch von den Behörden nicht erwarteten und durch nichts begründeten patriotischen Uebereifers ist die Internierung vieler galizischer Juden und die Abschiebung i hrer Familien nach der Heimat. Am 12. September fand in Leeds eine jüdische Arbeiteikonferenz statt, die sich mit der Lage der Juden der kriegführenden Länder befaßte. An der Konferenz beteiligten sich Delegierte von 24 Arbeiterorganisationen der Provinzstädte wie Leeds, Manchester, Glasgow, Birmingham usw. und ein Vertreter des Londoner Arbeiterverbandes für jüdische Rechte. Die Zusammenkunft nahm nach einer lebhaften Debatte eine Resolution an, die die bürgerliche, politische und nationale Gleichberechtigung der Juden aller Länder und die Freiheit der Einwanderung und Kolonisation in Palästina fordert. Nach der Konferenz, am Abend des 12. September, fand eine Massenversammlung in Leeds statt, auf der Konferenzteilnehmer als Redner auftraten. Die Verbrechen der russischen Regierung an der jüdischen Bevölkerung Wurden unter der tiefsten Empörung der Anwesenden aufs schärfste gegeisselt. ■ (I A K) Der neulich in Bristol stattgehabte englische Gewerkschaftskongreß, der 3 Millionen organisierter Arbeiter des Königreichs vertritt, nahm einstimmig eine Resolution zugunsten der Judenemanzipation an. Die Resolution legt den Arbeitervertretem im Parlament die Pflicht auf, die Regierung zu veranlassen, jede Gelegenheit wahrzunehmen, um für die Rechte der Juden jener Länder, wo sie unterdrückt sind, einzutreten. (I A K) * Wir haben vor kurzer Zeit berichtet, daß der unabhängige Orden „Brit-Schalom“ in Amerika, dessen Mitgliederzahl 40.000 beträgt, auf seiner letzten Jahreskonferenz den Beschluß gefaßt hat, sich der Zionistischen Organisation anzuschließen. Die Leitung dieses Ordens unternimmt nun die nötigen Schritte, um diesen Beschluß in Wirklichkeit umzusetzen. Sie erließ an sämtliche Mitglieder ein Rundschreiben, dem wir folgende Sätze entnehmen: „Unsere letzte Konvention hat sich in des Wortes vollem1 Sinne auf die zionistische Basis gestellt. Wir Werden mit aller Kraft bemüht sein, den Zionismus unter den Mitgliedern unserer Logen zu verbreiten. Der Orden „Brit- Schalom“ hat das zionistische Programm' nicht bloß zum Schein angenommen. Wir sind aufrichtig und 'wünschen, daß es auch unsere Mitglieder seien.“ * Das Organisationskomitee für den geplanten amerikanischen jüdischen Kongreß will für diesen ein sogenanntes schwarzes Buch zusammenstellen, in dem alle Leiden, die die Juden Rußlands während des Krieges erlitten haben, registriert werden sollen. Dieses Schwarzbuch soll, so sagen die Einberufer, mehr als alle anderen Weiß-, Blau- und Grünbuch die gesittete Welt erschüttern und das Gewissen Europas wecken. - In Algier erscheint eine neue jüdische Zeitung „La Verite“. Sie hat das Ziel, die Interessen der algerischen Juden zu verteidigen. — Die Zahl der jüdischen Feldgeistlichen hat zujODISCHE ZEITUNG genommen. Neuernannt wurden als solche die Rabbiner Färb, Rappaport und Leon Bermann. Es ist nun Aufgabe dieser jüdischen „aumoniers“ für die religiösen Bedürfnisse der jüdischen Soldaten jm Feld, deren Zahl auf 20— 25.000 geschätzt wird, zu sorgen und hat das Zentrafkofnsistorium hiefür die nötigen Anord-. nungen erlassen. * Wie unser Konstantinopler Bruderblatt „L’Aurore“ berichtet, ist Rabbi Franco, Chacham Baschi von Jerusalem, zufolge seines hohen Alters von seinem Amte zurücngetreten. Der frühere Chacham Baschi von Smyrna, Nissim Danon, ist nun auf dem Landwege über Syrien nach Jerusalem gereist, um zeitweilig die Agenden des Chacham Baschi zu versehen und die für die Wahl des definitiven Nachfolgers. erforderlichen Schritte im Sinne der vom Chacham Baschi des Ottomanischen Reiches erteilten Instruktion einzuleiten. * Mitten im Kriegsgetümmel ist die direkte Bahnverbindung Jerusalem—Damaskus eröffnet worden. Die Fahrzeit beträgt 18 Stunden, der Fahrpreis zweiter Klasse 30 Franken. Es ist zu erwarten, daß nach Friedensschluß ein lebhafter Verkehr auf dieser Strecke einsetzen wird. * Die neuesten Ausweisungen trafen in Rußland die bessarabischen Juden, denen es in vielen Fällen noch schlechter erging, als ihren Brüdern in Litauen und Polen. Der Strom der Flüchtlinge ergoß sich zunächst über die rumänische Grenze, wo ihm aber die judenfeindlichen Behörden rasch genug einen Damm entgegensetzten. In Bulgarien, wohin sich dann die Heimatlosen zum großen Teil wandten, fanden sie zuerst kühle Aufnahme. Hier zeigte sich aber das Mitgefühl der bulgarischen Juden im schönsten Lichte. Nach vieler Bemühung gelang es, für die Emigranten das Niederlassungsrecht in gewissen Gegenden des Landes zu erwirken und eine groß angelegte jüdische Hilfsaktion ist an der Arbeit, das Los der unglücklichen Opfer der russischen Soldateska nach Möglichkeit zu erleichtern. * Es ist wohl wenig bekannt, daß die Sultanshymne, die seit Beginn des Krieges in Wien - bei feierlichen Gelegenheiten zugleich mit der österreichischen und der deutschen Volkshymne gespielt und gesungen wird, von dem Sohne des berühmten Oberkantors Salomon Sulzer, dem Wiener Musiker Professor Josef Sulzer, der auch zahlreiche Synagogenmelodien geschaffen oder instrumentiert hat, komponiert worden ist. In dieser Hymne hat der Komponist einen sehr volkstümlich geschaffenen Festgesang geschaffen, der das orientalische Kolorit mit künstlerischer Mäßigung festhält. Vor nicht langer Zeit war Sulzer eingeladen worden, seine Hymne in Konstantinopel vor dem Sultan selbst zur Aufführung zu bringen, und die packende, melodiöse Weise hat den größten Beifall Mohammeds V gefunden. Das Interesse des Großherm an der ihm gewidmeten Hymne dürfte eine Folge haben, an die der Komponist am wenigsten gedacht haben mag, denn, wie die Wiener Blätter berichten, steht auf eine Weisung des Sultans hin, die Anerkennung dieser Hymne als offizielle türkische Hymne bevor. jSSsjs:; ffe-iS Mteint iisÄiÄs iSsSSSSSS Seite 5 Zionisten im Felde. Freiwillige Pflegeschwester Frl. Rudolfine Ziegler, Wien, XII. wurde mit der Ehrenmedadle mit der Kriegsdekoration ausgezeichnet. Leutnant beim 30. F.-, j.- B. I. B a r b a gi A. H. der „Techijah“ (Brody) und der „Rede- und Lesehalle Jüdischer Hocnschüler“ (Wien), wurde bereits im Jänner mit dem Signum laudis ausgezeichnet und Mitte August 1915 wurde ihm neuerlich für tapferes Verhalten vor dem Feinde das silberne Signum laudis mit gleichzeitiger Ernennung zum Oberleutnant verliehen. Gegenwärtig befindet er sich nach einjährigem Aufenthalte an der Front als Kranker im Reservespital Nr. 1 in Klagenfurt. Heinz Koch, Ehrenmitglied der „Neure Jehudah“ in Wien, der am 7. April 1915 aki Zugskommandant den Heldentod fand, wurde jetzt für tapferes Verhalten vor dem Feinde mit der großen silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Cand. jur. Kadett Ludwig Soffer, ehemaliger NF-Kommissär und Mitglied der jüdischanad. Ferialverbindung „Gamalah“ in üöding wurde verwundet und mit der silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichne t dessen Bruder Gg. Julius Soffer erhielt gleichfalls die silberne Tapferkeitsmedaille und wurde zum Leutnant befördert. Sämtliche aktiven Mitglieder der „Gamalah“ in Göding befinden sich im Felde. Einjährig - Freiwilliger Ludwig Pol- 1 a k, Kadett Richard Barn und Kadett Edi Fischgrund gerieten in Kriegsgefangenschaft. Fähnrich Emst Berger, Sohn des Gg. J. Berger aus Trzynietz, der bereits im Mai am nördl. Kriegsschauplätze die silberne Tapferkeitsmedaille erhielt, wurde abermals für tapferes Verhalten vor dem Feinde mit der bronzenen Medaille ausgezeichnet. Fähnrich Dr. Maurycy A1 e x a n d r o w i t z, A. H. der Verbindung zion. Hochschüler „Agudath Herzl“ in Przemysl, ist mit der silbernen Tapferkeitsmedaille 2. Kl. ausgezeichnet worden. Leutnant Franz Gutmann aus Wien, Mitglied des poalezionistischen Hochschülervereines „Cheruth“, Sohn des auf dem Gebiete des jüdischnationalen Tum- und Wanderwesens vorbildlich wirkenden Prof. Gutmann, erhielt das Signum laudis. Oberarzt Dr. Eugen E r d e 1 y i aus Györ (Raab), Mitglied des Zionistischen Landeskomitees für Ungarn, ist seinen Verwundungen in einem Preßburger Spital erlegen und wurde dieser Tage in Raab bestattet. Dr. Erdelyi war der Gründer der Raaber Ortsgruppe und einer der tüchtigsten Vorkämpfer des Zionismus in Ungarn. Viele Tausende gaben dem in der ganzen Stadt hochgeschätzten Manne das letzte Geleite. Von den im Felde stehenden Mitgliedern der jüdisch-akademischen Verbindung „Emunah“ in B i e I i t z sind folgende ausgezeichnet, bezw. befördert worden: i 1 i i i I A. H. Hermann Rosenberg wurde mit dem M i 1. - V e rdiens t'k r e uz 3. Kl. mit der Kriegsdekoration ausgezeichnet, A. H. Ing. Ludwig Tramer mit dem Signum laudis, außerdem zum Oberleutnant befördert, Bb. Berthold Rosenberg mit der kleinen silbernen Tapferkeitsmedaille und zum Kadetten ernannt, Bb. Ing. Samuel Bleicher mit der bronzenen T a p f e rk e i t s m e d ai 11 e. Zu Oberleutnants wurden ferner befördert: A. H. Josef T hieb erg er, A. H. Hermann Stener, A. H. Siegfried Schembach, zu Leutnants Bb. Adolf Richter, Bb. Leopold Reich, A. H. Leo Fink. A. H. Simon Steuer wurde gefangen genommen. Ing. Ferdinand Roth, k. k. Oberleutnant im k. k. Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 13 (Olmütz) ist am 27. August gefallen. Er war A. H. aer Olmützer Ferialverbindung „Geullah“ und durch sein besonders liebenswürdiges Wesen ausgezeichnet. Dr. Josef Kohn, Kurarzt in Meran, A. H. der „Bar-Kochba“ in P r a g, wurde mit dem goldenen Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Der in unserer Nummer vorn 27. 8. 1. J; als tot gemeldete Kadett Moritz Grün lebt und befindet sich als Verwundeter in russischer Kriegsgefangenschaft. Dauerhafter als Gefler KAUTSCHUK-ABSATZ Palma-Kautstiiuh-Gesellsdiaft m. b. H. WIEN 1. Elegant und hygienisch

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