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Jüdische Zeitung · 1915-08-27 · 34 (27.8.1915) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
9 (1915)
Issue
34 (27.8.1915)
Date
1915-08-27
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 34 Jüdisches Archiv. . . - - — Mitteilungen des jüdischen Kriegsarchivs. Erschienen Heft I. Demnächst erscheint Doppel-Heft II und III. Aus dem Inh 11: Das Kriegselend der Juden in Galizien und der Bukowina. — Russengreuel in Komarno, Sedziszow, Nadworna, Lopuchow Lutowiska, Bohorodczany. — Ein russisches Manifest gegen die Judenverfolgung in Rußland. - Die Judenfrage in England. Ein Brief des österreichischen Botschafters in den Vereinigten Staaten. — Oesterreich-Ungarns jüdische Offiziere. — Gefallene jüdische Offiziere der österreich.-ung. Armee. — Jüdische Dekorierte. Preis pro Heft: 60 Heller (50 Pfennig), mit Porto 80 Heller (60 Pfennig). Vorausbestellungen durch den Verlag R. LÖWIT, Wien, I. Rotenturmstraße 22 oder durch das JÜDISCHE KRIEGSARCHIV, Wien, II. Zirkusgasse 33. volle Erfahrung: Sie bewiesen, daß ebensogui der polnische Bauer wie der polnische Intelligenzler sich kaufmännisch betätigen können. Als die Juden auf die Nacnricht des Herannahens des r u s - . sisehen Heeres zum großen Teile sich nach Wien, Prag, Brünn u. a. sicheren Verstecken flüchteten — und den Zurückgebliebenen die freie kaufmännische Betätigung seitens der russischen Verwaltung untersagt, oder die vorhandene Ware ihnen ohne Bezahlung weggenommen wurde — befaßten sich mit dem Handel in den Dörfern — die Bauern, und in den Städten — die hungernden Staatsbeamten. . . . „Leider war dies von kurzer Dauer. Denn nach der Wiederbefreiung des' Landes von d;n Russen und nach Rückkehr der Juden, verließen sowohl die Bauern als auch die In.elligenz den Handel und kehrten zur Landwirtschaft bezw. in die Aemter zurück. Der Handel blieb somit neuerdings ausschließlich den Juden überlassen. Weshalb? War dieser Erwerb nur unter russischer Verwaltung zuläßig und passend? Doch nicht! Audi unter österreichischer und preußischer Verwaltung ließe sich sicherlich ^Handel betreiben und Gewinne erzielen, cs sollen nur die Bemühungen nicht erlahmen und die Pläize den Juden nicht geräumt werd :n.“ Wir lassen es dahingestellt sein, ob diese Erfahrung, mag sie noch so „wertvoll“ sein, und der erwähnte Appell zum Ziele führen werden. Es ist immerhin charakteristisch, daß änan mit dieser Sache jetzt herausrückt. Zweierlei Juden. Das jüdische „Lodzer Volksblatt“ bringt in -seiner Nummer 123 den Inhalt einer Rede, die der bekannte jüdisch-amerikanische Millionär und Philanirop Jakob Schiff über die bevorstehende jüdische Einwanderung nach Amerika hielt. Was der Krieg auch bringen mag, — sagte Herr Schiff — eines steht fest: Allerorts,, wo Zerstörungen und Vermögensvernichtungen voikamen, wo die Existenzmöglichkeiten nicht mehr vorhanden sind, werde eine Emigration einsetzen. Zu den Versprechungen der russischen 'Regierung habe er kein Vertrauen. Insolange die Autokratie der Romanow’s herrschen wird, werde es in Rußland keine persönliche Freiheit geben und der größte Teil der russischen Juden werde emigrieren müssen. Auf die Frage: Wohin? antwortet Herr Schiff unumwunden: In das große Land der Vereinigten Staaten. Nur dorthin könne die gute, arme, verfolgte Bevölkerung gehen, um eine neue, glückliche Heimat zu finden. Herr Schiff betont jedoch, daß die Millionenmassen aus begreiflichen Zweckmäßigkeitsgründen nicht in die größeren Städte kommen können und tritt für die Leitung des Emigrationsstromes über Galveston in die Westgebiete ein. Wir identifizieren uns wohl nicht mit allen Ausführungen des Herrn Schiff, die zum Schlüsse sogar eine Spitze gegen den Zionismus, beziehungsweise gegen den jüdischen Nationalismus enthielten. Dies hindert uns jedoch nicht, das freie und männliche Auftreten des Herrn Schiff in einer so heiklen Frage rückhaltlos anzuerkennen. Herr Schiff schrickt vor der in Aussicht genommenen Massenemigration nicht zurück und findet die Forderung nach der Aufnahme dieser Unglücklichen mit seinem amerikanischen Patriotismus vereinbar. In diesem Zusammenhänge möchten wir noch auf das Verhalten eines anderen Juden in derselben Frage hinweisen. Wir meinen nämlich den T. Wolff, den Chef des „Berliner Tageblatt“.Herr Wolff verwahrte sich neulich, als er gelegentlich einer Auseinandersetzung mit den Polen über ihr Verhältnis zu den Juden auf die voraussichtliche jüdische Emigration zu sprechen kam, gegen einen „plötzlichen Zufluß solch gemischter Elemente“ nach Deutschland, wogegen „rechtzeitig Vorkehrungen zu treffen seien“. Wir glauben auf dieses unwürdige Verhalten des Juden Wolff nicht weiter eingehen zu müssen. Die Gegenüberstellung dieser extremen Standpunkte zweier Juden, des Amerikaners Schiff und des Deutschen Wolff, in derselben Frage, beleuchtet vortrefflich die „innere Knechtschaft“ -des letzteren und beweist eben, daß Schiff und Wolff nicht bloß zwei Juden, sondern — zweierlei Juden sind. M. H. Vom Judisciien NatienalMs. Das Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds im Haag teilt mit: Die Spendeneingänge des Natiouaifonds im Juli d. J. erreichten M 41.070.—. Diese Summe verteilt sich auf die verschiedenen Länder wie folgt: Südafrika M 11.923, Nordameerika M 10.111, Oesterreich M 10.062, Deutschland M 4340, Rumänien 1709, Bulgarien M 749, Ait- Griechenland M 643, Holland M 497, Rußland M 4SI, Portugal M 224, Dänemark M 196, Frankreich inkl. Tunis 135. Aus Paläs.ina cingetroffene Nachrichten geben erfreulicherweise davon Kenntnis, daß die Getreideernte in den Nationalfondsbetrieben, vor allem in den Genossenschaften Merhawjati und Uaganiali, sehr befriedigend war und was die Hauptsache ist, noch rechtzeitig genug geborgen werden konnte, bevor die Heuschreckenplage Galiläa erreichte und Schaden anzurichten vermochte. Bekanntlich sind Pflanzungsbetriebe und Gemüsegärten von den Heuschrecken schwer heimgesucht. Da die NF-Farmen und jüdischen Kolonien auch in diesem Jahre wieder über genügend Getreide.orräte verfügen, so darf man annehmen, daß in absehbarer Zeit kein Brotmangel in Palästina herrschen wird. Das Hauptbüro des NF hat seit Ausbruch des Krieges eine Informations-Abteilung errichtet, deren Tätigkeit schon viel Guies bewiikt hat; etwa 4M russisen-jüdisene Studenten, die sich bei Kriegsbeginn in Lüttich befanden und zum großen Feil interniert wurden, wurden durch die Bemühungen dieser Informationsstelle mit ihren Angehörigen in Communication gebracht und erhielten Mittel für einen auskömmlichen Lebensunterhalt, Aehnlich wurde die Korrespondenz zwischen zahlreichen jüdischen Familien in Rußland und ihren Verwandten in Deutschland, bezw. in dem besetzten Russisch-Polen, oder beispielsweise zwischen in England ansäßigen Juden und ihren Angehörigen am Kontinent vermittelt. Als der größte Teil Galiziens von den russischen Truppen besetzt war, hat das Hauptbüro die Verbindung zwischen den Juden in dem okkupierten Galizien und ihren Verwandten in Oesterreich bestellt. So gingen im letzten Halbjahre allein beim Hauptbüro über 1500 Anfragen ein und etwa 2000 Informationen wurden erteilt oder vermittelt. Aus der jiiöisdren Well. Die Herren Farbstei n und W a g m e i - ster erhielten ip ihrer Eigenschaft als Mitglieder der Hilfs'kommission der Warschauer jüdischen Gemeinde die Erlaubnis des deutschen Militär- Kommandos, die Provinz-Städte behufs crt'orschung der Lage der dortigen Juden und der Bedingungen für die Einleitueng einer Wiederaufbau-Aktion zu besuchen. Da die Bahnkommun.kation noch nicht hergestellt ist, wurde ihnen ein Automobil, zur Verfügung gestellt, das die Aufschrift trägt: „Jüdisches Hilfskomitee in Warschau“. Die erwähnten Delegierten werden auf ihrer Reise von einem deutschen Soldaten begleitet werden, der allerorts bei den Militärkommandanten die Erlaubnis für die Weiterfahrt zu erwirken haben wird. * Wie sich zeigt, haben die Juden von dem neuen russischen Justiz-Minister Chwostow keine großen Erleichterungen zu erwarten. Zur Judenrrage verhält er sich wahrscheinlich im großen und ganzen wie sein Vorgänger Schtscheglowistow, der die neun Jahre hindurch, während welcher er sein Amt innehatte, die Juden peinigte. Als Zeitungsvertreter Chwostow über seine Meinung zur nationalen Frage interwiewten, gab er kurz und scharf die Antwort: „Ihr wißt doch, ich bin ein Russe und zwar ein rechtsstehender.“ Ferner hat ihn der Pressevertreter darauf aufmerksam gemacht, daß Schtscheglowistows strenge Verordnungen bezüglich der jüdischen Advokaten die öffentliche Meinung stark erregt haben. Darauf bemeikte Chwostow zynisch: „Ich glaube nicht, daß die Gesellschaft sich über eine solche Sache aufregt.“ Der neue Minister des Innern Fürst Schtscherbatow hat eine Deputation der jüdischen Presse, bestehend aus B. Ginzburg, Dumaabgeordneten Friedmann und -dem Verleger Klezkin, iCmpfangen. Er erwiderte der Deputation auf deren Vorstellungen, daß ihm die Verfolgungen der jüdischen Zeitungen nicht bekannt seien und er auch n.chis tun könne. Er bitte um ein Memorandum über die Mißstände, welches Memorandum er dem Höchsikommandierenden zustellen werde. * Die „Jewish Colonisation Association“ hat, einer Meldung des „Jewish Chronicle“ zufolge, 100.000 Fr. zur Unterstützung der notleidenden Juden in Warschau gesandt. * Der zugunsten der notleidenden Juden Rußlands in Wiina veranstaltete Blumentag hat einen Reinertrag von 90.000 Rubeln ergeben. * Der bekannte jüdische Publizist und Politiker Hermann Bernstein, der in Newyork das jüdische Tagblait „Tag“ lierausgibt, ist jetzt auf der Reise nach Europa. Ueber das Reiseziel Bernsteins schreibt der „Tag“: „Nicht als K r i c g skorrespondent, sondern ais Friedenskorrespondent reiste er nach Europa. Er wird sämtliche kriegführenden Länder besuchen, die führenden Geister derselben, besonders die Lenker des jüdischen Geschickes aufsuchen und überall die latenten Kräfte, die jetzt positive friedliche Arbeit leisten, zu entdecken suchen.“ Ueber die Wahrnehmungen und über die Leiden und Schrecken des jüdischen Volkes werden dem „American Jewish Relief-Committe“ und dem „Tag“ Berichte zugehen. * Auf der letzten in Newyork stattgefundenen Versammlung der Gewerkschaften erschienen Schalom Asch, Abraham Reisen und Kaplan im Namen der „Hilfskonferenz für die jüdischen Kriegsopfer Europas“ und baten um die materielle Unterstützung seitens der Gewerkschaften. Die Versammlung wählte sofort eine fünfgliedrige Kommission. «- Die „Jewish Times“ wurden in London unterdrückt, weil ihre Artikel über die russischen Judenverfolgungen in London Anstoß erregten. * Gegen die Juden wurde in der Senatssitzung vom 24. Juli gesprochen. Mr. Briand erwiderte, daß das Haus Rotschild ebenco behandelt werde wie jedes andere. * Die Tochter Lord Sheffields ist zum Judentum übertreten und heiratet Sir Edvin S. Montague, den Sohn des 'berühmten verstorbenen konservativ-jüdischen Führers Lord Swaytling. Dieser hat seinerzeit testiert, daß Sohn oder Tochter, welche sich mit Nichtjuden vermählen, der Erbschaft verlustig würden. Sir Montague verzichtet daher auf viele Millionen. * Rev. Campbell hat im City-Temple in London eine ganze Predigt dem Andenken des Lyoner Rabbiners Levy gewidmet, welcher bekanntlich in dem Momente von einer Kugel getötet wurde, als er einem sterbenden katholischen Soldaten den letzten Beistand leistete, indem er ihm den Säbelgriff als Kreuz hinhielt. Der bekannte Gelehrte und Hebraist Dr. Baneth in Berlin, der sich auch um die „Histadruth Ibrith“ Verdienste erworben hat, feierte dieser Tage seinen 60. Geburtstag. Dr. Baneth ist Dozent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums und gehört dem Ausschuß der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums an. Er ist ein großer Kenner der hebräischen Sprache und seine wissenschaftlichen Arbeiten auf diesem Gebiete sind zahlreich. * Der türkische Kriegsminister veröffentlicht eine Bekanntmachung, worin er den jüdischen Gesellschaften in Deutschland, die für die Türkei mehr als 100.000 Mark sammelten und 47 Waggons Arzneien, ärztliche Instrumente und Feldküchen sandten, dankt. * Der jüdische Zuave Juda ben Burak erhielt von Joffre für besondere Tapferkeit bei einem Sturmangriff, die französische Kriegsauszeichnung,

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