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Jüdische Zeitung · 1915-07-16 · 28 (16.7.1915) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
9 (1915)
Issue
28 (16.7.1915)
Date
1915-07-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr 28 genug, gegen die offenen und noch mehr die versteckten Angriffe der vereinigten Volksfeinde, voran der polnischen Feudalen, anzukämpfen. Damals entdeckte der Minister des Innern, daß in Galizien und der Bukowina eine Million Juden leben und so war es ihm nicht unwillkommen, mit der zionistischen Partei als der Führerin der Judenschaft Fühlung zu gewinnen. Dr. Isidor Schalit, damals Obmann des zionistischen Landeskomitees für Oesterreich, hatte am 13. und 17. Feber 1900 stundenlange Audienzen mit dem Minister. Dr. Schalit überreichte ein Memorandum, worin gegen die auf Betreiben jenes Dr. Byk erfolgte willkürliche Auflösung zionistischer Vereine in Galizien protestiert wurde, legte in Anschluß daran das ganze zionistische Programm dar und konkludierte mit den für die Wahlreform aktuellen Forderungen nach Durchführung der nationalen Autonomie unter Aneihennung der jüdischen Nationalität, sohin Einführung nationaler Wahlkataster oder doch Trennung der städtischen, vorwiegend von Juden bev ohnten Beziihe von den ländlichen Wahlbeziiken. Der Minister erklärte, nachdem er die Darlegungen unseres Wortführers mit großer Aufmeiksamkeit angehört hatte, ,,in den von hohem Idealismus erfüllten Bestrebungen der Zionisten eine loyale und österreichische Politik zu erblicken und zu schätzen.“ Die nationale Autonomie sei wohl derzeit nicht im Plane der Regierung, doch werde den berechtigten und derzeit erfüllbaren Wünschen der Juden nach einer eigenen Vertretung möglichst Rechnung getragen werden. Insbesondere sei dar. Bestreben der Zionisten, eine wirklidhe Repräsentanz der Juden in einem öffentlich-rechtlichen Gemeindeverband zu schaffen, durchaus billigenswert. Auch werde es nicht angehen, daß das allgemeine und gleiche Wahlrecht vor der Kultusstube stehen bleibt. Die Zentralregierung werde schließlich dafür sorgen, daß die Wahl in Galizien' objektiv und unparteiisch durchgeführt werde — Am 23. Feber 1906 legte Gautsch dem Abgeordnetenhaus seinen Wahlreformentwurf vor, der sofort auf den heftigsten Widerstand, besonders der galizischen Feudalen stieß. Obgleich in der Regierungsvorlage für Galizien, statt wie im Privilegienparlament 78 für die Zukunft SS Mandate in Aussicht genommen wäre’, verlangten die Feudalen gar 11S Sitze nebst Erweiterung' der Autonomie für Galizien und den Sturz des Ministeriums. Ende April war letzteres Ziel erreicht und erst nach dem Intermezzo Hohen’ohe konnte das Ministerium Beck im Jänner 1937 die Wahlreform zum Siege führen. Seither hat die Wiener Regierung mit den frondierenden Feudalen längst ihren Frieden gemacht und dem Statthalter in Lemberg die galizischen Wahlen wieder überlassen. Auch das volksfeindliche Zensuswahlrecht grassiert noch in den KuKusstuben. — — Die anerkennenden und verheißungsvollen Worte des Ministers Grafen Arthur Bylandt— Reydt aber bleiben uns Zionisten Oesterreichs auf. unseren politischen Wegen als tröstliches Zeichen voranleuchtend. Dr. Zweig. Oie HilfsaftfioB für Palästina. Die Hilfsaktioh für Palästina hat bald nach Beginn des Krieges in allen jüdischen Kreisen eingesetzt, weil man Nachrichten empfangen hatte, daß die Unterbindung des Verkehrs und vor allem die Unmöglichkeit, die in den judäischen Kolonien gepflanzten Orangen und Mandeln abzusetzen, eine Hilfsaktion dringend notwendig gemacht hatte. In der letzten Zeit sind die wirtschaftlichen Aussichten in Palästina wieder sehr traurige geworden, da eine ungeheure Heuschreckenplage die Kolonien betroffen hat. Drei Heuschredkensebwärme sind vom Süden her in die Kolonien eingefallen, einer stäiker als der andere, ln den ‘jüdischen Kolonien war der Abwehrkampf gegen die Heuschrecken mit aller Energie organisiert worden. Der Leiter der Jüdischen landwirtschaftlichen Versuchsstation, der bekannte Agronom Aronsohn, wurde von Djemal Pascha, dem tückischen Oberkommandicrenden, mit der Leitung des Abwelukampfes im ganzen Lande betraut. Den neuesten Nachrichten zufolge ist der von den Heuschrecken angerichtete Schaden in einzelnen Kolonien leider außerordentlich groß. Während man die Heuschrecken und ihre noch gefährlichere Brut mit Erfolg bekämpft hatte, soweit sie direkt in jüdischen Kolonien eirgtfallen waren — es waren z. B. alle Schüler der jüdischen Schulen in die Kolonien gezogen, um zu helfen — konnte man ihrer fci.on nicht Herr werden, als sie aus den arabischen Dörfern gegen die jüdischen Kolonien zogen. Die Araber hatten nämlich ihrerseits die not\ endigen Maßregeln zur Bekämpfung der Heuschreckenplage trotz der Aufforderungen hierzu nicht durchgeführt, so daß aus den arabischen Dörfern ungeheure Mengen der flügellosen Heuschrecken in die jüdischen Pflanzungen eir.brzehen. So ist auch ein großer Teil der diesjährigen Ernte vernichtet und die durch die Unterbindung des Verkehrs entstandene wirtschaftliche Not wieder verstärkt worden. Um so notwendiger ist es, daß die Hilfsaktion für Palästina, die die jüdischen Organisationen eingeleitet haben, weiter mit Eifer durchgeführt werde, ln Deutschland haben sich die verschiedenen in Palästina arbeitenden jüdischen Organisationen zu einem gemeinsamen Hilfswerk für Palästina zusammengesdilossen, so u. a. der Verein „Bezalel“, der Verein „Esra“, der .Verband Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina“, die ,.Gesellschaft f. Palästinaforschung“, die Zionistische Vereinigung für Deutschland usw. Gleich nach Beginn der Aktion wurden M 20.000 nach Palästina überwiesen, ln den nächsten Tagen erscheint in der allgemeinen Presse der Ausweis über die bisher eingegangene Summe von M 40.030. — Spenden für das HilfsWerk nimmt entgegen das Zionistische Zentralbüro, Wien, II 1, Zirkusgasse 33. MEINL’S!£emapm£! Frische Kochung aus besten Früchten der Jetzigen Ernte MARMELADE Das JüöisdieTagblalt“ in Hemberg. Am 31. August 1914 erschien Nr. 207 des „Lemberger Tagblattes“. Tags darauf wurde die Herausgabe der Zeitung infolge drohender Russeninvasion eingestellt. Am Tage der Befreiung Lembergs (23. Juni 1915) erschien Nr. 20S als Festnummer mit einem schwungvollen Leitartikel unter dem Titel „Gegrüßt seid Ihr Ankommenden!“ Das Blatt* welches infolge des herrschenden Papiermangels auf farbigem Plakatpapier erscheint, findet in der Stadt reißenden Absatz. Das „Lemberger Tagblatt“, welches als Organ der galizischen Zionisten immer in würdiger Weise die Interessen des Judentums vertrat, wird auch heute in diesem Geiste äveitergeführt und ist ein lebendiger Ausdruck -der Empörung der jüdischen Bevölkerung gegen die moskowitische Kr.tue, unter welcher die Stadt dreiviertel Jahre seufzte. Die antisemitischen Auslassungen der polnischen Lokalpresse, insofern diese nicht mit dem Einmärsche unserer Truppen ihr Erscheinen meist eingestellt hat, werden mit der nötigen Schärfe unter Hinweis auf die Tatsachen aus der Okkupationszeit zurückgewiesen. Als Herausgeber zeichnen jetzt die Gg. Dr. M. Geyer, Sekretär der zionistischen Partei Galiziens und Dr. Herz Halpern. Der Zionismus in Oer öeutsdien Literatur. Im Juliheft der von Professor Hans Delbrüc k herausgegebenen „Preußischen Jahrbücher“ ist eine umfangreiche Abhandlung von Kurt Biumenfeld über den Zionismus erschienen. Blumenfeld versucht in diesem Aufsatz, wie uns scheint mit Glück, „der deutschen Oeffentlidhkeit einen richtigen Begriff von dem Wesen, dem Umfang und der politischen Bedeutung der zionistischen Bewegung zu geben“. Er stellt zunächst die inneren Voraussetzungen der Bewegung des modernen Judentums dar, der sich im Zionismus als eine kraitvolle idealistische Reaktion gegen den Typ des Assimilantenjudentums auflehnte. Im „Archiv für Rassen- und G e s e lisch a f t s b i o lo g i e “ (Verlag B. G. Teubner, Leipzig, Heft 3—4, 1915) veröffentlicht Kaznelson-Prag einen orientierenden Ueberblick über „Die zionistische Bewegung“. I - Vom Jäiiflhen Nationalfonbs. (Spendeneingähge im I. Halbjahr 1915. Wirksamkeit in Palästina.) Im Juni dieses Jahres haben die Eingänge an Spenden insgesamt M 55.208 betragen. Davon entfallen auf: Nordamerika M 41.595, Deutschland M 4245, Rußland M 4059, Oesterreich M 3501, Holland M 494, Dänemäik M 343, Italien M 262, Schweiz M 229, Australien M 204, Bulgarien M 192 und Schweden M 84. Die Einkünfte des NF im I. Halbjahr 1915 haben nunmehr die Höhe von M 211.840 (I. Halbjahr 1914: M 366.958) erreicht; gewiß ein befriedigendes Ergebnis angesichts der durch den Weltkrieg entstandenen Schwierigkeiten. Es ist begreiflich, daß die NF-Eingänge. in den unmittelbar vom Kriege berührten Ländern eine Einbuße erlitten haben. Es ist aber bezeichnend, daß fast nirgends die Sammelarbeit unterbrochen wurde. In den Vereinigten Staaten ist ein erfreulicher Zuwachs von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahre festzustellcn. Aut die einzelnen Landessammelstellen des Nationalfonds verteilen sich die Halbjahreseingänge folgendermaßen: Nordamerika M 112.152, Deutschland M 24.014, Oesterreich M 19.S13, Rußland M 17.971,. Rumänien M 854S, Canada M 7742, Holland M 6773, England M 5302, Argentinien M 1759, Griechenland M 1747, Italien M 1509, Schweiz M 1382, Frankreich inkl. Tunis M 673, Australien M 466, Südslavische Länder M 429, Bulgarien M 404, Schweden M 375, Dänemark M 343, Ostasien M 224 und Aegypten M 214. Seit Beginn dieses Jahres sind die Einnahmen des Nationalfonds von Monat zu Monat gewachsen. Sie beziffern sich im Jänner auf M 20.094, Feber 22.406, März M 30.223, April M 41.647, Mai M 42.262 und schließlich im Juni auf M 55.208. Der Erfolg der NF-Sammlungen in Amerika ist nicht in letzter Linie das Resultat der dort veranstalteten Blumentage und Flaggentage. Aber auch in allen anderen Ländern wird unermüdlich für den NF gearbeitet. Feldzug st eiln eh - mer von allen Fronten schicken regelmäßig Spenden ein und es ist wert, verzeichnet zu werden, daß sogar die aufs schwerste heimgesuchte jüdische Bevölkerung im russischen Operationsgebiet bislang nicht aufgehört hat, zum NF 'bei zusteuern. Die ununterbrochene Sammeltätigkeit für den Nationalfonds hat es ihm ermöglicht, .für die Erhaltung seiner Wirtschaften zu sorgen und auch Notstandsarbeiten (Häuser- und Wegbauten) zu unternehmen. Von welcher Bedeutung die landwirtschaftlichen Betriebe des Nationalfonds schon jetzt für die Lebensmittel-Versorgung Palästinas sind, ergibt sich aus folgenden Tatsachen. Bei Beginn der Wirtschaftskrise verfügten die genossenschaftlichen NF-Betriebe Dagania, Hattin, Kinereth und Mesra über insgesamt 556.S65 kg Weizen. Für die Versorgung der Städte und einiger Pflanzungskolonien wurden 364.200 kg benutzt, während der Rest von 192.665 kg für die Verproviantierung der Farmen selbst und die Unterhaltung der bei den Notstandsärbeiten beschäftigten Arbeiter verwendet wurde. Es erhielten zu Sehr mäßigen Preisen: Jaffa 122.100 kg, Jerusalem 162.600 kg, Haifa 17.500 kg, die Kolonien Judäas 57.000 kg und die Kolonien Galiläas 5(XL kg. Auch in diesem Jahre werden die Getreide-Vorräte, die j'etzt eingebracht werden, zur Versorgung der jüdischen Bevölkerung in den Städten und Kolonien dienen. Außerdem wurde aui den Ländereien des Nationalfonds der Anbau von Gemüse planmäßig gefördert, während die Farm fBenschemen und die Genossenschaft Merchawjah die benachbarte jüdische Stadtbevöikerung mit Milch versorgten. Es ist zu erwarten, daß es dem Nationalfonds durch steigende Spendeneingänge ermöglicht werden wird, auch fernerhin für die Steigerung der Eigenproduktion und die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten in Palästina vorzusorgen. _ Max Sza&olEsi gestorben. ln Budapest ist Max S z a b o 1 c s i, Redak- Iteur des „Zgvenlöseg“, gestorben. Der Verstorbene war auf jüdisch-journalistischem Gebiete seit 30 Jahren tätig. Als Redakteur des „Egyenlöseg“ hat Szabolesi gegen den Zionismus ständig eine scharfe Kampagne geführt, wobei er stets bestrebt war, das ungarische Judentum von allen jüdischen Strömungen, die aus dem Auslande kamen, femzuhalten, was ihm, als Alleinherrscher auf dem Gebiete des jüdischen Zeitungswesens in Ungarn, lange Jahre hindurch auCh tatsächlich gelang. Aus Feindschaft gegen den Zionismus hat er die ITO-BeWegung in Ungarn ins Leben gerufen, die dann infolge der bekannten Haltung Zangwills bei Kriegsausbruch umsomehr im Sande Verlaufen ist, als es ihr an jedweden inneren Halt gebrach. Sein publi- 1 zistisches Ideal war der „Magyar mosaischer Konfession“ und diesem Traumbild war rfein ganzes Schaffan gewidmet. —

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