Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 9 (1915)
- Issue
- 28 (16.7.1915)
- Date
- 1915-07-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Bewußte Irreführung. Für die Art, wie führende polnische Kreise alles für ihre Interessen auszuschlachten suchen, ist eine Notiz in der Wochenschrift „Polen“, dem Organ des polnischen Nationalkomitees in Oesterreich, sehr charakteristisch. Unter dem Stichwort „Protest der Warschauer Zionisten gegen die Litwaken“ wird in der Nr. 27 der Zeitschrift lüber die in letzter Zeit hervorgetretenen Gegensätze und Mißhelligkeiten zwischen gewissen Petersburger jüdischen Kreisen und den führenden zionistischen Kreisen Warschaus berichtet. Diese Gegensätze betreffen eine rein innerjüdische Angelegenheit — die Propagierung oder Bekämpfung des „Jidischismus« — und haben mit der polnischen Litwaki-Theorie und sonstigen polnischen Interessen nichts zu tun. In der erwähnten Notiz wird aber die Sache dem (unbefangenen Leser so hingestellt, als wären die vielgeschmähten „Litwaki“ endlich auch ihren zionistisphen Gesinnungsgenossen in Polen unerträglich geworden. Die Absicht ist klar. beste Nahrung für Säuglinge, Minder. Rekonvaleszente nach Magen-u. Darmerkrankungen o Jederzeit erhältlich. I Probedose und lehrreiche ärztliche Broschüre über Kinderpflege gratis durch die Nestle’s Kindermehl-Gesellschaft, Wien, I. Biberstrasse 1. Hntissmifisibe Zeitungen in Rußland. In Russisch-Polen (in den von den verbündeten Armeen nicht besetzten Gebieten) erscheinen folgende antisemitische Organe: Tageszeitungen: „Gazeta Warszawska“ (Dmowski’s), „Dwa Grosze“, „KurjerWarszawski“, „Kurjer Poranny“, „Dziennik Pow szechnv“, „Polak Katolik“, „Prawda“ (Swientochowski’s), „Siewa“. Illustrierte Zeitschriften und Wochenblätter:„Swiat“, „Tygodnik Illustrowany“ (enthielt SwientoChowski’s antisemitische Aufsätze), „Humanista Polski“, „Mysi Niepodlegla“ (Niemojewshi’s). Kinderb! iitt er: „Przyjaciei Dzieci“, „Wies i Dwov“. Ferner sämtliche Provinzzeitungen. Russengreuel gegen Juden. Ein im Felde stehender Gesinnungsgenosse schreibt uns: „Ich bin in einem kleinen galizischen Juaenstädtchen, wo die Russen bis vor wenigen Tagen etwa 'drei Wochen lang weilten. Es ist grauenhaft, wie sie diesmal gegen die Juden gehaust, als ob es noCh einer Steigerung bedurft hätte. Sie haben bei ihrem Rückzug in drei solchen Städten sämtliche Judenhäuser niedergebrannt. Buchstäblich. Am Eingänge des Ortes einige Villen und öffentliche Gebäude, dann plötzlich eine Wüste, Brandruinen, die Länge der Hauptstraße, sämtliche Querstraßen, eine Brandruine mit stehen gebliebenem Kamin neben der anderen. Dazwischen plötzlich ein einzelnes, ganz unberührtes Haus, unberührt — polnisch. Am Ortsrande schließt ebenfalls ganz unversehrt dann das Bauemviertel an. Wer weiß, wieviel nichtjüdische Häuser in den galizischen Landstädten sind, kann sich ein Bild machen, von der systematisch und kaltblütig nur gegen die Juden gerichteten Verwüstung. Das ist das Bild nicht einer, sondern einer Reihe von Städten. In den Dörfern und dort in den Städten, wo sie die Judenhäuser nicht niedergebrannt, haben sie allen jüdischen Besitz ausgeraubt und die Häuser verwüstet. Ich konnte mich selbst davon überzeugen, nicht der geringste Gebrauchsgegenstana blieb zurück. Vieles findet sich unter den Bauern, da es aber jüdischer Besitz ist, ist der Eifer beim Zurückerstatten nicht übermäßig. Es hat sich in diesem Lande nichts geändert, nur die Leiden der Juden, auf die es von mehreren Seiten geht, haben Sich noch ins Unermeßliche gesteigert. Das Traurigste aber ist, dieses Unglück vergrößert nur die ohnehin schon abnormale Fähigkeit der Juden, Leiden zu ertrr.gen, sich unter ihnen zu beugen und zu bücken. Ich wollte, es würde das Schicksal. Stolz unu Trotz und Willen in ihnen wecken, nicht ihre Anpassungsfähigkeit, ihre Biegsamkeit noch vergrößern. Das ist das Moment, das mich besorgt macht: Die psychische Zermürbung der jüdischen Volksmassen im Osten. Zionisten im Beide. Kadettaspirant Max Schlamm, A. B. der jüd.-akad. Verbindung „Kadimah“ im K. Z. V., wurde infolge hervorragend tapferen Verhaltens mit der silbernen Tapfe rk eit smedail- 1 e 2. Klasse ausgezeichnet. Dr. Fritz Freuhd, Ausschußmitglied des Jüdischen Volksvereins in Saaz, wurde zum Oberleutnant und Kompagniekommandanten ernannt und mit dem Signum laudis ausgezeichnet. Assistenzarzt Dr. Gustav F a n 11, der Gründer der poale-zionistischen Gruppe in Prag, wurde wegen tapferen Verhaltens vor dem Feinde mit dem Signum laudis ausgezeichnet. Dr. Theodor Z I o c i s t i, der bekannte jungjüdische Dichter, erhielt das Eiserne Kreuz. Rechtsanwalt Dr. Ernst G o i t e i n aus Mannheim, einer der hervorragendsten Männer der reicbsdeutschen Zionisten, ist gefallen. Am 10. Zionistenkongreß gehörte er der westösterreichischen Delegation an. Ingen. Edmund Bernhard und Ingen. Jeremias B a 11 i n e s t e r, A. H. der jüd.-akad. Verbindung „Kadimah“ wurden mit der bronzenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Welche begeisterte Aufnahme die Aktion für die „K r i e g s 1 a n d s p e n d e“ bei unseren Braven im Felde gefunden hat, möge — ein Beispiel für viele — die Wiedergabe folgender Feldposfkarte dartun. 2S. Mai 1915 — 15. Sivan 5675. Sehr geehrte Herren Gg.l Heute erhielt ich von dem Verein „Keren Kajemeth Lejisroel“ herausgegebenen Sammelbogen, für dessen Zusendung ich herzlichst danke. — Welcher denkende Jude darf Herz und Hand dieser heiligen Sache entziehen? Insbesondere hoffe ich, daß jeder jüdische Soldat, der im Felde steht und täglich, ja stündlich mit eigenen Augen sieht, wie viel eigenes Blut in Strömen fließen und feindliches vergossen werden muß, um eine Spanne Bodens den Pogromhelden des Zaren zu entreißen, es als seine heiligste Pflicht ansehen wird, durch eine Geldspende wenigstens einen Dunam palästinensischen Bodens seinem Volke zu erwerben. — Ist doch eine Geldspende das kleinste Opfer, das das nationale Judentum von seiner. im Felde stehenden Söhnen fordert. — Spenden wir freudigen Herzens, damit wir zeigen, wie teuer jedem jüdischen Soldatenherzen jeder Dunam Erez Israels ist! — Ich spende vorläufig 50 Kronen 1 Dunam.*) BevvirChath Zion wehathechijah, Arjeh Neuberger, Kadett, dzt. im Felde. *) Inzwischen sind — wie aus den Ausweisen ersichtlich — vom Schreiber dieser Zeilen noch weitere namhafte Spenden eingelaufen. Kleine Nadiriditen. Die Nachricht von dem Tode unseres Gesinnur gsgenossen Dr. Josef Chasanowitz, Gründer der Jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem, die durch die gesamte jüdische Presse ging, wird jetzt als unrichtig dementiert. Dr. Chasanowitz lebt und wird hoffentlich weiter wirken zu Nutz und Frommen der jüdischen Kultur in Erez Israel! * Wie aus Przemysl berichtet wird, ist der dortige Rabbiner Gg. Gedaljah Schmelkes, der allen Kriegsnöten trotzend bis zuletzt auf seinem Posten ausharrte, kurz vor der Räumung der Festung durch die Russen nach Lemberg verbannt wurde, nunmehr aus der befreiten Hauptstadt in seine Gemeinde zurückgekehrt. Er wurde von seiner Gemeinde mit allen Ehren und voller Begeisterung empfangen.' * Die Londoner „Jewish Chronicle“ stellt fest, daß die „Times“ planmäßig daran arbeitet, in England eine antisemitische Bewegung hervorzurufen. Die Folgen hatten sich bereits bei den deutschfeindlichen Kundgebungen in Liverpool gezeigt, deren Opfer meist die dortigen — russischen Juden waren. « Ben Jehuda aus Jerusalem, der geniale Verfasser des großen hebräischen Wörterbuchs, in Berlin erschienen sind, wird in Newyork ervon dem bereits sechs Bände bei Langenscheidt wartet. Schekelabrechnung. Unsere Gg., die Schekelblocks entgegennehmen, werden ersucht, die Schekelgelder an unser Büro, Wien II., Zirkusgasse 33, abzuführen. Pcrsonalnadirii&len. Dr. Joset Berger, A. B. der jüd.akad. Verbindung „Makkabäa“, derzeit Kriegsfreiwilliger der k. u. k. reitenden Artilleriedivision 2, wurde am 10. d. M. an der k. k. Universität zu Wien zum Doktor beider Rechte promoviert. Die Mitglieder der „Theologia“, die Herren stud. phil. A. J. Mark, J. Obermann und N. Seidmann werden am 17. d. M. zu Doktoren der Philosophie promoviert. Cand. phil. Hermann Brief erlaubt sich allen Gesinnungsgenossen mitzuteilen, daß seine Promotion zum Doktor der Philosophie Samstag, den 17. Juli 1915 um halb 11 Uhr vormittags stattfindet. Am 12. Juli d. M. starb in Wien Herr Rubin Buchstab aus Lemberg. Um den Verstorbenen trauern zwei Söhne, unsere Gesinnungsgenossen und A. H. A. H. der „Emunah“ (Lemberg) Advokat Dr. Salomon Buchstab in Lemberg und Dr. med. Arnold Buchstab derzeit im Felde. UereinsnadiFiditen. Wien. (Neue Unterrichtskurse des Jüdischen Handlungsgebilfen-Verbandes.) Wie im Vorjahre veranstaltet auch heuer die Ortsgruppe Wien des J. H.-V. Abendkurse in hebräischer Sprache, sowie in Buchhaltung, Stenographie, Handelskorrespondenz und Kaufmännisches Rechnen (für Anfänger und Vorgeschrittene). An den Kursen können männliche und weibliche Angestellte (auch Flüchtlinge) teilnehmen. Regiebeitrag K 1.— monatlich. Einschrreibungen werden an Wochentagen von 8—9 Uhr abends in der Verbandskanzlei, 2. Bezirk, Obere Donaustraße 65, entgegengenommen. Der Erste Wiener Jüdische Turnverein (Kreis Westösterreich) gibt geziemend Nachricht von dem Hinscheiden seines gewesenen Vorstands- und langjährigen Vereinsmitgliedes Herrn Dr. Erwin Haas Beamter der Riunione Adriatica di Sicurta, welcher am 8. Juli nach kurzem schweren Leiden dahingeschieden ist. Seine Bestattung erfolgte am II. Juli 1915. Die Jüdische Turnerschaft wird dem Verblichenen stets eia ehrendes Andenken bewahren. Cafe „Marienbrücke“ 1., Rotenturmstraße 31. RENDEZVOUS DER ZIONISTEN. Cafe Jägerhof (Weiss) IX., Porzellangasse 22. Vornehmes Familien - Cafe modernst eingerichtet gut ventilierte Spielsäle. Zentral-Lokal der Zion. Ferialverbindungen. Sämtliche in- und ausländischen Zeitungen sowie alle Zion. Blätter liegen auf. ■■■■■■IIS■■■■■■■■■lllll ■ 1V3 [RESTAURATION ■ „zur pumäniitfien Küdie“ ■ Ch. Weiß orm. Korn ■ Wien, II., Hamraerpurgstallg. 3. 5 Anerkannt vorzügliche polnische u. rumänische Küche. ■■■■■&■■■■■■■■■■■■■■■■■ ...ausg. u. vc.untw. Redakteur: Alexander Geller. — Druck von Jos. Seywald, G. m. b. H. (verantw. O. Schneeweiß), II., Taborstraße 52b.