Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1915-07-02 · 26 (2.7.1915) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
9 (1915)
Issue
26 (2.7.1915)
Date
1915-07-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2438141-2438521-2438547--4481-2444350
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 26 Rhapsodie.*) Von Dr. Hugo Zuckermann. Noch können wir uns des Tages nicht freuen, Noch ist 'zu frisch Dein Grab, das wir mit scheuen Schritten besuchen, als wärest Du eben entschlafen. — Noch steht ein marmorkalter Stein vor dem lockenden Hafen und muß in den lenzjungen Sonnenschein tiefernste Schatten gespensterhaft streuen. — Nicht dem heute Geborenen, Nein, dem gestern Verlorenen, gilt unser treues Gedenken. — . Noch können wir dem Leben nicht danken für sein fürstlich verschwenderisch Schenken, das dich uns gab. All unser Sehnen, all unsere Gedanken, klammern sich wie Epheuranken an’s frühe Grab. _____ _ _ _ii _ _ _ _ _ _ Aber einst wird’s ein großer Festtag sein, dann flammen die Berge im Feuerschein und alle Täler hallen von Liedern und buschumlaubte Gipfel erwidern den frohen Sang, dann bist du wieder . geboren! . *) Dieses Gedicht schrieb Zuckermann anläßlich Herzls fünfzigsten Geburtstage. Mit gütiger Erlaubnis des Verlegers R. Löwit aus den demnächst erscheinenden nachgelassenen Werken Hugo Zuckermanns. lieber Oie törlrisdien Inden und die Zukunft Palästinas. Eine der ausgezeichnetsten und maßgebendsten Persönlichkeiten der Türkei Prinz F u a d, Flügeladjutant des Sultans, — der in Aegypten eine hohe Stellung bekleidete, bevor noch die Feindseligkeiten gegen England begonnen, dann aber .Kairo verließ und nach Stambul ging, um seine Dienste dem Khalifen anzubieten, — hat bei seiner Durchfahrt .nach. Berlin und dem deutschen Hauptkriegsquartier in Budapest einem- Berichterstatter. des „Egyenlöseg“ gegenüber sehr interessante und hochwichtige Aeußerungen über die türkischen Juden und die Zukunft Palästinas getan. Wir entnehmen hiervon das Folgende: „Das türkische Reich“ — so sagte Prinz Fuad — „anerkennt mit Dankbarkeit die Dienste, die im die Juden erwiesen. Jetzt, da die Dardanellen bestürmt werden und das türkische Reich mit der größten Kraftanwendung für seine Interessen kämpft, haben die Juden wieder gezeigt, zu welcher Kraftanstrengung sie fähig sind. Sie zogen mit der größten Begeisterung in den Krieg und gehören zu unseren mutigsten Soldaten. Jene vielerwähnte jüdische Legion arbeitet jetzt an der Dardanellenfront, und ich kann sagen, daß jedermann von ihren Leistungen entzückt ist. Ihr Kommandant, Seid Halim Bey, ein türkischer Jude, istim Rang eines Obersten und hat vor einigen Tagen eine Auszeichnung erhalten. In die übrigen Heerkörper sind natürlich die Juden wahllos zugeteilt und tun freudigst ihre Pflicht auf dem Schladitfelde. Auf diese Weise kann in unseren Heeren auch nicht eine Spur von Antisemitismus entdeckt werden. Die Juden sind gute Kameraden der türkischen Soldaten, und so macht auch die Heeresleitung bezüglich der jüdischen "-Helden keine Ausnahme und diese avancieren ebenso wie die Anhänger aller übrigen Konfessionen oder Nationalitäten. Wir haben auch schon einige jüdische Stabsoffiziere. Jene Juden, die keine Soldaten sind, bestreben sich ebenfalls mit Aufopferung, auf dem Gebiete der Wohltätigkeit und anderer Angelegenheiten sich auszuzeichnen. S. M. der Sultan war von diesem edlen.Streben derart ergriffen, daß er eine vom Ohacham Bas'chi geführte Deputation der Juden empfing und ihr im Namen der türkischen Nation , seinen Dank aussprach. Die damit , verbundenem Feierlichkeiten übten auf uns alle die größte und tiefste Wirkung. Ich kenne genügenddie jüdischen Bestrebungen und im allgemeinen kennt sie jedermann in der Türkei. An dem Patriotismus der Juden zweifelt niemand und aus diesem Gesichtspunkte beobachten auch wir ihre' Bestrebungen. Bezüglich Palästinas — das muß zugestanden werden — war zu einer Zeit keine vollständige Uebereinstimmung und infolge des Verhaltens gewisser arabischer Kreise konnte die Tendenz unserer Regierung nicht fest sein. Jetzt liegt im Ministerium des Innern ein Memorandum bezüglich Palästina vor, das gewisse jüdische Kreise ihm unterbreiten. Auch ich erhielt ein. Exemplar davon, damit ich es studiere.; Es wäre noch verfrüht, hierüber in längere Auseinandersetzung sich einzulassen, denn eine Entscheidung ist noch in keiner Richtung erfolgt. Wir werden zweifelsohne Wohlwollen zeigen; dies kann die jüdische öffentliche Meinung beruhigen. Die türkische Regierung sieht die unerhörten Leiden der russischen Juden mit ebensolchem Entsetzen wie selbst Oesterreich-Ungarn; und die Türkei, die stets die klassische Heimat des verständnisvollen Liberalismus war, wird auch jetzt gerne Hilfe dazu bieten, damit den unter der schrecklichen Tyrannei seufzenden .Unterdrückten geholfen Werde. Die diesbezüglichen Methoden können abyveichencr sein, daß aber mit dem Endziel jeder im Reinen ist, is't wohl eine natürliche Sache. Auch ich habe vom palästinensischen Elend gehört. Ich selbst war jetzt nicht dort, aber ich kenne die Verhältnisse und weiß, daß die größte Opferbereitschaft nötig ist. Auch unsere Regierung wird die Sache in die Hand nehmen und wirti nach Möglichkeit handeln. Ich glaube, daß man mit Energie helfen kann und das ist jetzt unser Hauptbestreben. Die Hilfe der ausländischen Juden wird von Komitees besorgt und zwar gut und mit Energie. Die türkischen Juden können auf ihre Zukunft vertrauen. Ihr Vertrauen, ihre Ausdauer und ihre Heldenhaftigkeit werden Fruchte zeitigen.“ Die luden in RussisA-Folen. Die Bestimmungen der neuen polnischen Städteordnung sind in der Tat erstaunlich. In den Städten, wo die Juden die Mehrheit der Bevölkerung bilden — es gibt deren in Polen eine ganze Anzahl — dürfen sie höchstens ein Fünftel der Stadtverordneten wählen, in den übrigen Städten, in denen die nur ganz ausnahmsweise weniger als ein Drittel der Bevölkerung bilden, darf ihre Vertretung höchstens den zehnten Teil der Stadtverordneten umfassen. Von den Stellungen der ausführenden Beamten der Selbstverwaltung (Bürgermeister, Magistrat usw.) sind die Juden ganz ausgeschlossen. Ein Beispiel gibt die von einem russischen Blatt mitgeteilte Wählerliste von Warschau. Danach sind in de*- Wählerkategorie der Hausbesitzer 3322 Polen, 2040 Juden und 321 Russen wahlberechtigt, in der Kategorie. der Industriellen und Kaufleute 1986 Polen, 3783 Juden und 640 Russen. In der Kategorie der Wohnungsmieter. -4825 Polen, 315<i Juden und 1091 Russen. Die Stadtverordnetenversammlung von Warschau soll aus 160 Mitgliedern bestehen, von denen die Russen 25, die Polen 119 und die Juden 16 Mitglieder wählen. Durch diese gesetzlichen Maßnahmen wird der (Kampf 'der 'polnischen (Bourgeoisie (gegen die Juden, der bisher mit den Mitteln des Boykotts und der Aufreizung zu Pogromen betrieben wurde, sozusagen auf eine gesetzliche Grundlage gestellt. Uebrigens richten sich die russischen Gesetze fast noch rücksichtsloser auch gegen die Litauer; in den acht überwiegend lp tauischen Städten des Gouvernements Suwalki dürfen alle Verhandlungen der städtischen Behörden . nur in russischer Sprache geführt werden. HnlOigüngsfeiegramme Oer Zionist. Parteileitung Oesterreidis anlählidi der Befreiung Hembergs. Unmittelbar nach dem Eintreffen der Nachricht von der Einnahme Lembergs richtete das Präsidium der zionistischen Partei Oesterreichs folgendes Telegramm an den Kaiser: „Sr. kaiserlichen und königlichen Apostolischen Majestät, Schönbrunn. In jubelnder Freude über den ununterbrochenen Siegeszug . unsrer glorreichen Armee, der durch die Befreiung der Landeshauptstadt Galiziens seine herrliche Krönung gefunden hat, erlaubt sich die zionistische Partei Oesterreichs, den Gefühlen ihrer traditionellen, kaisertreuen und patriotischen Gesinnung ehrfurchtvollsten Ausdruck zu verleihen. Möge es Eurer Majestät beschieden sfein, die unter dem gerechten Zepter Habsburgsvereinten Völker nach herrlichem Triumph über alle Feinde Oesterreichs lange Jahre ruhmvollsten Friedens zu beglücken. Dr. Karl P o 11 a k, Präsident des Exekutivkomitees der zionistischen Partei Oesterreichs, Adolf Stand, Vizepräsident“ An Feldmarschall Erzherzog. Friedrich ging' folgendes Telegramm ab: . ’ . „Seiner, kaiserlichen und königlichen Hoheit dem durchlauchtigsten Herrn FeldmarSchall Erzherzog Friedrich; Hauptquartier.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.