Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 9 (1915)
- Issue
- 19 (14.5.1915)
- Date
- 1915-05-14
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 19 Die Orangenplantagen in Palästina. Von der wirtschaftlichen Krisis in Palästina sind auch die Orangenplantagen bedroht, deren Wert auf mehr als 30 Millionen Francs veran - schlagt wird. Die von zionistischer Seite erfolgten Bemühungen zu ihrer Rettung haben ein erfreuliches Resultat gezeitigt. Der zur Erhaltung der Pflanzungen notwendige Betrag wird den Besitzern in Form einer Anleihe zur Verfügung gestellt werden. Die Zionistische Organisation hat sich durch ihre Finanzinstitute mit einem Betrage von 250.000 Francs an ihr beteiligt; der bekante jüdische Philanthrop, Herr Jacob H. Schiff in Newyork, hat 20.000 Liver Sterling für diesen Kredit gezeichnet. Deuiabe und jüöisdie Orients interessen. Im neuesten Hefte der Sozialistischen Monatshefte bespricht Ludwig Quessel das aktuelle Thema „Deutsche und jüdische Orientinteressen“: „Eine eigenartige Verkettung historischer Ereignisse“, heißt es in der Einleitung, „hat also die Zentralmächte zwar nicht zum Verbündeten des Judentums schlechthin, wohl aber zum Budesgenossen der nationalgesinnten Judenheit gemacht, die bestrebt ist, aus Palästina ein Zentrum nationaljüdischer Kultur zu schaffen. Diese durch die Teilnahme der Türkei am Weltkrieg entstandene Bundesgenossenschaft zwischen Deutschtum und nationalgesinnter Judenheit wäre freilich von geringer Bedeutung, wenn sie rein äußerlich und damit vergänglicher Natur 'wäre. Im folgenden soll jedoch gezeigt Werden, daß in ihr dauerhafte Faktoren enthalten sind, die sie zu einem geschichtlichen Ereignis stempeln, dessen Tragweite in Deutschland nicht unterschätzt werden sollte, und das der aufmerksamsten Beachtung aller Politiker wert ist.“ Und ferner: ,JDie politische Idee des Zionismus besteht nun darin, daß er das Aufgehen des Judentums im Kulturleben der anderen Völker als verhängnisvoll ansieht Nach der zionistischen Anschauung kann es für die Juden ein würdiges Leben nur geben, wenn sie als Juden wieder zu eigener nationaler Leistung gelangen. Dieser Wille zu nationaler Entwicklung wird im Zionismus zur schöpferischen .Tat: ln Einklang mit den religiösen Hoffnungen des alten Judentums stellt er sich die Aufgabe, Palästina mit Juden zu besiedeln und damit der Judenheit der ganzen Welt einen allgemein anerkannten nationalen Mittelpunkt zu geben. Im vorigen Jahr habe ich in dieser Zeitschrift bereits zum Abdruck gebracht, daß diejenigen, die wirklich international fühlen, das heißt, die ,anerkennen, daß die verschiedenen Nationen berufen sind, durch eigenartige Leistungen ihrer spezifisch' nationalen Begabung die allgemeine Kultur der fortzuentwickeln, das zionistische Streben gutheißen müssen..“ An der Hand einer soeben neu erschienenen Publikation von Davis Trietsch „Juden und Deutsche, eine Sprach- und Interessengemein - schaft“ erörtert Quessel diese Sprachgemeinschaft, die in gewissem Sinne eine Interessengemeinschaft zwischen Deutschtum und Judentum bedeute. Für die aktuellen Probleme bedeutsam erscheint Quessel aber vor allem, daß ein Interesse des Zionismus für die Erhaltung der Türkei vorhanden ist. „Wie die palästinensische Judenheit selbst^ so sind auch die Zionisten der Alten und Neuen Welt überzeugt, daß der türkische Staat trotz seiner Mängel der geeignetste Rahmen für die Erreichung des zionistischen Zieles darstellt und somit die Erhaltung der Türkei direkt im zionistischen Interesse liegt.“ Die Zentralmächte und die zionistischen Organisationen scheinen dem in den kolonialpolitischen Fragen gut orientierten Autor nicht nur an der Erhaltung, sondern auch an der wirtschaftlichen Kräftigung des türkisdien Staatswesens in hohem Grade interessiert. Zionisten im Pelle. Der langjährige, brave linke Half M e h 1 e r starb an einer Erkrankung im Felde. Die Hakoah trug aus diesem Anlasse im letzten Spiel gegen Herta Trauerflor. Gg. Dr. Hugo S t ö ß 1 e r, Regimentsarzt des Lw.-Inf.4Reg. Nr. 30, A. H. der jüd.-akad. Fe-, rialverbindung „Achiwah“ (Ung. Hradisch) hat das goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille erhalten. A. H. der „Achiwah“ Fähnrich Hugo Brief, F.-A.-R. Nr. 1, erhielt die silberne Tapferkeitsm.edaille 2. Klasse. Sport. Hakoali:Herta 1:1. ln einem schönem fairen Wettkampf standen sich die beiden obigen Gegner gegenüber. Man kann es der Klubleitung der Hakoah nicht hoch genug anrechnen, daß es ihr trotz der zahlreichen Abgänge doch gelungen ist, eine so spielstarke Mannschaft herauszubringen und den Sportbetrieb in den Hauptsektionen aufrecht zu erhalten. . Der Allgemeineindruck unserer Mannschaft war ein recht guter. Besonders erfreulich war der Spieleifer jedes Einzelnen. Der beste Teil der Mannschaft war die Verteidigung, die heute sicherlich in Wien keine Konkurrenz hat. Halpem war sehr sicher, Scheuer glänzend disponiert und Hirschfeld trotz einer schmerzhaften Verletzung mit Eifer bei der Sache. Die Halfreihe, das Schmerzenskind der Hakoah hielt sich ganz brav. In der Stürmerreihe war Shrop nicht nur der Eifrigste sondern auch der Beste. Der Halbrechte Schwarz ist ein äußerst talentierter Spieler, der leider nur etwas komod ist. Eridi Juhn war wegen seiner Verletzung nicht zu seiner Höchstform aufgelaufen, bedeutete aber eine ständige Gefahr für das gegnerische Tor. Nur sollte er noch weniger egoistisch (spielen. Egon und Kurt Juhn am linken Flügel berechtigen zu den schönsten Hoffnungen. Vereinsnariiriditen. Der Wiener Zionistische Mädchenverein „Moriah“ leitet eine Aktion ein zugunsten der jüdischen Kriegs verwundeten, die sich in Wiener Krankenanstalten befinden. Die kranken jüdischen Soldaten sollen an bestimmten Tagen besucht und mit kleinen Aufmerksamkeiten, wie Zeitungen, Zigaretten, Büchern, kleinen Erfrischungen bedacht werden. Der Mädchenverein „Moriah“ appelliert an die jüdische Oeffentlichkeit Wiens und bittet um kleine Geld- oder Sachspenden für unsere jüdischen Verwundeten. Spenden sind zu richten an Fräulein Frieda Orender, per Adr. Zionistisches Zentralbüro, Wien, II. Zirkusgasse Nr. 33, 1. Stock. Gaya. Am 5. d. M. fand hier anläßlich des letzten Sieges der verbündeten Armeen eine von jüdischen Flüchtlingen aus Galizien und der Bukowina veranstaltete patriotische Kundgebung statt. Unter Vorantragung österreichischer und jüdischer Fahnen zogen ca. 3000 Personen vor das Gebäude der k. k. Bezirkshauptmannschaft, wo eine Deputation unter Führung des Herrn Josef L ö b 1, dem um die Flüchtlingsfürsorge sehr verdienten Herrn k. k. Amtsleiter Alois Fendrych den Dank der Flüchtlinge aussprach und wo nach einer feierlichen Ansprache des Herrn Leopold Pollak die Volkshymne gesungen wurde. Von dort ging der Zug zur Wohnung des Bürgermeisters der israelitischen Gemeinde und Obmannes des Flüchtlings - Hilfskomitees Herrn Leop. Klein, dem ebenfalls der Dank der Flüchtlinge ausgesprochen wurde. Mit einem Festgottesdienste im Tempel der jsr. Kultusgemeinde, bei dem Herr Kantor Steiner die rituellen Gebete vortrug und die Herren Juda T e i v e 1, Ernst Hayek und Leopold Pollak Ansprachen hielten, schloß die erhebende Feier. Hrmenambulatorium des Zionistisch. Zenfraltiomifees. III. Tätigkeitsbericht. In der Berichtszeit vom 1. März bis 30. April 1915 wurden behandelt in der Ambulanz für: Augenkranke 1223, Brillenbestimmungen 36, Chirurgie 1058, Frauenkrankheiten 225, Haut- und Geschlechtskranke 842, 1. Interne 537, 2. Interne 616, 3. Interne 668, Kinder 701, Nasen und Kehlkopf 832, Nerven 122, Ohren 657, Orthopädie 331, Sprachstörungen 7, Zahnheilkunde und Zahnersatz 726, zusammen 8581 Patienten; seit dem Bestände des Ambulatoriums 17.692 Patienten. Dieses glänzende Resultat konnte nur erreicht werden durch die außerordentliche Opferwilligkeit der an der Anstalt tätigen Aerzte, durch das Entgegenkommen des hohen k. k. Ministeriums des Innern und durch den Wohltätigkeitssinn weiter Bevölkerungskreise. Die Bedeutung des Ambulatoriums für die öffentliche Sanitätspflege erhellt nebst diesen Ziffern auch daraus deutlich, daß der Prozentsatz der Scabies (Hautkrätze)-Leidenden, der anfangs 80 Prozent der Hautkranken betrug, auf etwa 12 Prozent zurückgegangen ist. Sämtliche Patienten des Ambulatoriums wurden gemäß der Weisungen des Magistrats zur I m - pfung resp. Wiederimpfung verhalten. In den Ambulanzen für Innere, für Kinder und für Hautkranke wurde je ein Fall von Variola festgestellt, wasdie Eruierung und Unschädlichmachung bis dahin unbekannter Infektions-Herde ermöglichte. Der zahnärztlichen Ambulanz wurde anfangs März eine Zahntechnische Abteilung angegliedert. Die infolge Einberufung des Ordinarius geschlossene Ambulanz für Nervenkranke konnte nach seiner Rückkehr wieder eröffnet werden. Zenfralionüs. 3. Ausweis für das Jahr 1915. Innerösterreich: Wien: Dr. E. Lemberger 200.—, Dr. M. Rosenzweig 25.—, M. Marcus 20.—, Dr. B. Scliallinger 20.—, Ing. E. Stern 20.—, Ing. Czeczowiczka 100.— (50.— Schuhverk), Josef T’horn 15.—, Dr. A. -Friedmann 10.—, Gustav Jacob 6.—, Dr. M. Scherlag 1.—, B. Arditti (Schuhverk) 5.—, Staatsbahnrat Reiner 10.—, aus dem Felde: N.Hochstein 5.—, per Jüd. Nationalfonds-Sammelstelle 68.—, Alland: Dr. O. Herschdörfer 10.—, zusammen K 515.—, bereits ausgewiesen K 665.20. Gesamtsumme K 1170.20. Mähren-Schlesien: Troppau: per Jeschurun 152.—, Sig. Lord 5.—, zus. 157.—, bereits ausgew. 150.—, Gesamtsumme K 307.—. Böhmen: Zwickau: Dr. H. Löw 10.—, Humpoletz: Siegfr. Zajtschek 1.80, zus. 11.SO, bereits ausgew. K 414.40, Gesamtsumme K 426.20. Gesamteingang aus Westösterreich K 1903.40. Bukowina: Dr. Th. Weisseiberger (Monats-Rate) 3.—, Prof. H. Glaser (Monats-R.) 2.—■, Prot. A. Rim zurzeit im Felde 2.—, zus. K 7.—. Hilfsabtion des Zionistischen Zentral* bomitees für die Elüditlinge aus Galizien und der Bubowina. Für das Armenambulatorium des Zionistischen Zentralkomitees Wien, II. Taborstraße 20 a. I. L. 5.—, Emil Furcht, Pirnitz 3.—, Leopold Lourie und Frau als Kranzablösungsspende für weiland kais. Rat Jonas Weil 30.—, Franzi Reiniger (für Milch) 15.—, Emes, Wien 100.—, Theodor und Karl 2.—, Frau kais. Rat Else Heller 115.—, Frau Paula Asriel 50.—, Geburtstagsgeschenk R. F. 20.—, N. und R. L. 10.—, Robert Guttmann, Prag 1.20, Synagogenverein „Beth Israel“ aus der Spende des Herrn Hartenstein 25.—, Joachim Pfefferkorn 5.—, kais. Rat Adolf Edler von Neumann 100.—, Z. Wertheimer 20.—, Julius Weiss 10.—, Feigl und Widtrich 100.—, Felix Perger 40.—, Jaques Paschka 20.—, Brüder Wellesz 20.—, Emst Simon 20.—, Generaldirektor Kestranek 100.—, Präsident Davide Bolaffio, Görz 7.—, Ing. Ludwig Biel 2.—, Amalie Zuckerbäcker 10.—, Israelitische Kultusgemeinde Iglau 20.—, Edmund Beck, Humpoletz 50.—, Die Einj.-Freiw.iTeilnehmer an dem von der Israelitischen Kultusgemeinde Krems für die jüdische Mannschaft veranstalteten Sederabenden 32.—, von Frau Dr. Mehler anläßlich ihrer glücklichen Entbindung durch Dr. Salz 10.—, Johanna Fröhlich, Baden 10.—, S. Kellmann als Ausdruck des Dankes für seinen Kurator Herrn Dr. Ritter von Kahler 5.—, Frau Dr. Hedwig Wohl (für Milch) 20.—, Frau Aurelie Eissler als Kranzablösungsspende für weilend Frau Josephine Klein, Budapest K 100.—, Dr. Moritz Ludwig Weiss 10.—, Moritz Perles 5.—, Leopold Blum 200.—, Frau Dr. Max- Landau 20.—, Alfred Taussig 50.—, S. Trebitsch und Sohn 100.—, Hofrat S. Ritter von Hahn 500.—, Paul Gemgroh 20.—, Berta Hecht 5.—, Frau Irene Mandel 20.—, Gustav Fischl und Friedrich Engel 10.—, Dr. H, Wertheimer, Jamnitz 20.—, Emil Mayer 5.—, W. Demler 5.—, Frau Jenny Steiner 12.—, Leopold Schlesinger, Eger 50.—, Zahnarzt Dr. S. Werner und Frau, Iglau 10.—, Josef Eisenstädter 10.—, Alice Landau 20.—, Eduard Bondy und Familie als Kranzablösungsspende für weiland Frau Johanna Löbl 50.—, Exzellenz Ernesta Baronin Merkl als Teilergebnis einer zweiten Sammlung, die über ihre Anregung von ihrer Nichte Mrs. Charles Hurd in New-York veranstaltet wurde, 200.—, Hansi und Putzi an Papas Geburtstag 5.—, M. S., VII. Lindengasse 10, statt Blumen auf ein Grab 3.—, Berta Teller und Dr. Rudolf Teller, Prag 100.—, Samuel Taussig und Söhne 20.—, Dr. Sigfried Schick, Hof- und Gerichtsadvokat, II. Obere Donaustraße 45, als in seiner Kanzlei erlegten Sühnbetrag 50.—, Betti Sommer |20.—, Moritz und Helene Landau aus Anlaß des Todes ihres Sohnes Dr. Max Landau 50.—, Daniel Polacsek in Firma Pollacsek, Funk & Grünhut, I. Bez. Vorlaufstr. 5, 50.—, Dr. F. Ernst, Wien I. Bez. 5. —, Frau Elise Robitschek 5.—. _ Summe K 2.777.20 Hiezu früherer Erlös „ 24.769.05 Zusammen K 27.546.25 Spenden für die Ausspeisung. Max Mandel 20.—, Hermann Geiringer 20.—, Moritz Karpel 6.—, Sigfried Frankel 6.—, A. Weishut 10.—, S. E. Michelstädter 6.—, Robert Guttmann, Prag 1.20, Max Kohut 12.—, Herman Drill 20.—, David Geiringer' 6.—, Filip Braun 6. —, Max Frankel 6.—, Spenden für den Zeitungsfond. Dr. Karl Pollak aus Anlaß der Vermählung des Herrn Alexander Geller und Frau 25.—.